Das Urteil - Jeder ist käuflich (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 04/2010
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Erfahrungsbericht von Flavius
Nicht spannend
Pro:
fängt gut an
Kontra:
schwaches Ende
Empfehlung:
Nein
Er sitzt in seinem Büro. Seine Sekretärin bringt ihm ein Kinderlied bei. Er will es seinem 4jährigen Sohn am Abend zum Geburtstag vorsingen. Dann hört er die Schüsse. Er fühlt die Panik, hört die Schreie seiner Kollegen. Sofort verriegelt er die Tür, kauert sich hinter seinen Schreibtisch. Seine Sekretärin wählt den Notruf. Sie landet in der Warteschleife. Er lauscht, hält den Atem an. Draußen rührt sich nichts mehr. Totenstille. Er denkt an seine Frau Celeste. Sie wartet zu Hause mit dem Geburtstagskuchen. Hoffnung keimt in ihm auf. Plötzlich zersplittert die dünne Tür. Er sieht die Waffe. Dann ist er tot.
Zwei Jahre später:
Die Hintergründe des Amoklaufs in einer angesehenen Broker-Firma sind längst aufgeklärt: Ein wegen Erfolglosigkeit entlassener Ex-Mitarbeiter hatte sich auf dem Schwarzmarkt eine automatische Handfeuerwaffe besorgt, damit aus Frust unter seinen ehemaligen Kollegen ein Blutbad angerichtet und sich anschließend selbst erschossen.
Doch Celeste hat keine Ruhe gefunden. Sie hat einen Anwalt engagiert, der den Hersteller der Maschinenpistole, mit der ihr Mann getötet wurde, auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen wird.
Dieser Anwalt ist Wendell Rohr, gespielt von Dustin Hoffman. Rohr hat sich gut auf die Gerichtsverhandlung vorbereitet. Er hat einen wichtigen Belastungszeugen. Er hat Erfahrung im Umgang mit den Geschworenen. Er hat die Moral auf seiner Seite. Er kann den Prozess gewinnen.
Die Gegenseite hat sich ebenfalls einen erfahrenen Anwalt genommen. Er wird sich auf den 2. Verfassungszusatz berufen, der einer umfangreichen Verbreitung von Pistolen und Gewehren rechtlichen Schutz gewährt. Zusätzlich greift die Firma auf die Dienste eines so genannten Juryberaters zurück. Der ist der Beste in seiner Branche. Sein Name: Rankin Finch (Gene Hackmann). Seine Aufgabe: Eine für den Waffenhersteller vorteilhafte Zusammensetzung der Jury auf der Geschworenenbank. Seine Methoden: Illegal, aber sehr effektiv. Die Waffenindustrie ist für den Prozess also gut gerüstet. Und sie hat Geld. Viel Geld. Sie kann sich das Urteil kaufen.
Doch dann ist da noch Nick Easter, Geschworener Nummer 9, verkörpert von John Cusack.
Er ist clever, hat ein gewinnendes Wesen und das Talent, Menschen dazu zu bringen, dass sie unwillkürlich das machen, was er von ihnen will. Und so spielen plötzlich alle nach seinen Regeln....
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Grisham in dem es allerdings nicht um eine Präzendenzklage gegen Waffenproduzenten, sondern um millionenschwere Schadensersatzforderung gegen Firmen der Tabakindustrie ging.
Wie so oft bei John Grisham, hält der Film am Ende nicht das, was er am Anfang verspricht.
Zu Beginn gelingt es Regisseur Gary Fleder noch, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen: Die Charaktere werden eingeführt wie bei einem Aufmarsch der Gladiatoren, wohlig-spannende Vorfreude auf ein fintenreiches Duell David gegen Goliath stellt sich ein.
Aber danach plätschert der Film vor sich hin wie der Mississippi in seinem Delta um schließlich auf eingetretenen Pfaden in ein mattes, vorhersehbares Finale zu münden.
Die große Schwäche des Films liegt im Drehbuch. Es wechselt ständig die Perspektive und tanzt daher auf zu vielen Hochzeiten. Daher verpasst es ständig die Gelegenheit, inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Viele interessante Aspekte werden berührt und doch verliert sich alles in seichter Oberflächlichkeit.
Lernt man in der Romanvorlage eine Menge über die dunklen Seiten der Zigarettenindustrie, kommt die Waffenlobby im Film nur flüchtig vor. Natürlich gibt es die unvermeidbare Verschwörungsrunde auf schweren Ledersesseln und bei Kaminfeuer; man erfährt außerdem etwas über Maschinenpistolen aus „fingerabdruckresistentem Material“. Aber insgesamt werden die Waffenhersteller nicht ausreichend bedrohlich in Szene gesetzt.
Die perfiden Methoden des Jury-Beraters Finch faszinieren zwar zunächst („Der Staatsfeind Nr. 1“ lässt grüßen). Aber die glatte Fassade des Bösen bekommt allzu früh Risse, die der Spannung nicht dienlich sind. Ein Fehler hier, Unachtsamkeiten dort und schnell ist der Mythos des planbaren Juryurteils durch einen eiskalt kalkulierenden Bad Guy nicht mehr glaubwürdig.
Der Zuschauer vermisst außerdem Informationen über die genauen Regeln einer rechtsstaatlich geordneten Geschworenenauswahl und kann so das wahre Ausmaß der Illegalität in der Vorgehensweise des Rankin Finch und seiner Helfer nicht mit dem nötigen Gruselfaktor beurteilen.
Den Abläufen im Geschworenenzimmer wird zu wenig Raum gewidmet. Es gelingt zwar eine durchaus wirkungsvolle Charakterzeichnung von einem oder zwei der Jurymitglieder.
Leider wird (anders als im Buch) aber darauf verzichtet, zu zeigen, wie sich während des Prozesses Meinungen und Stimmungen der einzelnen Geschworenen immer wieder verändern. Weil die Juroren im Film insgesamt eine beliebige konturlose Masse bilden, kann Nicholas Easter mit seinen hobbypsychologischen Taschenspielertricks den Zuschauer folglich nicht wirkungsvoll beeindrucken. Gerade sein „Schlussplädoyer“ wirkt schwach und wenig überzeugend.
Der wichtigste Grund, weshalb die Geschichte insgesamt nicht besonders fesselt ist, dass es für die handelnden Figuren bei dem Prozess eigentlich nicht wirklich um ETWAS (sonst ja gern genommen: Leben oder Tod) geht.
Finch will ein Urteil zu Gunsten der Waffenfirma. Er hat bisher immer gewonnen, ein verlorener Prozess wäre seine erste Niederlage. Aber den Zuschauer lässt das kalt. Man kann nicht immer siegen, und Finch wirkt so, als hätte er ohnehin finanziell ausgesorgt.
Rohr hat seiner Mandantin gesagt: „Wir können gewinnen und wir werden gewinnen“. Auch will er gerne dass sich Waffengesetze ändern. Vielleicht stehen für ihn Renommee und Geld auf dem Spiel.
Aber er ist erfahren genug um zu wissen, dass jeder Prozess verloren werden kann. Schade für Celeste; aber -tja- das Leben geht weiter.
Nick Easters Motive werden im Film bis kurz vor Schluss verschleiert. Das steigert leider nicht die Spannung und ist außerdem fatal für die Suche des Zuschauers nach einer Identifikationsfigur, weil er nicht genau weiß ob und wofür er mit Nick mitfiebern soll.
Ärgerlich sind auch einige inhaltliche Ungereimtheiten (warum wird der Einbrecher in Nicks Apartment nicht rechtzeitig gewarnt??), eine überflüssige Verfolgungsjagd und die
Schleichwerbung („Das ist ein i-pod“).
Zu den Schauspielern: John Cusack ist unterfordert, Gene Hackmann fast altersmilde (kein gutes Zeugnis für den Bösewicht) und Rachel Weisz (als Nicks Gespielin Marlee) freute sich wahrscheinlich, dass sie mitspielen durfte.
Einziger Lichtblick ist Dustin Hoffman. Einmal mehr spielt dieser kleine Mann ganz groß. Das Zusammenwirken von Augen und Mund in Kombination mit der ironischen Gestik ist immer wieder wunderbar. Die Deutsche Synchronstimme tut ihr Übriges.
Hoffmans Rolle ist sowieso die einzig halbwegs interessant gezeichnete Figur im ganzen Film.
Bei Wendell Rohr weiß man nicht ganz genau, woran man ist, und das ist hier genau richtig so.
Geht es ihm um das Geld? Die Moral? Das Gefühl, zu gewinnen? Besonders stark sind seine Szenen mit Marlee. Klasse, dass offen bleibt, ob er am Telefon nur blufft.
Insgesamt ist „Das Urteil“ allerdings nicht besonders empfehlenswert. Jedenfalls sollte man nicht extra dafür ein Kino aufsuchen. In der Videothek gibt es weitaus bessere Alternativen. (themenverwandt: „Die 12 Geschworenen“, „Nicht schuldig“ mit Demi Moore, und „Insider“ mit Al Pacino/Russel Crowe).
Ist man allerdings zwischen 12-16 Jahren alt, hat man noch nicht so viel Film- oder Grishamerfahrung, und will des Gesamterlebnisses wegen mit ein paar Freunden ins Kino gehen, gibt es sicher deutlich schlechtere Filme auf die man sich für einen solchen Besuch einigen könnte.
Zwei Jahre später:
Die Hintergründe des Amoklaufs in einer angesehenen Broker-Firma sind längst aufgeklärt: Ein wegen Erfolglosigkeit entlassener Ex-Mitarbeiter hatte sich auf dem Schwarzmarkt eine automatische Handfeuerwaffe besorgt, damit aus Frust unter seinen ehemaligen Kollegen ein Blutbad angerichtet und sich anschließend selbst erschossen.
Doch Celeste hat keine Ruhe gefunden. Sie hat einen Anwalt engagiert, der den Hersteller der Maschinenpistole, mit der ihr Mann getötet wurde, auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen wird.
Dieser Anwalt ist Wendell Rohr, gespielt von Dustin Hoffman. Rohr hat sich gut auf die Gerichtsverhandlung vorbereitet. Er hat einen wichtigen Belastungszeugen. Er hat Erfahrung im Umgang mit den Geschworenen. Er hat die Moral auf seiner Seite. Er kann den Prozess gewinnen.
Die Gegenseite hat sich ebenfalls einen erfahrenen Anwalt genommen. Er wird sich auf den 2. Verfassungszusatz berufen, der einer umfangreichen Verbreitung von Pistolen und Gewehren rechtlichen Schutz gewährt. Zusätzlich greift die Firma auf die Dienste eines so genannten Juryberaters zurück. Der ist der Beste in seiner Branche. Sein Name: Rankin Finch (Gene Hackmann). Seine Aufgabe: Eine für den Waffenhersteller vorteilhafte Zusammensetzung der Jury auf der Geschworenenbank. Seine Methoden: Illegal, aber sehr effektiv. Die Waffenindustrie ist für den Prozess also gut gerüstet. Und sie hat Geld. Viel Geld. Sie kann sich das Urteil kaufen.
Doch dann ist da noch Nick Easter, Geschworener Nummer 9, verkörpert von John Cusack.
Er ist clever, hat ein gewinnendes Wesen und das Talent, Menschen dazu zu bringen, dass sie unwillkürlich das machen, was er von ihnen will. Und so spielen plötzlich alle nach seinen Regeln....
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Grisham in dem es allerdings nicht um eine Präzendenzklage gegen Waffenproduzenten, sondern um millionenschwere Schadensersatzforderung gegen Firmen der Tabakindustrie ging.
Wie so oft bei John Grisham, hält der Film am Ende nicht das, was er am Anfang verspricht.
Zu Beginn gelingt es Regisseur Gary Fleder noch, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen: Die Charaktere werden eingeführt wie bei einem Aufmarsch der Gladiatoren, wohlig-spannende Vorfreude auf ein fintenreiches Duell David gegen Goliath stellt sich ein.
Aber danach plätschert der Film vor sich hin wie der Mississippi in seinem Delta um schließlich auf eingetretenen Pfaden in ein mattes, vorhersehbares Finale zu münden.
Die große Schwäche des Films liegt im Drehbuch. Es wechselt ständig die Perspektive und tanzt daher auf zu vielen Hochzeiten. Daher verpasst es ständig die Gelegenheit, inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Viele interessante Aspekte werden berührt und doch verliert sich alles in seichter Oberflächlichkeit.
Lernt man in der Romanvorlage eine Menge über die dunklen Seiten der Zigarettenindustrie, kommt die Waffenlobby im Film nur flüchtig vor. Natürlich gibt es die unvermeidbare Verschwörungsrunde auf schweren Ledersesseln und bei Kaminfeuer; man erfährt außerdem etwas über Maschinenpistolen aus „fingerabdruckresistentem Material“. Aber insgesamt werden die Waffenhersteller nicht ausreichend bedrohlich in Szene gesetzt.
Die perfiden Methoden des Jury-Beraters Finch faszinieren zwar zunächst („Der Staatsfeind Nr. 1“ lässt grüßen). Aber die glatte Fassade des Bösen bekommt allzu früh Risse, die der Spannung nicht dienlich sind. Ein Fehler hier, Unachtsamkeiten dort und schnell ist der Mythos des planbaren Juryurteils durch einen eiskalt kalkulierenden Bad Guy nicht mehr glaubwürdig.
Der Zuschauer vermisst außerdem Informationen über die genauen Regeln einer rechtsstaatlich geordneten Geschworenenauswahl und kann so das wahre Ausmaß der Illegalität in der Vorgehensweise des Rankin Finch und seiner Helfer nicht mit dem nötigen Gruselfaktor beurteilen.
Den Abläufen im Geschworenenzimmer wird zu wenig Raum gewidmet. Es gelingt zwar eine durchaus wirkungsvolle Charakterzeichnung von einem oder zwei der Jurymitglieder.
Leider wird (anders als im Buch) aber darauf verzichtet, zu zeigen, wie sich während des Prozesses Meinungen und Stimmungen der einzelnen Geschworenen immer wieder verändern. Weil die Juroren im Film insgesamt eine beliebige konturlose Masse bilden, kann Nicholas Easter mit seinen hobbypsychologischen Taschenspielertricks den Zuschauer folglich nicht wirkungsvoll beeindrucken. Gerade sein „Schlussplädoyer“ wirkt schwach und wenig überzeugend.
Der wichtigste Grund, weshalb die Geschichte insgesamt nicht besonders fesselt ist, dass es für die handelnden Figuren bei dem Prozess eigentlich nicht wirklich um ETWAS (sonst ja gern genommen: Leben oder Tod) geht.
Finch will ein Urteil zu Gunsten der Waffenfirma. Er hat bisher immer gewonnen, ein verlorener Prozess wäre seine erste Niederlage. Aber den Zuschauer lässt das kalt. Man kann nicht immer siegen, und Finch wirkt so, als hätte er ohnehin finanziell ausgesorgt.
Rohr hat seiner Mandantin gesagt: „Wir können gewinnen und wir werden gewinnen“. Auch will er gerne dass sich Waffengesetze ändern. Vielleicht stehen für ihn Renommee und Geld auf dem Spiel.
Aber er ist erfahren genug um zu wissen, dass jeder Prozess verloren werden kann. Schade für Celeste; aber -tja- das Leben geht weiter.
Nick Easters Motive werden im Film bis kurz vor Schluss verschleiert. Das steigert leider nicht die Spannung und ist außerdem fatal für die Suche des Zuschauers nach einer Identifikationsfigur, weil er nicht genau weiß ob und wofür er mit Nick mitfiebern soll.
Ärgerlich sind auch einige inhaltliche Ungereimtheiten (warum wird der Einbrecher in Nicks Apartment nicht rechtzeitig gewarnt??), eine überflüssige Verfolgungsjagd und die
Schleichwerbung („Das ist ein i-pod“).
Zu den Schauspielern: John Cusack ist unterfordert, Gene Hackmann fast altersmilde (kein gutes Zeugnis für den Bösewicht) und Rachel Weisz (als Nicks Gespielin Marlee) freute sich wahrscheinlich, dass sie mitspielen durfte.
Einziger Lichtblick ist Dustin Hoffman. Einmal mehr spielt dieser kleine Mann ganz groß. Das Zusammenwirken von Augen und Mund in Kombination mit der ironischen Gestik ist immer wieder wunderbar. Die Deutsche Synchronstimme tut ihr Übriges.
Hoffmans Rolle ist sowieso die einzig halbwegs interessant gezeichnete Figur im ganzen Film.
Bei Wendell Rohr weiß man nicht ganz genau, woran man ist, und das ist hier genau richtig so.
Geht es ihm um das Geld? Die Moral? Das Gefühl, zu gewinnen? Besonders stark sind seine Szenen mit Marlee. Klasse, dass offen bleibt, ob er am Telefon nur blufft.
Insgesamt ist „Das Urteil“ allerdings nicht besonders empfehlenswert. Jedenfalls sollte man nicht extra dafür ein Kino aufsuchen. In der Videothek gibt es weitaus bessere Alternativen. (themenverwandt: „Die 12 Geschworenen“, „Nicht schuldig“ mit Demi Moore, und „Insider“ mit Al Pacino/Russel Crowe).
Ist man allerdings zwischen 12-16 Jahren alt, hat man noch nicht so viel Film- oder Grishamerfahrung, und will des Gesamterlebnisses wegen mit ein paar Freunden ins Kino gehen, gibt es sicher deutlich schlechtere Filme auf die man sich für einen solchen Besuch einigen könnte.
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