Gran Torino (DVD) Testbericht

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ab 6,29
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2010
5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von atrachte

Eine Legende tritt ab

5
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

Clint Eastwood, gute Darsteller, bissig und politisch vollkommen unkorrekt,

Kontra:

nichts das von Bedeutung wäre,

Empfehlung:

Ja

Es gibt nur wenige Menschen in Hollywood die auf eine so eindrucksvolle Karriere zurückblicken können wie Clint Eastwood. Als Western-Held in den 1960er Jahren populär geworden, mit Filmen wie „Dirty Harry“ und „Flucht von Alcatraz“ auch als „seriöser“ Darsteller Weltweit in Erscheinung getreten und als Regisseur, vor allem im neuen Jahrtausend, zum beinahe sicheren Garanten für Meisterwerke avanciert („Mystic River“, Million Dollar Baby“, „Letters from Iwo Jima“). Ja, es gibt wirklich nur wenige die für das amerikanische Kino soviel geleistet haben wie der heute 78 Jährige. Und auch wenn demnächst mit „The Human Factor“ (ein Biopic über Nelson Mandela) wohl das nächste Meisterwerk des Regisseurs Eastwood in den Startlöchern steht, als Schauspieler scheint er seine Stiefel nun wohl endgültig an den Nagel gehangen zu haben. Zumindestens hat er verkündet das seine (Parade)Rolle als mürrischer Rassist in „Gran Torino“ seine letzte Arbeit vor der Kamera gewesen ist, und ob dies nun auch so bleiben wird oder nicht: Fakt ist das Eastwood hier noch einmal zur absoluten Höchstform aufgefahren ist und eine seiner wohl besten Rollen überhaupt spielt.
Die guten alten Zeiten, in denen Detroit noch das Mekka der US-amerikanischen Autoindustrie war, sind schon lange vorbei. Auch für Walt Kowalski (Clint Eastwood), der einst in den Werken von Ford schuftete, sind diese alten, glorreichen Tage schon lange Geschichte. Was ihm aus der alten Zeit noch geblieben ist ist lediglich sein alter 72er Ford Gran Torino und sein Haus in einem ehemals typisch amerikanischen Vorort, das mittlerweile aber recht heruntergekommen ist und hauptsächlich von Immigranten bewohnt wird. Dieser Umstand gefällt dem Koreakriegs-Veteranen Kowalski überhaupt nicht und aus seiner Abneigung gegenüber den hauptsächlich asiatischen Mitbewohnern in seiner Nachbarschaft macht er auch keinen Hehl. Und auch zu seiner eigenen Familie hat Walt kein wirklich gutes Verhältnis, nicht einmal nach dem Tod seiner Frau, bei deren Beerdigung die Söhne nichts besseres zu tun haben als darüber zu diskutieren ob der Vater in ein Altenheim gesteckt werden soll oder nicht und eine von Walt´s Enkelinnen durch ihr knappes Outfit dessen Missmut erntet. Als eines Abends eine Gang den NachbarsjungenThao (Bee Vang) bedroht, welcher zuvor als Mutprobe den alten Gran Torino von Walt klauen sollte, greift Kowalski ein und verjagt die Jugendlichen. Fortan ist er in seiner Nachbarschaft so etwas wie ein Held, was dazu führt das die Nachbarn vor seinem Haus Essen und Blumen als Geste der Dankbarkeit abstellen. Zunächst ist Walt davon zwar alles andere als begeistert, doch allmählich scheint sich etwas in dem einsamen Mann zu verändern und er baut eine freundschaftliche Beziehung zu Thao und seiner Schwester Sue (Ahney Her) auf. Doch der hergestellte Frieden in der Nachbarschaft bleibt nur von kurzer Dauer...

Es hätte wohl keiner damit gerechnet das ausgerechnet „Gran Torino“, das recht einfach gestrickte Finale von Eastwood´s langer Karriere als Schauspieler, das höchste Einspielergebnis in der Karriere der einstigen Ikone des Western-Kinos wird. Verdient hat der Film die allgemein gute Resonanz, sowohl an der Kinokasse als auch von Seiten der Kritik, aber allemal, vor allem da Eastwood sich hier selbst ein Denkmal setzt wie es wohl nicht besser hätte sein können. Dabei ist „Gran Torino“ im Vergleich zu Eastwood´s Arbeiten der letzten Jahre eher unspektakulär, zieht man gar Filme wie „Blood Work“ oder auch das „Iwo Jima“ Duo zum direkten Vergleich an, muss man hier fast schon von einem simplen Auswurf sprechen. In seiner Wirkung spielt der Film trotzdem ganz weit oben mit, was in erster Linie an dem Hauptdarsteller selbst, in zweiter Linie an die durchgezogene Konsequenz, mit welcher der Film an die Thematik heran geht, liegt.
So schert sich der Film einen Dreck darum auch nur im kleinsten Ansatz politisch Korrekt zu sein und serviert stattdessen die ungeschönte Realität, geht stellenweise aber so weit dass das ganze, besonders Eastwood´s Charakter selbst, nur knapp einer Karikatur entrinnt. Dies führt aber gleichzeitig dazu das der Film nicht durchlaufend bitter ernst ist, nein, vielmehr ist der schwarze und sehr harsche Humor, der natürlich vor allem durch Walt´s rassistische Äußerungen aufkeimt, das Element das den Film so vollkommen zwanglos macht und es dem Zuschauer ermöglicht sowohl seinen Spass an diesen mürrischen alten Haudegen und seinen fiesen Kommentaren gegenüber seinen Mitmenschen zu haben, sich aber auch mit ihm zu freuen wenn er unter Beweis stellt das man selbst als gestandener Mann im hohen Alter sein Weltbild noch einmal kippen und dem Leben neue Freude abgewinnen kann, gleichzeitig aber mit Kowalski Mitgefühl hegt wenn man zu der Erkenntnis kommt das er nur ein alter Mann ist, quasi ein Relikt längst vergangener Tage, der nun vollkommen alleine ist und noch immer von alten Schuldgefühlen geplagt wird.

Walt Kowalski ist jemand der sich der modernen Zeit nicht anpassen kann, es aber auch gar nicht will, und immer noch so lebt als seien es die 60er und 70er Jahre. Dieser Umstand ist wohl auch der Grund dafür das sich sein Weltbild seit mehreren Dekaden nicht wirklich geändert hat, zumindestens lässt er sich nicht von der political correctness vorschreiben was er zu sagen hat und was nicht. Im Grunde genommen ist Walt aber kein Rassist, denn selbst mit seinen italienischen Friseur und einem irischen Kumpel benutzt er wüste Beschimpfungen, welche es ihm aber auch dementsprechend zurück geben. So hat man eben früher unter Freunden geredet, ohne dabei rassistisches Gedankengut im Hinterkopf zu haben. Lediglich die Abneigung gegen Asiaten dürfte man Kowalski als Rassismus vorwerfen, wobei er sich natürlich im Laufe des Filmes in die Kultur seiner Nachbarn einführen lässt und Verständnis für diese entwickelt, schließlich ja sogar mit Thao und Sue ein sehr freundschaftliches Verhältnis eingeht. Diese Vielschichtigkeit von Eastwood´s Charakter, welcher immer wieder Eigenschaften vergangene Rollen aus der Filmographie der Hollywood-Legende aufblitzen lässt, führt schließlich dazu das der Zuschauer sehr schnell Sympathien für diesen alten Haudegen entwickelt, die etwas kitschige Bezeichnung vom harten Kern mit der weichen Schale trifft hier voll und ganz zu.
Inszenatorisch ist „Gran Torino“ klassisches Eastwood-Kino ohne unnötiges Getöse Der Film verzichtet komplett auf spektakuläre Effekte und moderne Schnitte, ist dafür sehr bedacht und ruhig erzählt, lässt den Charakteren sehr viel Freiraum sich genügend zu entfalten und setzt nur zur . Neben der unglaublich gelungenen Charakterstudie funktioniert „Gran Torino“ aber auch perfekt als kritischer Blick auf die Gesellschaft, vor allem was den Verfall alter (amerikanischer) Werte und Traditionen angelangt die heutzutage immer wieder zu sozialen Problemen, wie Arbeitslosigkeit und Jugendgewalt, führen. Ein Aufschrei nach übermäßigen Patriotismus ist an dieser Stelle allerdings vollkommen unnötig, denn im Prinzip lässt sich dieser Verfall alter Strukturen ja auch auf andere Länder übertragen womit das ganze durchaus auch als universelle Kritik funktioniert.

Dreh- und Angelpunkt von „Gran Torino“ ist ganz klar Clint Eastwood, der hier, so sollte es denn wirklich sein letzter Auftritt vor der Kamera sein, einmal mehr eine fantastische Leistung liefert und seiner Schauspielkarriere nach über fünfzig Jahren ein denkwürdiges Ende bereitet. Tatsächlich schafft er es sogar mit Walt Kowalski einen Charakter zu schaffen der so sehr im Gedächtnis bleibt wie einst Harry Callahan. Auch der restliche Cast ist insgesamt gut gewählt, ist aber natürlich in erster Linie dafür da um Eastwood´s One-Man-Show nicht zu unterbrechen, was nicht negativ auszulegen ist. Bee Vang als schüchterner Thao, der mit Walt eine Freundschaft eingeht und von diesem zum Mann gemacht wird, gefällt ebenso gut wie Ahney Her als dessen schlagfertige Schwester Sue, die Walt immer wieder die Parole bietet und sich von ihm nicht einschüchtern lässt.

\\\\ Daten zum Film ////

Original Filmtitel:
Gran Torino (2008)
Länge des Filmes:
Ca. 115 Minuten

Darsteller:
Clint Eastwood...Walt Kowalski
Christopher Carley...Father Janovich
Bee Vang...Thao Vang Lor
Ahney Her...Sue Lor
Brian Haley...Mitch Kowalski
Geraldine Hughes...Karen Kowalski
Dreama Walke...Ashley Kowalski
Brian Howe...Steve Kowalski
John Carroll Lynch...Barber Martin
...
Regisseur:
Clint Eastwood

FSK:
Ab 12 Jahren

\\\\ Fazit ////
„Gran Torino“ ist großes Kino, ohne dabei sonderlich Spektakulär zu sein oder sonderlich viel Neues zu bieten. Es ist vielmehr der fabelhafte Hauptdarsteller und die ruhige, aber emotionale Geschichte erzählt und dabei einen unglaublich guten Spagtasprung zwischen schwarzen Humor und ergreifenden Momenten schafft. Sollte Eastwood wirklich kein weiteres mal vor der Kamera in Erscheinung treten, so hat er sich mit „Gran Torino“ ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt das zweifellos lange in Erinnerung bleiben wird.

8,5/10 Punkten für den Film "Gran Torino" und somit fünf Sterne als Wertung.

43 Bewertungen, 12 Kommentare

  • Dr_Ed

    27.03.2009, 03:00 Uhr von Dr_Ed
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich kann Dir nur uneingeschränkt beipflichten!

  • MasterSirTobi

    25.03.2009, 00:17 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, ganz toller Bericht. LG MasterST

  • tk7722

    22.03.2009, 13:22 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, liebe Grüße

  • Miraculix1967

    21.03.2009, 16:02 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende, SH und LG Miraculix1967

  • sigrid9979

    21.03.2009, 08:32 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    ::::: SH SIGI ::::: LG SIGI

  • timecode001

    21.03.2009, 06:21 Uhr von timecode001
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super geschrieben! Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende. timecode001

  • bettie47

    21.03.2009, 00:40 Uhr von bettie47
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse berichtet. L.G. bettie47

  • morla

    20.03.2009, 23:43 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein wunderschönes wochenende wünsch ich dir lg. petra

  • MatthiasHuehr

    20.03.2009, 22:42 Uhr von MatthiasHuehr
    Bewertung: sehr hilfreich

    ciao Matthias

  • biker

    20.03.2009, 22:07 Uhr von biker
    Bewertung: sehr hilfreich

    vorgenommen den zu schauen habe ich schon - nur noch keine Zeit gehabt

  • Groudon1

    20.03.2009, 21:57 Uhr von Groudon1
    Bewertung: sehr hilfreich

    !SH! Freu mich über Gegenlesung! LG

  • werder

    20.03.2009, 21:40 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG aus Hannover!