Gran Torino (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 06/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Dr_Ed
Ford-Bildungsmaßnahme
Pro:
Clint Eastwood liefert wieder sehr solides Handwerk ab
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Es gibt ja die Redensart „Je oller, je doller“. Ganz besonders scheint dies für den alten Hollywood-Haudegen Clint Eastwood zu gelten: Wurden seine letzten Filme doch von den Kritiken hochgelobt und wurden entweder mit Oscars („Million Dollar Baby“) ausgezeichnet oder zumindest dafür nominiert („Flags of our fathers“). Sein jüngstes Werk hat zwar keine Oscar-Nominierung erhalten, aber ob es nun trotzdem einen Kinobesuch wert ist oder nicht, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ wie gewohnt zuerst die „Smart“ - Kurzversion ~~~
Der verbitterte Korea-Kriegsveteran Walt Kowalski hat sein Leben lang in einer Autofabrik gearbeitet und lebt zurückgezogen in einer Nachbarschaft, die durch den Wegzug von Amerikanern und den Zuzug von Migranten von überwiegend asiatischer Herkunft zunehmend verfällt. Nach dem Tod seiner Frau wird Kowalski ein noch größerer Menschenfeind als er sowieso schon ist. Als ihn dann noch seine erbgeile Familie in ein Altersheim abschieben will, platzt ihm der Kragen und er wirft sie achtkantig aus dem Haus. Sein einziger verbleibender Stolz ist ein alter Ford Gran Torino, der in der Garage hinter seinem Haus steht und gehegt und gepflegt wird. Eines Nachts versucht ein Nachbarsjunge dieses Auto zu stehlen und wird dabei von Kowalski erwischt. Anstatt den Jungen zu erschießen oder zu verprügeln startet Kowalski ein ganz eigenwilliges Resozialisierungsprogramm...
~~~ und nun wieder die „Stretch-Limousinen“ -Langversion ~~~
Der verbitterte Korea-Kriegsveteran Walt Kowalksi (Clint Eastwood) hat sein Leben lang in einer Autofabrik gearbeitet und lebt zurückgezogen in einer Nachbarschaft, die durch den Wegzug von Amerikanern und den Zuzug von Migranten zunehmend herunterkommt. Von seinen erwachsenen Kindern ist er schon längst entfremdet und das verstärkt sich noch, als seine Frau verstirbt. Auf der Trauerfeier grantelt er gegen seine Familie ebenso wie gegen den – in seinen Augen – Grünschnabel von Priester Father Janovich (Christopher Carley). Walts Alltag besteht im wesentlichen darin, sein Haus instand zu halten, auf der Veranda sitzen und Bier trinken. Einmal im Monat geht er zu seinem Frisör Martin (John Carroll Lynch), der quasi sein einziger Freund ist. Ansonsten ist sein einziger verbleibender Stolz ist ein alter Ford Gran Torino, den er einst selbst mit zusammengeschraubt hat und der jetzt im Hinterhof in seiner Garage steht, wo er glänzt, als wäre er gerade erst aus der Fabrik gekommen.
Eines Nachts versucht jemand, dieses Schätzchen aus der Garage zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass es der schüchterne Nachbarsjunge Thao (Bee Vang) ist, der von einer Gang aus der Nachbarschaft dazu gezwungen wurde, damit er Mitglied bei ihnen wird, obwohl er es eigentlich gar nicht wirklich möchte. Doch Walt verhindert nicht nur den Diebstahl sondern auch weitere Übergriffe gegen den Jungen und dessen Familie so dass er eher unfreiwillig zum Helden der Nachbarn wird. Thaos alleinerziehende Mutter, sowie seine ältere Schwester Sue (Ahney Her) sind Walt dafür sehr dankbar, insbesondere, als Walt Sue vor den Übergriffen durch eine schwarze Gang bewahrt. So besteht Thaos Familie darauf, dass Thao seine durch den versuchten Diebstahl auf sich geladene Schuld bei Walt abarbeitet. Anfags widerwillig betätigt sich Walt als Beschäftigungstherapeut für Thao. Nachdem Walt merkt, mit wieviel Eifer und Motivation Thao bei der Sache ist, bringt er ihm allerhand handwerkliche Dinge bei und sorgt nebenbei dafür, dass einige heruntergekommene Häuser in der Nachbarschaft repariert werden.
Allmählich lernt Walt, dass seine asiatischen Nachbarn auch nur Menschen sind, die vor Krieg und Zerstörung aus Südostasien geflohen sind, weil sie als Angehörige des Hmong-Volkes selbst unter Vertreibung und Unterdrückung litten und in Amerika auf eine bessere Zukunft hofften. Doch es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, denn die Gang von Spider (Doua Moua) versucht weiterhin, Taoh und dessen Familie zu drangsalieren, so dass Walt sich genötigt sieht, der Gang ihre Grenzen aufzuzeigen und da hat er ganz eigene und sehr spezielle Methoden...
### MEINE MEINUNG ###
Obwohl Eastwood immerhin schon weit über 70 Jahre auf dem Buckel hat, ist seine Lust, Filme zu machen, nach wie vor ungebrochen. Gerade erst läuft „Der fremde Sohn“ noch in unseren Kinos, ist schon das nächste Werk auf dem Weg in unsere Lichtspielhäuser. Mit diesem Schaffensdrang stellt er sogar manch jüngere Kollegen locker in den Schatten. Aber was noch viel erstaunlicher ist, ist die Qualität der Filme, die Eastwood dreht. Sie erzählen relativ einfache Geschichten von einfachen Leuten, die ihren Lebenstraum zu verwirklichen versuchen, aber dabei von der Gesellschaft vor Probleme gestellt werden, die es außerordentlich schwierig machen, diesen Traum auch in die Tat umzusetzen. Dieser Film ist schon fast wie eine Parabel auf die sozialen Gegensätze in der heutigen Gesellschaft: Die Gegensätze, die zwischen den Generationen herrschen, die Gegensätze zwischen Einheimischen und Zuwanderen, die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Wohlstand und Armut, die Perspektivlosigkeit vieler jüngerer Zuwanderer, mangelnde Integration und vieles mehr.
Eastwoods große Kunst besteht nun darin, all diese sozialen Probleme, die in den Ballungsräumen Amerikas (aber zunehmend auch in Europa) allgegenwärtig sind, gekonnt zu verknüpfen mit den Dämonen, die ein alter Kriegsveteran mit sich herumschleppt. Beispielhaft sei dies an Walts zunehmender Entfremdung von seiner eigenen Familie erläutert: Während es in asiatischen Familien heute noch weit verbreitet ist, dass sich die gesamte Familie um ihre ältesten Mitglieder kümmert, so wie es Walt auch gerne sehen würde, ist es in unserer westlichen Gesellschaft gang und gebe, die Alten in Pflegeheime abzuschieben. Andererseits sieht Walt in Thao einen Jungen, der den Willen hat, aus dem Teufelskreis der Perspektivlosigkeit zwischen Gangmitgliedschaft, Straftaten und Knast durch Bildung zu entfliehen, während seine eigenen Enkel darauf warten, dass ihnen die gebratenen Tauben in den Mund bzw das Erbe Walts in den Schoß flattern, ohne dass sie dafür etwas zu tun bereit sind.
Das Ganze wird von Eastwood mit nur relativ wenig Aufwand produziert, reduziert auf das Wesentliche einer jeden Szene. Er kommt ohne irgendwelche großartigen Tricks oder special effects aus, auch die Kameraeinstellungen sind alles andere als extravagant, die Dramaturgie kommt ohne Rückblenden oder sonstige Zeitsprünge aus. Kurz gesagt: Eastwood konzentriert sich voll und ganz auf die Geschichte und ihre Figuren, so dass der Film fast schon etwas kammerspielartiges hat. Für manche mag das vielleicht handwerklich unnötig arbeitsaufwendig und nicht zeitgemäß erscheinen, aber der Film ist dadurch grundsolide und kommt daher wie ein 100 Prozent handgemachtes Endprodukt, zu dem der Macher dann auch bedingungslos steht. Man sieht Eastwood seine Liebe zum Film in jeder Szene an und man merkt, dass er auch nicht bereit ist, irgendwelche Kompromisse zugunsten des Massengeschmacks einzugehen. Dafür gebührt Eastwood mein ganzer Respekt, denn er beweist einmal mehr, dass gute Filme von innen heraus kommen und nicht auf irgendwelche technischen Mätzchen angewiesen sind.
### FAZIT ###
Wieder einmal ein absolut sehenswerter Film von und mit Clint Eastwood in gewohnt solider Qualität, der auf jeden Fall einen Kinobesuch wert ist.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2008, 116 Min, FSK 12
Regie: Clint Eastwood
Buch: Nick Schenk, Dave Johannson
Kamera: Tom Stern
Musik: Kyle Eastwood
~ Walt Kowalski – Clint Eastwood
~ Father Janovich – Christopher Carley
~ Thao Vang Lor - Bee Vang
~ Sue Lor – Ahney Her
~ Mitch Kowalski – Brian Haley
~ Karen Kowalski – Geraldine Hughes
~ Ashley Kowalski – Dreama Walker
~ Steve Kowalski – Brian Howe
~ Barber Martin – John Carroll Lynch
~ Tim Kennedy – William Hill
~ Vu Lor – Brooke Chia Thao
~ Spider – Doua Moua
~ Youa – Choua Kue
u.v.a.
44 Bewertungen, 21 Kommentare
-
02.04.2009, 23:04 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichEin guter Bericht. LG
-
23.03.2009, 21:44 Uhr von LiFo
Bewertung: sehr hilfreichGut gemacht! Liebe Grüße, Lifo
-
11.03.2009, 16:34 Uhr von Regan
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse, Nadine
-
09.03.2009, 07:39 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich. LG, Janin.
-
04.03.2009, 23:43 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreich::: LG Andrea :::
-
02.03.2009, 16:46 Uhr von Michaela2015
Bewertung: sehr hilfreichlg michi
-
01.03.2009, 15:24 Uhr von senora
Bewertung: sehr hilfreichEinen erholsamen Sonntag wünsche ich.
-
01.03.2009, 13:55 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und schönes Wochenende
-
01.03.2009, 11:24 Uhr von jenpitti
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße jenpitti
-
27.02.2009, 00:18 Uhr von Baby1
Bewertung: besonders wertvoll.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
-
26.02.2009, 13:33 Uhr von Sky112
Bewertung: sehr hilfreichsh
-
25.02.2009, 01:16 Uhr von ingoa09
Bewertung: sehr hilfreichEin feiner Bericht! Liebe Grüße, Ingo
-
24.02.2009, 10:19 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichSehr schön geschrieben. LG Marina
-
24.02.2009, 10:08 Uhr von HeikouSimone
Bewertung: sehr hilfreichklasse bericht! sh und lg von Simone
-
24.02.2009, 09:25 Uhr von nikita86
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht. freu mich über deine gegenlesung. lg, nikita
-
24.02.2009, 08:50 Uhr von timecode001
Bewertung: sehr hilfreichKlasse geschrieben! Liebe Grüsse. timecode001
-
24.02.2009, 08:00 Uhr von Düsseldorf
Bewertung: sehr hilfreichmoin, super bericht.-...lese gerne noch viel mehr ! meld dich.
-
24.02.2009, 07:49 Uhr von sigrid9979
Bewertung: besonders wertvollEin schönes Karneval´s Fest wünsche ich.... LG Sigi
-
24.02.2009, 01:33 Uhr von TigerLady
Bewertung: sehr hilfreichlg von der ostsee !!!
-
24.02.2009, 01:17 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichich wünsche dir einen guten wochenstart lg. petra
-
24.02.2009, 01:06 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsuper beschrieben lg Werner
Bewerten / Kommentar schreiben