Dorfpunks (DVD) Testbericht

D
Dorfpunks-dvd-drama
ab 6,86
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von [email protected]

Klassefilm, aber lest lieber das Buch

3
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  Kino-Version

Pro:

s. Text

Kontra:

s. Text

Empfehlung:

Ja

Nach langer langer Zeit war ich heute mal wieder im Kino. Ich habe mich für den Film DORFPUNKS entschieden, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rocko Schamoni. Ich will euch an meiner Erfahrung teilhaben lassen. Also viel Spaß beim Lesen.

1. PLOT
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Wir schreiben Sommer 1984 und tauchen ein in das Leben der Jugend auf dem platten Land in an der schleswig-holsteinischen Küste, genauer gesagt in das Leben von fünf jugendlichen Punks in Schmalenstedt an der Ostsee. Das Leben der fünf Punks Ronny, Fliegevogel, Sid, Günni und Piekmeier könnte besser nicht sein. Sie hängen viel im Wald und in der Innenstadt herum, provozieren, trinken Bier und hören laute Musik. Ein echtes Punkleben eben, wäre da nicht die spießige Kleinstadtidylle, der die fünf und ihre Freunde entkommen wollen. Leider mus sich Roddy mit einer Töpferausbildung herumschlagen, Piekmeier arbeitet bei seinem Vater auf dem Hof mit, Sid geht noch zur Schule.
Während in England der Punk in vollem Gange ist, wirken die heimischen Punks wie unauffällige graue Mäuse, die halbtags provozieren wollen, deren Protest aber bei der breiten Masse nicht ankommt. So sind die Tage trist und abwechslungslos, wenn man mal von relativ regelmäßigen Schlägerein und Parties absieht. Es gibt nur eine Dorfdisko in der Nähe und auch sonst erinnert nur wenig an den echten Punk. Also beschließen die fünf, eine Punkband zu gründen und haben große Pläne. Leider kann aber keiner von Ihnen so richtig ein Instrument spielen oder singen, aber das ist für den Punk ja auch nicht ausschlaggebend. Wichtig ist nur die Message. man will die Welt verbessern und die Gesellschaft umkrempeln. Das Streben nach Revolution und Aufstand ist allgegenwertig, aber während des Erwachsenwerdens bleibt dafür irgendwie nicht wirklich Zeit. So begleitet man die fünf Jungs bei ihren Trinkgelagen, einer Bootsfahrt, die sie fast nicht überleben, einem Feuer am Strand und bei einer Menge philosophischer Diskussionen.

2. DATEN
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Titel: Dorfpunks
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
Vertrieb: Piffl Medien
Länge: 93 Minuten
Kinostart: 23.04.09

Genre: Coming-Of-Age
Regisseur: Lars Jessen
Drehbuch: Norbert Eberlein, Rocko Schamoni
Kamera: Michael Tötter
Schnitt: Sebastian Schultz
Musik: Jakob Ilja
Hauptdarsteller:

Cecil von Renner (Roddy Dangerblood)
Ole Fischer (Fliegevogel)
Pit Bukowski (Sid Schick)
Daniel Michel (Flo)
Laszlo Horwitz (Piekmeier)
Samuel Auer (Günni)
Offizielle Homepage: http://www.dorfpunks-der-film.de/


3. FILM
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Auch wenn ich dem Film nur drei Sterne gegeben habe, würde ich nicht sagen, dass der Film schlecht ist. Er gefällt mir ganz gut und auch die Umsetzung ist meiner Meinung nach gelungen, aber das Buch ist einfach um Längen besser. Wirklich gut dargestellt ist das Problem des Erwachsenwerdens, besonders aus der Sicht des Hauptdarstellers Roddy Dangerblood, der dank seiner Veränderung Probleme in seiner bürgerlichen Umwelt bekommt und bei Eltern und Ausbildern aneckt. Andererseits ist da der Punk, das Streben nach Freiheit und die Suche nach der Identität, die ihn am Ende zu einer ganz anderen Auslegung des Punk führt, aber ich will hier nicht zuviel verraten. Und dann gibt es da auch noch Mädchen. Auf diesem Sektor könnte es besser laufen, ihm kommt immer irgendwas dazwischen udn irgendwie scheint ihn seine Art daran zu hindern, wirklich Mädchen kennenzulernen.
Auch wenn ich nicht selber in den 80er jahren großgeworden bin, habe ich mir sagen lassen, dass die Darstellungen durchaus der Realität entsprechen. Im Internet wird der Film mit einem "Klassentreffen nach 20 Jahren" verglichen. Das Spießertum der Kleinstadt auf dem platten Land wird hervorragend dargestellt und steht im krassen Kontrast zu den pulsierenden Zentren des Punk wie London, Amsterdam und Berlin. Musik und Gleichgesinnte sind rar, von richtigen Konzerten einmal abgesehen und irgendwie scheitert der Protestversuch kläglich, weil die Hauptdarsteller an irgendwelchen Stellen selber in das Spießertum verfallen. Ein Punk, der Trecker fährt und auf dem Bauernhof arbeitet, oder der töpfert, kann doch kein richtiger Punk sein. Aber gerade diese Kontraste machen die Komik des Films aus, und auch die Tragik, weil man mit den Protagonisten mitfühlen kann, die zwar wollen, aber nicht richtig können. Sie wollen ausbrechen, erwachsen werden und ihren eigenen Weg gehen. Roddy spricht davon, auszuziehen nachdem er die Lehre fertiggemacht hat und als Fliegevogel die Gruppe auffordert auszusteigen, mal richtig weit weg zu gehen, nimmt sich Roddy eine Woche Urlaub und die beiden trampen im Hippy-Bus nach Italien, jedenfalls behaupten sie das.

Interessant ist auch, dass alle Provokation in der Stadt kaum ernstgenommen werden. Die Punks ecken nur bei ihren Eltern an und bei einzelnen Händlern in der Stadt, deren Geschäfte sie belagern. Nur andeutungsweise rechts orientierte Dorfjugenden und Bundeswehrsoldaten auf Freigang lassen sich soweit provozieren, dass es handgreiflich wird.
Schauspielerisch ist der Film sehr gut. Die Rollenbesetzung ist sehr gut gelungen, auch wenn abgesehen von zwei Nebenrollen, alle Figuren von unbekannten Schauspielern verkörpert werden. Am besten macht Ole Fischer seinen Job, der Fliegevogel ausgesprochen witzig darstellt, nämlich als einen leicht verpeilten Jugendlichen, mit dem man sich gut identifizerien kann. An der Figur Roddy Dangerblood stört ein bisschen, dass er eigentlich immer lacht, grinst oder lächelt und sich über alles freut. In anderer Kleidung könnte man ihn direkt ausschneiden und in eine beliebige Teenie-Komödie einbauen. Dieser Wesenszug ist mir im Buch so nicht aufgefallen. Trotzdem wirkt diese Figut nicht fehl am Platz, weil alle ja noch auf der Suche sind nach dem, was sie sein wollen.

Leider beginnt der Film recht abrupt und man ist gleich in der Story drin. Roddy liegt regungslos in der Auffahrt zum Haus seiner Eltern, macht die Augen auf und wird von einer imaginären Welle überrollt. Die gleiche Szene wird später im Film nochmal wiederholt, diesmal jedoch am Morgen nachdem sie fast auf der Ostsee ertrunken wären. Ob es sich hier bei der ersten Szene um einen Vorgriff handelt und ob die folgende Erzählung chronologisch ist, oder nicht, wird so nicht ganz klar. Des weiteren flacht die Handlung teilweise dramatisch ab, sodass man das Gefühl hat, man sitze schon seit 3 Stunden im Kino, obwohl gerade mal 80 Minuten vergangen sind. Dafür ist das Ende interessant. Ich will hier nichts verraten, aber es scheint, als ob Roddy seinen Weg findet, zumindest vorübergehend.

4. FAZIT
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Schöner, unterhaltsamer Film, der aber mit der Romanvorlage nicht mithalten kann. Trotzdem wahrscheinlich immer noch besser, als so mancher Mainstreamfilm, der momentan im Kino läuft.

15 Bewertungen, 5 Kommentare

  • werder

    16.05.2009, 17:00 Uhr von werder
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG aus Hannover! Freu mich über Gegenlesung!

  • sigrid9979

    16.05.2009, 16:46 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schön Berichtet ... Freue mich über Gegenlesungen Lg Sigi

  • krullinchen

    16.05.2009, 15:20 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße!

  • willma1984

    16.05.2009, 15:13 Uhr von willma1984
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG willma1984 ;-)

  • peter_nordberg

    16.05.2009, 13:50 Uhr von peter_nordberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. grüße Peter