Call of Duty: Modern Warfare 2 (PC Spiel Shooter) Testbericht
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Erfahrungsbericht von atrachte
Seelenloser Blockbuster
Pro:
perfekte Präsentation, an sich gelungener Multiplayermodus, kurzweillige Kampagne,
Kontra:
äußerst fragwürdige Moralvorstellungen des Entwicklers, insgesamt wirkt das ganze recht "leer",
Empfehlung:
Ja
\\\\ Der Kalte Krieg bricht aus /////
„Call of Duty: Modern Warfare 2“ siedelt sich fünf Jahre nach den Geschehnissen des Originals an. Wir erinnern uns: der atomare Krieg zwischen Russland und den USA wurde gerade noch so verhindert, da es gelungen ist den Terroristen Imran Zhakaev auszuschalten. Dieser wird in seinem Heimatland mittlerweile jedoch wie ein Märtyrer verehrt, sodass ein brandgefährliches Pulverfass entstanden ist, das nur auf die unbeabsichtigt weggeworfene Zigarette wartet, bis es zur Explosion kommt und die Schreckensvisionen des Kalten Krieges zur traurigen Realität werden. Der russische Terrorist Vladimir Makarov tritt als eben dieser Strippenzieher auf, der die Stimmung endgültig zum kippen bringt. Und wie er dies tut, hat in der gesamten Spielergemeinschaft einen regelrechten Sturm der Endrüstung ausgelöst.
\\\\ Amoklauf ////
Das Bild ist schwarz. Wir hören lediglich wie Waffen durchgeladen werden, dann das klingeln eines am Ziel angekommenen Aufzuges. Der Spieler findet sich in der Rolle eines verdeckten Ermittlers wieder, der in die Organisation von Makarov eingeschleust wurde und nun mit eben jenen Terroristen und seinen Schergen in einem Aufzug steht. „Kein Russisch“ ruft uns der Terrorist noch zu, bevor wir mit ihm und seinen, bis an die Zähne bewaffneten Männern, aussteigen. Wird befinden uns an einem Flughafen, vor uns eine riesige Menschenmenge. Plötzlich eröffnen die virtuellen Figuren um uns herum das Feuer auf die wehrlosen Zivilisten. Was nun beginnt ist der Auftakt zu einem brutalen Amoklauf, der in einer selten dargewesenen Drastigkeit dargestellt wird. Die unschuldigen Zivilisten laufen schreiend von Makarov, seinen Männern und dem Spieler selber weg. Überall Tote und Verwundete, manche, die noch hilflos versuchen wegzukriechen, werden ebenfalls Brutal niedergeschossen. Nach erschreckenden fünf Minuten ist das ganze endlich vorbei, als Spieler kann man nur geschockt sein. Was ist dort gerade passiert?
Die beschriebene Szene ist wenige Wochen vor Erscheinen von „Modern Warfare 2“ bereits in Videoform auf diverse Portale im Internet veröffentlicht worden. Das Material hat daraufhin sowohl bei Spielern, als auch in der Fachpresse sowie bei anderen Entwicklern einen Sturm der Entrüstung los gelöst, denn was Infinity Ward in der als „Flughafen Mission“ bekannten Szene zeigt ist ein kaltblütiger Amoklauf, der seine Berechtigung als storywichtiges Element durch seine Inszenierung komplett verspielt. Dabei ist es gar nicht mal die Thematik der Szene selbst, die für so viel Kopfschütteln sorgt, es ist die Art und Weise wie sie dargestellt wird. Kaltschnäuzig, Menschenverachtend und für den Spieler einfach nur unangenehm. Sicherlich, ein Medium wie das der Videospiele, das ja seinen Kinderschuhen eigentlich erst so langsam entwächst, muss irgendwann dahin kommen und sich auch mit kritischen Themen auseinandersetzen und sollte, wie jede andere Kunstform auch, die Möglichkeit haben Grenzen zu überschreiten. Doch was der Entwickler hier getan hat, ist schlichtweg nicht mehr als pure Berechnung auf einen PR-Skandal, den er ja auch bekommen hat, und nicht, wie einige positiv gestimmte (US) Rezensenten schreiben, der Schritt in eine neue moralische Dimension für den Spieler.
Die besagte Szene zeigt aber auch eine sehr merkwürdige Doppelmoral der Entwickler. So bekommt man vor der Mission die Möglichkeit die Szene einfach zu überspringen und zur nächsten Aufgabe weiter zugehen. Klar, wer sich ein Spiel für 60 Euro kauft überspringt auch einfach eine Mission. In der deutschen Fassung gibt es zusätzlich noch die, anders kann man es wirklich nicht sagen, Alibi-Funktion, das sobald der Spieler selbst seine Waffe betätigt und auf Zivilisten feuert, man mit einer Meldung abgestraft wird, man soll nicht auf Unschuldigen schießen. Somit ist man zum Beobachter eines Massakers verdammt, der nicht wegschauen kann sondern mitlaufen muss. Auch die Tatsache, das man noch in der gleichen Mission die Waffe schließlich betätigen darf, sobald man von Sicherheitskräften attackiert wird, mutet doch hochgradig Doppelbödig an. Stellt der Entwickler somit nicht sogar selbst sein eigenes Spieldesign in Frage? In Russland hat man die gesamte Mission vorsichtshalber ganz aus dem Spiel entfernt. Schließlich will man ja auch noch ein bisschen Geld machen.
\\\\ Story ohne Sbustanz ////
Was bleibt ist ein unglaublich fader Beigeschmack, der die ganzen, knapp sieben Stunden andauernde, Kampagne anhält, zumal das Flughafen Massaker insgesamt gesehen gar nicht mal die Spitze des Moralisch fragwürdigen Eisberges ist. Denn das ganze Design von „Modern Warfare 2“ vermittelt doch ein unheimlich surreales Weltbild, in dem munter geprotzt wird das „wir (die Amerikaner“ die mächtigste Armee der Welt sind“ und man von seinen virtuellen Kameraden für Abschüsse gefeiert wird. Das war schon im Vorgänger so und ist zugegebenermaßen in vielen anderen, aus den USA stammenden Kriegsshootern nicht anders. Doch die meisten anderen Entwickler treiben es nicht so sehr auf die Spitze wie Infinity Ward, sodass man es als typisch amerikanischen Pathos abtun kann und sich als vernünftig denkender Mensch trotzdem der Unterhaltung des Mediums hingeben kann. Bei „Modern Warfare 2“ stellt sich dieses aufgrund seines zweifelhaften Weltbildes, das zumindest in den ersten Spielstunden vermittelt wird, als sehr schwierig heraus. Allerdings muss man Infinity Ward eines anerkennen: so ganz in alte Schreckensmuster (USA = gut, Russland = böse) versinkt das Spiel nicht, wobei die Story andererseits einfach so Hannebüchen und für das Spiel selbst unwichtig ist, das auch der am Ende eintretende Story Twist eigentlich Nebensache ist.
\\\\ Was bleibt? ////
Spielerisch kann man „Modern Warfare 2“ jedoch keinerlei Vorwürfe machen. Zumindest fast keine. Am eigentlichen Gameplay hat sich nur wenig getan. Noch immer schlüpft man in die Rollen vollkommen charakterloser Figuren, befreit in der virtuellen Haut dieser Geiseln, sichert Dokumente oder feuert einfach Wild um sich. Im Prinzip ist das nicht wirklich abwechslungsreich, kann aufgrund der exzellenten Inszenierung aber dennoch überzeugen. Insgesamt ist die Kampagne jedoch bei weitem nicht so stark wie diese des Vorgängers, auch wirklich prägnante Missionen, wie etwa die schon legendäre Tschernobyl Sniper Mission, gibt es nicht mehr. So ballert man sich mal durch die Slums von Rio de Janeiro, befreit Geiseln von einer arktischen Bohrinsel, flieht mit einem Snowmobil von einer zuvor auseinander genommenen Station der Russen und kämpft im vollkommen zerbombten Washington. Dabei ist man so gut wie immer mit virtuellen Partnern unterwegs und ballert sich durch Massen an immer wiederkehrenden Gegnern, welche wie gewohnt ziemlich Dumm sind und keine wirkliche Herausforderung darstellen, zumal man aus einer Vielzahl an modernsten Waffen wählen kann und ab und an noch nette Bonbons geliefert bekommt, wie etwa die Predator Drohne, mit deren Hilfe man einen ziemliche starken Luftschlag beordern kann. Aufgrund der strikten Linearität der Story und der Missionen, schafft es die Kampagne aber maximal für zwei bis drei Nachmittage zu fesseln. Danach ist die Luft bereits ziemlich raus.
\\\\ Die Highlights fehlen ////
Und das obwohl das gesamte Spiel einmal mehr hervorragend Inszeniert ist und mit dramaturgisch perfekt eingesetzten Skripts punktet. Egal ob man nun in den vollkommen zerstörten Straßen von Washington kämpft und sich langsam zum weißen Haus vor kämpft (das ganze erinnert im übrigen sehr an die Stürmung des Reichstages, als „Call of Duty“ noch im zweiten Weltkrieg angesiedelt war) und alles um einen herum explodiert, schießt und schreit oder ob gerade den atomaren Erstschlag am eigenen Leib miterlebt und das komplette Chaos ausbricht. Das ganze weist eine unglaubliche Dichte in Sachen Atmosphäre auf und vermittelt ein erschreckend reales Bild des Krieges. Allerdings fehlen schlichtweg die großen Highlights, an die man sich noch später erinnert, sieht man mal von der Eingangs ausführlich besprochenen Flughafen-Szene ab.
\\\\ Online Krieg ////
So ist der einzige Anreiz das Spiel auch nach Beenden der kaum an den Vorgänger anknüpfen könnenden Kampagne, lediglich der Multiplayer-Modus. Dieser bietet allerdings einmal mehr genügend Potential um auch für mehrere Monate unterhalten zu können ohne an Spielspaß einzubüßen. Dies liegt vor allem an dem sehr feinen Belohnungssystem und den kurzweiligen und schnellen Spielpartien, die genau richtig für zwischendurch sind. Leider verscherzt es sich Infinity Ward auch auch hier mit dem Spieler. So hat dieser nicht von Anfang an die Möglichkeit alle Modi anzuspielen, sondern erst nachdem er in seinem Rang (insgesamt geht dieser bis 70) aufsteigt. So muss man sich viele der insgesamt 12 Varianten wie „Herrschaft„ , ähnlich wie Capture the Flag, die sich kaum voneinander unterscheidenden „Sprengkommando“ und „Suchen und zerstören“ und „Sabotage“ erst verdienen. Auch die maximale Anzahl der teilnehmenden Spieler in einer Onlinepartie ist mit, je nach Spielmodi, mit gerade mal 18 freien Slots nicht gerade berauschend, ähnlich wie die Tatsache, das man keinen Serverbrowser mehr hat und nun nur noch den Spielmodus auswählen darf und dann in irgendein Spiel geschubst wird. Der Spielspaß, kann man über solche Kritikpunkte hinweg schauen, ist aber auf jeden Fall gegeben.
\\\\ Grafik, Sound und Steam ////
Die audiovisuelle Präsentation überzeugt hingegen nahtlos. Die Grafikengine wurde natürlich noch einmal um einiges aufgebohrt und glänzt einmal mehr durch hervorragende Effekte, zum Beispiel in Sachen Licht und Schatten sowie bei den fulminanten Explosionen. Auch die Figuren, Animationen und Texturen hinterlassen einen sehr positiven Eindruck, auch wenn hier und da mal die Grafik ein bisschen verschwommen rüberkommt aufgrund unsauberer Texturen. Aber das fällt so gut wie gar nicht ins Gewicht. Auf die Ohren gibt’s ebenfalls, im wahrsten Sinne des Wortes. gewohnt bombastische Qualität. So reißerisch das auch klingen mag, aber selten hat sich virtueller Krieg so realistisch angehört wie in „Modern Warfare 2“, zudem wird das ganze Spielgeschehen von einem fantastischen, wenn auch sehr Pathos geschwängerten, Soundtrack getragen, der nur mit Exzellent zu beschreiben ist. Als PC-Spieler bekommt man einmal mehr die am besten aussehendste, und Dank Maus/Tastatur Steuerung auch am leichtesten von der Hand gehende, von allen verfügbaren Varianten geboten. Allerdings hat man dafür auch die Online Vertriebsplattform Steam mit all ihren bekannten Vor- und Nachteilen am Hintern kleben, was bei den Konsolenversionen bekanntlich wegfällt.
\\\\ Fazit ////
Spielerisch ist „Call of Duty: Modern Warfare 2“ ein ansich stimmiger Titel, der kaum viel falsch macht, aber auch nie wirklich begeistern kann. Vor allem die Kampagne wirkt, trotz allgemein guter Inszenierung und recht stimmiger Missionen, etwas farblos, insofern kommt man an den sehr guten Vorgänger also nicht heran. Auch der Multiplayermodus ist wieder gut geworden, aber erreicht ebenfalls nicht die glorreichen Tage des zwei Jahre alten Originals. Technisch natürlich wieder mal perfekt präsentiert, bleibt dem Spiel also fast nur der große Aufreger um die Flughafen Mission. Und das sollte eigentlich schon viel über das Spiel selbst aussagen. Denn soviel mehr steckt hinter dem ganzen eigentlich nicht. Eine Tatsache, die anscheinend auch den Entwicklern bewusst war.
41 Bewertungen, 11 Kommentare
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03.01.2010, 21:44 Uhr von paolocubano
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich. danke
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29.11.2009, 19:58 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollToll berichtet - gerne gelesen! Allerbesten Gruß
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29.11.2009, 17:00 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichEin guter Bericht. LG
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29.11.2009, 15:24 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichAuch wenn ich Dein 'pro' und 'contra' berücksichtige: Wie kannst Du so einen Schrott mit vier Sternen auszeichnen??
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29.11.2009, 14:04 Uhr von MoeGott
Bewertung: sehr hilfreichsuper berichtet ! würde mich auf gegenlesungen freuen ! einen schönen Advent wünsche ich noch ! lg
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29.11.2009, 12:34 Uhr von NancyNoack
Bewertung: besonders wertvollWie kein Serverbrowser mehr? Wie soll man denn dann mit seinem Clan zusammenspielen können?
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29.11.2009, 11:52 Uhr von blitzkid
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht danke
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29.11.2009, 11:44 Uhr von Gina87
Bewertung: besonders wertvollDas hat sich mein Bruder für die PS3 auch letztens gekauft. BW
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29.11.2009, 11:14 Uhr von GraceCalifornia
Bewertung: sehr hilfreichIch wuensch dir einen schoenen 1. Advent. LG
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29.11.2009, 10:37 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSH für deinen guten Bericht.wünsche einen schönen ersten Advent.LG Bernd
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29.11.2009, 09:44 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichgut gemacht...lg sigi
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