Verblendung (Taschenbuch) / Stieg Larsson Testbericht



Auf yopi.de gelistet seit 04/2012
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von knopfi
Eine Leiche im Keller?
Pro:
ist realtiv spannend
Kontra:
etwas langwierig
Empfehlung:
Ja
was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage befördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt.
=== „Vorahnungen“ ===
Ohne wirklich zu wissen, was die Verkäuferin ihr gegenüber aufgeschwatzt hat, verlässt meine bessere Hälfte mit soweit gutem Gewissen den Bücherladen. Ein spannender Roman soll es sein, der demnächst als meine Urlaubslektüre dienen soll. Fesselnd muss er sein, nix mit Vampiren zu tun haben und terrestrisch wäre auch nett. Und das alles natürlich im handlichen Taschenbuchformat. „Die Verkäuferin war sich absolut sicher, dass das der Renner ist!“ verspricht mir meine Frau. „Sonst soll ich es zurück bringen!“ Was sie natürlich niemals im Leben tun würde, allein schon wegen der Peinlichkeiten, irgendetwas ins Geschäft zurück zu bringen, was ihr empfohlen wurde.
Stieg Larsson. Niemals, aber auch niemals in meinem Leben wäre ich im Laden auf diesen Schriftsteller gestoßen. Immer und immer wieder bin ich an seiner Kunst vorbei stolziert, im Hinterkopf, diese Sorte von Roman sei nichts für mich. Zum einen liegt es natürlich am mir noch recht unbekannten Autor. Sicherlich gab’s hier und da schon einmal eine Erwähnung, doch bewusst las ich den Namen Stieg Larsson auf einem Kinoplakat, das in diesem Jahr für eine Verfilmung einer seiner Romane warb. Auch hier hätte mich die stärkste Kampagne nicht zum Kauf des Buches bewegen können, geschweige vom Gang ins Kino. Zu schlecht sind die meisten Verfilmungen von Bestsellern.
Zum anderen fallen die Inhaltsangaben auf den Rückencovern eines Buches zu dem jeweiligen Roman echt zu aggressiv aus. Umso deftiger es beschrieben wird, desto unwahrer ist der Lesestoff. So bin ich natürlich, nachdem ich mit diesem Kinoplakat nichts anfangen konnte, in einen Bücherladen gelaufen und habe mir Stieg Larssons wenige Werke mal angeschaut. Und ehrlich gesagt konnte mich nichts zum Kauf eines seiner Romane verleiten. Auch hier steht das typische Lockmittel an den Leser: Das überdrehte Rückencover. Mit eben diesem habe ich diesen Bericht begonnen. Und selbst der klügste Leser würde mir Recht geben, dass diese Beschreibung in der Tat etwas sehr überzogen klingt.
Nun denn, es soll so sein. Nun lag es also vor mir, das gute Stück namens „Verblendung“. Meinen skeptischen Blick deutend rät mir meine mir Angetraute: „Schau doch erst mal rein. Laut der Verkäuferin soll das Buch echt fesseln! Sowas magst du doch!“ Mehr wird mir wohl auch nicht übrig bleiben, oder?
=== „Fraglichkeiten“ ===
Saftige sechshundertneunzig Seiten liegen nun vor mir und ich bin bereit, meine Zeit dafür zu opfern. Ein dicker Aufkleber klebt würdevoll auf dem Cover des Buches. „Spiegel Bestseller“. Als würde mich dies mehr zum Lesen ermutigen. Selbst die fiesesten Liebesschnulzen wurden vom Spiegel auf die Bestsellerlisten gesetzt. Was hat es gebracht? Langeweile. Und sowas sollte man nun noch Glauben schenken? Na gut, Millionen Leute um mich herum tun dies, wieso nicht auch ich? Also beginne ich zu lesen. Und die Verkäuferin hatte irgendwie recht: Man liest sich tatsächlich fest…
Um was geht es denn nun überhaupt?
Stockholm, 2003: Der vierzigjährige Reporter Mikael Blomkvist verliert ein Gerichtsverfahren gegen einen Multimillionär namens Wennerström. Das Gericht verurteilt ihn wegen Verleumdung zu einer äußerst hohen Geldstrafen und drei Monaten Haft. Kein gutes Omen für einen bis dato immer erfolgreichen Reporter. Zudem ist er einer der Herausgeber des schwedischen Magazins „Millennium“ ist. Blomkvist ist nun ein gebrochener Mann, der an eine sichere Story glaubte, diese dank unsicherer Quellen platzte. Die halbe Pressewelt lacht nun über ihn und seinen Misserfolg.
Blomkvist beschließt vorerst vom Pressealltag Abstand zu nehmen. Er kündigt seinen Chefposten bei „Millennium“ und zieht in sein Sommerhaus.
Zeitgleich begibt sich die zurückhaltende Lisbeth Salander auf die Suche nach Informationen über Blomkvist und dessen Vergangenheit. Salander ist vierundzwanzig Jahre alt, hat eine schwere Kindheit hinter sich, ist aber die perfekte Ermittlerin und Computerhackerin. Mit diesen Künsten arbeitet sie freiberuflich bei „Milton Security“, einer Sicherheitsfirma. Im Auftrag eines Klienten soll sie herausfinden, ob der verurteilte Reporter vertrauenswürdig ist oder nicht. Was ihr auch gelingt.
Daraufhin wird Blomkvist von Henrik Vanger, einem millionenschweren Industriellen auf die Insel Hedeby bestellt, mit dem Vorwand, ihm etwas erzählen zu wollen. Eine Geschichte, die es in sich hat und eine Story mit sich ziehen soll. Mikael glaubt dem alten Mann allerdings nicht, geht aber auf den Vorschlag ein, sich die Sorgen anzuhören. Es geht um die Vergangenheit seiner vielfältigen Familie, deren Besitz immer noch die vielen Industriezweige des Unternehmens Vanger sind. Vanger bietet Blomkvist ein halbes Vermögen dafür, dass sich der Reporter ein Jahr lang auf Hedeby niederlässt, um eine Familienchronik zu schaffen. Nebenbei soll er herausfinden, was aus der damals sechzehnjährigen Herriett, seiner Lieblingsenkelin, geschah, die Anfang der sechziger Jahre über Nacht spurlos von der Insel verschwand. Henrik Vanger geht von einem Mord aus, seine damaligen Nachforschungen verliefen diesbezüglich ins Leere. Doch für Blomkvist ist klar, dass dieses Rätsel wohl für immer ungelöst bleiben würde….
--- Leseprobe I ---
Zum ersten Mal, seitdem Hernik Vanger seinen Monolog begonnen hatte, war es dem Alten gelungen, ihn zu überrumpeln. Mikale musste ihn bitten, seinen letzten Satz zu wiederholen, um sicherzugehen, dass er sich nicht verhört hatte. Nichts in den Artikeln, die er gelesen hatte, deutete darauf hin, dass im innersten Kreis der Familie ein Mord begangen worden sein könnte.
Vanger fuhr fort: „Es war der 22. September 1966. Harriet war sechzehn und hatte gerade ihr zweites Jahr auf dem Gymnasium begonnen. Es war ein Samstag, und es sollte der schlimmste Tag meines Lebens werden. Ich bin den Lauf der Ereignisse so oft durchgegangen, dass ich glaube, mich an jede Minute genau erinnern zu können – alles weiß ich, bis auf das Wichtigste.“
Er machte eine ausladende Handbewegung.
„Hier im Haus war ein Großteil meiner Verwandten versammelt. Es war das alljährliche Abendessen, zudem sich die Teilhaber des Konzerns trafen, um über die Geschäfte der Familie zu sprechen. Das war Tradition, die mein Großvater seinerzeit eingeführt hatte und die auf zumeist widerwärtige Veranstaltungen hinauslief. In den achtziger Jahren machte man damit Schluss, weil Martin anordnete, dass alle Diskussionen über die Firma auf den regulären Vorstandssitzungen und Versammlungen stattfinden sollten. Das war die beste Entscheidung, die er jemals gefällt hat. Heute sind es schon zwanzig Jahre, dass sich die Familie nicht mehr zu solchen Veranstaltungen trifft.“
„Sie haben gesagt, dass Harriet ermordet wurde.“
„Warten Sie. Lassen Sie mich erzählen, was geschehen ist. Es war ein Samstag. Außerdem war auch der Festtag mit einem Umzug zum
Hernrik Vanger stand auf und trat ans Fenster. Er winkte Mikael zu sich und sagte: „ 14.15 Uhr, ein paar Minuten nachdem Harriet heimgekommen war, geschah da draußen auf der Brücke ein fürchterlicher Unfall. Ein Mann namens Gustav Aronsson, der hier auf der Insel einen Hof besitzt, bog auf die Brücke ein und stieß frontal mit einem Tanklaster zusammen, der gerade Heizöl ausliefern wollte. Wie genau der Unfall geschah, wurde nie wirklich geklärt – aus beiden Richtungen hatte man gute Sicht-, aber die zwei fuhren zu schnell, und so kam es zur Katastrophe. Der Fahrer des Tanklasters versuchte den Zusammenstoß zu vermeiden und riss wohl instinktiv das Steuer herum. Er fuhr ins Brückengeländer, der Tanklastzug kippte und legte sich quer über die Brücke, wobei das hintere Fahrgestell weit über die gegenüberliegende Kante hinausragte…“
=== „Storyboard“ ===
Mikael Blomkvist glaubt zwar nicht an einen ernsthaften Erfolg, nimmt aber den Job tatsächlich an. Dieser verhilft ihm den nötigen Abstand zu „Millennium“ zu gewinnen. Das gebotene Gehalt für zwölf Monate Chronikschreiben reizt ihn, zudem er ja noch innerhalb dieser Frist seine dreimonatige Haftstrafe absitzen muss. Blomkvist sieht das Ganze als easy Job und zieht sehr zum Leidwesen seiner Kollegin und Liebhaberin Erika Bergerauf die Insel. Henrik Vanger stellt ihm ein altes Sommerhaus zur Verfügung, sowie zig Kartons mit Tagebüchern seines Lebens.
Der Reporter macht sich an die Arbeit und lernt bei den Recherchen nach und nach die auf Hedeby lebenden Mitglieder der Familie Vanger kennen. Er interviewt sie und lässt sich sogar mit der sechszehn Jahre älteren Cecilia Vanger auf ein Verhältnis ein. Durch sie gewinnt er zumindest ein wenig mehr Leben auf der Insel. Doch in Sachen Chronik kann sie ihm kaum behilflich sein.
Die Monate vergehen wie im Fluge und Mikael kommt nur schwerlich voran. Langsam aber sicher nimmt die Familienchronik Gestalt an. Bald gelangt er an den Abschnitt „Harriet Vanger“ und stößt unerwarteterweise auf eine Unklarheit. Eine alte Fotografie aus dem Jahr 1966 gibt ihm Rätsel auf. Als Blomkvist das Bild unter die Lupe nimmt stellt er fest, dass während der mysteriösen Ablaufe damals jemand in Harriets Zimmer aus dem Fenster schaute. Bekommt Blomkvist nun einen Verdächtigen? Ist nun doch von Mord die Rede?
Weitere Ermittlungen ergeben, dass Harriet noch auf dem Kinderfest ihren Mörder gesehen haben muss. Auch hier beweisen dies alte Fotos, die Blomkvist auftreiben kann. Schnell stellt sich heraus, dass doch mehr Verwandte auf der Insel zum Tatzeitpunkt auf Hedeby waren als bisher angenommen…
--- Leseprobe II ---
Nach einem halben Jahr erfolgloser Grübeleien gab es einen ersten Hoffnungsschimmer im Fall Harriet Vanger. Mikael entdeckte innerhalb weniger Tage in der ersten Juniwoche drei neue Puzzleteile. Zwei von ihnen fand er allein, beim dritten hatte er Hilfe.
Nach Erikas Besuch hatte er das Fotoalbum aufgeschlagen, stundenlang ein Bild nach dem anderen angeschaut und sich zu erinnern versucht, worauf er beim letzten Mal unbewusst reagiert hatte. Schließlich legte er alles beiseite und arbeitete stattdessen an der Familienchronik weiter.
Ein paar Tage später saß Mikael gerade im Bus und dachte an etwas völlig anderes, als der Fahrer in die Bahnhofsstraße einbog. Ihm wurde mit einem Schlag klar, was ihm die ganze Zeit im Hinterkopf herum gespukt hatte. Er war so perplex, dass er bis zur Endhaltestelle am Bahnhofsplatz sitzen blieb, und dann sofort nach Hedeby zurückfuhr, um zu prüfen, ob er sich richtig erinnert hatte.
Es war das allerste Bild im Album und zugleich das letzte Bild von Harriet Vanger. Es war auf der Bahnhofsstaße in Hedestad aufgenommen worden, wo sie dem Umzug anlässlich des
Das Bild unterschied sich von den übrigen Fotos. Es war am selben Tag aufgenommen worden, aber es zeigte als einziges von knapp hundertachtzig Bildern nicht den Unfall.
Das Bild war von der anderen Straßenseite aus einem Fenster aufgenommen worden, wahrscheinlich aus einem Fenster im ersten Stock. Das Weitwinkelobjektiv hatte die Front eines Lastwagens im Festzug eingefangen. Auf der Ladefläche standen Frauen in glitzernden Badeanzügen und Haremshosen und warfen Bonbons ins Publikum. Vor dem Lastwagen hüpften drei Clowns herum.
Harriet stand ind er ersten Reihe auf dem Bürgersteig. Neben ihr standen drei Klassenkameraden und um sie herum mindestens hundert andere Einwohner von Hedestad.
Das Publikum verhielt sich, wie sich ein Publikum verhalten soll. Diejenigen, die am weitesten links standen, konzentrierten sich aud die Ladefläche mit den leicht bekleideten Mädchen. Sie sahen vergnügt aus. Kinder zeigten mit dem Finger. Ein paar lachten. Alle wirkten fröhlich.
Alle bis auf eine…
===Erstes Zwischenfazit===
Eins muss man (dem bereits verstorbenen) Stieg Larsson lassen: Er weiß den Leser an seine Worte zu binden. Eine Freundin meiner Frau riet mir, mich nicht von den ersten super langweiligen hundert Seiten abschrecken zu lassen. „Ließ weiter, dann wird es erst spannend!“ Dem Urteil konnte ich mich allerdings nicht wirklich anschließen. Auch wenn diese besagten Seiten nicht sonderlich aus reiner Spannung bestehen, wurde ich gefesselt. Nun nach dreihundertfünfzig Seiten bin ich es eigentlich immer noch, auch wenn es zwischenzeitlich recht um banale Dinge ging, die irgendwie keine Fliege vom Marmeladenbrot heben würden. Die Fesselung basiert allerdings auch darauf, dass die Zwischeninformationen ganz brauchbar für den Verlauf der Geschichte sein könnten und man einfach am Ball bleiben muss, anstatt sich still und heimlich ein paar Seiten vorwärts zu schummeln.
=== „Resultate“ ===
Blomkvist stößt auf weitere Ungereimtheiten im Fall Harriet Vanger. Doch allein kann er dies nun nicht mehr bewältigen. Er beschließt sich Hilfe zu suchen und wendet sich an Dirch Frode, Henrik Vangers Anwalt und rechte Hand. Dieser verplappert sich. Dadurch erfährt Mikael von der Bespitzelung seiner Person.
Lisbeth Salander hat gerade einen privaten Fall abgeschlossen, als Mikael Blomkvist in ihrer Haustür steht. Sie ärgert sich und ist verwundert darüber, dass jemand ihren Aufenthaltsort erfahren hat. Sie erfährt, dass der Reporter weiß, dass sie es war, die die Informationen an „Milton Security“ gebracht hat. Mikael Blomkvist möchte Lisbeth ins Team holen, doch sie weiß nicht recht, ob sie sich das antun soll. Im Normalfall ist sie eine Einzelgängerin und arbeitet dementsprechend. Doch Mikael kann sie überzeugen. Und somit ziehen beide auf die Insel.
Doch auch wenn die Nachforschungen in Sachen Harriet Vanger sehr diskret verlaufen, ist es ein offenes Geheimnis. Viele der Vanger-Familie stößt es auf, dass man die Ära Harriet wieder aufrollt. Dies geht soweit, dass Blomkvist eines Tages einen zerstückelten Katzenkadaver vor der Haustür vorfindet. Eine eindeutige Botschaft, die ihn allerdings nicht von weiteren Forschungen abhält.
Salander und Blomkvist decken immer mehr der Ungereimtheiten auf und stoßen auf heftige Dinge innerhalb der Familie Vanger. Bis Mikael den Täter entlarvt, doch dann vom Selbigen „Geschnappt“ wird…
--- Leseprobe 3---
Der Raum war ungefähr fünf mal zehn Meter groß. Mikael vermutete, dass er an der nördlichen Schmalseite des Hauses liegen musste.
M.V. hatte seine private Folterkamme sorgfältig eingerichtet. Links Ketten, Metallringe an der Decke und im Boden, ein Tisch mit Leserriemen, auf dem er seine Opfer festschnallen konnte, und eine Videoausrüstung. Ein Aufnahmestudio. Ganz hinten im Raum stand ein Stahlkäfig, in dem er seine Gäste längerfristig einsperren konnte. Rechts konnte Mikael jede Menge Videofilme entdecken.
Sobald sie den Raum betreten hatten, richtete M.V. die Pistole auf Mikael und befahl ihm, sich bäuchlings auf den Boden zu legen. Mikael weigerte sich.
„Okay“, sagte M.V., „dann schieße ich Ihnen in die Kniescheiben.“
Mikael kapitulierte. Er hatte keine Wahl.
Er hatte gehofft, dass M.´s Aufmerksamkeit einmal für eine Zehntelsekunde nachlassen würde – er wusste, dass er einen Kampf gegen ihn gewinnen würde. Als M. ihm oben an der Treppe die Hand auf die Schulter legte. Danach war M. nicht mehr in seine Nähe gekommen. Und mit verletzten Knien hatte er gar keine Chance mehr. Er legte sich auf den Boden.
M. näherte sich ihm von hinten und befahl Mikael, die Hände auf den Rücke zu legen. Er legte ihm Handschellen an. Dann versetzte er Mikael einen Tritt zwischen die Beine und begann, auf ihn einzuprügeln.
Was danach geschah, erschien Mikael wie ein Alptraum. M.V.´s geistiger Zustand wechselte zwischen Vernunft und Wahnsinn. Phasenweise war er anscheinend ruhig. Im nächsten Moment lief er im Keller auf und ab wie ein Tier im Käfig. Mehrfach versetzte er Mikael Tritte. Mikael konnte weiter nichts tun, als zu versuchen, seinen Kopf zu schützen und die Schläge bestmöglich abzufangen. Nach wenigen Minuten schmerzte sein Körper von einem Dutzend Verletzungen.
Währen der ersten halben Stunde sagte M. kein Wort und war nicht ansprechbar. Danach schien er sich zu beruhigen. Er holte eine Kette, legte sie Mikael um den Hals und befestigte sie mit einem Vorhängeschloss an einem Metallring am Boden. Dann ließ er ihn eine knappe Viertelstunde allein. Als er wiederkam, hatte er eine Literflasche Tafelwasser dabei. Er setzte sich auf einen Stuhl und betrachtete Mikael, während er trank.
=== Fazit des Ganzen===
Geschafft. Innerhalb von zehn Tagen habe ich den sechshundertfünfzigseitigen Taschenbuchschinken zerlesen. Endresultat: Nett.
Stieg Larssons Titel „Verblendung“ hat im Grunde nur wenig mit dem Roman an sich zu tun. Hierbei hat man sich im Verlag wohl mehr oder weniger für die Vermarktungsstrategie entschieden, anstatt sich eventuell am Originaltitel „Män som hatar kvinnor“ („Männer die Frauen hassen“) zu orientieren. Wer weiß. Ebenso ist auch die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Einbandes (siehe oben) völlig überzogen. Wer sich hier auf einen mörderisch spannenden Krimi freut, ist dann doch an der falschen Adresse.
Damit möchte ich nicht sagen, dass „Verblendung“ nicht spannend ist. Nein, eher im Gegenteil. Stieg Larsson schreibt in einem Stil der Gewohnheit. Er bindet seinen Leser bereits zu Beginn der Geschichte, was hier absolut gut ist und ich bei vielen Romanen von zum Beispiel Stephen King vermisse. Larsson lässt seinen Tatort an Ort und Stelle, hält seine Hauptpersonen begrenzt und gibt ihnen Persönlichkeit. Dies geht soweit, dass der Autor sehr viele Faktoren im Roman verewigt, die mit der Story an sich kaum verbunden sind. So werden seitenweise funktionale Affären von Mikael Blomkvist verwendet, was diesem allerdings seine eigene Persönlichkeit gibt.
Auch Lisbeth Salander und ihre traumatische Kindheit spielen eine gewisse Rolle. So wirklich anwenden wird man diese Szenarien wohl erst in den Fortsetzungsromanen „Verdammnis“ und „Vergebung“. Ein paar erste Einblicke darf in Selbige darf man am Ende des Romans erhaschen.
„Verblendung“ ist gut gemacht, ist fesselnd und schreit regelrecht nach einer Fortsetzung (die ja schon auf dem Markt ist). Der Roman an sich macht zwar Spaß zu lesen, geht mir persönlich allerdings teilweise einfach zu langwierig voran. Gut gemacht ist die doppelte Story, die nach der Klärung des „Vanger-Falls“ den Leser noch am Buch hält. Ist die Lösung um Harriet Vanger tatsächlich verborgen und überraschend, wird Projekt zwei zum vorausschaubaren langgezogenen Hin und her. Letztendlich liest man es dann doch, weil es nun mal dazu gehört.
Für „Verblendung“ kann ich gute vier Sterne und demnach eine Kauf- und Leseempfehlung vergeben. Wer leichte krimilogische Romane mag, ohne standardisierte Detektive und Mordopfer, ist mit diesem Roman bestens bedient.
=== Hintergrund-Infos===
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43245-I
Preis: € 10,00 (Deutschland); € 10,30 (Österreich)
©knopfi.de´2010
67 Bewertungen, 24 Kommentare
-
22.05.2011, 02:34 Uhr von nine22886
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht! lg nine
-
22.02.2011, 18:54 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr informativ beschrieben! LG und eine schöne Restwoche.
-
10.02.2011, 13:23 Uhr von knoopiwahn
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße von knoopiwahn!
-
30.12.2010, 06:13 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollGuten Rutsch ins Neue Jahr
-
21.12.2010, 18:42 Uhr von frankensteins
Bewertung: besonders wertvollwünsch euch ruhige Tage und einen schönen Start ins heue Jahr lg
-
08.12.2010, 15:24 Uhr von Venenum84
Bewertung: besonders wertvollwünsche dir einen schönen verschneiten mittwoch!
-
02.12.2010, 16:54 Uhr von catmum68
Bewertung: besonders wertvollbesonders wertvoller Bericht, LG
-
02.12.2010, 02:08 Uhr von Polarlicht1960
Bewertung: sehr hilfreichVIELE LIEBE GRÜSSE VON LARISSA
-
01.12.2010, 18:32 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollprima beschrieben. Ich habe diese drei Bücher auch alle längst gelesen, aber ein Bericht darüber wäre mir sehr schwer gefallen!! - LG gisela
-
01.12.2010, 09:38 Uhr von LINUS2804
Bewertung: sehr hilfreichPrima Bericht. Lieben Gruss linus2804
-
30.11.2010, 22:40 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichViele Gruesse, mima007
-
29.11.2010, 20:27 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße Edith und Claus
-
29.11.2010, 18:23 Uhr von trullilu
Bewertung: sehr hilfreichGrüße schickt dir trullilu !!!
-
29.11.2010, 17:41 Uhr von morla
Bewertung: besonders wertvolllg. ^^^^^^^^^^^^^petra
-
29.11.2010, 14:29 Uhr von Scrat173
Bewertung: sehr hilfreichFreue mich auf Gegenlesung von dir!!!
-
29.11.2010, 12:59 Uhr von Zatzeck0805
Bewertung: besonders wertvoll -
29.11.2010, 12:10 Uhr von cleo1
Bewertung: besonders wertvollEinen schönen Start in die Woche und LG cleo1
-
29.11.2010, 10:51 Uhr von sunflower76
Bewertung: besonders wertvollgroßartiger Bericht, gerne ein BW von mir und lG zum Adventstart, Daniela
-
29.11.2010, 10:47 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße ...KATJA
-
29.11.2010, 10:37 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvollund einen wunderschönen wochenstar
-
29.11.2010, 10:28 Uhr von meerifan1
Bewertung: besonders wertvollWünsche einen guten Start in die Woche. LG Yvonne
-
29.11.2010, 10:02 Uhr von Lakisha_1
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht, freue mich über deine Gegenlesung. lg
-
29.11.2010, 09:59 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich..leider heute BW aus
-
29.11.2010, 09:48 Uhr von minasteini
Bewertung: besonders wertvollKlasse Buchvorstellung. Ich wünsche einen schönen Wochenstart. LG Marina



Bewerten / Kommentar schreiben