Illuminati - Extended Version (Blu-ray) Testbericht

ab 10,92
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Schnitzeljäger des verlorenen Schatzes

Pro:

Der gute Klang der Blu Ray

Kontra:

Der Film ist reichlich handlungsarm, die Charaktere bleiben blass

Empfehlung:

Nein

Im Original heißt der zweite nach einer Räuberpistole von Dan Brown gedrehte Film „Angels and Demons“. Aber aus dem ersten Teil „The Da Vinci Code“ ist seinerzeit für deutsche Leser und Gucker ja auch „Das Sakrileg“ geworden. Mithin: Passt scho’.


In den Lobgesang auf „The Da Vinci Code“ mochte ich weder einstimmen, nachdem ich das Buch gelesen hatte, noch nachdem ich den Film bei seiner Ausstrahlung im Fernsehen gesehen hatte. Die Charaktere waren für meinen Geschmack viel zu eindimensional, den Erzählstil fand ich bestenfalls durchschnittlich, und mit dem Eindruck, dass die Handlung nicht viel mehr ist als ein geschickt um ein vor Jahrzehnten veröffentlichtes Garn („Holy Blood, Holy Grail“) gewebter 0815-Krimi ist, stehe ich sicher auch nicht allein da. Da gut Abgekupfertes im Zweifelsfalle aber noch immer besser ist als schlecht Erfundenes, ziehe ich meinen Hut vor Herrn Brown, gönne ihm seine Tantiemen und freue mich, dass er für sich eine lukrative Alternative zum Lehramt gefunden hat – nicht nur ich brauche Dan Brown nicht, sondern Dan Brown braucht auch mich nicht.

Schließlich haben Browns Geschichten so viele Leser gefunden, dass auch deren Verfilmung mittlerweile schon in Runde zwei gegangen ist. Der Erfolg gibt ihm mithin Recht, und ich gebe zu, dass ich neugierig genug war, um „Illuminati“ sehen zu wollen. Den ersten Film, in dem Tom Hanks sich als „Symbologe“ (dass das ein eigener wissenschaftlicher Forschungszweig sein soll, weiß ich auch erst, seitdem Dan Brown das in seinen Storys keck behauptet) betätigen darf, hatte ich, wie gesagt im Fernsehen angesehen. Mein Eindruck: Die oft nur leidlich interessanten Exkurse, die Brown teils sehr ungeschickt in seinen Roman eingeflochten hat und die den Lesefluss hemmen, bremsen leider auch die Handlung des Films oft genug aus.

Vier Kardinäle, eine Bombe und jede Menge Tempo

Zumindest im Rückblick muss auch Regisseur Ron Howard das wohl so empfunden haben, denn „Illuminati“ ist sehr viel straffer inszeniert als „Sakrileg“. Allerdings bleibt Brown seinem einmal etablierten Erzählmuster treu: Auch „Illuminati“ ist im Prinzip eine Schnitzeljagd; im Unterschied zum ersten Teil wird die allerdings mit einem zweiten Handlungsstrang verwoben. In „Illuminati“ geht’s deshalb nicht nur darum, eine tickende Bombe zu finden, sondern außerdem vier gekidnappte Kardinäle. Von denen, so die Nachricht der Entführer, soll zu jeder vollen Stunde einer dran glauben müssen (pun intended), und zwar coram publico – Eile ist also geboten, und das gleich 146 Minuten lang. So lang ist der Film nämlich in der „extended version“, die es damit auf eine sieben Minuten längere Laufzeit als die Kinofassung bringt. Worin der Unterschied besteht, entzieht sich leider meiner Kenntnis – ich habe bei der Inaugenscheinnahme am Wochenende jedenfalls gleich zur längeren Schnittfassung gegriffen (die Blu Ray-Version bietet allerdings auch die kürzere Kinofassung – der geneigte Heimkinofan darf mithin selbst wählen, welchen Schnitt er sich verpassen lässt).

(Die) im Dunkeln sieht man nicht

Zwei Dinge sind mir beim Anschauen umgehend aufgefallen: Zum einen, dass Tom Hanks’ quasi-amtliche Synchronstimme seltsam verschliffen klingt – ob das daran liegt, dass Sprecher Arne Elsholtz womöglich gesundheitliche Probleme hat, ist aber reine Spekulation. Tatsache ist, dass Elsholtz’ Stimme deutlich hörbar anders anders klingt als in anderen Filmen, für die er in der Vergangenheit als Synchronsprecher fungiert hat. Zum anderen fällt auf, wie düster „Illuminati“ ist – und das beileibe nicht nur im übertragenen, sondern auch in einem ganz wörtlichen Sinne. Man möchte den Beleuchtern zurufen, was Dichterfürst Goethe auf dem Sterbebett geflüstert haben soll: Mehr Licht! Oft, allzu oft saufen Details des Bildes in ägyptischer Finsternis ab – wer der Helligkeit nicht von Hand auf die Sprünge hilft, bleibt über weite Strecken des Films im Dunkeln. Anders als es der Filmtitel vermuten lassen würde, waren hier offensichtlich keine großen Leuchten am Werk.

Immerhin: Die Wummsizität des Tons ist bemerkenswert

Lob verdient das Bild hingegen in der Disziplin Schärfe, und auch der Ton macht sich angenehm bemerkbar: Wer zur Wiedergabe einen Subwoofer nutzt, darf sich über eine Vielzahl von Szenen freuen, in denen die heimische Anlage gruselig brummen und basslastiges Herzschlagklopfen produzieren darf – eine Soundkulisse, die prima passt zur Hatz durch finstere Gewölbe unter der Vatikanstadt. Der Soundtrack von Hans Zimmer, der in diesen Tagen eine Art Monopol auf Stoffe zu haben scheint, die nach mehr oder minder symphonisch klingender Filmmusik verlangen, profitiert ebenfalls vom guten Klang der Blu Ray, fällt aber nicht mit sonderlich originellen Themen auf – vieles von dem, was da im Hintergrund zu hören ist, klingt verdächtig danach, als habe Zimmer zur Abwechslung nicht im eigenen Werk nach Inspiration gesucht, sondern im Ouevre der italienischen Prog-Rock-Band „Goblin“; zwischenzeitlich fühlte ich mich immer mal wieder an das Hauptthema erinnert, dass die Band seinerzeit für Dario Argentos „Suspiria“ eingespielt hat.

Das Bonusmaterial: viele Beilagen statt eines Hauptgerichtes

Der Teil des Bonusmaterials, den ich mir bisher zu Gemüt geführt habe, war leidlich interessant, aber en gros sehr werblich – und leider wird auch das Bonusmaterial von „Illuminati“ in den Kleinsthäppchen serviert, die man für das Maximum dessen zu halten scheint, was man dem aufmerksamkeitsschwachen Publikum heutzutage auf einen Schlag zumuten kann.

Dass die Antimaterie-Bombe, die ich anfangs für einen klassischen McGuffin gehalten habe, nicht so an den Haaren herbeigezogen zu sein scheint, wie ich das zunächst angenommen hatte, fand ich interessant; aber für meinen Geschmack hätte der Beitrag über das Forschungsinstitut CERN und den gerade in der jüngeren Vergangenheit durch den Blätterwald rauschenden Great Hadron Collider gern noch etwas länger ausfallen dürfen. Auch der knapp fünfminütige Beitrag, der sich mit dem Prinzip des so genannten Ambigramms befasst (das im Film leider nur eine Nebenrolle spielt), ist leider nicht viel mehr als Werbung für das Buch „Wordplay“, dessen Verfasser John Langdon die Hauptfigur in Browns Romanen ihren Namen verdankt (und mit dessen Kauf ich jetzt durchaus liebäugele – der Clip hat seinen Zweck also offensichtlich erfüllt).

Unterm Strich würde ich meinen Gesamteindruck wie folgt zusammenfassen: Der Film ist zwar für meinen Geschmack besser als der Vorläufer „Sakrileg“, trotzdem fand ich auch „Illuminati“ nur leidlich spannend – auch in der Neuauflage ist das Prinzip Schnitzeljagd kein Ersatz für eine raffinierte Handlung, und weder die illustre Besetzung noch die wie aus einem Hochglanzmagazin wirkenden Bilder täuschen darüber hinweg, dass „Illuminati“ im Kern eher in der filmischen B-Klasse spielt.

R e s ü m e e

Wo „Sakrileg“ noch ein ums andere Mal an ziemlichem Leerlauf krankte, gibt „Illuminati“ ziemlich Gas. Leider jedoch bleiben die Charaktere auch diesmal reichlich blass: Mehr als melodramatische Schwarzweiß-Malerei hat der Film leider nicht zu bieten. Dummerweise nimmt sich auch „Illuminati“ wieder ernster, als es dem Film gut tut – Robert Langdon ist leider kein zweiter Indiana Jones, etwas ironische Selbstdistanz hätte dem düster-sinnhuberischen Film das nötige Maß an Witz hinzugefügt. Die Blu Ray-Version punktet mit gutem Klang und scharfem Bild, dessen Details sich jedoch leider allzu oft in Schwärze verlieren. In der Bonusmaterial-Abteilung wird dem Zuschauer, wie leider so oft in diesen Tagen, eine Fülle vorgegaukelt, die der näheren Betrachtung nicht standhält – was auf den ersten Blick wie ein mehrgängiges Menü wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Abfolge von Tapas: durchaus schmackhaft, aber nicht so sättigend, als dass nicht doch der Wunsch nach mehr bliebe. Wer den Film im Kino mochte, wird aber gut bedient: Neben der Kinoversion gibt’s eine um sieben Minuten längere Schnittfassung zu bewundern – Fans kommen beim Kauf der Blu Ray also durchaus auf ihre Kosten.

41 Bewertungen, 11 Kommentare

  • struppitoeter

    29.03.2010, 16:39 Uhr von struppitoeter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! Sehr schön!

  • Clarinetta2

    27.12.2009, 20:25 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut geschrieben

  • DMaster89

    23.12.2009, 17:12 Uhr von DMaster89
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht! Viele Grüße und noch einen schönen Mitwoch...

  • wusi

    23.12.2009, 16:53 Uhr von wusi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!! LG Wusi

  • liebes35

    23.12.2009, 16:03 Uhr von liebes35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben. LG Steffi

  • leupi123

    23.12.2009, 15:22 Uhr von leupi123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche ein frohes Fest und schöne Feiertage. Lg leupi

  • mrwong

    23.12.2009, 14:46 Uhr von mrwong
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein fohes fest wünscht der felix :-)

  • laeuft

    23.12.2009, 14:13 Uhr von laeuft
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr gut geschrieben, LG Franz

  • cleo1

    23.12.2009, 14:12 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Würde mich über Gegenlesung sehr freuen. Frohes Fest und LG cleo1

  • minasteini

    23.12.2009, 13:59 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche dir ein frohes Fest. LG

  • Steve2512

    23.12.2009, 13:28 Uhr von Steve2512
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich, toller Testbericht ! Freue mich über Gegenlesungen :-) LG Steve 2512