Die straße (Taschenbuch) / Cormac McCarthy Testbericht

Auf yopi.de gelistet seit 11/2009
Erfahrungsbericht von picassoweiblich
"Düster, düsterer, am düstersten = Hoffnungslos!"
Pro:
Für jeden, der Interesse daran hat, wie es DANACH aussehen könnte!
Kontra:
Erschreckende Erkenntnis, wie das DANACH aussehen könnte!
Empfehlung:
Ja
Ich lese sehr gern. Und entweder muss das Buch spannend und fesselnd sein, oder interessant. Auf jeden Fall muss es von der ersten Seite an neugierig machen, was denn weiter geschieht. Bei Sachbüchern ist das natürlich was anderes, aber ich schreibe ja hier über einen Roman, den ich bei einem Besuch bei meiner Tochter unter ihren Geschenken entdeckte und sie es mir natürlich sofort freiwillig überließ, als sie mein Interesse bemerkte. (Sie hat momentan wenig Zeit und Muße zum Lesen, als Erklärung dazu.)
Ein völlig unscheinbares, nichtssagendes (oder vielsagendes), düsteres Cover: Der Betrachter schaut vom Strand aufs Wasser, eine kleine Welle mit weißer Schaumkrone ist zu erkennen. So zu sehen im unteren Drittel des Titels – und weiter nichts. Der Rest des Bildes ist grau-schwarz und soll den Horizont und Himmel darstellen, völlig übergangslos, schemenhaft. Im helleren grau des Horizontes steht mit schwarzen Buchstaben, beide Worte klein geschrieben, der Titel: „die straße“
*****Daten zum Buch:
- Titel: die straße
- Autor: Cormac Mc Carthy
- Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
- Deutsch: von Nokolaus Stinl
- Seiten: 253
- Erschienen: 2006
- 2007 in deutscher Übersetzung
- ISBN: 978-3-499-24600-5
- Preis: 8,95 €
*****Der Autor
McCarthy wurde 1933 in Rhode Island geboren, wuchs in Knoxville, Tennesee auf, wohnte lange Zeit in Texas und lebt heute mit seiner Frau und einem Sohn in New Mexico. Weitere Werke von ihm ins deutsche übersetzt sind „Kein Land für alte Männer“, „Draußen im Dunkel“, „All die schönen Pferde“, „Die Abendröte im Westen“ und „Grenzgänger“. Er hat für seine Werke viele Auszeichnungen entgegen nehmen dürfen, unter anderem für „die straße“ den Pulitzer-Preis.
*****Klappentext
"Die Straße" ist die bewegende Geschichte einer Reise, die keine Hoffnung lässt, nur die verzweifelte Liebe des Vaters zu seinem kränkelnden Sohn. Von der US-amerikanischen Kritik als "Meisterwerk" (Booklist) und als "das dem Alten Testament am nächsten kommende Buch der Literaturgeschichte" (Publishers Weekly) apostrophiert, ist dies der Höhepunkt von McCarthys außergewöhnlichem literarischem Werk. Es ist ein Roman über die letzten Dinge, über das Schlimmste und Beste, zu dem die Menschheit fähig ist: ultimative Zerstörung, verzweifeltes Durchhaltevermögen und, nicht zuletzt, die Zärtlichkeit und Zuneigung, die Menschen im Angesicht der Vernichtung Kraft zum Überleben geben.
*****Rückseite des Buches zum Inhalt
DIE WELT NACH DEM ENDE DER WELT
Ein Mann und ein Kind schleppen sich durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee grau. Sie haben nur noch ihre Kleider am Leib, einen Einkaufswagen mit der nötigsten Habe – und einen Revolver mit zwei Schuss Munition. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Ihre Geschichte ist eine düstere Parabel auf das Leben, und sie erzählt von der herzzerreißenden Liebe eines Vaters zu seinem Sohn.
*****Zum Inhalt
Die Handlung, um die es in diesem Roman geht, passt tatsächlich in die wenigen Sätze auf der Rückseite des Buches. Viel mehr passiert nicht:
-- Außer, dass ihnen manchmal Menschen begegnen, die zu Kannibalen geworden sind, weil es kaum noch Essbares zu finden gibt.
-- Außer, dass es manchmal schneit.
-- Außer, dass sie manchmal kleine Glückssträhnen zu haben scheinen, und mal mehr, mal weniger und mal gar nichts zu essen haben.
-- Außer, dass sich die Landschaft ändert, durch die sie ziehen, mal Städte, mal Dörfer, mal Ebenen, mal Berge, mal das Meer.
Aber alles andere bleibt gleich:
-- Die ewige Suche und der Kampf um die Nahrung.
-- Die Einsamkeit und Trostlosigkeit der Beiden und der Landschaft.
-- Der trübe Tag, die schwarze Nacht.
-- Der Kampf ums nackte Leben, ums überleben. Und wozu?
-- Der kleine Funken Hoffnung, der sie jeden Tag aufs Neue losmarschieren, weiter ziehen lässt.
*****Mein Kommentar
Zunächst war ich begeistert, zumindest die ersten Seiten des Buches. Dann wurde es mir recht langatmig, nicht zu verwechseln mit langweilig! Immer wieder, Seite für Seite die endlosen Beschreibungen der tristen Landschaft, der zerstörten Natur, der Einsamkeit und Geräuschlosigkeit einer nicht vorhandenen Zivilisation.
Bei jeder Seite, die ich umschlug, dachte ich, jetzt muss doch was passieren, jetzt muss es doch einen Lichtblick geben – aber nichts passiert, es erscheint kein Silberstreif am Horizont. Auch nicht, als sie das Meer erreichen, ihr einziger Anhaltspunkt, das Ziel ihrer Wanderschaft. So viele Worte und Sätze für etwas zu finden, das man mit einem Satz beschreiben könnte: Eine tote Welt! Ist schon genial geschrieben und McCarthy schafft es, dass man bis zum (bitteren) Ende liest, Seite für Seite.
Der Autor hat außerdem auch auf die Unterteilung in Kapitel oder irgendeiner anderen Form verzichtet, was das Lesen in Etappen erschwert, weil man irgendwo aufhören muss. Bei näherer Betrachtung zum Inhalt macht das natürlich Sinn, weil das Leben der Beiden genauso abläuft, ohne Unterteilung, nur in Tag (grau) und Nacht (schwarz) geteilt. Aber daraus kann man ja keine Kapitel machen.
Was beim Lesen besonders schwer fällt ist die sparsame Interpunktion. Er verzichtet auf die Anführungsstriche bei der wörtlichen Rede, verzichtet sogar an manchen Stellen darauf, für jeden gesprochenen Satz eine neue Zeile zu beginnen, sondern baut auch die wörtliche Rede in ganze Abschnitte ein. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, auf Anhieb zu realisieren, wer was sagt. Denn die Worte des Jungen klingen meistens ebenso erwachsen, wie die des Vaters und manchmal sind es nur einzelne Worte, die sie wechseln, so dass ich manche Stellen zwei Mal lesen musste.
-----------------------
Hier eine Leseprobe von Seite 184, um es zu verdeutlichen:
Gefliester Boden, Reihen von Regalen und in den Regalen mehrere Dutzend große Einweckgläser. Er durchquerte den Raum, nahm eines in die Hand und pustete den Staub herunter. Grüne Bohnen. In den ordentlichen Reihen außerdem rote Paprikastücke. Tomaten. Mais. Neue Kartoffeln. Okra. Der Junge sah ihm zu. Der Mann wischte den Staub von den Deckeln der Gläser und drückte mit dem Daumen darauf. Es wurde rasch dunkel. Er trug zwei Gläser zum Fenster, hielt sie hoch und drehte sie. Er sah den Jungen an. Kann sein, dass sie giftig sind, sagt er. Wir werden alles gründlich kochen müssen. Ist das okay?
Ich weiß nicht.
Was willst du denn tun?
Das musst du sagen.
Das müssen wir beide sagen.
Meinst du, die Sachen sind okay?
Ich denke, wenn wir sie gründlich kochen, können wir sie essen.
Okay. Warum, glaubst du, hat niemand sie gegessen?
Ich glaube, dass niemand sie gefunden hat. Von der Straße aus kann man das Haus nicht sehen.
Wir haben es aber gesehen.
Du hast es gesehen.
Der Junge mustert die Gläser.
Was meinst du?, fragte der Mann.
Ich denke, wir haben keine Wahl.
Ich denke, du hast recht. Gehen wir Holz holen, bevor es noch dunkler wird.
--------------------------
***** Schlusswort
Leider erfährt man nicht, warum die Welt in diesem, auf so vielen Seiten beschriebenen Zustand ist, wie lange der angedeutete Supergau her ist, wie die Zerstörung verlaufen ist und was aus der Familie wurde. Nur in kurzen Abschnitten kommen mal kleine Rückblicke vor, die aber auch nicht viel Licht ins Dunkel bringen. Man muss sich damit begnügen und hofft immer, bei der nächsten Begebenheit, oder dem nächsten Traum, der nächsten Unterhaltung etwas mehr zu erfahren.
Der Schluss hat auch nicht wirklich was mit Hoffnung oder Lichtblick zu tun, darum verrate ich ihn nicht….
Ich empfehle dieses Buch, trotz der etwas schwer zu verfolgenden Dialoge, jedem, der sich dafür interessiert, wie ein Leben DANACH aussehen kann.
LG picassoweiblich
(auch auf dooyoo und ciao)
87 Bewertungen, 34 Kommentare
-
05.02.2010, 10:27 Uhr von Steinbock78
Bewertung: besonders wertvollAnspruchsvolles Lesen fördert ;-) Lg Steinbock78
-
03.02.2010, 05:05 Uhr von testwriter
Bewertung: sehr hilfreichsuper bericht..schön geschrieben lg
-
02.02.2010, 09:10 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsorry, dass es etwas gedauert hat, doch bin erst am sonntag vom urlaub zurück gekommen. lg eva
-
31.01.2010, 23:51 Uhr von Volker111
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Beitrag, heute leider keine bws mehr
-
31.01.2010, 15:01 Uhr von fantagirlie
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße und einen erholsamen Sonntag wünsche ich Dir noch. Genieße den Rest des Wochenendes
-
16.01.2010, 11:29 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollAutor kommt mir sehr bekannt vor, finde aber kein Buch das mir einfällt, gut. - Die Schreibweise hat nicht nur er; so ähnlich habe ich einiges gelesen und ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wenig Action ist okee in meinen Augen, wenn die Sprache schön ist, und die karge Handlung es schafft, mich hineinzuversetzen.... hast du super beschrieben!! - LG Gisela
-
13.01.2010, 01:43 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichWillkommen auch hier :-)
-
10.01.2010, 22:22 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichLG Anett
-
10.01.2010, 21:19 Uhr von feliciano2009
Bewertung: sehr hilfreichmuss ich auch mal lesen!
-
09.01.2010, 00:30 Uhr von stipps
Bewertung: sehr hilfreichToll geschrieben - toller Bericht. Sehr hilfreich :-)
-
06.01.2010, 21:43 Uhr von geligiraffe
Bewertung: sehr hilfreichguter Bericht liebe Grüße Angelika
-
03.01.2010, 14:59 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichAlles liebe und gute, viel Licht und Liebe für das Jahr 2010 .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
-
31.12.2009, 17:24 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollGuten Rutsch wünscht Dir DerAtlas!
-
31.12.2009, 12:22 Uhr von mars725
Bewertung: sehr hilfreichBH ist leider aus :( lg mars
-
31.12.2009, 11:06 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichdass bald das neue jahr beginnt, spür ich nicht im geringsten. ich merke nur: die zeit verrinnt, genauso wie an pfingsten. (Joachim Ringelnatz) und einen guten rutsch und ganz liebe grüße
-
31.12.2009, 00:41 Uhr von Fernsteuerung
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse auf diesem Wege und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht Dir Susanna.
-
30.12.2009, 22:35 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichEin schönes Jahr 2010 wünscht Dir Talulah
-
30.12.2009, 22:34 Uhr von oskermit
Bewertung: sehr hilfreichDu warst bei mir, also komm ich zu dir! Für 2010 wünsche ich dir und mir viele Leser ;-))
-
30.12.2009, 22:23 Uhr von paula2
Bewertung: sehr hilfreichliebe Grüße
-
30.12.2009, 20:20 Uhr von Lakisha_1
Bewertung: sehr hilfreicheinen guten Rutsch wünsch ich dir, würde mich freuen wenn du mich auch nächstes Jahr wieder besuchst. lg
-
30.12.2009, 19:58 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich;O) Lieben Gruß Sabrina
-
30.12.2009, 07:57 Uhr von ronald65
Bewertung: sehr hilfreichlg
-
29.12.2009, 19:06 Uhr von wolli007
Bewertung: sehr hilfreichprima Bericht, lg
-
10.12.2009, 14:06 Uhr von Sky112
Bewertung: sehr hilfreichsh
-
05.12.2009, 20:37 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichEinen schönen 2. Advent und LG cleo1
-
05.12.2009, 18:19 Uhr von Michaela2015
Bewertung: sehr hilfreichguter bericht, lg michi
-
05.12.2009, 17:05 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichich würde es nicht unbedingt lesen, prima bericht
-
05.12.2009, 16:58 Uhr von liebes35
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter Bericht. LG Steffi
-
02.12.2009, 09:41 Uhr von Chandini
Bewertung: sehr hilfreichDas klingt mir zu anstrengend :)
-
01.12.2009, 21:42 Uhr von Daisy_Bluemchen
Bewertung: sehr hilfreichschöner Bericht und viele Grüße
-
01.12.2009, 07:31 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichGut Berichtet...Lg Sigi
-
01.12.2009, 00:36 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir einen guten wochenstart lg. petra
-
30.11.2009, 22:27 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichSh und lg von Marina.
-
30.11.2009, 22:16 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSEHR HILFREICH schöne Vorweihnachtszeit ich lese gegen Du auch?
Bewerten / Kommentar schreiben