Red Cliff (DVD) Testbericht

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Red-cliff-dvd-historienfilm
ab 9,41
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2010

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Erfahrungsbericht von atrachte

John Woo kommt wieder in Form

Pro:

perfekt inszeniertes Epos, gute Darsteller,

Kontra:

fast zweistündiger Schnitt ( ! ! ! ), flache Rahmenhandlung,

Empfehlung:

Ja

Gott sei Dank - anders kann man die filmische Heimreise von Regisseur John Woo nach China wohl nicht in Worte fassen. Denn sind wir mal ehrlich, wirklich etwas reißen konnte der legendäre Filmemacher des Hong-Kong Actionkinos in Hollywood nicht. Angefangen bei bestenfalls mittelprächtigen B-Actionern („Operation Broken Arrow“, 1996), hinüber zum noch einmal Hoffnung aufkeimen lassenden „Face/Off“ (1997) bis hin zu öder Action der Marke Hollywood („Mission Impossible 2“, 2000) und banaler Kriegsverarbeitung der Amerikaner („Windtalkers“, 2002). Das Projekt Hollywood kann man im Falle von Woo als gescheitert abhacken und nun wieder mit freudiger Erwartung in die Zukunft schauen. Doch anders als es viele Fans wohl von Woo erwartet, und sicherlich auch erhofft haben, zelebriert er seine Rückkehr in die Heimat nicht mit epischer Bloodshed Action, wie in besten Zeiten mit „Hard Boiled“ (1992) oder „The Killer“ (1989), sondern mit einem klassischen Historienschinken. Ein Genre also, das in den letzten Jahren vor allem aus dem Reich der Mitte sehr reichlich behandelt wurde, aber, so wie Woo mitunter eindrucksvoll unter Beweis stellt, noch immer eine Daseinsberechtigung hat. Und als Regisseur hat Woo diese sowieso noch immer.

Im Jahre 208 nach Chr. ist China ein in drei Reiche geteiltes Land. Der machthungrige Premierminister und Kriegsherr Cao Cao (Zhang Fengyi) will es im Kampf wieder einigen und unter die Führung eines Kaisers stellen. Den Kaiser der Han-Dynastie hat er bereits soweit untergraben, das er ihn wie eine Marionette steuern kann. Diesem Umstand verdankend, gelingt es ihm ein Herr von über 800.000 Soldaten aufzustellen, welches nun Richtung Süden marschiert um das dortige Königreich anzugreifen. Um den zahlenmäßig vollkommen überlegenen Gegner zu trotzen, schließen sich unter der taktischen Führung von Zhou Yu (Tony Leung Chiu Wai) und Liang (Takeshi Kaneshiro) die Reiche des Westens und Südens zusammen. Was zunächst lediglich ein Bündnis der gegebenen Umstände ist, entwickelt sich nach und nach aber immer mehr zu einer Allianz aus Freundschaft und ernst gemeinten Pflichtgefühl zueinander. Die Kämpfe enden schließlich in einer alles entscheidenden Schlacht an den roten Klippen...

„Red Cliff“ ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Film. Zum einen stellt er natürlich die längst überfällige Rückkehr John Woos in seine Heimat zurück und ist somit der erste chinesischer Film seit langen 15 Jahren aus der Schmiede des legendären Filmemachers. Darüber hinaus ist er aber auch der momentan teuerste Film, der jemals in China produziert wurde. Eine Tatsache, die man dem 80 Millionen Dollar starken Unterfangen in jeder noch so kleinen Einstellung anmerkt. Dies gilt in erster Linie natürlich vor allem für das offensichtliche Herzstück des Filmes, die epochalen Kämpfe. Wie nicht anders zu erwarten, strotzen diese nur so vor Kraft und sorgen nicht selten für begeisterte Mienen. Monumentale Massenszenen mit tausenden Statisten und jeder Menge Kunstblut, bis ins kleinste Detail perfekt durchchoreographierte Schlachtszenen zu Land und Wasser, mitreißende Kamerafahrten, die selten ein Bild der Ruhe zeichnen, wunderschöne Landschaftsaufnahmen, pompöse Orchester-Klänge sowie größtenteils wunderbar stimmige CGI-Sequenzen, welche in den meisten Fällen gut mit den handgemachten Szenen harmonieren, hin und wieder aber auch ein wenig Over-the-Top wirken. Der Schauwert ist bei dieser mächtigen Opulenz in jedem Fall gegeben.

Leider kann man dies von der Geschichte und deren Umsetzung nicht ganz sagen. Dazu sei gesagt, das die in Europa veröffentlichte Fassung mit knapp 150 Minuten Laufzeit zwar schon sehr lang anmutet, in Wirklichkeit aber nur knapp mehr als die Hälfte des eigentlichen Filmes ausmacht. Ursprünglich war „Red Cliff“ nämlich als Zweiteiler konzipiert, und ist als solcher in Asien auch in die Kinos gekommen, die europäische Version wurde jedoch, um sie als einen ganzen Film anzubieten (warum auch immer), um ganze zwei Stunden gekürzt, was man im auch anmerkt. Denn die Schnitte betreffen in erster Linie die für den Plot relevanten Szenen, etwa jene in denen sich die Freundschaft zwischen Zhou Yu und Liang entwickelt oder man die tiefer verwurzelten Beweggründe von Cao Cao und seinen Absichten erfährt. So hat der Film zweifelsohne den Beigeschmack, das man ihm irgendwie merkt das etwas fehlt, die Story wirkt gar insgesamt doch sehr Platt und wenig selbst erklärend. Dies kann man Woo natürlich kaum vorwerfen und vor allem wenn man bedenkt das er in seinen alten Hong-Kong Filmen doch sehr zu oberflächlichen Charakterdarstellungen neigte, wäre es interessant gewesen, welche Fortschritte er in den letzten Jahren gemacht hat. Sicherlich kann man „Red Cliff“ auch in seiner geschnittenen Fassung nicht vorhalten er würde nicht funktionieren, denn dies ist keineswegs der Fall, nur ist es natürlich ärgerlich, das man den Film nicht so sehen kann, wie er von seinem Macher gewollt war. Woo Fans sollten daher den Kauf der asiatischen DVD durchaus ins Auge fassen.

Was die Besetzung angeht, so hat Woo hauptsächlich auf bekannte Gesichter des asiatischen Kinos zurückgegriffen. Mit dem fabelhaften Tony Leung Chiu Wai („Hard Boiled“, „Infernal Affairs“) hat er gar einen alten Weggefährten zu sich zurückgeholt. Tatsächlich war Leungs Rolle des Zhou Yu sogar für keinen geringeren als Chow Yun Fat („Hard Boiled“, „The Killer“) vorgesehen, welcher vor Drehbeginn jedoch absagte. Das Comeback des Traumduos Woo/Fat lässt also noch auf sich warten, aber wie nicht anders zu erwarten erweist sich Leung doch als mehr als guter Ersatz. Mit Takeshi Kaneshiro („Fallen Angels“, „House of Flying Daggers„) steht ihm darüber hinaus ein großartiger Leinwandpartner gegenüber, mit welchen Leung von Beginn an eine herrliche Chemie aufbaut und eine sehr glaubhafte Männerfreundschaft zu entwickeln versteht. Das Problem, wie bereits erwähnt, ist jedoch, das die Entwicklung zwischen den beiden Männern irgendwie zu sehr geeilt wird. Doch dies geht den anderen Figuren des Filmes kaum anders. Auch mit Fengyi Zhang („Der Kaiser und sein Attentäter“, „Lebewohl, meine Konkubine“) als Macht lüsterner Cao Cao hat Woo nicht viel falsch mit der Besetzung gemacht. Lediglich die Nebenrollen wirken nicht ganz ausgereift, wenn sie sich auch stimmig ins Gesamtbild einfügen können.

Ist Woos Comeback Richtung Heimat also gelungen? Ja, durchaus. Sicherlich darf man nun nicht den großen Kracher erwarten, allerdings sind die Schritte, die er mit „Red Cliff“ unternimmt, doch die richtigen. Als Fan des Regisseurs darf man sich zudem noch über sehr viele Verweise auf seine alten Hong-Kong freuen. Aus diesen zitiert der Regisseur nämlich sehr fleißig, so ist die zu seinem Markenzeichen gewordene weiße Taube natürlich wiedermal mit von der Partie, die zwei Knarren in der Hand des Helden wurden durch zwei Schwerter ausgetauscht, die Kamerafahrten sind virtuos wie eh und jeh und der berüchtigte Zeitraffereffekt, wenn auch überraschend Sparsam eingesetzt, findet sich ebenfalls wieder. Fans des Chinesen haben nach Jahren der Durstrecke also endlich wieder Grund zur Freude.

Original Filmtitel:
Chi bi (2008)

Länge des Filmes:
Ca. 148 Minuten

Darsteller:
ony Leung Chiu Wai...Zhou Yu
Takeshi Kaneshiro... Zhuge Liang
Fengyi Zhang...Cao Cao
Chen Chang... Sun Quan
Wei Zhao...Sun Shangxiang
Jun Hu...Zhao Yun
Chiling Lin...Xiao Qiao
Shido Nakamura...Gan Xing
...

Regisseur:
John Woo

FSK:
Freigegeben ab 16 Jahren

\\\\ Fazit ////
Zwar ist John Woo noch nicht ganz zu alter Stärke zurückgekehrt, allerdings darf man „Red Cliff“ durchaus als Versprechen nehmen, das der nächste Film des Chinesen endlich wieder das bietet, was man von Woo erwartet. Bis es so weit ist liefert er mit seinem aktuellsten Epos unterhaltsames und mitunter gar eindrucksvolles Kino, dessen einzige wirkliche Schwäche die aus den immensen Schnitt verursachte Simplifizierung der Rahmenhandlung ist, welche vor allem einen emotionalen Bezug vermissen lässt. Nichtsdestotrotz darf man im Jahre 2009 endlich wieder einen John Woo feiern. Gott sei Dank.

7/10 Punkte für „Red Cliff“ und somit vier Sterne als Wertung.

41 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Steinbock78

    28.03.2010, 15:44 Uhr von Steinbock78
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse Steinbock78

  • morla

    11.01.2010, 23:26 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg.^^^^^^^^^^^^^^^^ petra

  • bettie47

    11.01.2010, 21:14 Uhr von bettie47
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht.Grüße von Bettie47

  • Clarinetta2

    11.01.2010, 20:38 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gutg eschrieben

  • EddieSpaghetti

    11.01.2010, 20:33 Uhr von EddieSpaghetti
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht.Freue mich wie immer über deine Gegenlesung.Lg EddieSpaghetti

  • liebes35

    11.01.2010, 20:31 Uhr von liebes35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben. LG Steffi

  • catmum68

    11.01.2010, 20:09 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht LG

  • Hitchhikers_Guide

    11.01.2010, 19:13 Uhr von Hitchhikers_Guide
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht!

  • sigrid9979

    11.01.2010, 18:54 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht...Lg Sigi