Red Cliff (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von atrachte
John Woo kommt wieder in Form
Pro:
perfekt inszeniertes Epos, gute Darsteller,
Kontra:
fast zweistündiger Schnitt ( ! ! ! ), flache Rahmenhandlung,
Empfehlung:
Ja
Im Jahre 208 nach Chr. ist China ein in drei Reiche geteiltes Land. Der machthungrige Premierminister und Kriegsherr Cao Cao (Zhang Fengyi) will es im Kampf wieder einigen und unter die Führung eines Kaisers stellen. Den Kaiser der Han-Dynastie hat er bereits soweit untergraben, das er ihn wie eine Marionette steuern kann. Diesem Umstand verdankend, gelingt es ihm ein Herr von über 800.000 Soldaten aufzustellen, welches nun Richtung Süden marschiert um das dortige Königreich anzugreifen. Um den zahlenmäßig vollkommen überlegenen Gegner zu trotzen, schließen sich unter der taktischen Führung von Zhou Yu (Tony Leung Chiu Wai) und Liang (Takeshi Kaneshiro) die Reiche des Westens und Südens zusammen. Was zunächst lediglich ein Bündnis der gegebenen Umstände ist, entwickelt sich nach und nach aber immer mehr zu einer Allianz aus Freundschaft und ernst gemeinten Pflichtgefühl zueinander. Die Kämpfe enden schließlich in einer alles entscheidenden Schlacht an den roten Klippen...
„Red Cliff“ ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Film. Zum einen stellt er natürlich die längst überfällige Rückkehr John Woos in seine Heimat zurück und ist somit der erste chinesischer Film seit langen 15 Jahren aus der Schmiede des legendären Filmemachers. Darüber hinaus ist er aber auch der momentan teuerste Film, der jemals in China produziert wurde. Eine Tatsache, die man dem 80 Millionen Dollar starken Unterfangen in jeder noch so kleinen Einstellung anmerkt. Dies gilt in erster Linie natürlich vor allem für das offensichtliche Herzstück des Filmes, die epochalen Kämpfe. Wie nicht anders zu erwarten, strotzen diese nur so vor Kraft und sorgen nicht selten für begeisterte Mienen. Monumentale Massenszenen mit tausenden Statisten und jeder Menge Kunstblut, bis ins kleinste Detail perfekt durchchoreographierte Schlachtszenen zu Land und Wasser, mitreißende Kamerafahrten, die selten ein Bild der Ruhe zeichnen, wunderschöne Landschaftsaufnahmen, pompöse Orchester-Klänge sowie größtenteils wunderbar stimmige CGI-Sequenzen, welche in den meisten Fällen gut mit den handgemachten Szenen harmonieren, hin und wieder aber auch ein wenig Over-the-Top wirken. Der Schauwert ist bei dieser mächtigen Opulenz in jedem Fall gegeben.
Leider kann man dies von der Geschichte und deren Umsetzung nicht ganz sagen. Dazu sei gesagt, das die in Europa veröffentlichte Fassung mit knapp 150 Minuten Laufzeit zwar schon sehr lang anmutet, in Wirklichkeit aber nur knapp mehr als die Hälfte des eigentlichen Filmes ausmacht. Ursprünglich war „Red Cliff“ nämlich als Zweiteiler konzipiert, und ist als solcher in Asien auch in die Kinos gekommen, die europäische Version wurde jedoch, um sie als einen ganzen Film anzubieten (warum auch immer), um ganze zwei Stunden gekürzt, was man im auch anmerkt. Denn die Schnitte betreffen in erster Linie die für den Plot relevanten Szenen, etwa jene in denen sich die Freundschaft zwischen Zhou Yu und Liang entwickelt oder man die tiefer verwurzelten Beweggründe von Cao Cao und seinen Absichten erfährt. So hat der Film zweifelsohne den Beigeschmack, das man ihm irgendwie merkt das etwas fehlt, die Story wirkt gar insgesamt doch sehr Platt und wenig selbst erklärend. Dies kann man Woo natürlich kaum vorwerfen und vor allem wenn man bedenkt das er in seinen alten Hong-Kong Filmen doch sehr zu oberflächlichen Charakterdarstellungen neigte, wäre es interessant gewesen, welche Fortschritte er in den letzten Jahren gemacht hat. Sicherlich kann man „Red Cliff“ auch in seiner geschnittenen Fassung nicht vorhalten er würde nicht funktionieren, denn dies ist keineswegs der Fall, nur ist es natürlich ärgerlich, das man den Film nicht so sehen kann, wie er von seinem Macher gewollt war. Woo Fans sollten daher den Kauf der asiatischen DVD durchaus ins Auge fassen.
Was die Besetzung angeht, so hat Woo hauptsächlich auf bekannte Gesichter des asiatischen Kinos zurückgegriffen. Mit dem fabelhaften Tony Leung Chiu Wai („Hard Boiled“, „Infernal Affairs“) hat er gar einen alten Weggefährten zu sich zurückgeholt. Tatsächlich war Leungs Rolle des Zhou Yu sogar für keinen geringeren als Chow Yun Fat („Hard Boiled“, „The Killer“) vorgesehen, welcher vor Drehbeginn jedoch absagte. Das Comeback des Traumduos Woo/Fat lässt also noch auf sich warten, aber wie nicht anders zu erwarten erweist sich Leung doch als mehr als guter Ersatz. Mit Takeshi Kaneshiro („Fallen Angels“, „House of Flying Daggers„) steht ihm darüber hinaus ein großartiger Leinwandpartner gegenüber, mit welchen Leung von Beginn an eine herrliche Chemie aufbaut und eine sehr glaubhafte Männerfreundschaft zu entwickeln versteht. Das Problem, wie bereits erwähnt, ist jedoch, das die Entwicklung zwischen den beiden Männern irgendwie zu sehr geeilt wird. Doch dies geht den anderen Figuren des Filmes kaum anders. Auch mit Fengyi Zhang („Der Kaiser und sein Attentäter“, „Lebewohl, meine Konkubine“) als Macht lüsterner Cao Cao hat Woo nicht viel falsch mit der Besetzung gemacht. Lediglich die Nebenrollen wirken nicht ganz ausgereift, wenn sie sich auch stimmig ins Gesamtbild einfügen können.
Ist Woos Comeback Richtung Heimat also gelungen? Ja, durchaus. Sicherlich darf man nun nicht den großen Kracher erwarten, allerdings sind die Schritte, die er mit „Red Cliff“ unternimmt, doch die richtigen. Als Fan des Regisseurs darf man sich zudem noch über sehr viele Verweise auf seine alten Hong-Kong freuen. Aus diesen zitiert der Regisseur nämlich sehr fleißig, so ist die zu seinem Markenzeichen gewordene weiße Taube natürlich wiedermal mit von der Partie, die zwei Knarren in der Hand des Helden wurden durch zwei Schwerter ausgetauscht, die Kamerafahrten sind virtuos wie eh und jeh und der berüchtigte Zeitraffereffekt, wenn auch überraschend Sparsam eingesetzt, findet sich ebenfalls wieder. Fans des Chinesen haben nach Jahren der Durstrecke also endlich wieder Grund zur Freude.
Original Filmtitel:
Chi bi (2008)
Länge des Filmes:
Ca. 148 Minuten
Darsteller:
ony Leung Chiu Wai...Zhou Yu
Takeshi Kaneshiro... Zhuge Liang
Fengyi Zhang...Cao Cao
Chen Chang... Sun Quan
Wei Zhao...Sun Shangxiang
Jun Hu...Zhao Yun
Chiling Lin...Xiao Qiao
Shido Nakamura...Gan Xing
...
Regisseur:
John Woo
FSK:
Freigegeben ab 16 Jahren
\\\\ Fazit ////
Zwar ist John Woo noch nicht ganz zu alter Stärke zurückgekehrt, allerdings darf man „Red Cliff“ durchaus als Versprechen nehmen, das der nächste Film des Chinesen endlich wieder das bietet, was man von Woo erwartet. Bis es so weit ist liefert er mit seinem aktuellsten Epos unterhaltsames und mitunter gar eindrucksvolles Kino, dessen einzige wirkliche Schwäche die aus den immensen Schnitt verursachte Simplifizierung der Rahmenhandlung ist, welche vor allem einen emotionalen Bezug vermissen lässt. Nichtsdestotrotz darf man im Jahre 2009 endlich wieder einen John Woo feiern. Gott sei Dank.
7/10 Punkte für „Red Cliff“ und somit vier Sterne als Wertung.
41 Bewertungen, 9 Kommentare
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28.03.2010, 15:44 Uhr von Steinbock78
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse Steinbock78
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11.01.2010, 23:26 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg.^^^^^^^^^^^^^^^^ petra
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11.01.2010, 21:14 Uhr von bettie47
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht.Grüße von Bettie47
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11.01.2010, 20:38 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gutg eschrieben
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11.01.2010, 20:33 Uhr von EddieSpaghetti
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht.Freue mich wie immer über deine Gegenlesung.Lg EddieSpaghetti
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11.01.2010, 20:31 Uhr von liebes35
Bewertung: sehr hilfreichGut beschrieben. LG Steffi
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11.01.2010, 20:09 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht LG
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11.01.2010, 19:13 Uhr von Hitchhikers_Guide
Bewertung: sehr hilfreichSehr schöner Bericht!
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11.01.2010, 18:54 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht...Lg Sigi
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