Die Tochter der Wanderhure (Taschenbuch) / Iny Lorentz Testbericht
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Erfahrungsbericht von margy
die tochter der wanderhure
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Das 702seitige Taschenbuch erschien im Weltbild Verlag in deutscher Sprache.Unter der ISBN 978-3828994126 kostet es 10,99 €.
Buchumschlag:
Eine junge Frau mit dunklen langen Haaren ist auf dem Cover zu sehen.
Autoren:
Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich in Wirklichkeit ein Autorenehepaar, das sich an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.
Elmar, Iny Lorentz' Ehemann und Co-Autor, stammt aus Bayern und wuchs in einem kleinen Bauerndorf mit fünf Höfen auf. Sein Interesse für Literatur wurde von seiner Religionslehrerin schon früh erkannt und nach Kräften gefördert. Ebenso wie seine spätere Ehefrau begann er bereits als Schüler zu schreiben.
Nach einer durch die Umstände bedingten beruflichen Umorientierung, die ihn im Lauf der Jahre in verschiedene Firmen führte, kam er 1981 nach München und erhielt dort eine Stelle im selben Versicherungskonzern wie Iny, die er bereits seit mehreren Jahren kannte und ein Jahr später heiratete.
Schon früh entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau, die sich später auf alle weiteren Projekte auswirkte.
Iny Lorentz wurde 1949 in Köln geboren und besuchte dort die Volksschule. Nach dem Schulabgang arbeitete sie in verschiedenen Berufen, bevor sie das Abitur auf dem Abendgymnasium nachholte. Das darauf folgende Medizinstudium musste sie mangels finanzieller Reserven nach drei Semestern an den Nagel hängen und sich beruflich neu orientieren. Zunächst arbeitete sie als EDV-Operator und besuchte nebenbei eine zweijährige Samstagsschule, die sie als Organisationsprogrammiererin abschloss. 1980 zog Iny Lorentz nach München und arbeitet seitdem in einer großen Versicherung als EDV-Spezialistin.
Schon früh begann sie zu schreiben, zunächst nur für sich, doch dann bot sich ihr die Gelegenheit Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien zu veröffentlichen. Ein gemeinsam mit ihrem Ehemann Elmar verfasstes Kinderbuch sowie mehrere Bücher zu Fernsehserien markierten den weiteren Weg als Autorin, bis schließlich 2003 mit "Die Kastratin" der erste historische Roman erschien. Es folgten im Jahr 2004 "Die Goldhändlerin" und „Die Wanderhure“, die sie schlagartig berühmt machten, sowie 2005 "Die Kastellanin" - der Fortsetzungsband der "Die Wanderhure" - und "Die Tatarin" und im Jahr 2006 „Das Vermächtnis der Wanderhure“.
Klappentext:
Mehr als zwölf Jahre sind vergangen, seit Marie ihre letzten Abenteuer bestehen musste. Glücklich und zufrieden lebt sie mit ihrem Mann auf Burg Kibitzstein – bis ihr Gönner, der Würzburger Fürstbischof, stirbt: Seinem Nachfolger sind die beiden ein Dorn im Auge.
Trudi, die älteste Tochter von Marie und Michel, ist der ganze Stolz ihrer Eltern und träumt von der großen Liebe. Auf der Hochzeit von Trudis Freundin geschieht das Entsetzliche: Michel wird ermordet!
Marie und Trudi verdächtigen sofort den Söldnerführer Peter von Eichenloh, mit dem Trudi heftig aneinandergeraten ist. Diesem gelingt es jedoch, sich von der Tat reinzuwaschen. Maries Lage wird nach dem Tod ihres geliebten Mannes immer schwieriger, denn niemand traut ihr zu, Kibitzstein erhalten zu können, und diejenigen, die sie bisher für Freunde hielt, erweisen sich nun als habgierige Neider. Allein König Friedrich könnte noch helfen, und so macht sich Trudi heimlich auf den Weg, um seine Unterstützung zu erbitten – ausgerechnet mit Hilfe des Mannes, den sie für den Mörder ihres Vaters hält.
Leseprobe:
1. Teil
Trudi
Im Jahre des Herrn 1444
Trudi strich sich die Haare aus dem Gesicht und betrachtete Georg von Gressingen verträumt. Noch nie war ihr ein Mann begegnet, der dem Ideal eines edlen Ritters so sehr entsprach. Er war gut eine Handbreit größer als sie und dabei schlank und geschmeidig wie eine Birke. Dunkelblondes Haar umrahmte ein schmales Gesicht, und seine blauen Augen leuchteten so schmeichelnd, dass ihr Herz wie Butter in der Sonne schmolz. Sie liebte ihn! Und sie sehnte sich ebenso wie er nach dem Kuss, um den er sie gebeten hatte.
Dennoch wollte sie es ihm nicht zu leicht machen. Flink schlüpfte sie unter seinen zugreifenden Armen hinweg und sah, wie er vom eigenen Schwung getragen stolperte. Schnell drehte sie sich, damit es so aussah, als mache er einen tiefen Kniefall vor ihr.
»Das geschieht Euch recht!« Lachend wandte sie sich ab und tauchte zwischen den Bäumen unter.
Ihre Freundin Bona hatte Hardwin von Steinsfeld eine kurze Berührung ihrer Lippen gewährt. Als sie sah, wie Trudi mit ihrem Verehrer spielte, wand sie sich ebenfalls aus Hardwins Armen und rannte hinter ihr her.
»Das war ein Streich!«, rief sie und blickte zurück. Hardwin konnte sie durch die Bäume und Sträucher hindurch nicht mehr erkennen. Aber sie sah noch, wie Georg von Gressingen sich auf die Beine kämpfte und verärgert auf die Stelle starrte, an der Trudi im Unterholz verschwunden war.
»Warum hast du denn Junker Georg nicht den Kuss gewährt, den er erbeten hat?«, fragte sie. Trudi gab ihr keine Antwort, sondern rannte noch tiefer in den Wald hinein.
Bona zögerte, denn sie sehnte sich danach, Hardwins weiche Lippen noch einmal auf den ihren zu spüren. Jemanden wie ihn hätte sie sich als Gatten gewünscht. Doch der Bräutigam, den ihr Vater ausgesucht hatte, hätte ihr Großvater sein können.
Schreibstil:
kurze, aussagekräftige Sätze, verspielt, interessant, gut und flüssig zu lesen, sehnsüchtig, spannend, mitreißend, unterhaltsam
Meinung:
Trudi ist verliebt und wie es in der Liebe nun mal so ist, spielt und albert sie mit ihrem Partner herum. Das Glück ist für mich als den Leser greif- und fassbar und dennoch schwebte ich mitten im Mittelalter, als dann der Lesestoff auf die vielen Kinder kam, die eine Frau noch gebar und auf die Mitgift.
Trudis Freundin war dafür auserkoren, einen Witwer zu heiraten, den sie gar nicht liebte und der schon viele Kinder hatte.
Hier kommt klar und deutlich heraus, dass es zwar schon möglich war, je nach Elternhaus, dass sich die jungen Frauen ihren Mann alleine aussuchen konnten, das aber noch nicht zwangsläufig überall der Fall war. Die Abneigung von Trudis Freundin kommt hier heraus.
Die jungen Männer sprachen, hatten sie vor, die Tochter zu heiraten, bei den Eltern vor.
Die Gefühle von Neid und Eifersucht von Bona, der Freundin Trudes, werden spürbar und ich begriff, wie sehr Bona darunter litt, dass sie selbst es sich nicht auswählen durfte, welchen Mann sie heiraten würde. Auch hatten ihre Eltern nicht die Mitgift, den Trudi in eine Ehe mitbringen würde.
Bona war ohne Erlaubnis von zuhause fortgegangen und nun suchte man nach ihr.
Hier an dieser Stelle kommen wieder zwei Gegensätze zum Tragen. Trudi genießt alle Freiheiten, die sich eine junge Frau nur wünschen kann und Bona ist an ihr Elternhaus und die Aufforderungen ihrer Eltern gebunden.
Die strengen Regeln und Sitten, gerad in Hinsicht auf eine junge Frau spielten eine große Rolle.
Gefühle der einen wie der anderen jungen Frau werden spürbar und klar und ich bewunderte Trudi, die frei und ungezwungen mit ihrem Angetrauten umging.
Immer nur mit Befehlen und Anordnungen überschüttet, spürte ich die Vorwurfshaltung und auch Neid und Eifersucht, den Bona gegen Trudi hegte.
In der Welt Bonas ging es nur um die Dominanz der Männer, wo sie selbst und persönlich keine eigenen Gedanken haben durfte, es nicht um ihr Herz und ihre Angelegenheiten, ihre Wünsche und Gefühle ging. Auf eine Liebe durfte sie in keinem Moment hoffen so wie Trudi.
Zwei Männer waren bereits auf dem Weg und standen ganz in der Nähe der beiden jungen Frauen, die sie bisher jedoch noch nicht entdeckten.
Trudi machte Bona darauf aufmerksam, sich ruhig zu verhalten, damit das auch so bliebe, damit sie ein wenig ihre Freiheit genießen konnte.
Es geht hier um die Zeit des Frondienstes und der Lehen. Gut recherchiert und glaubwürdig geschrieben lässt sich Iny Lorentz, wie sich das Autorenpaar nennt, auf die Zeit und die Begebenheiten ein.
Die Männer hingegen machten sich einen Spaß daraus, als sie die Stimme Bonas hörten, die Frauen auf die Folter zu spannen. Gressingen, einer der beiden Männer lachte und meinte, es sei ein Vergnügen, Jagd auf die Frauen zu machen.
Gressingen nimmt die Würde und auch die Ehre der beiden Frauen nicht Ernst. Er selbst schickte die Mädchen weg, als der Vater im Gespräch war. Er sieht die beiden Frauen als Freiwild an, mit denen er machen kann, was er will und was ihm beliebt. Auch das war ein Stück Realität dieser Zeit.
Bei der nächsten Beschreibung ahne ich Böses. Gressingen interessiert sich des Reichtums wegen für Trudi. Er selbst hatte sein ganzes Erbe und Vermögen schon auf den Kopf gehauen und brauchte nun eine reiche Braut. Es würde eine Rivalität ins Spiel und die Geschichte, in den Ablauf der Handlung kommen, der sich Trudi wahrscheinlich widersetzt.
Trudi ist eine junge, aber auch selbstbewusste Frau, die sich nicht alles gefallen ließ. Gressingen ist einfach nur maßlos. Nun legt er Hardwin, seinem Begleiter nahe, sich Bona einfach zu nehmen, auch ohne Rücksicht auf Verluste, egal, ob sie einem anderen versprochen war oder auch nicht. Das spielte keine Rolle.
Die zwei Männer sind völlig gegensätzlich geschildert. Während Gressingen ein Mann ist, der sich alles unter den Nagel reißt, was ihm in den Weg kommt, achtet Hardwin in seinen Äußerungen mehr auf die Sittsamkeit und merkt, dass Gressingen zu weit geht, auch in seinen Empfehlungen und Ratschlägen an ihn. Insgeheim jedoch gefällt ihm das, was ihm der Begleiter rät.
Ich gebe hier ein Beispiel aus dem Text über die Aussagen Gressingens zu Hardwin über Bona:
Jungfern sind da sehr eigen. Einerseits brennen sie darauf, dass ein Mann sie besteigt, andererseits aber fürchten sie sich davor. Am besten, du achtest auf mich. Ich gebe dir das Zeichen, wann du deinen Sturmbock zum Angriff rüsten kannst.
Hier werden die jungen Frauen als Sturmbock bezeichnet. Das gibt wieder, in welcher Zeit das alles spielt und wie das allgemeine Denken der Männerwelt gegenüber den Frauen war. Die Degradierung gegenüber des weiblichen Geschlechts ist heute nicht mehr nachvollziehbar, zu jener Zeit ein alltägliches Umgehen. Selbst Luther und der Papst, alle Priester hatten die Vorstellung, dass die Frau keinen Wert besaß, weil Eva aus der Bibel aus der Rippe eines Mannes, nämlich Adam, geschaffen war.
Es geht bei den beiden Männern um junge Kerle im Alter von 20 und 24 Jahren.
Hardwin, der Jüngere der beiden, hatte einmal eine schlechte Erfahrung mit einer älteren Magd gemacht und traute sich deshalb nicht so richtig an die Sache und den Ratschlag Gressingens heran.
Danach kommt es zu der Begegnung der beiden Frauen mit den Männern, die nach ihnen suchten. Bona hat Durst und Hardwin holt Wasser. Gressingen steht Trudi gegenüber und wünscht sich sehnlichst, sie nehmen zu können.
Bona ist hier die Frau, die ihr Interesse innerlich auf Gressingen legt und es ihr lieber wäre, er wäre der Mann, der sich für sie interessiert. Hardwin übersieht sie dabei.
Hier konnte ich nur denken: Was war das für ein Elternhaus, in dem sie groß wurde?
Gab es dort Prügel und Niedertracht?
Welche Werte hatte sie mit auf den Weg bekommen?
Sie suchte sich unbewusst wieder den gleichen Weg, auf den sie von der Erziehung her geschickt wurde. Sie hätte erkennen müssen, das Hardwin der bessere war, denn er war derjenige, der sich um sie kümmerte und sorgte.
Doch auf der anderen Seite - tat er es nicht nur deswegen, weil Gressingen ihm das nahe legte?
Sie saßen alle vier zusammen und tranken Wein. Während Bona lles mit sich machen ließ, wehrte sich Trudi gegen die Machenschaften Gressingens.
Realistisch und glaubwürdig schilderte das Autorenpaar die Ereignisse der Wanderhure und deren Tochter. Es geschieht zu einer Zeit, in der die Frauen Untertanen der Männerwelt waren und doch mit ein wenig Verstand sich zu widersetzen vermochten und sich selbst Dinge einräuten, um den richtigen Weg zu finden.
Interessant sind die Dinge geschildert, obwohl eine fiktive Geschichte, mit wahrem Sachverhalt. Das Paar legt nahe, wie es im 16. Jahrhundert in unserem Land zuging und womit die Frauen zu kämpfen hatten, wo sie landeten, hörten sie nicht auf ihr Herz und ihren Verstand, brachten sie nicht ihre Gefühle mit ins Spiel.
Es macht nachdenklich, denn auch wir müssen auf unsere eigenen Gefühle hören und sie beachten, wenn wir im Leben nicht ständig auf Missachtung und Gewalt stoßen wollen.
Dabei sind die Handlungen sehr detailliert beschrieben.
33 Bewertungen, 5 Kommentare
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10.04.2012, 12:30 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollfür mich immer wieder verwunderlich, wie ein Buch, das den Namen 'Hure' im Titel hat, von sooooo vielen Leuten (Frauen) gelesen wird. Natürlich sind die Geschichten aus dem Mittelalter interessant :-) - ich habe den Film angesehen, okee, war gut, aber reicht. Das Buch und auch die weiteren - nö ;-) LG gisela
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09.04.2012, 22:11 Uhr von Lakisha_1
Bewertung: sehr hilfreichüber eine Gegenlesung würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüße
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09.04.2012, 16:32 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichFrohe Ostern und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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09.04.2012, 10:06 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreich...und ganz liebe grüße
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09.04.2012, 07:29 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSH und einen schönen Ostermontagmorgen:-)
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