Die Känguru-Chroniken (Taschenbuch) / Marc-Uwe Kling Testbericht

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ab 4,73
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Summe aller Bewertungen
  • Handlung:  spannend
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Ich will gar nichts sagen. Ich gebe nur Denkanstöße.“

  • Niveau:  anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, „Amazon“ rückwärts zu lesen? Und darüber hinaus noch ein „bin Laden“ anzuhängen? Nicht? Vermutlich muss man dafür ein skeptisches Känguru sein.
Richtig.
Ein Känguru, welches darauf erpicht ist, dem Big-brother Staat irgendwie zu entkommen und sich deswegen nichtmals in der Videothek anmelden zu wollen.

~ Als ich im Dezember unbedingt einen Film rund um die Entdeckung des HI-Virus gucken wollte, landete ich eine Stunde zuvor bei der WDR-Sendung „Was liest du?“, welche mich auf eigentümliche Art und Weise direkt ansprach. Dass es vor allem der eindrucksvollen Vorlesekunst Jürgen von der Lippe's zu verdanken ist, dass sich

==Die Känguru Chroniken==

so derartig genial anhörten, musste ich jedoch Seite um Seite feststellen.
Dem Autoren Marc Uwe Kling ist ein humorvolles Werk gelungen, welches sich von den typischen Unterhaltungslektüren abhebt ~ Neben- oder gar weitere Hauptrolle spielt hier ein sprechendes , kommunistisches und ebenso streitlustiges Känguru, welches sich mit dem Ich-Erzähler Marc-Uwe eine Wohnung teilt.

Wer sich dies durchliest, mag schnell schlussfolgern, dass das im Grunde ganz schön dämlich klingt. Wer jedoch die entsprechende Sendung sah, der wird nachvollziehen können, was mich an dem ganzen so begeistert hat. Dass das lauschende Publikum zudem oftmals laut auflachte und sich der Vorleser ebenso seine Begeisterung ansehen ließ, tauchte mich in die Art Wahnvorstellung, dass ich hier endlich mal wieder eine rundum gelungene ironisch-bissige Satire vorfinden würde.

==Die tatsächliche Umsetzung==

Dass es sich bei dem Buch mehr um vereinzelte Episoden handelt anstatt um eine fortlaufende Geschichte, ist mir während der Sendung gar nicht mal aufgefallen.
Was aber auch nicht schlimm ist, denn so kann man häppchenweise vorgehen und somit ebenso ausblenden, wie sehr sich die meisten Anekdoten doch im Grunde ähneln.

Nichtsdestoweniger bleibst festzustellen, dass „Die Känguru Chroniken“ nicht bloß aus schnödem Humor bestehen, sondern vielmehr regelrechte Denkanstöße liefern:

„Weil das gar keine Wahl ist“, sagt das Känguru. „Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahl_schein- (…) Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wählen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: alles Kapitalismus, alles Nestlé, alles Hähnchen.“
_(ZITAT; S. 18)


Desweiteren fand ich meine persönlichen (mitunter Ciao-) Erkenntnisse in dem Buch wieder, Erkenntnisse, die eigentlich den meisten Menschen klar sind; die er jedoch tagtäglich zu ignorieren schafft:

„Dieses Scheißgerät klaut mir nur meine Zeit. Es sind drei Stunden vergangen, seit ich das Ding angemacht habe, und was habe ich getan? Ich weiß es nicht mehr. Ja, klar. Ich kann in den Browser-Verlauf kucken, aber das erklärt noch immer nicht, warum ich das getan habe. Warum habe ich mir 'ne halbe Stunde Meinungen von Leuten, die ich nicht kenne, über einen Film, der mich nicht interessiert, durchgelesen?“
_(ZITAT; S. 113)

Obschon die Grundidee irgendwo natürlich schräg ist, kann man sich als Leser schnell mit dem Gedanken anfreunden, dass Marc-Uwe von einem sprechenden Känguru begleitet wird und mit diesem allerhand Abenteuer im Alltag erlebt; die hier und dort durchaus gelungen präsentiert wurden.

Sympathisch ebenso, dass der Autor seine eigene Schreibweise hier und dort auf die Schüppe nimmt ~ was mich jedoch nicht über die Frage hinwegbringt, ob es wirklich „erlaubt“ ist, „gucken“ als „kucken“ zu schreiben...doch der meinige persönliche Krieg mit der eigentlich schon alten neuen Rechtschreibreform ist nichts, was ich dem Buch anlasten könnte.

Trotz aller vorgenannten Lobhudelei konnte mich die Lektüre insgesamt jedoch eher nicht begeistern. Es wirkt auch hier, als ob der Autor zwanghaft eine bestimme Seitenanzahl erreichen wollte ~ sprich: die Qualität leidet zunehmens. Um nicht zu sagen: es wird stellenweise einfach immer alberner, blöder und banaler.
Spätestens als im gleichen Haus ein Pinguin einzieht, dürfte auch dem letzten Leser klar sein, dass dem Verfasser die Ideen schlicht und ergreifend ausgegangen sind.

==Summa summarum==

Wie bereits angedeutet ~ auch wenn die Szenerien sich äußerlich anders gestaltet wurden, geht es hier im Endeffekt doch immer um das gleiche. Darüber hinaus folgen hier und dort ein paar Zeilen, die zu „abgehoben-pseudo-wissenschaftlich“ formuliert wurde, dass der geplante Witz im Keim erstickt wird.

Marc-Uwe Kling reizt viel zu viele gute Ansätze aus; ein Gag, der einmal zündete, häuft sich im Gesamtwerk zu geballt um schlussendlich noch begeistern zu können; vielmehr sorgte mitunter dieser Umstand dafür, dass mich meine anfängliche Begeisterung mehr und mehr im Stich ließ. Sprich: bereits ab der ungefähren Hälfte hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf das Buch, quälte mich jedoch bis zum bitteren Ende durch. Wirklich belohnt wurde dieses edle Vorhaben jedoch nicht.

Anzumerken bleibt schlussendlich, dass, wie es auch bei Filmtrailern der Fall ist, in „Was liest du?“ die eindeutig besten Kapitel vorgestellt wurden ~ alles darüber hinausgehende ist von eher lascherer bis mittelprächtiger Natur.

Ergo des Ergos: als „gratis und für unterwegs oder's Badezimmer-Lektüre“ irgendwo schon geeignet, doch von einem ernstgemeinten Kauf im Bezug auf ein richtiges Leseerlebnis würde ich hiervon eher abraten.

Da kicher ich dann doch lieber über die altbackenen Evelyn Sanders Bücher.

35 Bewertungen, 7 Kommentare

  • Matze081

    08.11.2014, 00:15 Uhr von Matze081
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüße :D

  • tina08

    23.01.2010, 16:16 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • hotnici1989

    20.01.2010, 20:29 Uhr von hotnici1989
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht lg nici

  • Mondlicht1957

    20.01.2010, 17:21 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • liebes35

    20.01.2010, 17:14 Uhr von liebes35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben. LG Steffi

  • sigrid9979

    20.01.2010, 17:11 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich....Lg Sigi

  • kongostar

    20.01.2010, 17:06 Uhr von kongostar
    Bewertung: sehr hilfreich

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