Erfahrungsbericht von templerthomas
Nicht genügend
Pro:
s.Bericht
Kontra:
s.Bericht
Empfehlung:
Nein
Das Leben von Marie Antoinette war durchaus spannend und die Zeit der franzöischen Revolution eine immens wichtige für alle Menschen.
Der Film Marie Antoinette behandelt hingegen was die Regisseurin Sofia Coppola immer behandelt - die menschliche Einsamkeit.
Die Regisseurin unterstellt Marie Antoinette einsam gewesen zu sein und zeigt ihre Hauptfigur als einsames Mädchen in Versailles.
An Original-Räumen undaufwändigsten Kostümen mangelt es im Film nicht, aber Coppola wollte keinen historischen Film drehen.
Louis XVI (Jason Schwartzman) und Marie Antoinette (Kirsten Dunst) werden am Anfang des Films als unbeholfene Teenager dargestellt.
Vor allem aber geht es der Regisseurin darum die Einsamkeit Marie Antoinettes darzustellen. Die Dekadenz kommt dabei auch nicht zu kurz.
Was mich sehr störte war die alles andere als dezente moderne Musik. Coppolas Intention Marie Antoinette dadurch als Partygirl darzustellen finde ich als sehr unpassend. Insgesamt merkt man den ganzen Film über das die Regisseurin überfordert war. Ihre Ausschnitte aus dem Leben Marie Antoinettes sind zeitweise zwar repräsentativ aber man hat nie das Gefühl das die Regisseurin Marie Antoinette wirklich nahe gekommen ist.
Die Dekadenz wird dargestellt aber immer als Marie Antoinettes Versuch der Einsamkeit zu entkommen. Ich denke die Antwort ist einfach sie liebte einfach teure Perücken, Kleider und das ganze Zeremoniell.
Sträflicher ist es die Geschichte abzukürzen und die äußerst interessante Rahmengeschichte nicht wirklich zur Geltung kommen zu lassen.
Die Zeit der französischen Revolution behandelt sie nur am Rande indem am Schluß eine Menge vor dem Schloß steht und Marie Antoinette auf den Balkon tritt. Der Film endet mit der Flucht der Königsfamilie.
Wie schade da gerade dann eine Zeit beginnt in der man Marie Antoinettes starke Seite zeigen hätte können. Ich bin wirklich kein Monarchist und froh das diese schlechteste aller Staatsformen schon längst am Ende ist (mit den Ausnahmen Saudi-Arabien, Brunei) aber wie sich Marie Antoinette im Verfahren gegen sie gewehrt hat zeigt das sie keine dumme, oberflächliche Frau sondern durchaus geistreich und intelligent war.
Das hat aber wohl nicht ins Konzept der Regisseurin gepasst die sie lieber als einsame Seele mit Oberflächlichkeiten ohne Ende zeigte.
Dabei hätte gerade Marie Antoinette einen Film verdient der ihre beiden Seiten zum Vorschein bringt. An ihrer Ignoranz gegenüber dem Leid der Bevölkerung gibt es nichts zu deuten.
Auf den berühmten Ausspruch "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche [Kuchen] essen." wird im Film insofern eingegangen als Marie Antoinette behauptet dies nicht gesagt zu haben und meint darauf nicht antworten zu müssen, sondern es auszusitzen.
Überraschenderweise hält sich die Regisseurin aber auch immer wieder ganz genau an die Geschichte. Etwa im Verhalten von Marie Antoinette gegenüber der Mätresse Ludwigs XV., Madame Dubarry. Historisch korrekt sagt sie zu ihr "Es sind heute viele Leute in Versailles" und danach nichts mehr.
Die Gerüchte das Marie Antoinette außerehelichen Verkehr hatte bejaht der Film, tatsächlich wird dies von den meisten Historikern verneint. Ein Verhältnis zum schwedischen Graf Hans Axel von Fersen konnte nie belegt werden. Hier interpretiert die Regisseurin sehr viel hinein und übernimmt einfach die Propaganda ihrer Gegner (Orgien, Drogen usw.).
Naheliegender ist das sie einfach den Luxus liebte.
Der Film bleibt über die ganze Länge bedeutungslos und schafft es nicht einmal annähernd sich der wirklichen Marie Antoinette zu nähern. Das Hofzeremoniell wird akurat dargestellt, die Kostüme sind prächtig aber ansonsten passt nichts. Der Vergleich mit einem Partygirl, die Unterstellung der Einsamkeit, der Überforderung da sie ja beide Teenager waren (damals war man einfach schneller erwachsen), die absolut unpassende Musik... all dies lässt mir für Frau Coppola nur eine Bewertungsmöglichkeit : Nicht genügend.
Einen solch handlungsarmen, langweiligen und bedeutungslosen Film hat eine so schillernde historische Persönlichkeit wie Marie Antoinette nicht verdient.
Wenn wir gerade bei Nicht genügend sind... Die Extras sind es auch. Zu solch einem Film m u s s es einfach eine historische Dokumentation geben. Aber nichts da es gibt ein langweiliges Making Of (25:58 Min.), mit dem üblichen Schauspieler und Crew Bla bla über die Arbeit am Set. Dazu zwei entfallene Szenen die man auch wirklich nicht sehen muss, der offizielle Kinotrailer und ein weiterer Trailer. Immerhin noch ein interessantes Extra ist die Schlossführung mit Ludwig XIV.. Werbung folgt mit einer Trailershow mit vier Programmtipps. Insgesamt aber auch nicht sehenswert.
Anbei noch die Filmdaten:
Darsteller: Kirsten Dunst, Jason Schwartzman, Rip Torn
Regisseur(e): Sofia Coppola
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungstermin: 3. April 2007
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 118 Minuten
Fazit: nicht empfehlenswert
70 Bewertungen, 19 Kommentare
-
27.06.2009, 12:36 Uhr von taeler
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG
-
15.06.2009, 21:30 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollein wiederum 1A-Bericht. Schade, dass der Film so ist, ist nämlich ein Thema, wo ich sehr viel drüber gelesen habe. - LG Gisela
-
11.06.2009, 23:18 Uhr von meisterjaeger86
Bewertung: sehr hilfreichfilm mit Kirsten Dunst, war doch klar, dass der nix is. lg
-
10.06.2009, 02:01 Uhr von Dr_Ed
Bewertung: sehr hilfreichNa ja, mich hat der Film damals auch nicht vom Hocker gerissen, das hatte dann aber eher handwerkliche und weniger inhaltliche Ursachen
-
07.06.2009, 13:53 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichgut geschrieben.........
-
06.06.2009, 14:03 Uhr von willma1984
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht! LG willma1984 :)
-
03.06.2009, 02:08 Uhr von Wuschel11
Bewertung: sehr hilfreich...............liebe Grüße ...........
-
02.06.2009, 20:50 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichganz liebe Grüße ..............
-
02.06.2009, 17:40 Uhr von barbu
Bewertung: sehr hilfreichwunderschöne Filmkritik!
-
02.06.2009, 13:47 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichHab ich mir nicht angetan, sd. lieber Wallander gesehen. Viele Gruesse, mima007
-
02.06.2009, 12:47 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichSH und einen sonnigen Gruß aus Berlin
-
02.06.2009, 12:07 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichEinen schönen Wochenstart. LG Marina
-
02.06.2009, 11:15 Uhr von krullinchen
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße!
-
02.06.2009, 10:28 Uhr von nikita86
Bewertung: sehr hilfreichder film war wirklich nur bescheuert.
-
02.06.2009, 09:45 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht...Lg Sigi
-
02.06.2009, 09:31 Uhr von Brittili70
Bewertung: sehr hilfreichSehr schön geschrieben ... liebe Grüße Brittili70
-
02.06.2009, 04:38 Uhr von rob1980
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht, freue mich auf gegenlesungen...lg rob1980
-
02.06.2009, 01:53 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichEin toller Bericht. Allerbeste Grüße, die Lale.
-
02.06.2009, 01:50 Uhr von pepe26
Bewertung: sehr hilfreichsehr schön geschrieben, freue mich auf gegenlesung! Lg.
Bewerten / Kommentar schreiben