Werther (DVD) Testbericht

ab 8,93
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Erfahrungsbericht von XXLALF

Liebe und Wahn

Pro:

Vorteile: Ins Heute gesetzt

Kontra:

Nachteile: Rollenteilung und unklare Verhältnisse

Empfehlung:

Ja

Oh je, höre ich schon von einigen Lesern, wie kann man sich nur den Film "Werther" anschauen, dessen Grundidee "Die Leiden des jungen Werther" ist, von Johann Wolfgang von Goethe. Ja ich kann´s, und steh auch dazu, zumal ich von Goethe die überaus poetischen und romantischen Gedichte sehr liebe, was auch in diesem Film stark zum Ausdruck kommt, da Goethe in seinen jungen Jahren etwa die gleichen Liebesschmerzen, das gleiche Liebesleid, den gleichen Liebeskummer durchlebt hat, wobei ein Bekannter von ihm später wegen unerfüllter Liebe, den selben Selbstmord begeht wie Werther, in seinem Roman. Von mir aus gesehen ist "Werther" ein so schöner Film, dass ich davon nun einen Bericht schreiben werde.

Ganz kurz etwas zu der Neuinszenierung des "Werther", frei nach Goethe.

Bei Goethe hieß es einst in seinem berühmten Briefroman "Die Leiden des jungen Werther", "Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe!" Heute in der Verfilmung des Romans klingt es so " Ich liebe dich so sehr, es ist zum Kotzen, du bist eine Strafe". Zugegeben es ist eine recht eigenartige und ungewöhnliche Liebeserklärung, jedoch es ist auch eine eigenartige Liebe. Die Liebe zwischen Werther und Lotte, und eine ungewöhnliche Liebe dazu, die alle Konversationen sprengte. Zu Goethes Zeiten ein Bestellsteller, der Werther zur Kultfigur machte und zahlreiche junge Männer dazu brachte die Kleidung, ja sogar diesen ziemlich ungewöhnlich Selbstmord nachzuahmen. Dass diese Geschichte eine solche Kraft haben kann, das fasziniert bis heute noch. Und nun hat der Regisseur Uwe Janson diesen "Werther" von Goethe verfilmt, ziemlich frei nach Goethe, und ins Heute gesetzt.

In einem Satz gesagt, um was sich dieser Film dreht.

Werther ist ein arbeitsloser Fotograf und auf Jobsuche, wobei er so alles knipst was in Bewegung ist und ihm vor die Linse kommt, sodass er auch nicht Halt vor der schönen bezaubernden Lotte macht, die es eigentlich recht nervig findet, wenn er mit seiner Kamera um sie herumtanzt, wobei aus dieser zufälligen Begegnung, dem festgehalten des Augenblicks, sich eine tragische Liebesgeschichte entwickelt.

"Ich bin aufgewachsen auf einer kleinen Insel,
die Insel ist versunken,
versunken sind auch,
die Bilder,
die Menschen,
die Geschichte."

Mit einer Gasmaske über´m Kopf und verschwommenen Hintergrund, so als ob wir diese Person hinter angelaufenen Fensterscheiben sehen würden, werden wir von Werther´s Freund im Berliner Dialekt gefragt, ob wir wirklich eine Liebesgeschichte hören wollen, " Adam und Eva, det Gesülze um Liebe und Wahrhaftigkeit...."

Ja, und dann fängt er an zu erzählen. Da gab es einen Typen, den Werther (Stefan Konarske), der von seiner Freundin Romy (Julia Dietze) den Laufpass bekommen hat, obwohl er ihr einen Strauß roter Rosen geschenkt hat, die sie ihm wieder in die Hand drückt. Werther glaubt nicht, dass dies wirklich die ganz große Liebe war, zumal Romy ihrem neuen Lover im Beisein von ihm einen Kuss auf den Mund drückt, woraufhin Werther von ihm noch zusammengeschlagen wird. Ja, und dann passiert das, was niemand vermutet hat, nämlich, wie man sagt seine Ex, beugt sich zu ihm herunter, und singt: "There must be angels playing with my heart".

Ist das nicht komisch, irgendwie schon eigenartig, solch ein Verhalten. Bereut sie es etwa schon, dass sie Werther den Laufpass gegeben hat?

Nun also zieht Werther mit seinem Freund Wilhelm (Aaron Hildebrand) durch die Nacht von Berlin, und zündet ein riesiges Plakat an, auf welchem eine sehr aufreizende Frau abgebildet ist, was er mit "Unbehagen an der Zivilisation", ausdrückt, woraufhin er einen vorbeigehenden Passanten umarmt und ihm erklärt, "dass dies ein öffentlicher Raum ist, deiner wie meiner", und diesem Blumenhändler 6 rote Rosen abkauft. Und so fahren sie weiter, wobei Werther aus dem fahrenden Auto heraus fotografiert.

Goethe aus dem Off:

"Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können, müssen wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal selbst gewähren kann? Und nennen Sie mir den Menschen, der übler Laune ist und so brav dabei, sie zu verbergen, sie allein zu tragen, ohne die Freude um sich her zu zerstören! Oder ist sie nicht vielmehr ein innerer Unmut über unsere eigene Unwürdigkeit, ein Missfallen an uns selbst, das immer mit einem Neide verknüpft ist, der durch eine törichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir sehen glückliche Menschen, die wir nicht glücklich machen, und das ist unerträglich".

Mehr durch Zufall, da Werther alles um sich herum fotografiert, trifft er mit der recht hübschen, dunkelhaarigen Lotte (Hannah Herzsprung) zusammen, die es im Grunde nach richtig nervig findet, dass er mit seiner Kamera unentwegt um sie herum tänzelt. Na jedenfalls gelingt es Werther nicht, ihr eine rote Rose zu überreichen, denn so schnell wie sie vor ihm aufgetaucht ist, ist sie auch wieder verschwunden. Deshalb bietet er einem Polizisten eine Rose an, der von ihnen die Fahrzeugpapiere sehen möchte.

Verträumt, und vielleicht in Gedanken bei Werther, sieht man Lotte die Straße entlanggehen, wobei aller Wahrscheinlichkeit auch Werther an Lotte denkt.

Werther bekommt eine Absage von einem Verlag für seinen Fotoband, das ihn wohl etwas erschüttert, aber er es gelassen sieht, da er nun einen neuen Sinn in seinem Leben gefunden hat, nämlich die Liebe. Und gleich darauf läuft ihm Lotte über den Weg, die in diesem Verlag in welchem ihr Freund der Chef ist, arbeitet.

Kann man sagen, dass das eine "plumpe Anmache" ist, wenn zuerst sie ihn, als er nach dem Brandenburger Tor fragt, von ihr in die verkehrte Richtung geschickt wird, und dann beim Wiedersehen er zu ihr sagt "dafür hab ich dich gefunden"?

Na auf jeden Fall hat er sie ganz schön durcheinander gebracht, wobei sie ziemlich "cool" bleibt, und ihm gesteht, dass sie bereits einen anderen hat. Aber das bekümmert Werther überhaupt nicht, zumal er sich so sicher fühlt, dass Lotte für ihn die Richtige ist.

Lottes Freund, Albert (David Rott) ist es nicht entgangen, dass Werther ihr schöne Augen macht. Woraufhin Werther den Job selber kündigt, da seinem Freund, der in der selben Firma arbeitet gekündigt worden ist. Vater Tom (Harald Schrott), ist deshalb ganz außer sich, dass sein Sohn den Job hingeworfen hat, woraufhin er alle seine Entwürfe vollkritzelt, und Werther sich fragt, was er ihm eigentlich getan hat, und er daraufhin Vater Toms Auto verkratzt.

Wohnen tun die zwei Freunde mit Onkel Bert (Fritz Roth) und Werthers Eltern zusammen, und als Werther seinen Vater im Fernsehen sieht, wie er über die Wertvorstellung des Menschen spricht, packt ihn innerlich die Wut, woraufhin er dieses verkratzte Auto und dann vollends zu Schrott fährt. Dazu ist im Off aus dem Original von Goethe zu hören:

"Wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit da hinausläuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern, und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt sind, das alles macht mich stumpf".

Bert spricht schon vom Tod, da er nicht mehr allzu lang zu leben hat, wobei er Vergleiche zur Liebe zieht. Ja, und dann taucht wieder Romy auf und gesteht ihre Liebe Werther, wobei Werther ein Zettel zwischen die Finger kommt, darauf steht, dass Lotte am Großen Berber in einer Jagdhütte ist. Gleich darauf machen sich die drei Männer auf den Weg, zumal es Bert´s letzter Berg ist, den er noch besteigen möchte.

"Dass das Leben der Menschen nur ein Traum sei, ist manchen schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern, und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen ist, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt. - Das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt!Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt".

Nancy, eine Freundin von Lotte öffnet ihnen die Tür, woraufhin Werther Lotte in ihrem Zimmer besucht, und ihr anschließend abermals seine unsterbliche Liebe gesteht, woraufhin er bereits zum zweiten mal von ihr hört, dass sie einen anderen hat. Aber dies alles lässt Werther kalt, wobei er sich kein Leben ohne Lotte vorstellen kann.

Albert, Lottes Freund, stellt nun Lotte zur Rede,was Werther hier macht. Direkt böse ist er ihr nicht, höchstens eifersüchtig, zumal er sich als überlegender fühlt, da er ja Chef des Verlags ist, und Werther in seinen Augen ein "Niemand", nur ein Träumer ist. Albert hat für Lotte eine große Überraschung bereit, was das sein wird, kann sich jeder sicher denken.

Lotte kommt nun ins zweifeln, ob sie richtig handelt, wenn sie Albert das Ja-Wort gibt. Zumal Werther vom Fenster aus zugesehen hat, als Albert Lotte ganz zärtlich geküsst hat. Wutentbrannt, ja fast schon wahnsinnig aus Liebesschmerz rennt er in den Wald, wobei Wilhelm ihm folgt, und ihn, so weit man einen unsterblich Verliebten trösten kann, zu trösten versucht. Wenn dich keiner deiner Selbstwillen liebt, kann man nichts falsch machen.

"Heiraten heißt einen Ziehbrunnen austrinken", so denkt Albert darüber, wobei ihm jegliche Poesie fehlt, was eigentlich Lotte bei ihm vermisst, aber dafür Werther hat.

Lotte fordert Werther ein wiederholtes mal auf zu gehen, wobei jedoch nur ihr Mund nein und ihr Herz ja zu Werther sagt.

"Nie ist mir's so leicht vom Flecke gegangen. Ich war kein Mensch mehr. Das liebenswürdigste Geschöpf in den Armen zu haben und mit ihr herumzufliegen wie Wetter, dass alles rings umher verging".

Auf einer Party im Schnee, mit Rodelpartie usw. bei welcher Albert, der mehr der ernstere Typ ist, dem Treiben neidisch zuschaut, landen die zwei im Schnee, wobei sie sich gefährlich nahe kommen, jedoch sich ihre Lippen nur berühren, und Werther abermals Lotte seine unheimlich unsterbliche Liebe gesteht:

"Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Es ist doch gewiss, dass in der Welt den Menschen nichts notwendig macht als die Liebe."

Abends dann hat Albert für Lotte eine Überraschung parat, wobei sie die Party verlassen und in einen Supermarkt fahren, verfolgt Werther mit Bert sie im Wagen, sodass er abermals mit Lotte im Supermarkt zusammenstößt. Nicht rein zufällig, sondern absichtlich. Auf jeden Fall bedroht Werther die anderen mit einer Waffe, wobei er damit ausdrücken möchte, dass es ihm im Grunde Scheißegal ist, was nun passiert, da er nun langsam merkt, dass er nie Lotte allein sein eigen nennen darf und kann.

"Dass ihr Menschen, um von einer Sache zu reden, gleich sprechen müsst: das ist töricht, das ist klug, das ist gut, das ist bös! Und was will ich das alles heißen? Habt ihr deswegen die inneren Verhältnisse einer Handlung erforscht? Wisst ihr mit Bestimmtheit die Ursache zu entwickeln, warum sie geschah, warum sie geschehen musste? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit euren Urteilen sein".

Aber trotzdem gibt er den Kampf noch nicht auf, wenn gleich er unsterblich in die für ihn unnahbare Lotte verliebt ist.

Werther wird von Albert erniedrigt, indem er ihn als Chauffeur für seinen Wagen einsetzt, wobei Albert sich mit Lotte auf den Rücksitz verschanzt. Nichts gutes hat Albert im Sinn, das erkennt man an seinen Gesichtszügen, was Werther im Rückspiegel beobachtet, sodass er mit Absicht das Steuer des Wagen verzieht und das Auto im Schnee zum Stehen kommt. Sozusagen sind mit ihm die Pferde durchgegangen. Nun gibt es eine Schlägerei zwischen Albert und Werther, wobei auch Bert im Schnee K.O. geschlagen wird, und sich Tod stellt, woraufhin die anderen Flüchten, das heißt, Albert und sein Freund Sunny, als sie das Martinshorn in der Ferne hören. Lotte aber bleibt bei Bert, Werther und Wilhelm, woraufhin sie mit dem Auto Richtung "Großer Berber" fahren.

"Ach wie mir das durch alle Adern läuft, wenn mein Finger unversehens den ihrigen berührt, wenn unsere Füße sich unter dem Tische begegnen! Ich ziehe zurück wie vom Feuer, und eine geheime Kraft zieht mich wieder vorwärts - mir wird's so schwindelig vor allen Sinnen. - O! Und ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen. Wenn sie gar im Gespräch ihre Hand auf die meinige legt und im Interesse der Unterredung näher zu mir rückt, dass der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen kann: - ich glaube zu versinken, wie vom Wetter gerührt. - und, Wilhelm! Wenn ich mich jemals unterstehe, diesen Himmel, dieses Vertrauen -! Du verstehst mich. Nein, mein Herz ist so verderbt nicht! Schwach! Schwach genug! - und ist das nicht Verderben? Wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns alles."

Zu viert freuen sie sich an der Natur, der grandiosen Aussicht, wobei Werther seinen Onkel fragt, warum er sich Zarathustra nennt. Schweren Herzens, so hab ich zumindest den Eindruck sagt er ihm:

"Den freien Tod predige ich Euch, der nicht heranschleicht wie Euer grinsender Tod, sondern der da kommt, weil ich es will."

Au Mann, wie das einem durch Mark und Pein geht, wobei Tränen in Werthers Augen stehen. Nun sieht Bert verschwommen von dannen, durch den verschneiten Wald stapfen, wobei man seinen schweren Atem hört, der urplötzlich verstummt, und man dann nur einen dumpfen Aufschlag hört.
Szenenwechsel: Am nächsten morgen wacht Albert auf, und vermisst Lotte, woraufhin er seine Gäste rausschmeißt und Rachepläne schmiedet.

Zurück zu Werther. Bert´s Leichnam ist verbrannt worden, woraufhin sie im Beisein von Werther, Wilhelm und Lotte, die Asche in Bert´s Strickmütze leeren, die sie an einen Wetterballon festbinden und diesen am "Großen Berber" aufsteigen lassen.

"Noch nie war ich glücklicher, noch nie war meine Empfindung an der Natur, bis aufs Steinchen, aufs Gräschen herunter, voller und inniger und doch - ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll ,meine vorstellende Kraft ist so schwach, alles schwimmt und schwankt so vor meiner Seele, dass ich keinen Umriss packen kann. Ich bin nirgendwo und überall, wohl alles das ist vergänglich, aber keine Ewigkeit soll das glühende Leben auslöschen, das ich auf deinen Lippen genoss. Sie liebt mich, dieser Arm hat mich umfasst, diese Lippen haben auf ihren Lippen gezittert, dieser Mund hat an ihrigem gestammelt, sie ist mein du bist mein, ja Lotte auf Ewig. Ich wünsche nichts, und verlange nichts, es wäre besser ich ginge".

Albert und Sunny sind hinter Werther und Lotte her, suchen sie, wobei Werther jetzt zum Bewusstsein kommt, dass Lotte überhaupt nicht zu ihm passt, obwohl er sie grenzenlos, unsterblich liebt, und sie ihn auch. Im Grunde kann man sich nun die Frage stellen. Liebt Werther Lotte oder liebt er nur das Verliebtsein?

"Was ist der Mensch. Ermangeln ihm nicht eben da die Kräfte, wo es sie am nötigsten braucht? Und, wenn er in Freude sich aufschwingt oder im Leiden versinkt, wird er nicht in beiden eben da aufgehalten, eben da zu dem stumpfen kalten Bewusstsein wieder zurückgebracht, da er sich in der Fülle des Unendlichen zu verlieren sehnte"?

Als sich Werther und Lotte küssen, kommt Albert und Sunny hinzu. Albert ist rasend vor Eifersucht, wobei er Sunny anstiftet Werther zu erschießen, der es aber nicht fertig bringt.

"So ist mir´s oft, ich möchte mir eine Ader öffnen , die mir die ewige Freiheit schaffte".

"Den Vorhang aufzuheben und dahinter zu treten! Das ist alles! Und warum das Zaudern und Zagen? Weil man nicht weiß, wie es dahinten aussieht? Und man nicht wiederkehrt? Und dass das nun die Eigenschaft unseres Geistes ist, da Verwirrung und Finsternis zu ahnen, wovon wir nichts Bestimmtes wissen. Ich geh jetzt und das ist gut so. Du bist ein Engel Wilhelm aber nur manchmal ja, aber nur manchmal. Scheiß auf die Heiligkeit man geht wenn´s am besten ist. Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe. Ich war kein Mensch mehr. Ich liebe Lotte, und liebe. Her mit dem schönen Leben". Bum-Krach-Aus.

So, und nun zur eigenen Meinung

Oh ja, sehr eigenartig, und mit einem noch seltsameren Dialog, fängt der Film an, von welchem man sich aber nicht einschüchtern lassen sollte, zumal die Grundidee, das Grundthema des Originals "Das Leiden des jungen Werther" in der Neuinszenierung trotzdem noch darin zu erkennen ist, zumal ein ständiges Ringen zwischen Herz und Verstand und Individuum und Gesellschaft, Liebe und Wahn gezeigt wird. Die Sprache der neueren Fassung des Stücks, das die "Neuen Leiden des jungen Werther" heißt, welches Ulrich Plenzdorf 1972 geschrieben hat und 2008 mit dem Titel "Werther" verfilmt wurde.

Die Worte, die ausdrucksstarken, vielsagende Textabschnitte, wie sie im Original-Briefroman stehen, so wie sie einst Goethe verwendet hat, werden hier zusammen in ausdrucksvolle Bilder gefasst, was wiederum den Worten Inhalt und Sinn geben, dass man sie, auch ohne dass man die Goethesche-Poesie versteht, dem Film sehr gut folgen kann.

In den ersten Szenen z.B. als Werther die Abfuhr von Romy bekommt, ist er wohl am Anfang deprimiert, wobei er dann selber sagt: "Scheiß auf die Frauen" und ein Plakat anzündet, auf welchem eine wunderschöne Frau abgebildet ist. Sozusagen zieht er hiermit den Schlussstrich, dass er auf all die anderen Frauen pfeift, bis ihm Lotte begegnet.

Den Unmut den Goethe mit dem Textabschnitt "Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können,..."wird mit Bildern aus der Natur, den Menschen, sogar welchen die den "Stinkefinger" zeigen untermalt, wobei diese Bilder zum Teil recht schnell und so, als ob man sich im Kreis drehen würde an einem vorüber ziehen. Dazu ist mehr eine monotone Musik zu hören, was aber nicht immer so ist, zumal recht flotte, fetzige, eben solche, wie man sie oft in Discos usw. zu hören bekommt, ertönt.

Ja, Bilder aus der Natur, und recht schöne Landschaftsaufnahmen werden zahlreiche gezeigt, die dann mit dem jeweiligen, passenden Textabschnitten zusammen, beruhigend und Aussagekräftig vorgetragen werden, wobei so etwas für mich, einen ganz besonderen Genuss darstellen.

Lange habe ich herum überlegt was dies zu bedeuten hat, als man Werther, gleich nachdem ihm Romy den Laufpass gegeben hat, die neuen roten Sportschuhe, die er an hat, entwendet. So bin ich nun zu der Auffassung gekommen, dass diese wie ein Symbol zu der Liebe steht, in welcher es ein Auf und Ab gibt, der einem steinigen Weg gleicht. Also wandert Werther auch Barfuß durch den fast ganzen Film, wobei er sogar in den ersten Szenen im Schnee keine Schuhe anhat und jämmerlich friert. Wenn man diese Filmszenen aufmerksam betrachtet empfindet, ja spürt man selbst diese Qualen, dieses Leid, wobei es ihm auch bewusst ist, dass er nie die große Liebe bei ihr erfahren kann, was ihn schon wahnsinnig werden lässt. Wahnsinnig vor lauter Liebe, die er Lotte nicht schenken kann. Real würden wir sagen der spinnt oder hat eine Schraube locker. Je mehr es Werther ins Bewusstsein kommt, dass er seine große Liebe nicht halten, erreichen kann, um so mehr kommt ihm seine eigene Sinnlosigkeit sein unnützes Dasein zu Tage.

Und dennoch sieht er einen Sinn in seinem Leben, nämlich seine "Unsterblichkeit", wobei er sein Dasein nur als "Zwischenstadtion" bezeichnet. Sozusagen, er war früher schon mal da, und wird später nochmals da sein. Wenn auch in einer anderen Form, Existenz. Und andersherum, sieht Werther in der "Unsterblichkeit", dass wenn er, in diesem Fall Lotte so sehr geliebt hat, dass sie auch, auch wenn er Tod ist, ihn nie und nimmer vergessen wird. Oder einfacher gesagt, dass seine Liebe den Tod überdauert, und in ihr weiterlebt.

Dieser Film ist so wunderschön und voll Poesie mit sehr viel Leidenschaft gemacht, dass man ein wahres kribbeln spürt, wenn sich Werther und Lotte einander nähern kommen, obwohl sie sich nur ganz zart mit den Lippen berühren, scheint es so, ein Seidentuch dazwischen zu sein. Wer hier etwa erotische Bettszenen sucht, wird keine finden.

Und nun die für uns weniger schönen Szenen.

Da wäre zunächst einmal, doch die recht vulgäre Umgangssprache, wobei das Wort "fick dich" quer durch den ganzen Film zu hören ist. Auch die Rollenvergabe, von Werthers Eltern, ist recht unglücklich gewählt, zumal der Altersunterschied nicht eindeutig ersichtlich ist, sodass ich zuerst den Anschein hatte, dass Werthers Mutter entweder seine Schwester oder Wilhelms Freundin ist, und der Vater, irgendein anwesender, etwa gleichaltriger Freund. Alle waren im jugendlichen Alter, oder so sehr auf jugendlich getrimmt, außer Onkel Bert. Auch der Szene im Verlag, wer wer ist, und was dieser für eine Aufgabe hat, war recht schwer zu erkennen, obwohl ich mir recht oft, gerade diesen Szenenausschnitt angeschaut habe. Da werden Bilder bekritzelt, ein Auto zerkratzt und dann zu Schrottgefahren, wobei so viele Personen ins Spiel kommen, die dann gänzlich fehlen, dass man diese Szene glatt vergessen kann. Das ist zumindest mein Eindruck.

Auf was es in diesem Film "Werther" in meinen Augen ankommt, wobei ich nun schließlich und endlich zum Schluss komme, ist doch das, dass Glück eine Sache des Augenblicks ist. Werther kann Lotte nicht halten, deshalb nimmt er sich das Leben, gefasst nicht verzweifelt. Und es wird gegangen, wenn´s am schönsten ist. Man kann auch sagen es sind nicht "Die Leiden des jungen Werther", sondern "Die Träume des jungen Werther". Ein wunder- wunderschönes Märchen für Schwärmer und Romantiker gleichermaßen. Und alle die gefallen finden an Illusion und Ernüchterung.

Daten zur DVD "Werther"

Darsteller: Stefan Konarske, Hannah Herzsprung, Aaron Hildebrand
Regisseur(e): Uwe Janson
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Arthaus Musik GmbH
Erscheinungstermin: 15. Mai 2009
Produktionsjahr: 2008
Spieldauer: 90 Minuten

Extras: 8seitiges Booklet, Drehbericht

Obwohl mir dieser Film, oder besser gesagt, das Thema in diesem Film ausgesprochen gut gefallen hat, kann ich leider diesem Film nicht die volle Punktezahl geben. Okay, das dieser Film mehr junge Leute ansprechen soll, und deshalb diese, doch in meinen Augen vulgären Ausdrücke gewählt wurden, dem kann ich ja noch verzeihen. Aber dass kein wesentlicher Altersunterschied zwischen Eltern und Kind ersichtlich ist, und die unklaren Rollenverteilungen im Verlag, das wiederum nicht, wobei summa-sumarum vier Punkte übrig bleiben.

Fazit: Ein Fest für die Sinne

152 Bewertungen, 36 Kommentare

  • psychologisch

    07.07.2010, 15:44 Uhr von psychologisch
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schön umfassend beschrieben ;-) LG, Falk

  • Netha

    28.06.2010, 18:49 Uhr von Netha
    Bewertung: sehr hilfreich

    sonnige Grüße von Netha

  • Striker1981

    21.06.2010, 18:18 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER ;)

  • Ringer93

    19.06.2010, 13:00 Uhr von Ringer93
    Bewertung: sehr hilfreich

    hoffe du schaust ma wieder bei mir vorbei ;)

  • anonym

    14.06.2010, 12:27 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH,für deinen guten Bericht.LG Bernd

  • Baby1

    14.06.2010, 11:30 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • skye

    13.06.2010, 00:20 Uhr von skye
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht, schönes WE, skye

  • anum74

    09.06.2010, 12:56 Uhr von anum74
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen Tag noch und LG

  • tina08

    07.06.2010, 14:28 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • JUST_ME

    01.06.2010, 20:06 Uhr von JUST_ME
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr ausführlich. BW ! Freue mich über Gegenlesungen.

  • Polarlicht1960

    30.05.2010, 20:03 Uhr von Polarlicht1960
    Bewertung: sehr hilfreich

    VIELE LIEBE GRÜSSE und über eine Bewertung freue ich mich natürlich auch. Larissa

  • anonym

    30.05.2010, 13:55 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klasse Bericht ! BW & LG Hollgo

  • pinna

    29.05.2010, 18:37 Uhr von pinna
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima beschrieben...lg

  • anonym

    29.05.2010, 12:45 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schöne Grüsse, Talulah

  • Clarinetta2

    28.05.2010, 22:44 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut geschrieben

  • GilbertArenas0

    28.05.2010, 18:26 Uhr von GilbertArenas0
    Bewertung: besonders wertvoll

    Besonders wertvoll!! Sehr schöner Bericht, weiter so!!!

  • manu63

    27.05.2010, 23:40 Uhr von manu63
    Bewertung: sehr hilfreich

    viele Grüße von Manuela

  • austin77

    27.05.2010, 22:45 Uhr von austin77
    Bewertung: besonders wertvoll

    du liest bei mir und ich bei dir so macht yopi Spaß. Liebe Grüße

  • monikakuhnert

    27.05.2010, 18:27 Uhr von monikakuhnert
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht! Freue mich übers weitere gegenseitige Gegenlesen ;)

  • mima007

    27.05.2010, 15:29 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    BW's sind leider alle:-( LG, mima

  • boby

    27.05.2010, 11:45 Uhr von boby
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr hilfreicher Bericht, desshalb auch ein "sh" von mir. Grüße Robert (;

  • Tweety30

    26.05.2010, 20:10 Uhr von Tweety30
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße!

  • aya2005

    26.05.2010, 19:17 Uhr von aya2005
    Bewertung: besonders wertvoll

    so einen ausführlichen Bericht habe ich sicher noch nirgends gesehen. klasse!lg

  • topfmops

    26.05.2010, 16:43 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    Den Kommentar kennt Ihr.

  • AChristoteles

    26.05.2010, 00:06 Uhr von AChristoteles
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wie immer eine tolle Filmbesprechung. LG Chris

  • ChrisS91

    26.05.2010, 00:05 Uhr von ChrisS91
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreicher Bericht!

  • knopfi

    25.05.2010, 21:34 Uhr von knopfi
    Bewertung: besonders wertvoll

    Die Mühe muss einfach belohnt werden! merci@knopfi

  • Lale

    25.05.2010, 20:41 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß

  • misscindy

    25.05.2010, 19:13 Uhr von misscindy
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ein sehr schöner Bericht, lg Sylvia

  • mrwong

    25.05.2010, 18:57 Uhr von mrwong
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße mrwong ;-)

  • morla

    25.05.2010, 17:06 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • Shirty1980

    25.05.2010, 15:47 Uhr von Shirty1980
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein gelungener Bericht. Über eine Gegenlesung würde ich mich sehr freuen. Lg Shirty

  • kurtmahr2001

    25.05.2010, 15:38 Uhr von kurtmahr2001
    Bewertung: besonders wertvoll

    schöne Grüße

  • Free22

    25.05.2010, 15:09 Uhr von Free22
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht (: ...Wer hat Interesse an einer Leserunde? Ich spare für ein neues Handy (C905)&du?

  • sigrid9979

    25.05.2010, 14:56 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht...Lg Sigi

  • hjid55

    25.05.2010, 14:40 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüße Sarah