Descent (DVD) Testbericht

Descent-dvd-thriller
ab 12,66
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Ich fange gerade an, mich kennenzulernen."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

'''Achtung! Der nachfolgende Bericht gibt nahezu den kompletten Filminhalt wieder.''' '''Jener offenbart sich zwar gleichermaßen auf dem DVD-Rückentext''' '''~''' ''''aber ich dachte, ich warne mal entsprechend vor. Also: SPOILERALARM!!!!'''

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So vielversprechend und nicht zuletzt an _„Hard Candy“_ erinnernd die Covergestaltung des 100minütigen Thriller-Dramas

===“Descent“=== auch gestaltet wurde, so schnell verloren die eigentlich recht fluffig gemachten ersten Minuten ihren Reiz. Protagonistin Maya (Rosario Dawson) scheint nicht auf dem Kopf gefallen, durchschaut die dummen Sprüche auf einer Party, während ihre Freundin das dummdreisteste Anbaggern reicht, um sich wie eine Prinzessin zu fühlen. Nichtsdestominder dauert es trotzdem nicht lange, bis Maya zumindest Jared (Chad Faust) eine Chance in ihrem Leben einräumt ~ die beiden unterhalten sich eine Weile, offenbaren sich winzige Geheimnisse und sorgen für eine gewisse Spannung, als Maya den nachfolgenden Satz verlautbaren lässt:

_„Warum sollte ich darüber reden? Alles ist egal, wenn es vorbei ist.“_

Obschon man dies sicherlich als Leitmotiv für die weitere Verhaltensweise Mayas bezeichnen könnte, beginnt _„Descent“_ sich bereits an dieser Stelle wahnwitzig in die Länge zu ziehen. Die zähflüssige Entwicklung lässt ein Ereignis ~ _irgendein Ereignis!_ ~ sehnsüchtig erhoffen; zumal die stattfindenden Dialoge nicht einmal zueinander passen, ineinander übergehen wollen.

Es mutet ein wenig befremdlich an, dass es offenkundig Maya nicht die Laune verhagelt, wenn sie gerade über schmerzbehaftete Kindheitserinnerungen spricht und Jareds einzige Reaktion darauf ist, dass er noch eine Flasche Wein gefunden hat.
Aber wer weiß, vielleicht bin auch ich einfach zu empfindlich.

Fakt ist, dass der Film erst dadurch etwas an Schwung erhalten soll, als Jared Maya wenige Minuten später vergewaltigt. Bzw. ihr „nein“ ignoriert, was unabstreitbar ebenfalls eine Vergewaltigung darstellt, selbst, wenn dies manch einer nicht zu wissen behauptet.
'''Und um mich nun völlig aufs brüchige Glatteis zu begeben: die Vergewaltigungsszene sieht nicht überzeugend, sondern vielmehr lächerlich aus.'''
Nein, ich spreche nicht davon, dass ich eine unbedingte Großaufnahme aller Details benötige, um jene als authentisch ansehen zu können ~ ganz und gar nicht. Wer _„Der freie Wille“_ gesehen hat, der weiß, wie viel Übelkeit auch durch eindeutig wenigere Filmbilder als bspw. In _„Irreversible“_ erzeugt werden kann. _„Descent“_ brachte es hingegen fertig, dass ich mich die ganze Zeit über fragte, warum Maya eigentlich so brav ihre beiden Arme gen Bettpfosten reckte ~ ob ich evtl. den Moment verpasst hätte, in dem sie festgebunden wurde....?

Nein, hatte ich nicht.
Die Studentin scheint sich schlicht und ergreifend zu wenig, respektive gar nicht, zu wehren. '''Natürlich will ich niemanden die gewisse Schockstarre absprechen oder gar nur die vermutete wenn körperliche Überlegenheit Jareds außer Acht lassen, beharre auf lautstarke Schreie, Tränen und / oder Gewinsel''' ~ '''doch Mayas verhuscht-zartes Geflüster „genug jetzt“ passt schlicht und ergreifend nicht zu der Art starken Charakter, den sie bis dato noch darzustellen wusste.''' Dass sie wie gesagt nicht einmal versucht, sich körperlich zur Wehr zu setzen.... solcherlei hätte mich in einer völlig anderen Umgebung _(großer böser Mann trifft im Düsteren auf Unbekannte)_ durchaus überzeugen können; doch in dieser Konstellation... dann eher nicht.
Vergleichsweise ging der Moment, in dem Michael Douglas in _„Enthüllung“_ von Demi Moore vergewaltigt wird, während er eigentlich auch „nur“ verbal seinen Nicht-Willen zum Ausdruck bringt, meiner Meinung nach absolut eindringlicher unter die Haut, gestaltete sich glaubhafter als das, was der Zuschauer innerhalb _„Descent“_ zu sehen bekommt.

'''Und leider zieht sich dieses Trauerspiel den gesamten Film hindurch.''' Gepaart mit überaus banalen Schnitten (sekundenlanges schwarzes Bild, um sodann ein grelles Bild auszuwerfen) tut dem Zuschauer hier so einiges in den Augen weh. Schier endlose wirkende, vermeintlich sinnlose Aufnahmen ziehen den Streifen noch kaugummimäßiger in die ohnehin schon gefühlte Länge ~ was zur Hölle will der Macher uns damit sagen, indem er dem Zuschauer daran teilhaben lässt, wie eine Schaufensterpuppe dreimal in Folge ein neues Outfit erhält?

~ Nicht genug damit, dass ich schon hier stetig den innerhalb _“Funny games“_ geäußerten Satz _„Wir sind noch nicht auf Spielfilmlänge“_ im Ohr hatte ~ als Maya Monate später keine 2m von Jared enternt steht, beide sich aber nicht zu bemerken wollen... '''da hatte ich schon sehr große Lust, die Stoptaste des DVD-Players zu bedienen und auf der Silberscheibe Samba zu tanzen.'''
Was nun folgt, schließt sich nahtlos an etliches an, was wohl dazu dienlich sein sollte, ein Spannungsfeld aufzubauen ~ stattdessen wirkt es fast schon unfreiwillig komisch, als Maya nach einer durchzechten Nacht auf der Couch einer offensichtlich Zugedrogten aufwacht, die dieser etwas von Adrian erzählt:

_„Er liebt uns zwar, aber er vertraut uns nicht.“_

Meine Vermutung, dass die Gute nun auf den Strich geschickt wird, bestätigte sich zwar nicht; doch beinah sämtliches Verhalten von Maya wirkt durch die Bank für den Zuschauer in der Art der Umsetzung unzumutbar. Es mag wohlweislich nicht sonderlich weit hergeholt sein, dass die erlittene Vergewaltigung gewisse Spuren hinterließ, Maya innerlich zerbrach und diese sich in jedwede Drogen flüchtet ~ doch auch hier.... das, was dem Filmgucker an Gelaber, Bebilderung, Musik und nicht zuletzt Mayas Wandlung selbst präsentiert wird, ging mir in diese Fall unaufhörlich auf die Nerven.

Das Ereignis _„ich bin heut morgen hier aufgewacht und bleib jetzt einfach mal hier sitzen um monatelang dem ominösen Adrian hinterherzukiffen“_ überzeugt mich ~ Überraschung Überraschung ~ ganz und gar nicht. Mit der großen Frage, was eigentlich mit Mayas Studium ist, wie sie ihre Partynächte finanziert, wo sie schläft bzw. wann und wie sie schafft, stetig so taufrisch auszusehen, setzt sich der Regisseur Talia Lugacy nicht mal im winzigsten Ansatz auseinander.

Stattdessen reißt mich _„Descent“_ auf einer völlig unverhofften Art aus meinem Wachkoma: dafür, dass die Protagonistin erst 19 Jahre alt sein soll, hätte man hier unabstreitbar eine andere Darstellerin auswählen sollen. Entschuldigung, aber das glaubt hier keine Sau. '''Zweifelsohne könnte man dies als Erklärung für manches Verhalten nehmen ~ doch veralbert fühlt man sich an dieser Stelle bereits zum x-ten Male.'''
Besonders negativ hervorzuheben vorrangig der Aspekt, dass beinahe sämtliche Ereignisse den Zuschauer spürbar kalt lassen, eben weil diese derartig trantütig umgesetzt wurden. Ferner verspielt Maya bis ins letzte Eckchen sämtliche Sympathien, so dass man eigentlich nur darauf wartet, dass bitte endlich mal das eingeläutet wird, was die DVD-Bewerbung so reißerisch zusammenfasste.

Urplötzlich taucht Jared dann erneut auf; und zwar derartig plötzlich, dass man unterstellen könnte, den Filmemachern wäre selbst just wieder eingefallen, dass da ja noch was war. Nur leider bringt diese direkte Konfrontation von Täter und Opfer schlussendlich auch nicht mehr viel Schwung in die Kiste. Man ahnt natürlich, dass Maya Jared nicht wirklich aus romantischen Gefühlen zu sich nach Hause einlädt, '''doch selbst der Weg bis zum Finale trantütet sich durch ein Tal der Lächerlichkeiten''', indem er mitunter vereinzelte Protagonisten vom Weltschmerz fabulieren lässt. '''Jaja... der Weltschmerz. Irgendwie fühlt man ihn ja auch, wenn man tapfer den Film bis zum Ende verfolgt.''' Um es mal etwas bösartiger zu formulieren.

Erneut folgt ein immenses Totgerede; Monologe, die eher den Zuschauer als den einstigen Peiniger foltern.
'''Der groß angekündigte Racheakt an sich gestaltet sich unabstreitbar pompös, überschreitet hierbei jedoch sämtliche Grenzen des guten Geschmacks und dürfte tatsächlich (oder gar hoffentlich?) niemanden zufriedenstellen.''' Während eine gewisse Szene inmitten Stieg Larrsons _„Verblendung“_ zu meiner persönlichen Empörung viele Zuschauer zum jubilieren brachte, dürfte selbst für hartgesottene „wie du mir, so ich dir“ Vertreter die Auf- oder gar Erlösung innerhalb _“Descent“_ ein spürbarerer Schlag ins Gesicht sein.

Sprich: bei der Logik, die das Sätzchen

_„Ich bin kein verdammter Schwuler!“_

quasi mit den Worten _„ich vergewaltige dich nur, weil die, die du einmal vergewaltigt hast, meine Drogenfreundin ist, die dir übrigens grade einen runterholt, damit wir alle sehen, dass es dir eigentlich gefällt, von einem Mann penetriert zu werden“_ inneträgt, '''plöppte mir Farin Urlaubs kongeniale Songzeile „stirb, Fernseher, stirb“ durch den Kopf.'''

Ganz im Ernst: ich habe in meinem bisherigen Leben kein selten-dämlicheres pornographisches Filmfinale gesehen. Und dann gipfelt das Szenerio in einem kuhäugigen Blick in die Kamera:

_„Ich muss darüber hinwegkommen, ich weiß“._

Da hätte ich dann fürwahr fast auf den Teppich gekotzt.

===Summa summarum=== hätte man _“Descent“_ in einen Kurzfilm packen können, eine andere Darstellerin nehmen oder stattdessen die Altersfrage offen lassen müssen, ein wenig mehr Regieanweisungen Marke „du hast jetzt übrigens Angst, du findest es nämlich nicht toll, vergewaltigt zu werden“ benötigt, um auch nur einen einzigen Stern zu rechtfertigen.

Es kann und darf einfach nicht sein, dass das einzige Drama hier ist, dass die Dramatik an keiner Stelle spürbar wird; sämtliche Protagonisten eher hölzern agieren und sogar ein Kasperletheater intensiver hätte wirken können. So putzig die Hauptfigur auch sein mag, so sollte man sie stattdessen ausschließlich in „7 Leben“ bewundern. Nach ihrem Auftritt in _„Descent“_ mag man sie nämlich irgendwie weniger.

Ergo des Ergos: großes Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuh und eine deutliche Warnung vor dieser Geldausgabe.

Da lohnt es fast noch mehr, Bierdeckel zu kaufen.

36 Bewertungen, 8 Kommentare

  • tina08

    28.08.2011, 12:28 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • Luna2010

    28.08.2011, 00:45 Uhr von Luna2010
    Bewertung: besonders wertvoll

    Hab so gut wie alle bei dir gelesen. Freu mich auf Gegenlesungen!

  • trullilu

    27.08.2011, 23:55 Uhr von trullilu
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüße schickt dir trullilu !!!

  • morla

    27.08.2011, 22:16 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    schönes wochenende lg. petra

  • Mondlicht1957

    27.08.2011, 20:57 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • feliciano2009

    27.08.2011, 18:02 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: besonders wertvoll

    interessant...

  • sirikit06

    27.08.2011, 16:27 Uhr von sirikit06
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wünsche Dir ein schönes WE! LG

  • Clarinetta2

    27.08.2011, 16:26 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut geschrieben