Buddenbrooks (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von DukeNukem

Bessert seine eigenen Fehler selbst wieder aus

5
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 6 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  andere Version

Pro:

siehe Überschrift, Kulissen, Beleuchtung, Schauspieler, Kostüme, ein mitreißendes Drama

Kontra:

Schnitte und Nebenfiguren

Empfehlung:

Ja

Hallo!

Vor einiger Zeit sah ich mir auf dem Fernsehsender ARTE den Zweiteiler „Buddenbrooks“ an. Es handelt sich hierbei um die TV-Neufassung des gleichnamigen Romans vom berühmten Schriftsteller Thomas Mann, dem sogar Nicht-Bücherfreunde ein Begriff sind.
Und neue Version deshalb, weil es gab vor vielen Jahren schon einmal eine Verfilmung dieses literarischen Stoffes in Schwarz-Weiß aus, ich glaube, den 40er- oder 50er-Jahren. Dieses Remake hier aus dem Jahr 2008 wurde extra fürs Fernsehen gemacht und kommt, im Vergleich zum Original, recht üppig ausgestattet daher mit den besten bekanntesten deutschen, und auch österreichischen (so viele sind es dann doch wieder nicht), Schauspielern.
Wie bereits zu Beginn kurz erwähnt wurde diese TV-Film-Neuversion in zwei Teile geteilt zu je 90 Minuten, also komplett würde sie insgesamt so um die Stunden dauern.

Also ganz schön viel Stoff für ein Buch, oder eben einen Film.
Stimmt, denn wenn ich alleine jeden kleineren und größeren Teil der Geschichte einzeln rausnehmen, und hier nacherzählen würde, dann könnte ich nach diesen Zeilen selbst schon ein Buch heraus geben.

Aus diesem Grund hier für euch nur sozusagen das Oberflächliche, das Grobe kurz angeschnitten:
Kurzum, es geht um eine reiche Kaufmannsfamilie, eben die „Buddenbrooks“, die sich recht adelig gibt.
Wenn man die grobe Geschichte sich mit den geschriebenen Worten so vor Augen führt, dann bemerkt man, dass es sich bei den „Buddenbrooks“ eigentlich um eine allseits bekannte, schon mehrmals erzählte, 08/15-Erzählung handelt, was aber nicht sonderlich schlimm ist, denn altbekanntes funktioniert heutzutage immer noch, weil man mit der Story vertraut ist, und man kann sich sozusagen auf jegliche Tragödie oder auch Erfreuliches einstellen, beziehungsweise besser damit zurecht kommen. Aber auch nur, wenn es gut präsentiert wird, was hier der Fall ist, weil sonst besteht die Gefahr einer eventuell zu lieblosen Kopie verschrien zu werden.

Es geht nämlich um die Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, die ihr eigenes Leben nicht so leben dürfen, wie sie es wollen, sondern nach den strengen Regeln der Eltern, sowie denen des Familienstammbaumes. Umgeben sind diese Familien-Zwistigkeiten, -Tragödien, -Streitigkeiten von politischen und wirtschaftlichen Krisen.

Ich muss zugeben, als ich mit dem Ansehen des ersten Teils begann, war ich, negativ, überrascht und ein klein wenig entsetzt.

Wie kann ein Film, der vor und hinter der Kamera (Regisseur Heinrich Breloer hat zum Beispiel schon mehrere Romane von Schriftsteller Thomas Mann erfolgreich verfilmt) das Who-is-Who des deutschen filmischen Könnens (Deutschland ist ein Land, dass es versteht, literarische und historischen Stoffen und Figuren raffiniert Leben einzuhauchen) um sich versammelt, so viele, zugegeben kleinere, aber dennoch vorhandene, Fehler haben?

Eingeschoben werden muss allerdings an dieser Stelle auf jeden Fall, dass diese Fehler im Laufe des ersten Teils, und ganz besonders beim zweiten Teil, sich von selbst in Luft auflösen.

Die größten Probleme: Schnitte und Nebenfiguren

Das allerschlimmste zuerst, die Schnitte
Die TV-Neuverfilmung von „Buddenbrooks“ bietet wundervolle lange Sequenzen, die in diesem ihr ganzes Potential entfaltet, und mit denen sie dem Roman auch sich als würdig erweist. Leider werden vor, inmitten oder nach diesen langen Einstellungen kurze Zwischenschnitte eingeschoben, die zum einen deplatziert wirken, weil einerseits die dort gezeigten Figuren und deren dort kleinen gezeigten Handlungen und gesprochenen Dialoge nicht von weiterem Belangen sind, und andererseits, weil diese präsentierten Charaktere sowieso im Verlauf beider Teile nur mehr am Rande auftreten oder gar gänzlich vom Erdboden verschluckt werden.
Zum anderen erhöhen diesen kurzen eingeschobenen Zwischenschnitte das Tempo, was dieser „Buddenbrooks“-Fassung allerdings sehr schlecht bekommt, denn diese entfaltet ihre Genialität ganz nach der Redewendung „in der Ruhe liegt die Kraft“.

Der zweitschlimmste Kritikpunkt gleich drauf, die Nebenfiguren
Die „Buddenbrooks“ sind eine sehr mächtige, sehr egomanische Familie, die sich immer wieder in den Vordergrund drängt. Die Persönlichkeiten der einzelnen Familienmitglieder dürften sich anscheinend auch auf den Film übertragen haben, denn alleine der Name „Buddenbrook“ dominiert hier bis zum geht nicht mehr.
Die ganzen vielen, egal ob jetzt größeren oder kleineren, Nebenfiguren tauchen zwar anfangs vermehrt auf, auch im Vordergrund, werden aber mit weiterem Filmminuten-Verlauf von den Familienmitgliedern „Buddenbrook“ zuerst einer nach dem anderen in den Hintergrund gedrängt, dann an den Rand geschoben und schlussendlich von der Bildfläche verbannt.
Und nicht nur das, nein, die Neben-Charaktere werden zudem teilweise nicht mit ihren jeweiligen Namen oder ihrer/seiner Funktion dem Zuschauer / der Zuschauerin vorgestellt, die sind einfach da, und so schnell sie kamen, so schnell verschwinden sie auch wieder.
Aber Hauptsache, man kennt und weiß alles über jeden einzelnen „Buddenbrook“.

Dies zeigt sich auch beim Cast, denn die bekanntesten Schauspieler stellen allesamt einen „Buddenbrook“ dar, die anderen sind entweder komplett unbekannt, oder kommen einem irgendwie bekannt vor.

Dies ist halt der Nachteil einer Buchverfilmung, es gibt zu viele Personen, und da ein Film einer anderen Dramaturgie-Regel als ein Buch folgt, muss man sich für das Medium der bewegten Bilder halt leider nur auf das Wesentliche, eben die Namensgeber für Buch und Film, konzentrieren.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Werk „Buddenbrooks“ heißt, und dies somit der Beweis dafür ist, dass es sich eben nur um die titelgebenden Familienmitglieder handelt, aber all die anderen Leute sind doch nicht minder wichtig, sind sie doch alle miteinander maßgeblich beteiligt am weiteren Handlungsverlauf, sowie an der Charakterentwicklung jedes einzelnen „Buddenbrook“.

Aber wie bereits einige Absätze vorhin beschrieben, werden diese zwei schlimmen Fehler nur beim ersten Teil, ganz besonders zu Beginn, öfters gemacht, aber zum Glück endet diese neue Fernseh-Fassung durch währenddessen lernen mit einem vollkommenen zweiten Teil, der alles perfekt macht.

Keine verwirrenden Schnitte mehr, keine Neben-Charaktere mehr, die eh nur ablenken würden, nur mehr das Schicksal der „Buddenbrooks“ im Mittelpunkt durch lange Einstellungen, die nicht mehr unterbrochen werden, sodass die herrlichen Dialoge (teilweise benutzte Redensweise aus dem 19. Jahrhundert, aber dennoch verständlich, auch für die 2000er-Generation, rübergebracht) und die großartigen Darsteller wie eine Blume mit der Zeit zu einem wundervollen Kunstwerk erblühen.

Das muss ich noch erwähnen, den Gipfel allen Übels, nämlich eine Kombination beider Fehler, Schnitte und Nebenfiguren, stellt der Anfang dar.
Dieser zeigt einen Ball, ein Fest oder ähnliches, in dem die Figuren eingeführt werden sollen, was allerdings leider nicht geschieht.
Niemand, nicht einmal die „Buddenbrooks“ selbst, wird hier dem Zuschauer / der Zuschauerin vorgestellt, man lernt die Leute erst bei den nächsten Szenen danach richtig näher kennen.

Was bei „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ kritisiert wurde, hätte der Literaturverfilmung „Buddenbrooks“ sehr gut getan, alleine einen ganzen Teil zum Einführen und Erklären von Handlung und Figuren zu verwenden.

Aber zum Glück gibt sich das im weiteren Verlauf, durch eben das schon vorhin mehrmals erwähnte selbstständige Ausbessern von Fehlern, wieder, und man kann allem wunderbar verständlich folgen.

So, jetzt aber genug des negativen, es gibt auch einiges zu loben:
Über die Kostüme kann man nicht meckern, sehen sehr authentisch aus (kenn mich aber ehrlich gesagt, bei dem Thema nicht sonderlich gut aus).
Sehr toll ausgewählte Kulissen, sowohl für drinnen als auch draußen, ganz besonders für letzteres.

Am meisten beeindruckt hat mich die Beleuchtungs-, eigentlich schon, -Kunst, im speziellen bei den Nachtszenen. Sehr genial, wie hier das Licht eingesetzt wird, entweder bei sehr wenig verwendetem Raumlicht, sodass die Schauspieler nur mehr als Silhouette aufscheinen, oder alles ist umhüllt von Dunkelheit und lediglich Gesicht und Körper werden vom Licht eingefangen, oder in der Nacht bezaubernde farbliche Luftspiegelungen, um nur einige Highlights zu nennen.

Die Schauspieler wurden allesamt bestens ausgewählt und jeder für sich steckt für seine/ihre jeweilige Rolle sichtlich ihr/sein Herzblut rein, sei es bei den Oberhäuptern der Familie „Buddenbrook“, oder beim Nachwuchs.

Armin Mueller-Stahls Stimme, Alter, physische Präsenz passen so perfekt, wie die Faust aufs Auge und Iris Berben ist sowieso Expertin im Verkörpern literarischer oder historischer Figuren.

Im ersten Teil dreht sich alles um die Tochter, welche immer Pech mit ihren Ehemännern hat, ausgezeichnet getragen von meiner Lieblingsschauspielerin Jessica Schwarz.

Im zweiten Teil geht es um die beiden Söhne, allen voran Thomas, da dieser im weiteren Verlauf der Geschichte nicht nur die Firma der Familie zu leiten hat, sondern auch eine eigene Familie gründet, mit der er nicht umzugehen versteht, mein anderer Lieblingsschauspieler, August Diehl, mimt den Bruder Christian, dieser spielt zwar auch großartig, verblasst aber leider aufgrund größerer Gewichtslegung auf seinen Bruder neben diesem ein klein wenig.
Interessant ist allerdings, dass im Gegenzug Diehl sich wieder gekonnt von seinem Film-Kollegen Mark Waschke durch sein schauspielerisches Können distanzieren, und somit wieder doch alleine glänzen kann.

Fazit:
Trotz kleinerer Fehler, welche sich aber im weiteren Verlauf selber glatt bügeln, erwartet den Zuschauer / die Zuschauerin ein mitreißendes Familiendrama.

21 Bewertungen, 10 Kommentare

  • anonym

    11.01.2015, 11:19 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • Lale

    04.01.2015, 23:41 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß ~+*

  • Gi22Fr

    29.12.2013, 20:11 Uhr von Gi22Fr
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Gitte

  • nischen

    29.12.2013, 16:11 Uhr von nischen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht. Ein sh von mir

  • geligiraffe

    29.12.2013, 11:26 Uhr von geligiraffe
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht von dir. Lg Angelika.

  • mausi1972

    28.12.2013, 18:54 Uhr von mausi1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß...Marion.

  • Little-Peach

    28.12.2013, 18:53 Uhr von Little-Peach
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh =))

  • Silke111

    28.12.2013, 18:06 Uhr von Silke111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben. Oftmals ist ein Film, dessen Buchvorlage man kennt, ja enttäuschend. Deine Info klingt aber gut.

  • anonym

    28.12.2013, 17:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima vorgestellt - LG

  • monagirl

    28.12.2013, 17:29 Uhr von monagirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mona lässt dir liebe Grüße da.