Helen (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
"Ganz egal, wie weit die Reise ist ~ am Ende ist es immer nur ein einziger Schritt."
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
===“Helen“=== welches schon alleine hinsichtlich der knapp zweistündigen Spieldauer eine gewisse Ruheposition des Zuschauers erfordert. Generell kommt das Werk ohne hollywood-typische künstlich aufgebauschte hohe Wellenschläge aus, konzentriert sich vielmehr auf die wesentlichen Facetten der Menschen, die mit Helens (Ashley Judd) Depressionen in Berührung geraten. Unter die Haut geht die Geschichte spürbar; insbesondere jenen, die bereits ähnliche (direkte wie auch indirekte) Erfahrungen machten, entgehen die feinen Nuancen nicht, die sich schon in den ersten Szenen abspielen: Helen wirkt in unbeobachteten Momenten unglücklich, starrt nachts ruhelos an die Decke, um schlussendlich zum Klavierspiel im Dunkeln überzugehen.
Morgens kommt sie kaum aus dem Bett, kann ihren eigenen Vorträgen an der Universität nicht mehr folgen, verliert sich förmlich in ihrer Gedankenwelt.
Die Äußerung
_„ich sehe es nicht kommen ~ aber ich ahne es“_
kündigt drohendes Unheil an, während überdies der Zuschauer Helens Ahnung ahnt, ihr Lebensgefährte David (Goran Visnjic) würde sie mit seiner Sekretärin betrügen.
Als es immer schlimmer wird, begleitet dieser sie zum Arzt, der über kurz oder lang empfiehlt, Helen auf der offenen Station der Psychiatrie unterzubringen.
Mit der Figur der Studentin Mathilda ( Lauren Lee Smith) gewinnt das Drama kurzzeitig an Leichtigkeit, hört jedoch auch in den scheinbar heiteren Zusammenkünften der Frauen nicht auf, Aufschluss zu geben. Mitunter klammern sich die beiden lediglich dadurch aneinander fest, dass beide depressiv sind und somit schon zwangsläufig besseres Verständnis füreinander haben als es für vermeintlich Außenstehende der Fall sein kann. Die gemeinsam mehr oder minder scherzhaft aufgestellten „Top 5 der schlechtesten gut gemeinten Ratschläge“ dürften dem ein oder anderen Zuschauer etwas sagen; überdies bleibt in jenem Zusammenhang die Hoffnung über, dass diesem möglicherweise bewusst wird, wie banal Ratschläge Marke „fahr in die Ferien“, „lies ein Buch“, „lass dir die Haare schneiden“, „lerne Yoga“ oder „Renoviere deine Wohnung“ sich vereinzelt für die direkt-Betroffenen anfühlen. Das hier aufkeimende sanfte Lächeln des Zuschauers erstickt jedoch bereits in dem Moment, als Helen dazu übergeht, die „Top 5 der Selbstmordarten“ benennen zu wollen ~ dadurch, dass Mathilda sie mit den Worten „Top 5, um trotzdem weiterzumachen“ unterbricht, beginnt der Zuschauer dahingehend zu hoffen, dass jene Freundin es schafft, Helen aus dem dunklen Seelental zu befreien.
Wie sehr Helen gleichermaßen jedoch durch ihre Abschottung nebst ihrer Weigerung, mit David über ihre Gefühle zu reden, insbesondere ihrer Tochter Julie (Alexia Fast) das Herz bricht und sich mehr und mehr von ihrer kleinen Familie entfernt, scheint ihr lange Zeit nicht bewusst ~ oder gar nur wichtig. Dass diese Rechnung nicht so einfach ist, erklärt der Film auf empfindsame Weise, ohne hierbei belehrend zu wirken....
'''Die Umsetzung''' berührte mich persönlich von Anfang an, setzt gleichermaßen jedoch einen gewissen emotionalen Quotienten respektive intensives Einfühlungsvermögen voraus, um Helens Schmerz aus den dargebotenen Bildern, Gestik wie Mimik herauslesen zu können. Besonders positiv hervorzuheben in diesem Zusammenhang, dass wenig später seitens des behandelnden Arztes der berühmt-berüchtigte Kurz-Check Fragebogen seinen Platz findet, aus dessen genannten Symptome hin ablesbar ist, wie nahe die Diagnose einer Depression liegt.
Bittersüß ebenso der Anschlussdialog, in dem David fassungslos darüber ist, von Helens erstem Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt nichts gewusst zu haben, obschon er bereits 8 Jahre mit ihr verheiratet ist und der Arzt in mit den nachfolgenden Worten zu trösten versucht:
_„Manche können es gut verstecken. Sie sollten mal sehen, was für Clowns wir auf der geschlossenen haben.“
_„Helen“_ involviert etliche Szenen, in denen die Titelgebende derartig durch die seelische Hölle geht, dass sich das Herz des Zuschauers förmlich zusammenschnürt. Schon hier darf man sich über die FSK12 Freigabe wundern; obschon selbst der erfolgreiche Suizid einer Psychiatrie-Patientin an für sich nicht direkt gezeigt und schlussendlich lediglich auf den _DVD-Extras_ unter _„entfernte Szenen“_ zu sehen ist, beinhaltet _„Helen“_ meines Erachtens nach auf einer völlig anderen Ebene Dinge, für die das Verständnis der meisten 12jährigen noch nicht ausgereift genug sein dürfte. Drehbuchautorin und zugleich Regisseurin Sandra Nettelbeck ließ die Protagonisten eine Atmosphäre erschaffen, die durchweg düster und beklemmend wirkt. Wie sehr Helen in ihre eigene Welt versinkt, wie sehr sie erst dann von sich selbst schockiert ist, als sie bemerkt, dass ihr Ex-Mann Frank (David Hewlett) mitsamt der gemeinsamen Tochter sie beobachtend in der Tür steht... all das und noch viel mehr bedarf kaum erklärender Worte, verzichtet dennoch nicht auf Äußerungen wie
„Ich sehe jeden Tag, was um mich rum passiert, doch es ist, als würde ich nicht mehr dazugehören (…) Und ich habe es satt, mich dauernd dafür zu entschuldigen.“
Nicht minder lobenswert an dem Gesamtwerk, dass sich die Kernthematik nicht lediglich auf Helen konzentriert, sondern schonungslos offenlegt, wie sich die Depression für die Umstehenden anfühlt bzw. wie diese auf jene Erkrankung reagieren. Die Vorwürfe, die David seiner Frau macht, wirken einerseits brutal, sind andererseits jedoch durchaus nachvollzieh- und -fühlbar.
Trotz der Intensität mag sich der Film stellenweise aufgrund der äußerlichen Nicht-Ereignisse ein wenig in die Länge ziehen; überdies bedarf er eines Publikums, welches sich (mehr oder minder zufällig) in einer Gemütsverfassung befindet, die nicht gerade auf nervenzerreissend-spannende Details hofft.
Vermeintliche Höhepunkte und angedeutete mögliche Wendungen gibt es lediglich bei dem Zusammentreffen von Helen und Mathilda zu beobachten, während der Großteil der Spieldauer dahingehend zu kippen scheint, erstgenannte lediglich im Bett liegend zu betrachten. ~ Dies stimmt zwar nicht so ganz, fühlt sich allerdings durchaus so an; jene Zuschauer, die auf einen großen überbordend-ereignisreichen Show-down hoffen, werden in diesem Fall zwangsläufig enttäuscht werden.
Der von mir vorgenommene Punktabzug lässt sich nur schwer erläutern; einerseits empfand auch ich _„Helen“ als etwas zu weitläufig, andererseits kam mir der Ausgang zu schwammig vor. Auf '''die DVD selbst''' befinden sich neben ein paar '''Interviews''' sowie dem einstigen '''Kinotrailer''' wie bereits erwähnt '''entfernte Szenen'''. Letztere hätte man meiner Meinung nach im Film belassen sollen, geben diese doch ein runderes Bild von der Tragödie, sie sich nicht zuletzt zwischen Mutter und Tochter abzuzeichnen droht. Ferner stört es mich einfach, so albern dies auch anmutet, wenn ein liebgewonnener Hund schlicht und ergreifend nicht mehr auftaucht, obschon die damit verbundene „Erklärungsszene“ durchaus vorhanden, zu guter Letzt jedoch entfernt worden war.
Nichtsdestominder empfehle ich jedem, dem die Worte
_„Ich will gar kein neues Leben. Dafür vermisse ich mein altes zu sehr. Dabei weiß ich nicht einmal, was davon noch übrig ist.“_
auch nur ansatzweise nachfühlbar-verständlich erscheinen, dem Drama eine Chance zu geben. Und wer weiß... möglicherweise sensibilisiert _„Helen“_ ja doch noch den ein oder anderen.
Wenngleich es tragischerweise an für sich eher unwahrscheinlich ist, dass sich jene, die seit jeher einen Bogen um solcherlei Thematik zu machen verstanden, jene Veröffentlichung überhaupt ansehen werden (wollen).
44 Bewertungen, 12 Kommentare
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10.09.2011, 17:45 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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27.08.2011, 16:33 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut geschrieben
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23.08.2011, 05:56 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollKlasse! Liebe Grüße und einen schönen Dienstag
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22.08.2011, 00:32 Uhr von sani001
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße! Über Gegenlesungen würde ich mich freuen!
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21.08.2011, 23:31 Uhr von goat
Bewertung: sehr hilfreichSpitzenmäßig - landet auch gleich auf meinem Wunschzettel.
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21.08.2011, 22:25 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^petra
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21.08.2011, 17:51 Uhr von feliciano2009
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht...
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21.08.2011, 17:46 Uhr von trullilu
Bewertung: sehr hilfreichGrüße schickt dir trullilu !!!
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21.08.2011, 16:13 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichprima geschrieben, einen schönen sonntag, lg willi
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21.08.2011, 15:44 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSH für deinen guten Bericht.LG Bernd
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21.08.2011, 13:57 Uhr von Nina1805
Bewertung: sehr hilfreichSH, freue mich immer über Gegenlesungen! Lg.
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21.08.2011, 12:42 Uhr von milabie
Bewertung: sehr hilfreichSH. Das wird ein sonniger Sonntag. Endlich
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