Fall 39 (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Sie ist völlig introvertiert, isst kaum, schläft stundenlang in der Schule."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es fällt naturgemäß schwer, Filme, die durch eine absolute Wendung an für sich sogar das anfängliche Genre verlassen, so zu beschreiben, ohne das man die gesamte Überraschung und somit den vermeintlichen Knaller-Effekt vorneweg nimmt. Verzichtet man jedoch auf gewisse Andeutungen, so kann es gut und gerne sein, dass ein an für sich sehr guter Film ob jener Wandlung für Enttäuschungen oder gar Frust sorgt.

===“Fall 39“=== konnte mich persönlich faszinieren, obschon die bisherigen Privatkritiken beinahe ausschließlich negativerer Natur sind. Obzwar auch ich anfänglich etwas irritiert davon war, was sich ab der ungefähren Mitte zu ereignen begann, schaffte nicht zuletzt der Blick in die DVD-Extras, mich komplett von dem 105minütigen _„Horrorfilm, der als Drama-Thriller beginnt, in dem man stetig versucht, die Geschehnisse logisch zu erfassen und nicht zuletzt zu erklären.“_, zu überzeugen.

Mannigfaltige Szenen gehen hier unter die Haut, berühren wie verstören zu gleich ~ die kleine Lilith Sullivan (Jodelle Ferland) wirkt von Anfang an sympathisch, liebens- und nicht zuletzt bemitleidenswert. Dem Verdacht nachgehend, dass Liliths Eltern sie zumindest grob vernachlässigen, stattet Sozialarbeiterin Emily (Renée Zellweger) der Familie einen Besuch ab. Während Mutter Margaret (Kerry O'Malley) förmlich neben der Spur zu sein scheint, weigert sich Vater Edward (Callum Keith Rennie) schlicht und ergreifend, mit Emily zu sprechen. Letztere scheint völlig verängstigt zu sein, was Emily keine Ruhe lässt. Doch statt direkt einzugreifen, tut ihr vorgesetzter Wayne jenes anfänglich mit einem

_„Es ist nicht verboten, angsteinflößend zu sein“_

ab. Bei dem anschließenden Behördenbesuch gibt Lilith zu Protokoll, dass ihre Eltern sie hassen würden, fragt schlussendlich:

_„Falls ich verschwinde... kommen Sie dann und suchen mich?“_

Tatsächlich eskaliert bereits wenig später die Situation in einer Szene, die sich absolut nervenzerreißend gestaltet. Ohne dem Ganzen zuviel vorneweg zu nehmen, lässt sich zusammenfassend sagen, dass Lilith schließlich vorübergehend bei Emily unterkommt, um dem Kinderheim zu entgehen. Was wie eine wunderbare kleine Ersatzfamilie beginnt, wandelt sich nach und nach in ein regelrechtes Schreckensszenario, welches nicht nur ansatzweise an Filme wie „Orphan“ oder gar „The sixth sense“ denken lässt.

Besonders hervorzuheben spätestens an dieser Stelle die herausragenden Leistungen der beiden Protagonisten: während der Großteil der Zuschauer bei Renée Zellweger ad hoc an Bridget Jones denken wird, schafft die Schauspielerin auch in diesem Werk, in einer eher resoluten Rolle durchgehend zu überzeugen.
Jodelle Ferland erklärt ihre Überzeugungskraft im Bonusmaterial selbst damit, dass sie ein typisch-süßes Kind darstellt, mit der man anfänglich überhaupt nichts bösartiges in Verbindung bringen mag. Unbestreitbar dauert es lange, bis der Zuschauer auch nur bereit dazu ist, zu akzeptieren, dass Lilith durchaus furchteinflößend agiert.

Die Faszination, die von diesem _„beschädigten, hinterlistigen, manipulativen Kind“_ (Zitat Doug, [Bradley Cooper]) ausgeht, ist nicht minderer Natur ~ bis man über kurz oder lang eher eine Gänsehaut verspürt, was nicht zuletzt darauf begründet ist, dass nach und nach einige der Menschen sterben, die Emily vehement am Herzen lagen.

~ Damit wir uns nicht falsch verstehen: _„Fall 39“_ stellt '''keinen''' Film dar, der von Blut, Gewalt und diversen Toden nur so strotzt. Generell sterben hier eigentlich „nur“ eine handvoll Menschen, zumal der Schwerpunkt der Geschichte auch nicht auf eben jenen mysteriösen Todesfällen liegt. Noch aus der Psychiatrie heraus offenbart Margaret Sullivan, dass Lilith sicherlich nicht ihre Tochter sei und darüber hinaus scheinbar nur dazu da ist, um

_„herauszufinden, wie Sie sich die Hölle vorstellen ~ und Sie dann darin leben lassen.“_

Verstärkt beginnt Emily ebenfalls, sich vor der 10jährigen zu fürchten; während der Zuschauer an Schreckensmomenten teilnehmen darf, die selbst beim Ansehen am helllichten Tag noch eindrucksvoll funktionieren. Mag sein, dass das ein oder andere Detail durchaus vorhersehbar scheint ~ doch in diesem Fall störte mich dieser Umstand ganz und gar nicht. Den kleinen Logikfehler bzw. Patzer, dass innerfilmisch die Patienten der geschlossenen Anstalt mit „echten“ statt nur Plastikmessern zu Mittag essen dürfen, mag man mit Leichtigkeit verzeihen, zumal der Rest des Gesamtwerkes absolut zu fesseln weiß.

Mir persönlich sagt vor allem auch die Idee zu, den Zuschauer gar nicht erst eine obskure Erklärungstheorie weismachen zu wollen ~ viele Filme gipfeln zum Ende hin in einer arg befremdlichen und oftmals tiefreligiös-fanatischen Monologdarbietung, wer-wie-was-wann-warum, die den bisherigen Verlauf irgendwie wieder kaputt machen. _„Fall 39“_ hingegen verzichtet auf solcherlei Ausflüge, ohne das man sich abschließend von der Nicht-Beantwortung irgendwie im Stich gelassen fühlt.

Kleiner persönlicher Wermutstropfen für mich, dass mir das alternative Ende sowie der alternative Tod seitens Det. Mike Barron (Ian McShane) eher zugesagt hätte, zumal in diesem Fall die gruselige Atmosphäre erneut betont und herausgehoben worden wäre.

===Summa summarum=== habe ich ein faible für Filme, die sich in eine völlig andere Richtung bewegen, als man es im ersten Augenblick erahnt hätte. Bereits im Bezug auf _„From dusk till down“_ mag jener Usus nicht jeden Zuschauer begeistert haben ~ und auch hier wird sich vermutlich manch einer regelrecht veralbert fühlen.

Tatsache ist jedoch, dass zumindest ich für meinen Teil mir keinen anderen Verlauf hätte vorstellen können, der sich ähnlich bedrohlich-(an)spannend angefühlt hätte. Die psychologische Horrorstory, die _„Fall 39“_ darbietet, würde ich durchaus als finster-verstörend bezeichnen und somit beinahe uneingeschränkt empfehlen.

27 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Miraculix1967

    19.07.2011, 21:57 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr interesanter Bericht! Schönen Abend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • morla

    19.07.2011, 21:14 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^^petra

  • katjafranke

    19.07.2011, 12:56 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße KATJA

  • Luna2010

    19.07.2011, 12:39 Uhr von Luna2010
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein wirklich gelungener Bericht

  • uhlig_simone@t-online.de

    19.07.2011, 11:01 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe dienstagsgrüße