Precious - das Leben ist kostbar (Limited Gold Edition) (Drama) Testbericht

D
Precious-das-leben-ist-kostbar-limited-gold-edition-drama
ab 9,51
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 07/2010
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(4)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Ich hab einfach nicht mehr lügen können."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

….“Mama wird mich dafür umbringen.“

Ein Zitat, dessen buchstäblichem Inhalt man zweifellos Glauben schenken mag, sobald man sich auszumalen bereit ist, was hinter den geschlossenen Türen vor sich geht. Bereits an dieser Stelle sein angemerkt, dass ähnlich wie bei „Das weiße Band“ die Macher darauf verzichteten, körperliche Misshandlungen jedweder Natur stets und ständig mittels Kamera festzuhalten ~ einiges wird lediglich angedeutet, durch „Ausblendungen in eine Phantasiewelt“ seitens der jugendlichen Protagonistin verdeutlicht, statt Bild für Bild zu belegen, wie viel Schmerz sich hinter der Aussage „Liebe war noch nie gut zu mir“ verbergen mag.

Der Umstand, dass das Drama

===Precious=== derartig intensiv und vor allem hochgelobt lange Zeit durch die Medien ging, stellt auch in diesem Fall eher eine Stolperfalle dar, als das sich die somit gepushten Erwartungen des Zuschauers überhaupt noch erfüllen konnten. Kombiniert sich das Ganze mit einer Kameraführung, die den Eindruck erweckt, einen Studenten während seines Erstsemesters entführt zu haben sowie einer vereinzelten Synchronisation, die schlicht und ergreifend nicht passt ~ dann weiß man schlussendlich kaum, wieso sich der DVD-Rückentext mit Aussagen wie „Einer der besten Filme, die man dieses Jahr zu Gesicht bekommen wird“ lobpreist.

Tatsächlich habe ich mir eine Szene erneut in O-Ton angeschaut ~ und siehe da, das, was Mary (Mo'Nique) ihrer Tochter Claireece „Precious“ Jones (Gabourey Sidibe), entgegenschreit, wirkt in der eigentlichen Vertonung viel intensiver, brutaler, verächtlicher. Wirklich bedauerlich, dass eine „unpassende Stimmgabe“ ein Guck-Gefühl so derartig manipulieren, respektive verhunzdümpeln kann. Wenn sodann noch der Kameramann scheinbar die Zoomtaste entdeckt und wild drauf los auszuprobieren erscheint, dann lenkt hin und wieder das Umstehende zu sehr von dem Dargebotenen Sozialdrama ab ~ ein Umstand, der meines Erachtens nach einfach nicht passieren sollte.

Die _story_ an sich ist hingegen knapp zusammenfassbar wie verstörend: Claireece wird von der Schule verwiesen, da sie mit 16 Jahren bereits ihr zweites Kind erwartet. Sie soll auf eine Alternativschule, ohne dass sie überhaupt den Hauch einer Ahnung hat, was dieses Wort bedeuten mag. Ihre Mutter misshandelt sie tagtäglich, zwingt sie zu kochen, zu essen und mit ihr fernzusehen.

Was hier so profan klingen mag, ist für Claireece die gelebte Hölle, was sich mit Leichtigkeit auf den Zuschauer überträgt. Eine trübe, beklemmende wie auch fassungslose Stimmung ist der Hauptzustand, in dem sich der Filminteressierte wiederfinden darf. Wenige Szenen sind locker-leicht, ein paar unfreiwillig komisch ~ und oft, sehr oft, ist man schockiert über die Unbildung, die dem ein oder anderen das Leben kosten wird. Mancherlei mag man sich kaum vorstellen können, während man gleichzeitig weiß, dass es so oder so ähnlich gewesen ist ~ und andererorts tagtäglich noch so geschieht.

Obschon die Geschichte innerhalb der späten 80er Jahre handelt, wird sich kaum etwas geändert haben ~ erst durch die intensive Einmischung einer Schulangestellten bekommt Claireece eine Chance, durch Ms. Rain (Paula Patton) in dem sog. „each one teach one“ Projekt lesen und schreiben zu lernen. Dass ihre Mutter sich absolut quer stellt, Claireece dafür verprügelt, weil sie zur Schule statt zur Stütze geht... all jene Ereignisse legen sich belastend auf den Zuschauer, berühren wie gesagt jedoch kaum so intensiv, wie sie könnten.

„Precious“ erzählt sich quasi aus der Perspektive der 16-jährigen, deren Gedanken hin und wieder ein-gesprochen werden. Vieles davon berührt; trotz oder eben gerade wegen der einfachen Art:

_“Was soll's. Streich den Tag einfach. Dafür macht Gott ja immer neue Tage.“_

oder gar

_„Ich fühle, ich bin hier.“_

sind Aussagen, die mich persönlich noch eine Weile in ihrer schlichten Genialität beschäftigen und künftig nicht minder werden. Vieles, was sich innerhalb des knapp 100minütigen Werks ereignet, wirkt umso eindringlicher, je weniger man davon weiß. Demnach bin ich auch hier froh, mich vorab so gut wie gar nicht mit der expliziten Handlung auseinandergesetzt zu haben und würde auch jedem anderen davon abraten.

Die Macher legten wenig Wert auf wuchtige Szenen, so dass (zu) vieles sich (zu) leise in die Seele des Guckers hineinfrisst. Während viele made in the USA movies sich kaum noch überbieten können durch detaillierte Großaufnahmen, dramatisch-untermalende Musik und actionlastigen Schockeffekten, gestaltete sich „Precious“ eindeutig ruhigerer Natur, nähert sich vorsichtig an die einzelnen Knackpunkte an und erwischt den Zuschauer somit eine ganze Ecke unvorbereiteter.

===Summa summarum== bleibt folgendes zu wiederholen:
Hätte Regisseur Lee Daniels die Zoom-Taste des Kameramannes zugeklebt, so hätte hier eine völlig andere Bildgewalt entstehen können. Dafür, welch zum Teil arg konfuse Synchronstimmen verteilt wurden, kann keiner der Macher etwas ~ und doch komme ich nicht drumherum, erneut zu betonen, wie viel weniger eindringlich-verbittert-verhasst Mary klingt, wenn sie auf deutsch tobt. Gestik, Mimik und Stimme passen so wenig zueinander, dass man sich viel zu sehr auf eben jenes konzentriert als das, was sie ihrer Tochter alles an den Kopf wirft (mitunter _„Nur weil er dir mehr Kinder gemacht hat als mir bist du nichts besseres....!“_) und eine Gänsehaut noch vor der Entstehung verpufft.

Erfreulicherweise, so makaber das nun klingen mag, gibt es im weiteren Filmverlauf dennoch Momente, in denen man zum heulen neigt; eine Gänsehaut verspürt und / oder sich mindestens so fassungslos-beklommen fühlt wie die Sachbearbeiterin Mrs. Weiss (Mariah Carey) die zwischen Mutter und Tochter vermitteln soll.

Mich persönlich spricht das auf wahren Begebenheiten basierende Drama durchaus an, wenngleich ich mir stellenweise ein wenig mehr Raffinesse erhofft hätte. Für mich selbst nicht nachvollziehbar, warum die Szene, die man sich innerhalb des Bonusmaterials der „Limitierten Gold Edition“ ansehen kann, entfernt wurde ~ stellt jene in meinen Augen eine der sensibelsten Momente dar, die das Gesamtwerk beinhaltet.

Nichtsdestoweniger werde ich mir jenes mit Sicherheit noch einmal ansehen; und kann guten Gewissens hier vier Sterne sowie eine aufrechte Empfehlung vergeben.

36 Bewertungen, 4 Kommentare

  • anonym

    11.01.2011, 17:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima beschrieben! Freue mich, wenn du auch mal bei mir vorbei schaust. LG :)

  • catmum68

    11.01.2011, 14:16 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • morla

    11.01.2011, 13:46 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • uhlig_simone@t-online.de

    11.01.2011, 13:17 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße v,simone