Rattentanz (Taschenbuch) / Michael Tietz Testbericht

Ullstein-gmbh-rattentanz-taschenbuch
ab 10,83
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Auf yopi.de gelistet seit 05/2010
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von CyberQueeny

Es könnte täglich passieren

3
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

==Es könnte täglich passieren==

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

==ALLGEMEINES==

===Kaufgrund===
Das Buch habe ich mir nicht kaufen müssen, sondern hatte das Glück bei Vorablesen dieses Exemplar zu gewinnen.


===Buchdaten===
Autor: Michael Tietz
Titel: Rattentanz
Originaltitel:
Verlag: Ullstein
Erschienen: 2010
ISBN-10: 3548282512
ISBN-13: 978-3548282510
Seiten: 848
Einband: TB
Kosten: 14,95€
Serie:

===Autor===
Michael Tietz ist gelernter Krankenpfleger und lebt mit Frau, Sohn und Hund im Südschwarzwald.

Die Idee zu diesem Buch kam ihm beim Anblick eines gewöhnlichen Bleistifts: Wie überlebensfähig sind wir an Wohlstand, volle Geschäfte, Strom und alle anderen Segnungen moderner Zivilisation gewöhnte Mitteleuropäer, wenn all diese Sicherheiten von einer Minute auf die andere wegbrechen? Wie stark ist unsere Gesellschaft, wie haltbar das soziale Geflecht, in dem wir unser Leben leben? Was passiert, wenn einer den ganz großen Schalter umlegt? (amazon.de)

==NACH DEM LESEN==

===Inhaltsangabe===
Wellendingen, ein idyllisches Dorf im Südschwarzwald: Hans Seger ist beruflich in Schweden unterwegs, seine Frau Eva hat Frühdienst im Donaueschinger Krankenhaus. Ihre Tochter, die siebenjährige Lea, ist bei Nachbarn. Eigentlich scheint alles in bester Ordnung ... bis am Morgen des 23. Mai plötzlich der Strom ausfällt. Der Verkehr bricht zusammen, Telefone und Computer stehen still, Kühlschränke verweigern ihren Dienst, Supermarkttüren öffnen sich nicht mehr. Der wirksamste Computervirus, der je ersonnen wurde, schleudert die Welt zurück ins tiefste Mittelalter. Als der erste Jumbojet vom Himmel fällt, dämmert der Dorfgemeinschaft, dass nichts mehr so sein wird wie es einmal war ...

===Leseprobe===
Mit dem letzten Ton des Zeitzeichens schaltete eine unsichtbare Hand am Morgen dieses 23. Mai das Radio ab.

„Papa? Papa?“ Lea kam in die Küche. Fragend hielt sie Susanne das Telefon hin. Aus dem Hörer sickerte absolute Stille. Kein Besetztzeichen, kein Rauschen, einfach nur: nichts.
„Hast du auf eine Taste gedrückt?“, fragte Susanne. Lea schüttelte den Kopf. Ihre Augen funkelten. Als ob sie nicht wüsste, wie man mit einem Telefon umgeht!
„Dein Papa ruft bestimmt noch mal an.“ Susanne Faust nahm Lea das Telefon aus der Hand und brachte es zurück an seinen Platz. Frieder bestand auf Ordnung und ein Telefon auf dem Küchentisch bedeutete Unordnung.
„Mach das Radio wieder an, wenn du schon stehst.“ Frieder Faust kaute an einem Wurstbrot und studierte den Sportteil. Faust war mittelgroß, ein Zimmermann mit Stiernacken und riesigen behaarten Händen. „Hast du nicht gehört? Mach das Radio wieder an!“ Er sah kurz von seiner Lektüre auf. Wenn er etwas nicht ausstehen konnte, dann waren es zwei Dinge (neben seiner Frau, was die Zahl der unausstehlichen Dinge auf drei erhöhte): etwas zweimal sagen zu müssen und auch nur einen Moment ohne die beruhigende Berieselung durch ein Radio. So, wie dieser Tag begann, konnte er sicher sein, dass es ein mieser Tag werden musste.
Sein Blick folgte Susanne, die, wie Frieder Mitte vierzig, ihre Blütezeit bereits weit hinter sich gelassen hatte. Wenn es denn in ihrem Leben jemals so etwas wie eine Blüte gegeben hatte. Sie ging leicht vornübergebeugt und die dünnen, fahlen Haare bildeten keinen besonders vorteilhaften Rahmen für ihr unauffälliges Gesicht. Unauffälligkeit schien überhaupt die Maxime ihres Lebens zu sein. Schon immer versuchte sie in dem, was sie sagte, tat, anzog oder wie sie sich zurechtmachte, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Und jahrelange Übung − oder einfach nur Talent − hatte dazu geführt, dass sie in ihrer Umgebung kaum noch von jemandem wahrgenommen wurde. Manchmal fragte sie sich, wann, sollte es sie einmal nicht mehr geben, ihr Fehlen auffiele. Und wem.
Lea beeilte sich und kratzte mit ihrem Stuhl über den Steinboden, um vor Susanne am Radio zu sein. Das dabei entstehende krächzend-quietschende Geräusch machte Fausts missratenen Start in diesen neuen Tag perfekt. Von den Zehen bis zu der Stelle, wo vor einigen Jahren noch ein Scheitel gesessen hatte, breitete sich unangenehm Gänsehaut aus. Faust fröstelte.
„Wo steckt Bubi eigentlich? Wollte er heute nicht zu einem Bewerbungsgespräch?“
Bubi, eigentlich Volker, war Fausts zweiundzwanzigjähriger Sohn. Ein Nichtsnutz, wenn er ehrlich war − aber offen zugeben würde er das nie ...

„Ich glaube, der Strom ist weg.“ Susanne kippte schon zum siebten oder achten Mal den kleinen Schalter am Radio hin und her und immer mit dem gleichen Erfolg – das Gerät blieb stumm.

===Meine Meinung===
Als ich bei Vorablesen die Vorschau von dem Buch gesehen hatte, kannte ich die Hardcover-Variante noch nicht und hoffte sehr, dieses Taschenbuch zu gewinnen. Die Leseprobe und auch der Inhalt klangen sehr viel versprechend. Beim Auspacken des Buches war ich aber doch geschockt, als ich sah, wie dünn die Seiten sind und das mich über 800 Seiten Spannung erwarten würden. Diesen Punkt hatte ich wohl überlesen. Aber ich liebe dicke Bücher und von daher hab ich auch gleich angefangen zu lesen.

Der Prolog ist sehr spannend und ich wollte gleich wissen, wer die Figur ist und vor allem warum sie sterben soll. Danach beginnt die Geschichte mit der Abreise von Leas Vater und dem kompletten Stromausfall. Ständig springt das Buch an verschiedene Orte und man erlebt, wie andere Figuren diese Situation erleben. Diese Figuren sind aber miteinander verbunden. Zum Beispiel sieht eine Familie das Flugzeug abstürzen, die nächste Familie sitzt aber im Flugzeug. So wird das Erlebnis von vielen Seiten beleuchtet. Es kommen immer mehr Charaktere hinzu und man springt von einem Ort zum Nächsten. Ständig kommt die Frage auf, wie diese Figuren zusammenhängen. Der eine Mann hat Schizophrenie, der nächste tödlichen Krebs, dann die Krankenschwester, ihre Tochter, ihr Mann, ihre Freunde und damit hört es nicht auf. Es kommt aber häufig die Frage auf, wozu diese Figuren überhaupt so ausführlich eingeführt werden, wenn sie dann doch gleich wieder sterben.

Nach 100 Seiten kann ich sagen, dass außer der Information, wie es zu diesem Supergau gekommen ist und den Flugzeugabstürzen noch nicht viel passiert ist, bei 800 Seiten aber verständlich. Der Stil des Autoren ist dabei sehr bildhaft, aber auch sachlich. Man hat nicht das Gefühl, dass er sich das alles ausdenkt, sondern einfach eine wahre Begebenheit wiedergibt. Es klingt alles sehr real und keineswegs übertrieben. Zumindest, wenn man bedenken würde, dass einige Tage nach dem Stromausfall vergangen sind. Klar sind viele Leute hysterisch und bei Katastrophen weiß jedes Kind, plündern die Leute sofort. Aber hier weiß niemand was ist. Es kann ja auch nur regional etwas passiert sein und dann wird sicherlich nicht nach zwei bis drei Stunden geplündert. Mir kommt das etwas verfrüht vor. Aber in der heutigen Zeit und dieser Menschengeneration kann dies auch der Fall sein.
Trotzdem ist vieles einfach nicht fassbar. Ich selbst habe zwar kein eigenes Kind, kümmere mich aber um den Sohn meines Freundes. Sollte diese Situation je Wirklichkeit werden, wäre ich mit die Erste, die versucht zum Kind zu kommen. Die Krankenschwester Eva macht sich sorgen um die Tochter und den Mann, kümmert sich aber lieber um die Patienten.
Manche Kapitel werden total lang beschrieben und andere Themen, wie die Explosion eines Atomkraftwerkes kaum gewürdigt. Da kommt die Frage auf, wo hier Relationen sind.

Nach 200 Seiten ist immer noch nicht viel passiert. Alles ist geplündert, Eva ist noch im Krankenhaus, es gab viele Tote, ein explodiertes Atomkraftwerk, aber immer noch in diesem sachlichen Stil.

Zum Ende des Buches bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieses Buch gut und gerne auf 500 Seiten hätte gekürzt werden können. Viele Charaktere sind einfach überflüssig lang beschrieben, andere hätten gar keinen Einzug in das Buch erhalten müssen. Dadurch wäre die Handlung mehr gerafft, und dadurch spannender geschildert worden.

Das Thema ist sicherlich nicht schlecht gewählt und ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Dieses Chaos wäre definitiv so gekommen und von daher war es sehr anschaulich einmal zu lesen, wie die Welt damit umgehen würde. Keine Möglichkeit zu kochen, Krankheiten, kein warmes Wasser. Man wäre wieder im Mittelalter. Trotzdem hätte der Autor es einfach spannender vermitteln können.

Auch wenn die Hardcover-Variante schon ein Erfolg war, ich kann mich da einfach nicht anschließen. Ich hatte mich auf ein fesselndes, spannendes und trauriges Buch gefreut. Ich fand es zu sachlich und teilweise zu langgezogen.

Gelesen habe ich an diesem dicken Wälzer wirklich mal sehr lange, denn ich saß daran eine Woche. Das liegt daran, dass das Buch nicht nur viele Seiten hat, die eng beschrieben sind, sondern es auch noch sehr hoch ist. Man hat also im Grunde einen 1200 Seiten Wälzer vor sich, wenn er die normale Taschenbuchgröße hätte.

Vom Alter her denke ich, könnte das Buch ab 16 Jahren gelesen werden. Vorher bin ich mir nicht sicher, ob die gesamte Tragweite dieser Thematik verstanden werden könnte. Wäre das Buch nicht so dick, könnte es auch gut für den Schulunterricht verwendet werden, um einfach mal zu zeigen, was ein dummer Schülerstreich alles bewirken kann. Außerdem ist die Wortwahl, Satzbau und der Stil gut für den Unterricht geeignet.

Empfehlen kann ich das Buch jedem, der gerne etwas über dieses Thema lesen will. Einmal kann man es sicherlich lesen. Man muss nur die langatmigen Passagen bedenken und dann einfach nur eine Pause einlegen.

===Bewertung===
Von mir erhält das Buch wegen der vielen unnötigen Personen und den langatmigen Passagen lediglich drei Sterne. Ich persönlich hätte mehr erwartet..

Pro: Idee
Contra: langatmige und unnötige Passagen

Danke fürs Lesen und Bewerten.


Eure Sarah

20 Bewertungen, 7 Kommentare

  • anonym

    10.05.2010, 17:52 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • morla

    10.05.2010, 17:51 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen guten wochenstart. lg. petra

  • Shirty1980

    10.05.2010, 15:19 Uhr von Shirty1980
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht. Über eine Gegenlesung würde ich mich sehr freuen. Lg Shirty1980

  • cleo1

    10.05.2010, 15:13 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen guten Start in die Woche. Vielen Dank für Deine Gegenlesungen. LG cleo1

  • jeanyoo1

    10.05.2010, 14:43 Uhr von jeanyoo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht, sh & Lg Würd mich über Gegenlesungen freuen ;-)

  • sigrid9979

    10.05.2010, 14:32 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche einen schönen Montag

  • rainbow90

    10.05.2010, 13:44 Uhr von rainbow90
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessanter Bericht. LG