Alice im Wunderland (2010) (Blu-ray) Testbericht




Auf yopi.de gelistet seit 07/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von larshermanns
Guter Film, jedoch magere Blu-ray Disc Ausstattung
Pro:
Schöne filmische Umsetzung der Literaturvorlage | zum Teil sehr überzeugende Schauspieler
Kontra:
sehr magere Blu-ray Disc - Umsetzung | im Vergleich zur DVD keine weiteren Zusatzfeatures
Empfehlung:
Nein
Filmtitel: Alice im Wunderland
Originaltitel: Alice in Wonderland
Regie: Tim Burton
Produzenten: Richard D. Zanuck, Joe Roth, Suzanne Todd, Jennifer Todd
Land / Jahr: USA 2010
Genre: Fantasy, Märchen
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 108 Minuten
Kapitel-Anzahl: 16
Hauptdarsteller:
Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Anne Hathaway
Sprechrollen:
Alan Rickman, Christopher Lee, Stephen Fry, Timothy Spall
Informationen zur Blu-ray Disc:
Sprachen:
Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1), Französisch (DTS 5.1), Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Türkisch, Arabisch
Bildformat:
1080p High Definition / 1,78 : 1 / 16:9
Extras:
- Der Verrückte Hutmacher
- Alles über Alice
- Spezialeffekte im Wunderland
Video: 1080p High Definition und 480i Standard Definition
Audio: Englisch Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch
Im Vertrieb von:
Walt Disney Studios Home Entertainment
Kronstadter Straße 9
81677 München
www.disney.de
Der Filminhalt:
Viele Jahre sind vergangen, seit Alice (Mia Wasikowska) einst ihre Abenteuer im Unterland bestritten hat, das sie später immer als Wunderland bezeichnet. Seit damals glaubt sie, dass sie alles nur geträumt und nicht mehr alle Sinne beisammen hat. Auf einer Gartenfeier anlässlich der mit ihr geplanten Verlobung mit Lord Hamish Ascot sieht sie plötzlich ein Kaninchen mit Frack, dem sie nachläuft, bis sie durch ein Loch ins Unterland stürzt. Hier trifft sie alte Bekannte wieder, die sie nach all den Jahren nicht wiedererkennt. Zumal sie immer noch der Meinung ist, sich lediglich in einem ihrer Träume zu befinden und bald wieder zu erwachen. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass sie sich in der Realität befindet und nicht träumt. Durch die Bewohner des Unterlandes erfährt sie, dass sie laut einer Prophezeiung am Blumertag mit einem Schwert den Drachen Jabberwocky erschlagen soll. Zusammen mit dem Verrückten Hutmacher (Johnny Depp) und dem treuen Bluthund Bayard stellt sie sich gegen die Tyrannei der Roten Königin (Helena Bonham Carter), um der Weißen Königin (Anne Hathaway) zurück an die Macht zu verhelfen.
Meine Meinung zum Film:
Ich kann mich noch immer ein wenig an die Zeichentrickumsetzungen erinnern, die sowohl als Film als auch als Serie zu sehen waren. Daneben gab es seit 1903 verschiedene Realfilmumsetzungen, die mehr oder minder gut waren. Darunter die Verfilmung von 1999 mit Whoopi Goldberg in der Rolle der Grinsekatze.
Die Verfilmung von Tim Burton setzt hierbei ganz klar neue Maßstäbe. Als Betrachter steigt man hinab zu einer Achterbahnfahrt durch ein Land der Phantasie, der man sich auch als Erwachsener nicht entziehen kann. Ursprünglich als 3D Film fürs Kino konzipiert, sollte der Film dem aktuellen 3D-Hype folgen, was jedoch auf der Blue-ray Disc Version nicht umgesetzt werden konnte. Nichtsdestotrotz weiß der Film durch seine kräftigen Farben, die faszinierende Märchenwelt und die in ihr lebenden Figuren zu begeistern. Die für die Umsetzung angewandten Techniken sorgen für zahlreiche Illusionen, die das Unterland täuschend echt wirken lassen. Hierbei gehen wunderschöne Aufnahmen Hand in Hand mit gruseligen Elementen (zum Beispiel dem Drachen Jabberwocky), die den Film meiner Meinung nach zu Recht erst für Kinder ab 12 Jahren geeignet machen. Der dunkle Drache mit den roten Augen dürfte auf Kinder niedrigeren Alters vermutlich sehr beängstigend wirken.
Bedenken sollte man desweiteren, dass es sich mit der 2010er Verfilmung von Lewis Carrolls Literaturklassiker nicht um eine weitere Adaption bereits verfilmten Stoffes handelt, sondern dass die Geschichte nicht umsonst 13 Jahre nach Alices erstem Abenteuer stattfindet. Dies ermöglichte es den Produzenten und dem Regisseur, neben Vorgaben der Bücher „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ auch eigene Ideen mit einfließen zu lassen, ohne den literarischen Geschichten inhaltlich untreu zu werden. So konnte sich Tim Burton zwar der Figuren bedienen, jedoch auch weitere Figuren entwickeln oder andere Figuren weg lassen.
Mia Wasikowska ist in der Titelrolle zu sehen und wirkt als nun mehr erwachsene Alice. Die 1989 in Canberra geborene Schauspielerin war bereits in diversen Filmen, Serien und Kurzfilmen zu sehen, die mir jedoch allesamt unbekannt sind. Bei ihrem Kampf gegen den Drachen Jabberwocky hat sie optisch etwas von Jeanne d’Arc und lässt somit irgendwie mehr Ähnlichkeit mit „Eragon“ denn mit „Alice im Wunderland“ aufkommen. Dennoch spielt sie ihre Rolle gut, wenngleich sie zu Beginn des Filmes arg blass daher kommt und mehr als unscheinbar wirkt. Im Laufe des Filmes entwickelt sie sich jedoch zusehends, so dass man ihr am Ende auch die Rolle der schwertschwingenden Ritterin im Dienste der Weißen Königin abnimmt. Nichtsdestotrotz hätte ich mir für diese Rolle auch eine andere Schauspielerin vorstellen können. Vor allem gegen Ende des Films, wenn Mia Wasikowska mit dunklen Ringen unter den Augen wieder bei der Gartenparty erscheint. Hier wirkt sie doch eher kränklich denn gereift, was dem Film zum Schluss irgendwie nicht mehr gerecht wird. Hier gibt es wahrlich andere junge Schauspielerinnen, die dieser Rolle wohl eher gerecht geworden wären.
Helena Bonham Carter glänzt in der Rolle der bösen Roten Königin, die ihrer jüngeren Schwester das Reich streitig gemacht hat und seither mit strenger Hand über ihr Volk herrscht. Die Todesstrafe ist bei ihr tägliche Routine, und sei es nur, weil einer ihrer Froschlakaien von ihren Törtchen genascht hat. Faszinierend finde ich, wie man für diesen Film ihre Proportionen auf den Kopf gestellt hat. So wirkt ihr Kopf im Vergleich zum restlichen Körper nahezu riesig, was von ihr selbst im Film zwischendurch auch thematisiert wird. Die 1966 geborene Akteurin ist mir vor allem in der Rolle der Bellatrix Lestrange aus „Harry Potter“ sowie in der Rolle der fürsorglichen Mutter aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bekannt. Seit 2001 ist sie nun schon die Lebensgefährtin von Tim Burton, dem Regisseur von „Alice im Wunderland“. In meinen Augen ist sie die Idealbesetzung, da sie auch bereits als Bellatrix Lestrange Erfahrung mit fantastischen Filmen sammeln konnte, in denen sie die böse Widersacherin spielt. Sie verkörpert ideal das Böse mit einem Hauch von weiblicher Anziehungskraft, was sie meines Erachtens noch bösartiger wirken lässt. So kommt es auch, dass sie meiner Meinung nach den gesamten Film mit ihrer Bosheit dominiert und selbst Johnny Depp fast schon in den Schatten stellt.
Johnny Depp ist hier in der Nebenrolle des Verrückten Hutmachers zu sehen. Allein der Umstand, dass der lispelnde Verrückte Hutmacher verrückt ist, lässt Johnny Depp als die Idealbesetzung erscheinen. Dennoch finde ich, dass er sein Potenzial in diesem Film leider nur am Rande als Nebendarsteller einbringen konnte und nicht in der Intensität, die man sich wünschen würde (nämlich als Protagonist). Bekannt aus Filmen wie „Die Neun Pforten“ und natürlich als Captain Jack Sparrow in den „Fluch der Karibik“ Filmen, hat sich der 1963 geborene Schauspieler in den letzten Jahren vornehmlich als Charakterdarsteller von teils mystischen oder gar schrillen Figuren etablieren können. Aber auch in der Rolle des John Dillinger im 2009 erschienen Film „Public Enemies“ weiß er zu überzeugen. In der neuen Verfilmung des literarischen Stoffes von Lewis Carroll wird er seiner verrückten Rolle zwar absolut gerecht, jedoch kann ich mir denken, dass einige Fans bedauern werden, dass seine Rolle trotz allem relativ klein ausgefallen ist. Umso mehr erstaunt mich, dass er auf dem Cover der DVD und der Blue-ray Disc den Mittelpunkt bildet, als würde sich letztendlich alles um ihn drehen. Dabei ist selbst die Rote Königin im Film häufiger zu sehen.
Anne Hathaway ist mir persönlich bisher nur aus der Komödie „Bride Wars – Beste Feindinnen“ bekannt, hat aber in der Vergangenheit auch in Filmen wie „Plötzlich Prinzessin“, „Brokeback Mountain“ und „Get Smart“ mitgewirkt. Dem jüngeren Publikum mag die 1982 geborene New Yorkerin bekannt sein, ich persönlich halte sie jedoch für eine klassische Fehlbesetzung. Die Weiße Königin soll nach meinem Verständnis für Schönheit und Reinheit stehen und das absolute Gegenstück zu ihrer großen Schwester, der Roten Königin bilden. Aber irgendwie will dies mit Anne Hathaway nicht wirklich funktionieren. Ihr sehr schmales Gesicht mit dem dafür viel zu großen Mund wirkt in dem Film irgendwie deplaciert. Hier frage ich mich, ob Tim Burton wirklich keine andere Schauspielerin für diese Rolle hatte finden können. Mit dunklem Haar und in anderen Filmen mag Anne Hathaway bestimmt eine gute Figur abgeben, hier jedoch ist sie meiner Meinung nach jedoch wirklich eine Fehlbesetzung.
So gut der Film unterm Strich auch sein mag, bei der Besetzung der Rollen hat Tim Burton nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Die tricktechnische Umsetzung ist phänomenal, was nicht zuletzt in den drei Extras, den kurzen Dokumentationen gut zum Ausdruck kommt. Nichtsdestotrotz wirkt es, als hätte man sich mehr auf die tricktechnische Umsetzung denn um ein gelungenes Casting bemüht.
Die Effekte im Film selbst sind phantastisch. Sei es nun die Grinsekatze oder eben der Verrückte Hutmacher, alles wirkt phantastisch und findet im großen Showdown schließlich zu einem Höhepunkt. Die große Schlacht auf dem schachbrettartigen Schlachtfeld zwischen den Ruinen, wo sich Alice schließlich auch dem Drachen Jabberwocky stellen muss, bildet den Höhepunkt des Films. Neben einigen gruseligen (Jabberwocky) und sogar brutalen Szenen (Verstümmelung des Drachens durch Alice bis hin zur Enthauptung, Erschlagen des großen Vogels durch einen fliegenden Gesteinsbrocken) findet man aber auch im Getümmel des Kampfes immer wieder witzige Szenen, die beinah schon an die Zeichentrickserie erinnern. So fallen in einer Szene die roten Soldaten wie Spielkarten oder Dominosteine der Reihe nach um und reißen dabei sogar ein Kartenhaus (!) aus Soldaten mit sich. Dies alles täuscht aber eben auch nicht darüber hinweg, weshalb diese Märchenverfilmung erst ab 12 Jahren frei gegeben ist.
Alles in allem ist „Alice im Wunderland“ ein Film, den man mit gutem Gewissen weiter empfehlen kann. Bedauerlich ist, dass man die 3D Technik weder auf die DVD noch auf die Blu-ray Disc umgesetzt hat. Vielmehr gibt es im Internet mittlerweile bereits Meldungen, dass wohl Mitte 2011 eine 3D-Blu-ray Disc auf den deutschen Markt kommen soll. Ob dem so ist, und ob sich die Anschaffung dieser neuen Version lohnen wird, wird man dann sehen.
Meine Meinung zur Blu-ray Disc:
Die Blu-ray Disc ist qualitativ sehr gut, jedoch bin ich der Meinung, dass sich ein Kauf nur bedingt lohnt. Soweit ich im Internet recherchieren konnte, bietet die Blu-ray Disc keinerlei Extras, die nicht auch auf der DVD zu finden sind. Diese ist preislich jedoch sehr viel günstiger zu haben, während ich für meine Blu-ray Disc stolze € 24,99 bezahlen musste.
Das Bild der Blu-ray Disc ist gestochen scharf und gibt die Farben wirklich sehr intensiv und klar abgegrenzt wieder. Selbst in dunkeln Szenen ist nichts verschwommen oder unklar. So sind die Farben wirklich stets extrem frisch wirkend. Und ich konnte auch keine Szene entdecken, in denen die Farben körnig oder verpixelt wirkten.
Der Ton ist mit DTS-HD 5.1 phantastisch und wird sehr gut über meine alte Thomson 5.1 Anlage wiedergegeben. Vor allem die Bässe sind stellenweise extrem stark zu spüren. Beispielsweise recht weit am Anfang, wenn plötzlich der Bandersnatch auftaucht und alle vor ihm fliehen. Aber auch die Verteilung des Sounds an die anderen Boxen ist gut, obgleich in finde, dass man hier noch etwas sorgfältiger hätte arbeiten können. Manchmal ist die Verteilung nicht immer perfekt, was glücklicherweise nur bei genauerem Hinhören auffällt.
Der Start der Blu-ray Disc ist anfangs etwas zeitraubend. Wie bei Walt Disney generell üblich, darf man zunächst verschiedene Trailer über sich ergehen lassen. So beispielsweise über die Blue-ray Umsetzung des Klassikers „Die Schöne und das Biest“, ehe man die Möglichkeit erhält, mittels der Menütasten direkt auf das Film-Menü zuzugreifen.
Das Auswahlmenü ist grafisch und musikalisch untermalt und bietet neben „Film starten“ und „Szenenwahl“ noch Zugriff auf die Extras (drei kurze Dokumentationen) sowie auf die Auswahl der Sprachen.
Die Extras sind recht informativ und bieten Informationen über die Rolle des Verrückten Hutmachers, die Umsetzung von „Alice im Wunderland“ sowie die dabei angewandten Tricktechniken. Alle drei Dokumentationen (u.a. mit kurzen Statements von Johnny Depp und Tim Burton) gehen nur wenige Minuten und sind daher schnell durchgespielt. Wichtig ist, dass hierbei nichts synchronisiert worden ist, sondern dass es sich um Originalaufnahmen mit entsprechenden Untertiteln handelt.
Mein Fazit:
Alles in allem ist „Alice im Wunderland“ ein schöner Film, der wirklich sehenswert ist. Seine technische Umsetzung ist phänomenal, seine Umsetzung auf Blu-ray Disc in meinen Augen jedoch leider nicht so glücklich verlaufen. Nicht zuletzt aufgrund der riesigen Speicherkapazität des Mediums hätte man hier noch sehr viel mehr rausholen können. Da ändert auch der Umstand, dass der Blu-ray Disc noch eine Digital Copy als DVD beigefügt ist, die man sich unterwegs ansehen kann. Dies ist zwar ein nettes Feature, vor allem, wenn man Kinder hat – allerdings rechtfertigt dies in meinen Augen nicht den doch recht hohen Anschaffungspreis.
Mein Rat lautet daher: Kauft euch den Film preiswerter auf DVD und wartet, bis Mitte 2011 eventuell die angekündigte 3D Version auf Blu-ray Disc erscheint. Derzeit ist der Erwerb der Blu-ray Disc wirklich rausgeschmissenes Geld.
© Lars Hermanns, 25.08.2010
30 Bewertungen, 8 Kommentare
-
30.08.2010, 15:01 Uhr von Humpen77
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht! Lieben Gruß
-
29.08.2010, 20:23 Uhr von simrose_07
Bewertung: sehr hilfreichein richtig guter Bericht!!!
-
29.08.2010, 12:45 Uhr von Chigiz
Bewertung: besonders wertvollDas nenne ich mal eine wirklich gute Rezension/ Bericht. Interessant wäre in diesem Fall natürlich ein Bild zu Bild Vergleich von der Blu-ray und DVD von dem ich mich persönlich überzeugen müsste um ein Urteil zu fällen.
-
29.08.2010, 11:06 Uhr von campino
Bewertung: besonders wertvolllg andrea
-
29.08.2010, 01:10 Uhr von Lanch999
Bewertung: besonders wertvollToller Bericht! LG von Lanch999
-
28.08.2010, 23:37 Uhr von morla
Bewertung: besonders wertvolllgl. ^^^^^^^^^^^petra
-
28.08.2010, 21:58 Uhr von Iris1979
Bewertung: besonders wertvollDen hatte ich heute schon in der Hand hab mich dann aber für Kampf der Titanen entschieden. War auch keine schlechte Wahl. Liebe Grüße Iris
-
28.08.2010, 18:19 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima vorgestellt - sh und GLG Summertime_1981




Bewerten / Kommentar schreiben