3096 Tage (gebundene Ausgabe) / Natascha Kampusch Testbericht


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Erfahrungsbericht von sunflower76
Gefangenschaft
Pro:
ergreifende Story
Kontra:
manches Mal etwas langatmig
Empfehlung:
Ja
heute möchte ich euch das Buch
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****3096 TAGE****
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vorstellen, in dem das Entführungsopfer Natascha Kampusch von ihrer Zeit in der Gefangenschaft von Wolfgang Priklopil erzählt. Wobei Natascha selbst immer wieder in dem Buch beschreibt, dass sie nicht als Opfer dargestellt werden möchte - auch wenn sie natürlich eines nach unserem Sprachverständnis ist.
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****INHALT****
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Natascha Kampusch beginnt damit, uns von ihrer Kindheit zu erzählen, die alles andere als einfach war. Die Eltern haben sich früh getrennt und Natascha stand in der Mitte der Streitigkeiten der ehemaligen Lebenspartner. Obwohl sie beteuert, sich immer geliebt gefühlt zu haben, beschreibt sie doch das teilweise Desinteresse des Vaters und die Unfähigkeit der Mutter, herzliche Gefühle zu zeigen. Sie erzählt vom übermäßigen Alkoholkonsum ihres Papas, der neuen Liebe ihrer Mutter, den Schwierigkeiten in der Schule und der liebevollen Großmutter, die ihr in schwierigen Zeiten den Weg gezeigt hat.
Dann kommt der Tag, der ihr Leben aus der Bahn wirft. Auf dem Weg zur Schule am 2. März 1998 wird sie in einen weißen Kastenwager gezerrt und ihr Martyrium beginnt in einem Kellerverlies, das für die nächsten 3096 Tage sowohl ihr Gefängnis als auch ihre Zuflucht sein wird.
Natascha erzählt vom Täter, der ihr zu Beginn Glauben machte, sie würde für einen Kinderpornoring entführt worden sein, danach behauptete er, Lösegeld von den Eltern zu fordern, doch diese wollen nicht bezahlen und so bliebe ihm gar nichts anderes übrig als sie zu behalten, denn schließlich sei er der einzige Mensch, dem sie noch wichtig sei.
Etwa das erste halbe Jahr durfte Natascha ihr Kellerverlies nicht verlassen, erst später durfte sie hin und wieder in das Haus des Entführers kommen, etwa um kurz zu duschen oder Reinigungsarbeiten zu erledigen. Die Wochenende verbrachte sie immer ganz alleine im Kellerverlies, später erfuhr sie, dass dies die Zeit war, in der Priklopils Mutter zu Besuch war.
Natascha erzählt, dass sie vom Täter immer wieder schwer misshandelt wurde und dass sie halbnackt die Wohnung putzen musste, allerdings erzählt sie nicht von sexuellen Übergriffen, wobei hier niemand sagen kann, ob sie nun stattgefunden haben oder nicht, denn Kampusch gibt selbst an, nicht alles erzählen zu wollen, meint aber auch, das Thema sei von den Medien aufgepauscht worden, dem Täter selbst ging es eher um Körperkontakt, um Kuscheln.
Nach einigen Jahren durfte Kampusch, die sich ihre Zeit mit Fernsehen und Lesen vertrieb und so eine überraschend gute Bildung bekam, das Haus in Begleitung Priklopils verlassen, etwa zu Einkäufen und Spaziergängen. Einmal waren sie sogar auf Skiausflug, wobei ihr der Kontakt zu anderen Personen absolut verboten wurde. Kampusch gibt an, dass ihr damals eine Flucht unmöglich erschien, vor allem, weil er immer damit drohte, ihre gesamte Familie zu töten, sollte sie wirklich weglaufen. Durch ausgewählte Zeitungsartikel und aufgenommene Serien, alles natürlich peinlich genau vom Täter ausgesucht, wurde Natascha gut über das Weltgeschehen informiert. Nach einiger Zeit, als ihr Fall nicht mehr in den Medien präsent war, durfte sie sogar Radio hören.
Je sicherer sich Priklopil wurde, umso öfter wurde Natascha klar, dass sie ihr Versprechen an sich selbst, mit 18 Jahren frei zu sein, halten müsse.
Am 23. August 2006, als Priklopil sie einen Moment aus den Augen ließ, um ein Telefonat zu führen, ergriff Natascha ihre Chance. Nach einer kurzen Schrecksekunde floh sie durch das vom Täter unabsichtlich unverschlossen gelassene Gartentor. Nachdem sie von mehreren Passanten zwar gesehen wurde, diese ihr aber Hilfe verweigerten, lief sie in einem Garten und klopfte an das Fenster. Eine Frau öffnete. Diese rief zwar die Polizei, ließ Natascha aber nicht ins Haus, sodass sie bis zum Eintreffen immer noch fürchten musste, vom Täter entdeckt zu werden.
Zuerst war nicht klar, ob es sich bei der Jungen Frau wirklich um die damals 10-jährige Natascha handelte, doch die Identität Kampusches wurde mittels DNA Test bestätigt, außerdem wurde ihr Reisepass im Haus des Entführers gefunden.
Wolfgang Priklopil kann zu den Vorgängen der Entführung nicht mehr Stellung nehmen. Er hat beschlossen, sich der Verantwortung zu entziehen und warf sich am Abend des Selbstbefreiungstages, nachdem er von einem Bekannten durch halb Wien chauffiert wurde, vor eine Schnellbahn.
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****DETAILS****
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Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: List (8. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471350403
ISBN-13: 978-3471350409
Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,8 cm
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****MEINE MEINUNG****
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Ich habe mir das Buch nicht selbst gekauft, sondern es mir in der Bücherei ausgeliehen. Da ich den ganzen Prozess genau verfolgt hatte, hielt ich mich für gut informiert, doch war es noch einmal etwas Anderes, die Geschichte, obwohl es wohl nicht die ganze war, aus Nataschas Blickpunkt noch einmal zu hören.
Ich selbst war 22 Jahre alt, als Natascha Kampusch entführt wurde und obwohl ich Österreicherin bin und diese Entführung sicher zu der Zeit hohe Wellen schlug, muss ich zugeben, dass mir der Fall nicht geläufig war. Erst durch ihre Selbstbefreiung über 8 Jahre später wurde auch mir ihr Name ein Beriff.
Beim Lesen wurde mir immer klarer, unter welch unmenschlichen Bedingungen Natascha „gehalten“ wurde und welche enorme Stärke sie aufwies, um hier nicht durchzudrehen und ihr Leben dennoch zu bejahen. Einmal allerdings erzählt sie auch, dass sie an Selbstmord zumindest ernsthaft dachte und ihn auch versuchte, wobei der Entführer sie rechtzeitig fand.
Die Biografie von Natascha Kampusch, die sie mit Hilfer zweier Co-Autorinnen geschrieben hat, ist sehr detailhaft und es ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, wie man sich an so viele Einzelheiten erinnern kann, aber möglicherweise hat dies Natascha geholfen, das alles zu überstehen.
Manches Mal kommt mir das Ganze recht distanziert vor, so als erzähle sie nur eine Geschichte, wobei dies einerseits daran liegen mag, dass Natascha nur so überleben konnte, andererseits aber auch daran, dass sie eben Hilfe beim Schreiben hatte. Wohl trat bei ihr eine gewisse Erstarrtheit ein, zumindest in manchen Situationen, doch entwickelte sie eine große innere Stärke und auch einen Überlebenswillen, der für ein Kind wohl selten sit.
Wie oben bereits erwähnt, will sie nicht als Opfer bezeichnet werden, sie hält nichts von Mitleid, wundert sich über die große Anteilnahme der Menschen, noch mehr aber auch über ihre Gehässigkeit und geht bewundernswert mit der tragischen Rolle der Polizei in diesem Fall um. Es ist beinahe unfassbar, wie viele Ermittlungspannen hier passiert sind, wie viele Zeugenaussagen als unbegründet weggeschoben wurden und wie schnell man Natascha Kampusch eigentlich hätte finden mussen.
Natascha selbst steht dem Stockholmsyndrom, oder dem, was man dafür hält, sehr kritisch gegenüber und ich selbst denke auch, dass jeder Fall neu und einzigartig ist und die Reaktionen der Menschen nicht so einfach schematisiert werden können.
Ich persönlich finde es erbärmlich, dass Österreich die junge Frau, die so hart ihren Weg zurück ins Leben finden will, nicht endlich in Ruhe lässt. Immer wieder werden neue Ermittlungen angestellt, weitere Kremien gebildelt, Mutmaßungen über Mittäter aufgestellt und von neuen Ermittlungspannen berichtet. Es muss ein Vermögen kosten, dies alles zu durchleuchten, hätte man in dieser Intensität nach Natascha gesucht, ihr wäre viel erspart geblieben.
Im Nachhinein wurden allerdings auch viele Stimmen laut, die Nataschas Weg in die Öffentlichkeit heftig kritisierten. Sie selbst gab im Buch an, immer Schauspielerin werden gewollt zu haben und vielleicht ist dies eine Art der Selbstinszinierung, die ihre Popularität fördert. Möglicherweise ist es aber auch nur ihr Weg mit der ganzen Sache umzugehen, sie zu verarbeiten und gut in ein neues Leben starten zu können. Ich denke, uns steht es nicht zu, ihre Beweggründe zu bewerten und zu verurteilen.
Die Autobiografie von Natascha Kampusch ist sehr wortgewandt, gibt viele Details wider, ist flüssig zu lesen und gibt einen Blick auf zwei gebrochene Seelen wider, wobei wohl der Täter die hatte, die unwiederbringlich zerstört war.
Mir selbst war es aber teilweise zu langatmig, wodurch ich ab und an auch mal ein paar Zeilen übersprungen habe, daher gebe ich nur vier Sterne, aber natürlich eine Empfehlung.
Natascha Kampusch wünsche ich auf ihrem Lebenweg auf jeden Fall alles Gute.
Wie immer lieben Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren,
eure
Dani
51 Bewertungen, 13 Kommentare
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15.09.2012, 23:37 Uhr von Leneory
Bewertung: sehr hilfreichherbstliche Grüße vom Lenchen aus Dresden =)
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19.06.2012, 03:32 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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27.05.2012, 23:34 Uhr von logo6600
Bewertung: sehr hilfreichich bin da ein wenig zwiespältig
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01.04.2012, 21:06 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße Edith und Claus
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01.04.2012, 13:58 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: besonders wertvollsehr gut vorgestellt-bw
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30.03.2012, 19:33 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichViele Gruesse, mima007
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30.03.2012, 14:18 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreich....und ein wunderschönes wochenende
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30.03.2012, 11:34 Uhr von [email protected]
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße und ein schönes WE , Simone
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30.03.2012, 10:30 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollHier ist mein BW für Dich.
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29.03.2012, 22:50 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchönen Donnerstagabend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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29.03.2012, 22:10 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^^petra
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29.03.2012, 22:06 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollnicht mein Buch... Allerbesten Gruß *~*
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29.03.2012, 20:54 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße...KATJA.


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