3096 Tage (gebundene Ausgabe) / Natascha Kampusch Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
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  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von margy

3096 tage

5
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

siehe bericht

Kontra:

siehe bericht

Empfehlung:

Ja

Zum Buch:

Die gebundene 288seitige Ausgabe des Buches erschien im List Verlag am 8. September 2010 in deutscher Sprache. Unter der ISBN 3471350403 ist das Buch zu einem Preis von 19,95 € erhältlich.

Buchumschlag:

Auf dem weißen Buchumschlag ist das Gesicht der Autorin und dem Entführungsopfer abgebildet.

Autorin:

Natascha Kampusch, geboren am 17. Februar 1988 in Wien, war Opfer einer der längsten Entführungen der jüngeren Geschichte. 2006 hat sie ihre Freiheit zurückerobert. Seither versucht sie, ein normales Leben zu führen. Im Frühjahr 2010 machte sie ihren Schulabschluss.

Inhalt:

Als 10jähriges Mädchen wurde Natascha Kampusch entführt und in einen Keller eingesperrt. 3096 Tage verbrachte sie dort, dem Peiniger ausgesetzt.

Klappentext:

Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen - 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen.

Textausschnitt:

Was soll schon passieren?
Der letzte Tag meines alten Lebens.
Ich versuchte zu schreien. Aber es kam kein Laut
heraus. Meine Stimmbänder haben einfach nicht
mitgemacht. Alles in mir war ein Schrei. Ein
stummer Schrei, den niemand hören konnte.
Am nächsten Tag erwachte ich traurig und wütend. Der Ärger
über den Zorn meiner Mutter, der dem Vater gegolten hatte
und an mir ausgelassen worden war, schnürte mir den Brustkorb
ein. Noch mehr quälte mich aber, dass sie mir verboten
hatte, ihn jemals wiederzusehen. Es war eine dieser leichtfertig
dahingesagten Entscheidungen gewesen, die Erwachsene über
die Köpfe von Kindern hinweg fällen – aus Zorn oder aus einer
plötzlichen Laune heraus, ohne zu bedenken, dass es dabei
nicht nur um sie, sondern auch um die tiefsten Bedürfnisse
derer geht, die solchen Schiedssprüchen ohnmächtig gegenüberstehen.
Ich hasste dieses Gefühl der Ohnmacht, ein Gefühl, das
mich daran erinnerte, ein Kind zu sein. Ich wollte endlich erwachsener
werden, in der Hoffnung, die Auseinandersetzungen
mit meiner Mutter würden mir dann nicht mehr so nahe
gehen. Ich wollte lernen, meine Gefühle hinunterzuschlucken
und damit auch diese tiefgehende Angst, die Streit mit den
Eltern bei Kindern auslöst.

Meinung und Schreibstil:

Als Kind haderte Natascha oft mit ihrer Mutter. Ihr gefiel es nicht, von der Mutter zur Schule gebracht zu werden. Doch genau auf diesem Weg wurde sie eines morgens entführt und in ein Kellerverlies eingeschlossen. Resigniert und verzweifelt ist sie bereits mit ihren 10 Jahren, Tränen kullern aus ihren Augen, laufen über ihr Gesicht. Trotz breitet sich in ihr aus, weil die Mutter ihr alle Freiheiten raubt. Frustriert isst sie viel zu viel.

Acht Jahre lebte sie in der Gefangenschaft ihres Entführers. In dem jetzt erschienen Buch schreibt sie sich alles von der Seele, was sie belastet und bedrückt.
Soe wie Natascha Kampusch uns Lesern in ihrem Buch mitteilt, versuchte ihr Peiniger sie mit allen Mitteln, sogar mit Gewalt zu den Dingen zu zwingen, die er von ihr verlangte.
Wolfgang Priklopil schnitt ihr die Haare zu Stoppeln ab, sie musste fast unbekleidet bei ihm putzen. Scheinbar sah er in dem Mädchen eine Sklavin, einen ganz niedrigen Diener, denn auch Essen bekam sie keins oder doch nur ganz wenig, wenn sie nicht gehorchte.
Detailliert beschreibt die junge Autorin die Geschichte ihrer Entführung und den 8 Jahren Gefängnis, dem sie sich unfreiwillig aussetzen musste. Auch sexuell belästigt haben soll sie der Entführern, davon steht nichts in dem Buch. So wie die Autorin selbst sagt, ist das die einzige Privatsphäre, die sie noch hat, denn viel zu oft musste sie bereits Rede und Antwort stehen.
Der Mann ist psychisch krank und entrechtet und entwürdigt das Mädchen, das bei der Entführung noch ein Kind war. Das Buch ist in der Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschrieben.
Sie erzählt alles Details sehr schonungslos und verschwindet mit dem Aufschrei der Seele, die aus diesem Buch herausschreit, befreit sich selbst mit dem Umgang ihrer Geschichte in der Öffentlichkeit, aus der Rolle des Opfers.
Sobald ein Mensch zu reden beginnt, wird dem Täter angst und bange, er fühlt sich in der Klemme.

Das Buch enthält 10 Kapitel mit Überschriften. Sie beginnt damit, dass sie in Wien aufwuchs und wie es zu der Entführung kommen konnte. Sie schildert darüber, dass sich die Eltern trennten und die Mutter ihr den Umgang mit dem Vater verbot. Der Vater ist Alkoholiker, die Frau mit dem Kind überfordert. Nur bei ihrer Großmutter fühlt sie sich wohl.
In einem Transporter bringt der Entführer die 10jährige in das Kellerverlies, das im Laufe der Jahre zu einem Gefängnis wird. Ganze 5 qm ist der Raum groß. Ständig überwacht er sie, hält Kontakt über eine Sprechanlage.
Da Natascha ja in dem jungen Alter in der Kindheit eine Bezugsperson braucht, spielt sie mit dem Mann Mensch ärgere dich nicht und andere Sachen, will von ihm vorgelesen haben und fordert ihn auf zu einem Gute-Nacht-Kuss. Immer wieder lässt der Täter das Mädchen allein in dem kleinen Raum zurück und schlägt sie brutal und gemein.
Er gibt ihr den Namen Bibiana.
Später ist Natascha oft im Haus und putzt für den Mann, der sie quält.
Die Gedanken an ihre Freiheit und die Flucht bleiben immer, über all di langen Jahre im Gedächtnis der Natascha stecken und im Jahr 2006 gelingt ihr die Flucht.

Natascha Kampusch gelingt es gut, ihre Gefühle und die Geschehnisse in Worte zu fassen. Sehr detailgenau schildert sie auch den Täter, der sie zu einem Opfer machte. Heute weiß sie ihre Freiheit zu schätzen und fand in all den Jahren zu sich selbst. Die Worte befreiten sie von der inneren Tyrannei und allen Demütigungen, die sie erlitt.
Was ich hier noch bemerken möchte, ist, dass Natascha dieses Buch nicht selbst schrieb, das einen Ghostwriter machen ließ. Jedoch erzählte sie ihre Geschichte diesem Schreiber, so dass ihr damit ein Befreiungsschlag gelang.

Schonungslos erschütternd und erschreckend werden hier alle Praktiken des Täters, die erzwungene Beziehung zu ihm geschildert. Bewegend sind alle Fakten genannt, die das Mädchen belasteten und was sie aussprechen bzw. herausschreien musste. Sie schreibt darüber, wie schwer sie es damit hat, wieder in geschlossene Räume zu kommen, dass sie von Panik getrieben, wieder flüchtet. Ihre Psyche ist gestört, der Wille nicht gebrochen. Die junge Frau braucht Hilfe, vielleicht ein Leben lang.

33 Bewertungen, 9 Kommentare

  • MasterSirTobi

    19.10.2010, 13:06 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein Reporter in spe^^. LG Tobi

  • Gemini_

    14.10.2010, 01:36 Uhr von Gemini_
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß von Gemini_!

  • wakingtall2005

    08.10.2010, 22:54 Uhr von wakingtall2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben, würde mich über Gegenlesung freuen.. oder vielleicht Lust auf eine Leserunde? Einen schönen Abend und ein schönes Wochenende : )

  • morla

    08.10.2010, 21:42 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • XXLALF

    08.10.2010, 20:06 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ein wunderschönes wochenende

  • Venenum84

    08.10.2010, 18:56 Uhr von Venenum84
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße und einen schönen start ins wochenende!

  • goat

    08.10.2010, 18:51 Uhr von goat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Diese Buch möchte ich auf jeden Fall noch lesen.

  • Qantas

    08.10.2010, 17:08 Uhr von Qantas
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schöner Bericht. Grüße aus Köln.

  • anonym

    08.10.2010, 16:55 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah