Inception (Blu-ray) Testbericht

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ab 6,72
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  niedrig
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von atrachte

Traumwelten

Pro:

siehe Bericht,

Kontra:

siehe Bericht,

Empfehlung:

Ja

Als vor einigen Monaten einer der ersten Trailer zu Christopher Nolans („Memento“, „The Dark Knight“) nunmehr siebten Film „Inception“ auftauchte, da gab es diese eine, kaum länger als fünf Sekunden andauernde, Sequenz, die wohl bei so ziemlich jeden Betrachter ein regelrechtes Augen-Klimax ausgelöst hat. Denn was man sah, das war eine Stadt (Paris, um genau zu sein) die, nachdem sie sich gewölbt hat, wie ein Blatt Papier zusammengefaltet war und buchstäblich Kopf stand. Der Amerikaner sagt zu einer solch kaum in Worte zu fassenden Szenerie auch gerne mal „mindfuck“, was dem Gefühl, das zumindest ich beim sehen dieser Szene empfunden habe, wohl am nächsten kommt. Doch was macht der gute Herr Nolan schließlich? Er legt seinem Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio („Blood Diamond“, „The Departed“) Worte in den Mund, welche die von Ellen Page („Juno“, „An American Crime“) gespielte Verursacherin dieser technisch hervorragend gemachten Szene ermahnen, sie solle solchen Quatsch doch bitte zukünftig lassen. Nur weil man etwas kann, muss man es schließlich nicht auch gleich machen. Und da, wo ein Michael Bay („Bad Boys“, „Transformers“) vielleicht noch spöttisch lacht, weil er eben nichts anderes kann, als nette CGI-Effekte aneinanderzureihen, da zeigt Nolan sein großes Genie. Denn auch er kann tricktechnisch perfektes Kino mache. Doch sein Fokus liegt nicht auf schöne Schauwerte, die man im besten Falle länger als zwei Tage in Erinnerung hat, sondern auf Geschichten und Charaktere. Ein wahrer Seltenheitswert, vor allem im größenwahnsinnigen Hollywood-Kino.

Doch was ist Nolans „Inception“ denn nun eigentlich? Wenn man den Film auf sein Fundament herunter reduziert, dann ist er eigentlich nicht sehr viel mehr als ein gewöhnlicher Heist Movie. Es dreht sich alles mehr oder weniger um Dominic Cobb (Leonardo DiCaprio), dem Kopf einer Diebesbande, welche sich auf Industriespionage spezialisiert hat. In der Praxis läuft das ganze wie folgt ab: Cobb bekommt einen Auftrag, beschafft mit seinem Team die verlangten Informationen und übergibt diese schließlich dem Auftraggeber. Doch zwischen Auftragsstellung und Abgabe der Ergebnisse liegt eine Methode, wie sie ausgefallener kaum sein könnte. Denn Cobb bricht nicht einfach in irgendein Gebäude ein, nein, er bricht in die Träume der Zielpersonen ein und besorgt sich aus deren Unterbewusstsein die Daten, die er haben will. Das ganze nennt sich Extraction. Doch der Auftrag den er von dem japanischen Unternehmer Saito (Ken Watanabe) bekommt stellt selbst den erfahrenen Cobb auf eine harte Probe. Denn Saito will nicht einfach Informationen aus dem Unterbewusstsein eines Konkurrenten stehlen, sondern einen Gedanken in den Rivalen einpflanzen. Das Ziel ist es, das die Zielperson Robert Fischer (Cillian Murphy), Erbe eines Milliarden-Imperiums, die Firma seines Vaters zerschlägt. Doch dieser Inception genannte Vorgang hat es wirklich in sich und gilt als geradezu unmöglich, weshalb Cobb neben seinem treuen Kollegen Arthur (Joseph Gordon-Levitt) auch den „Fälscher“ Eames (Tom Hardy), der in Träumen andere Persönlichkeiten annehmen kann, sowie den Chemiker Yusuf (Dileep Rao), der ein starkes Serum für möglichst intensive Träume mixt, anheuert. Der Clou der ganzen Operation ist aber die junge Architektur-Studentin Ariadne (Ellen Page), welche für die Konstruktion der mehrere Level umfassenden Traumwelt verantwortlich sein soll. Gelingt ihnen der Auftrag, so erfüllt sich für Cobb ein sehnlicher Wunsch...

„Dreams feel real while we're in them. It's only when we wake up that we realize something was actually strange.“
- Cobb -

Nolan ist, zumindest was das Mainstream-Kino angeht, eine echte Besonderheit. Denn anders, als seine Blockbuster Kollegen, fordert er sein Publikum Intellektuell heraus und präsentiert ihm Welten und Ideen, die im ersten Anschein sehr vertrackt und nur schwer zu durchschauen sind. So mag auch „Inception“ ungemein kompliziert und bis in alle Poren komplex klingen, gleichzeitig ist der Film aber keiner, aus welchen man nach knapp zweieinhalb Stunden mit einem großen Fragezeichen herausgeht. Ohne Zweifel ist es zwar erforderlich, dass der Zuschauer sich schon zu Beginn voll und ganz auf dieses Erlebnis einlässt und seinen Verstand für ungewöhnliches fernab seiner eigentliche Aufgabe öffnet und das Gehirn arbeiten lässt, allerdings nimmt der britische Regisseur sein Publikum durch den ganzen Film hindurch sehr wohl an die Hand und erklärt ihm die wichtigsten Regeln seiner Traumwelten. Der (Ariadne)Faden durch Nolans Labyrinth ist dabei die nach der gleichnamigen Prinzessin aus der griechischen Mythologie benannte Figur von Ellen Page, mit deren Hilfe die wichtigsten Grundgesetze des Filmes schlüssig erläutert werden, ohne jedoch den Zuschauer in seinem Interpretationsspielraum einzuschränken. Denn Nolan erklärt eben nur so viel, wie es nötig ist um sich in seiner Fantasie zurecht zu finden.

Ist „Inception“ nun also Arthouse-Cinema im Blockbuster Gewand? Oder doch umgekehrt? Fakt ist, der Film ist in jedem Falle etwas sehr eigenes, ein, trotz einiger offensichtlicher Anleihen bei „Matrix“ (1999) oder auch „Synecdoche, New York“ (2008), richtiges Original. Das, was den Film so grandios macht, ist nicht zuletzt die Tatsache, das Nolan seinen Film von Anfang bis Ende durchdacht hat und eine Geschichte um die eigentliche Grundidee herum geschrieben hat, welche mühelos unterhält. Allzu viel sollte man dabei von dem Plot zu Beginn nicht wissen, denn auch wenn „Inception“ keiner dieser Filme ist, der auf den „einen“ Twist hinarbeitet, so ist er doch ein Film, der nicht zuletzt auch aus einigen Wendungen und Überraschungen schöpft.

Wirklich erfreulich ist auch, das der britische Regisseur ein ungemein gutes Händchen besitzt, wenn es darum geht die richtige Mischung aus fesselndem Storytelling, Hand gemachter Action und bildlicher Ästhetik zu finden. Denn es kracht und wummst Dank schnell geschnittener shoot-outs und rasanter Verfolgungsjagden durchaus in „Inception“, allerdings hält sich der Action-Anteil insgesamt gesehen doch in einem überschaubaren, aber vollkommen zufriedenstellenden Rahmen. Tatsächlich sind die Actionszenen fast gar mehr ein Zugeständnis an den Mainstream-Zuschauer und hätten, bei anderer Ausarbeitung des Skripts, sicherlich auch weg fallen können. Hinzu gibt es wirklich eindrucksvolle Bildkompositionen, wie die Eingangs beschriebene Szene mit einem sich zusammenklappenden Paris, oder waghalsigen Choreografien, die in einem der Schwerelosigkeit beraubten Raum stattfinden. Was die verwendete CGI-Technik angeht, so verwendet Nolan sie wirklich nur dann, wenn es nötig ist. Ein Punkt der wirklich Positiv hervorzuheben ist, denn somit geht der Regisseur erst gar nicht auf die Versuchung ein seinen Film mit unnötiger Effekthascherei zu zukleistern und schafft es gleichzeitig das die einzelnen Sequenzen förmlich begeistern. Abgerundet wird das inszenatorisch brillante Spiel nur noch durch den Score von Hans Zimmer („Batman Begins“, „Gladiator“), der einmal mehr die richtige Sprache zu den Bildern findet. Und doch gibt es kleine, im Gesamtkonzept sicherlich zu verschmerzende Makel. So wirkt die ein oder andere Szene etwas unglücklich geschnitten und zu schnell „dahin geklatscht“ und auch die Zeichnung der Figuren ist mitunter etwas unsauber geraten, was teilweise auch Einfluss auf die emotionale Stärke des Filmes hat, die hier und da nicht so ganz funktioniert, wie gewollt.

An den Darstellern selbst liegt dieses Manko aber eher nicht, auch wenn man sicherlich im Vorfeld der Annahme verfallen sein könnte das sich der Film letztlich zur One-Man-Show von Leonardo DiCaprio avanciert. Denn auch wenn seine Figur des Dominic Cobb zweifelsohne Dreh- und Angelpunkt der ganzen Handlung ist, so drängt sich der Amerikaner in keiner Szene übermäßig in den Vordergrund als gehe es darum auf sich aufmerksam zu machen. Viel mehr ist sein Spiel wie eh und je sehr ruhig und bedacht auf das richtige Timing, auch wenn man sagen muss, dass seine Performance in „Shutter Island“ (2010), in welchem seine Rolle sehr ähnlich angelegt war und sein Charakter gar eine fast identische Hintergrundgeschichte hat, insgesamt mehr geglückt ist. Und doch gibt es niemanden aus dem „Inception“ Cast der irgendwie enttäuscht. Joseph Gordon-Levitt („Mysterious Skin“, „(500) Days of Summer“) spielt souverän wie immer, Ellen Page ist die perfekte Vermittlerin zwischen Nolans Visionen und dem Publikum, Ken Watanabe („The Last Samurai“, „Letters from Iwo Jima“) spielt den Großunternehmer mit der nötigen Kühle, ebenso Tom Hardy („Waz“, „Gideon’s Daughter“) als draufgängerischer Typ der Truppe, Michael Caine („Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Get Carter“) gibt ein kleines Gastspiel und mit der zauberhaften Marion Cotillard („La Vie en Rose“, „Public Enemies“) bekommt man hinzu noch eine betörende Femme fatale geboten.

Unterm Strich ist „Inception“ ohne weiteres kein vollkommen perfekter Film, dafür ist Nolans aktuelle Regiearbeit aber so nah an der Perfektion, wie kaum ein anderer Blockbuster dieser Saison, was nicht zuletzt auch daran liegt, das er eine der eindrucksvollsten Filmszenarien seit langem geschaffen hat, die in sich geschlossen eine gewisse Logik aufweist. Sicherlich, würde man sich die Mühe machen und „Inception“ ganz und gar auseinander nehmen, dann würde man sicherlich vorhandene Fehler und Ungereimtheiten bezüglich der Stimmigkeit dieses Gesamtkonstruktes entdecken. Doch um Logik geht es bei Filmen letzten Endes nicht, denn Filme sind dafür dar Visionen zu realisieren und dem Zuschauer andere Welten möglich zu machen. Nolan hat dies offensichtlich wie kaum ein anderer Regisseur seiner Generation verstanden. Und sein Erfolg scheint ihm insofern Recht zu geben, das auch die Zuschauer dies verstanden haben. Jetzt liegt es nur daran, das auch Hollywood begreift, das es für intelligente Popcorn-Unterhaltung mindestens genauso viele Zuschauer gibt, wie für No-Brainer-Kino.

Daten zum Film:
Originaltitel: Inception (USA, 2010)
Laufzeit: ca. 148 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio (Dominic Cobb), Joseph Gordon-Levitt (Arthur), Ellen Page (Ariadne), Tom Hardy (Eames), Ken Watanabe (Saito), Dileep Rao (Yusuf), Cillian Murphy (Robert Fischer), Marion Cotillard (Mal), Michael Caine (Miles)...

8/10

75 Bewertungen, 18 Kommentare

  • edelcat

    11.01.2011, 15:50 Uhr von edelcat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse von Edeltraud

  • Venenum84

    03.11.2010, 15:58 Uhr von Venenum84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hat spaß gemacht bei dir zu lesen!

  • mimaus

    25.10.2010, 11:05 Uhr von mimaus
    Bewertung: sehr hilfreich

    super, Grüße von mimaus!

  • Vannegirl

    14.10.2010, 21:59 Uhr von Vannegirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    schön liebe grüße vanesssa

  • MasterSirTobi

    14.10.2010, 02:23 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, was sonst. LG von dem MasterSirTobi

  • Baby1

    10.10.2010, 18:55 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • anonym

    09.10.2010, 21:21 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • anonym

    08.10.2010, 22:07 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • mima007

    08.10.2010, 15:48 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Du bist ja sehr optimistisch, was die Intelligenz der Masse der Zuschauer angeht.

  • Mondlicht1957

    08.10.2010, 14:41 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse Jederzeit zu einer Leserunde bereit :o)

  • trullilu

    08.10.2010, 12:30 Uhr von trullilu
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüße schickt dir trullilu !!!

  • Powerdiddl

    08.10.2010, 08:49 Uhr von Powerdiddl
    Bewertung: besonders wertvoll

    LG und einen guten Start ins Wochenende.

  • morla

    07.10.2010, 22:25 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • raZuuL

    07.10.2010, 21:31 Uhr von raZuuL
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht - mach ruhig weiter so! Gruß

  • XXLALF

    07.10.2010, 19:48 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ganz liebe grüße

  • Tweety30

    07.10.2010, 18:45 Uhr von Tweety30
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße!

  • Lanch999

    07.10.2010, 18:25 Uhr von Lanch999
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht! LG von Lanch999 Freu mich über Gegenlesungen :-D

  • katjafranke

    07.10.2010, 18:04 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße KATJA...