Das Bildnis des Dorian Gray (2009) (DVD) Testbericht

ab 8,77
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 08/2010
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(4)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Action:  sehr wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Hollgo

Oscar Wilde würde zufrieden sein...

Pro:

+ gute bis sehr gute Darsteller + kleine, aber feine Überraschungen + Bonusmaterial

Kontra:

- aus meiner Sicht keine

Empfehlung:

Ja

... mit der Verfilmung seiner Erzählung "Das Bildnis des Dorian Gray", da ist sich zumindest Colin Firth, einer der Hauptdarsteller der im Jahr 2009 entstandenen Neuverfilmung dieses Klassikers der Literatur, sicher. Ob ich als Zuschauer es aber auch bin ?

=== So kam ich zu dieser DVD ===

Im Angebot bei Saturn stand eine ganze Reihe von DVDs relativ neuen Filmen für 4,99€ zur Auswahl. Solche Aktionen liebe ich ja und so suchte ich mir den einen oder anderen Film, von dem ich teilweise schon etwas gelesen oder gehört/gesehen hatte, aus. Eine dieser DVDs war die 2009´er Verfilmung von Oscar Wildes gleichnaminger Erzählung "Das Bildnis des Dorian Gray".

== Zum Film ==

=== Darum geht es in diesem Film ===

'''Jung, sympathisch, gutaussehend...'''

Nach dem Tod seines Großvaters Kelso kehrt Ende des 19.ten Jahrhunderts der gerade 20 Jahre junge Dorian Gray ( _Ben Barnes_ ) als alleiniger Erbe dessen stattlichen Vermögens nach London zurück.
Da der junge Mann wirklich ein gutes Aussehen hat, fliegen ihm die Sympathien der Londoner Gesellschaft und besonders der "holden Weiblichkeit" nur so zu. Dazu spielt Dorian auch gekonnt Klavier, was ihm zusätzlich den Einstieg in die aristokratische Welt ebnet.

'''Lehrjahre eines "Unschuldslamms"'''

Doch der zunächst ein wenig unsicher auftretende Gray wird bald unter die Fittiche von Lord Henry Wotton ( _Colin Firth_ ) genommen, der dem ohne Eltern aufgewachsenen Dorian bald seine von Hädonie, Verachtung der Gesellschaft und einer gehörigen Prise Nihilismus geprägte Weltsicht näher bringt.
So verhindert Wotton bald eine Heirat von Gray mit der schönen, aber eher unbekannten Schauspielerin Sybil Vane, indem er ihn in die lasterhafte Kunst des Opiumrausches einführt und ihn mahnt, dass ein Mann seine Freiheit gefälligst solange auszukosten habe, wie es ginge.
Sybil, die, was Dorian nicht weiß, ein Kind von ihm erwartet, nimmt sich nach der folgenden Absage der Hochzeit das Leben - Dorian reagiert sehr kühl, nachdem ihn James, der Bruder seiner vormaligen Verlobten besucht und ihn davon unterrichtet.

'''Das Bildnis des Dorian Gray'''

Neben Wotton trifft Gray zudem den homosexuellen Maler Basil Hallward ( _Ben Chaplin_ ), der zumindest ein wenig versucht, ihn von manchem von Wotton gemachten Ratschlag abzuhalten. Hallward ist zudem sehr fasziniert von Dorian und hält in einem Gemälde seine physische Ausstrahlung fest. Tatsächlich findet das Gemälde nach seiner Fertigstellung bei Dorian und dessen zur Enthüllung eingeladenen Gästen vollen Beifall - Hallward hat Gray wirklich absolut "getroffen".

Dorian ist so fasziniert von seinem Bildnis, dass er, angeregt durch eine Äußerung seines "Mentors" Wotton, durch eine symbolische Geste einen Pakt mit dem Teufel eingeht und - wohl eher im Scherz - quasi dem Bild seine Seele opfert, wenn dafür seine physische Schönheit ewig bestehen bleibt.

'''Aus Scherz wird Ernst ?'''

Doch der Scherz erweist sich zu Dorians Verdruß nur bald allzu sehr als alles andere als das - je mehr sich Dorian - auf Anleitung Wottons - den süssen Verlockungen des Lebens und der von Wotton propagierten Lasterhaftigkeit hingibt, umso mehr zeigen sich bald Spuren an dem vormals perfekten Bild, welches durch Hallwards Zeichenhand entstand - sollte er tatsächlich unbedacht seine Seele verkauft haben - im Tausch gegen ewig perfektes Aussehen ?

=== Darsteller und Charaktere ===

Ben Barnes, der einigen Filmfreunden eventuell aus "Prinz Caspian von Narnia" bekannt sein dürfte, spielt seine Rolle des zunächst aufgeschlossenen und ein wenig schüchternen Dorian Gray sehr authentisch. Jedoch weiss er dabei auch, seine doch allzu leicht fremden Einflüssen anheim fallende Art gut darzustellen. Dies erklärt sich freilich auch durch die Vorgeschichte von Dorian Gray, die im Film in einigen albtraumhaften Rückblenden , die die Träume von Dorian wiederspiegeln, gezeigt werden. So wurde Dorian von seinem Großvater sehr schlecht behandelt, der ihm vor allem die Schuld am Tod dessen Tochter, Dorians Mutter, gibt , die kurz nach der Geburt Dorians - wie Dorians Vater - an Typhus verstarb. So wuchs der junge Dorian ungeliebt und ohne Eltern auf, wodurch er geradezu auf fremde Unterstützung und Ratschläge angewiesen blieb.

Diese Rolle übernimmt nun kurz, nachdem Dorian nach London gekommen ist, um sein Erbe anzutreten, der von Colin Firth dargestellte Lord Wotton. Wotton ist der neue "Star" der Londoner Szene nicht wirklich willkommen - der junge Mann ist für Wotton zu perfekt und zu gutaussehend und entspricht ganz und gar nicht seinem persönlichen Weltbild, dass die Welt und die Gesellschaft generell eher schlecht und düster sei. Er ist als Atheist der Auffassung, dass es kein Leben nach dem Tode gibt und so ist der Mann töricht, der sein Leben nicht in vollen Zügen zu genießen weiß. Anstand und Moral sind für Wotton so eher Hindernisse, die sich die Menschen selbst gesetzt haben, die an das Leben nach dem Tode glauben. Doch für diese Menschen hat er nur Verachtung übrig, schließlich weiß er aus eigener Anschauung, dass "ach so fromme" Christen und hochgeachtete Persönlichkeiten der Gesellschaft in ihrer Freizeit genau den gleichen Vergnügungen in Opiumhöhlen und Vergnügungsstätten aller Art und Ausprägung nachgehen, wie Wotton selbst. In Dorian glaubt er eine Art "Ziehsohn" gefunden zu haben, dem er erst noch den "rechten Weg" in seinem Sinne weisen muss.

Wottons Freund, der von Ben Chaplin dargestellte Basil Hallward, ist im Gegensatz zu Wotton sehr angetan vom jungen Dorian - er bewundert seine scheinbare "Perfektion" sowohl in physischer wie zunächst auch seelischer Sicht. Entsprechend seiner Passion als Maler bietet er Dorian begeistert an, sein Portrait zu zeichnen und ihm das Bild zu schenken - in das von ihm geschaffene Werk legt Hallward alles das hinein, was er in dem jungen Mann zu sehen glaubt. Das sich das Bildnis Dorians zunehmend ändert, weiß Hallward allerdings nicht und so ist er doch sehr befremdet, als Dorian seine Bitte, das ihm geschenkte Bild für eine Ausstellung auszuleihen, einfach ablehnt.

=== Das macht diesen Film aus ===

Die Neuverfilmung von Oscar Wildes einzigem Roman orientiert sich handlungstechnisch relativ eng an der Romanvorlage - die Namen der handelnden Personen in diesem Film entsprechen zumindest weitgehend der Vorlage. Freilich hat Regisseur Oliver Parker aus dramaturgischen Gründen und m.E. vielleicht einfach auch aus dem Grunde, um dem bekannten Werk einen ein wenig neuen Anstrich zu verpassen, besonders im letzten Drittel des Filmes eine im Roman ursprünglich nicht auftretende Figur mitgegeben, nämlich den Charakter von Lord Wottons Tochter Emily ( _gespielt von Rebecca Hall_ ) , die er allerdings m.E. recht "unauffällig" zwischen aus der Buchvorlage bekannte Charaktere als emanzipierte junge Frau positionierte - und die glatt eine Affäre mit dem - zumindest optisch - nicht gealterten, aber altersmässig tatsächlich über 50 Jahre alten Dorian Gray eingeht.. Zusätzlich änderte Parker allerlei Handlungsverläufe aus der Buchvorlage und spitzte die vom Film erzählte Handlung noch mehr auf die beiden Hauptcharaktere Dorian Gray und Lord Wotton zu. Recht spannend wusste Parker in diesem Film das Geheimnis um das sich stetig ändernde Bildnis des Dorian Gray zu inszenieren - ich als Zuschauer bekomme jedenfalls erst wirklich ganz am Ende des Filmes das durch Grays Lasterhaftigkeit mutierte Bild zu Gesicht. Sehr interessant fand ich dabei auch, wie Parker die im Roman so nicht wiedergegebene Story um das Bild am Ende auflöst - Parker schafft dies durch eine winzige Schlußszene, bei der der Zuschauer genau aufpassen muss. Nun, diese von Parker eingeflochtene und auch nur ganz subtil angedeutete Wendung lässt die ganze Geschichte bei näherem Nachdenken nochmals in einem anderen Licht erscheinen. Jedenfalls ist freilich das Geheimnis um das Bild sowie die durch Wottons Intrigen ausgelösten Ereignisse die Spannung jederzeit gegeben, auch für Menschen, die das Buch und/oder den Inhalt der Geschichte vielleicht schon kennen. Ansonsten hat Parker es aus meiner Sicht richtig angefangen, nämlich, die Handlung zu der Zeit spielen zu lassen, in der sie auch Wildes Buchvorlage spielen liess - in einer Zeitspanne vom Ende des 19. Jahrhunders bis etwa kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges. Manche Leser von Wildes Roman mögen vielleicht bemängeln, dass der philosophische und von Wilde durchaus als Gesellschaftskritik an der Doppelmoral der Gesellschaft des viktorianischen Zeitalters durch einige Schocker- und leichte Gruseleffekte im Film überstrahlt werden (die Zeitschrift "Cinema" kritisierte Regisseur Parker dafür, den philosophischen Inhalt der Buchvorlage "auf dem Altar von Gothic-Filmeffekten geopfert" zu haben), ich finde jedoch persönlich, dass diese Kritik zu weit geht - schließlich handelt es sich um eine Neuverfilmung und da ist m.E. ein etwas anderer Ansatz durchaus nicht unangemessen und manche Verfremdung des Originals ganz einfach auch gewünscht und angezeigt. Die Requisite und Kostümierung dieses Filmes finde ich dazu ebenfalls sehr gut gelungen.

== Zur DVD ==

=== Bonusmaterial ===

Erfreulich viel Bonusmaterial gibt es auf der DVD zu entdecken. Kernpunkt des Bonuses bilden m.E.neben dem Feature "Hinter den Kulissen" , welches , wie jedes andere Bonusmaterial aus dem "Extras"-DVD Menuteil auch, in englischem Originalton mit zuschaltbaren, deutschen Untertiteln zur Verfügung steht, gerade die zahlreichen Interviews mit den Hauptdarstellern und größeren Nebendarstellern des Films. Gerade das Interview mit Colin Firth, der im Film den teils zynischen Lord Wotton gibt, finde ich sehr interessant - er schildert nicht nur seine Herangehensweise an die ihm zugeteilte Rolle, sondern bringt auch die Romanvorlage in Verbindung mit dem von ihm dargestellten Charakter, was ich ganz aufschlußreich fand. Einige "deleted scenes", also Szenen, die zwar fertig produziert, aber aus dramaturgischen Gründen es doch nicht in den fertigen Film schafften, runden das Bonusmaterial ab.

=== Bild und Ton ===

Der Film wurde im 16:9 Format gedreht, d.h. auf HD-Fernsehern angeschaut gibt es keine schwarzen Randstreifen im Bild zu sehen. Die Bildqualität entspricht der dem PAL-Standard möglichen Gegebenheiten und liegt am oberen Rand des technisch eben Möglichen. Der Film liegt z.B. in einem MPEG-Stream vor, der mit 8000 kBps gemastert wurde - mehr geht bei einer DVD nicht. So sind Fraktalisierungen nicht im Bild zu entdecken und das Mastering von Kontrast und Helligkeit auch dunklerer Filmszenen kommt gut auf dem TV herüber.
Beim DTS 5.1 Ton haben sich die "Soundmänner" m.E. vor allem auf eher "actionbetontere" Effekte konzentriert - diese sind in diesem Film zwar eher selten, aber es gibt so kleine Szenen wie z.B. die nächtliche Flußszene (ich will nicht zuviel verraten) wo sich der Sound hier ziemlich gruselig "von hinten" anschleicht.
So ist die Raumklangwirkung über weite Strecken des Films eher ein wenig beschränkt, aber es gibt eben diese kleinen Szenen,wo man durchaus ein dann meist gruseliges Gefühl der Räumlichkeit bekommt.

=== Auf einen Blick ===

* Titel: Das Bildnis des Dorian Gray
* Genre: Unterhaltung; Drama; Literaturverfilmung / Studio: Concorde Home Entertainment
* Produktionsjahr: 2009 / Erstveröffentlichung: 30.8.2010
* FSK: ab 16 Jahren / Laufzeit: 108 Min.
* Bildformat: 16:9; 1,85:1 / Tonformat: DTS: Deutsch; DD 5.1: Deutsch, Englisch
* Darsteller: Colin Firth, Ben Barnes, Rachel Hurd Wood, Ben Chaplin, Emilia Fox
* Regie: Oliver Parker
* Zusatzinfo: Entfallene Szenen;Outtakes;Interviews mit Darstellern & Crew;Hinter den Kulissen;Featurettes;Dt. und Original Kinotrailer;

=== FAZIT ===

Die Neuverfilmung des klassischen Stoffs ist Regisseur Oliver Parker wirklich dank guter bis sehr guter Darstellerinnen und Darsteller gut gelungen. Ein wenig neuen Wind brachten einige zusätzliche Ideen und Charaktere, die in Oscar Wildes Geschichte gar nicht auftauchten mit hinein. Dennoch ist die Grundidee von Wildes Erzählung in diesem Film klar erkennbar und wesentliche Handlungsstränge und - verläufe finden sich auch in der 2009´er Verfilmung des Stoffes wieder. Auch die Kernaussage von Wildes Roman, das Lasterhaftigkeit eben bestraft wird und letztlich seinen Preis fordert, bleibt in dieser Neuverfilmung m.E. absolut erhalten. Die Moral von Wildes Geschichte, eben mehr Wert auf innere als äußere Werte zu legen, vertritt diese Neuverfilmung absolut. Der Film hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und mich auch gut unterhalten. Ich gebe die volle Punktezahl und eine Empfehlung.

50 Bewertungen, 14 Kommentare

  • campino

    02.02.2012, 10:49 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... lg andrea ...

  • sani001

    31.01.2012, 22:00 Uhr von sani001
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und einen schönen Abend!

  • Frankenmetal

    30.01.2012, 11:05 Uhr von Frankenmetal
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und schöne Grüße.

  • XXLALF

    28.01.2012, 10:17 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ..und ein wunderschönes wochenend

  • anonym

    28.01.2012, 06:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und einen schönen Tag

  • Lale

    28.01.2012, 00:53 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß *~*

  • feliciano2009

    27.01.2012, 21:21 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: besonders wertvoll

    ein düsteres Buch,genau wie dieser Film...

  • anonym

    27.01.2012, 19:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende wünscht Talulah - calimero1111

  • Tweety30

    27.01.2012, 18:32 Uhr von Tweety30
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und einen schönen Freitag!

  • katjafranke

    27.01.2012, 17:51 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende wünscht die Katja

  • morla

    27.01.2012, 17:27 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    wünsche dir ein schönes wochenende lg. petra

  • atrachte

    27.01.2012, 17:20 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • sigrid9979

    27.01.2012, 17:10 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsch dir einen schönen Freitag...

  • minasteini

    27.01.2012, 16:41 Uhr von minasteini
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. LG Marina