Das Bildnis des Dorian Gray (2009) (DVD) Testbericht


Auf yopi.de gelistet seit 08/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von AChristoteles
Der Spiegel der Seele
Pro:
- gute Darsteller - in Teilen gelungen
Kontra:
- nicht so treffend wie das Buch - etwas hastig abgespielte Handlung
Empfehlung:
Ja
"Das Bildnis des Dorian Gray" (Kapitel 20)
Das Leben hinterlässt seine Spuren - in Ausdruck, in Mimik, in Falten, in Bewegungen. Vieles unserer äußeren Erscheinung spiegelt die Art wie wir gelebt haben und wir wir leben wider. In dem Roman und der hier vorliegenden Verfilmung "Das Bildnis des Dorian Gray" wird das Ganze jedoch auf den Kopf gestellt. Dorian Gray, jung und unglaublich schön, altert nicht, doch ein Bild
Oscar Wilde und "Das Bildnis des Dorian Gray"
Oscar Wilde wurde 1954 in Dublin, Irland, geboren. Seine Eltern gehörten der Oberschicht an. Nachdem er ein Stipendium gewonnen hatte, studierte er von 1874 bis 1978 in Oxford. In dieser Zeit schrieb er auch seine ersten Gedichte. Wilde arbeitete als Herausgeber und Redakteur, erarbeitete sich jedoch schnell einen Ruf als Dandy und extravaganter Autor. Seine Sprachgewandheit sowie sein exzentrisches Auftreten sorgten für Klatschmeldungen en masse. Obwohl Wilde ein verheirateter Familienvater war, ging Wilde realtiv offen mit seiner Homosexualität um. Er hatte Affären zu seinem Lektor Robert Baldwin Ross sowie dem englischen Adligen Lord Alfred Douglas. Dessen Vater, John Sholto Douglas, brachte Wilde schließlich vor Gericht, wo er 1895 schließlich zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde (wegen der homosexuellen Andeutungen in "Dorian Gray" sowie seinen 'widernatürliche moralischen Ansichten'). Wilde wurde 1897 entlassen und verlebte seine letzten 3 Jahre in Paris. Er starb im Oktober 1900 an den Folgen einer Hirnhautentzündung.
"Das Bildnis des Dorian Gray" blieb Wildes einziger Roman. Weiterhin bekannt sind die Erzählung "Das Gespenst von Canterville" sowie das humoristische Bühnenstück "Ernst sein ist alles".
Handlung
England im viktorianischen Zeitalter. Dorian Gray, ein junger und äußerst gutaussehnder Mann, kommt nach London, da er das Landhaus und den Reichtum seines verstorbenen Großvaters geerbt hat. Sein Freund Basil Hallward, ein talentierter Maler, fertigt ein Portrait von ihm und als er es erblickt, verpsricht er leichtfertig alles - sogar seine Seele - geben zu wollen, wenn er immer so jung und so schön wie auf dem Gemälde sein konnte. Tatsächlich verändert er sich von diesem Augenblick an nicht mehr; sogar die Narben der in der Kindheit erlittenen Misshandlungen durch seinen Großvater sind verschwunden. Der Lebemann Lord Henry Wotton führt ihn ein in das Londoner Nachtleben und verführt ihn zu Drogen, Parties und Orgien. Dieser ausschweifende Lebenstil verändert ihn ebensowenig wie die Verbrechen, die er bald begehen wird. Das Portrait hingegen, welches Dorian verschlossen auf dem Dachboden verborgen hält, zeigt jedoch die Auswirkungen mit allen Verletzungen. Sein erstes Mordopfer wird seine Geliebte, die Schauspielerin Sybil. Nachdem er sie versö0t, begeht die von ihm schwangere Sybil Selbstmord. Nachdem Dorian seinem Freund Basil sein Geheimnis offenbart, ermordet er Basil und versenkt dessen Leiche in der Themse.
Dorian begibt sich auf eine mehrere Jahre dauernde Weltreise, in welcher er ebenfalls einen ausufernden Lebensstil unterhält. Doch jung und schön wie eh und je kehrt er nach London zurück, wo er Henry Wottons Tochter Emily kennen lernt und sich in sie verliebt. Der Genusssucht überdrüssig, schwört Dorian sich einen Neuanfang, doch alte Gewohnheiten und alte Feinde - wie z.Bsp. Sybil's Bruder Jim, der auf Rache sinnt - verhindern dies. Auch Lord Henry ist ihm nicht mehr wohlgesonnen und beäugt argwöhnisch die aufkeimende Romanze zwischen Dorian und seiner Tochter. Lord Henry forscht nach und bemerkt auf einem alten Foto die anfänglichen Veränderungen auf Dorian's Porträt. Er kommt dahinter, dass das Geheimnis von Dorian's ewiger Jugend am Bild liegt. Da Dorian und Emily nach Amerika auswandern wollen, nutzt er eine Abschiedsparty, um sich heimlich ins Haus von Dorian zu schleichen und nach dem Porträt zu suchen...
Kritik
Buch ist Buch.
Film ist Film.
Warum ich das explizit erwähne? Nun, weil ein Medium nicht wie ein anderes funktioniert. Bei einem Buch bleibt viel dem Leser überlassen. Er muss das Niedergeschriebene für sich interpretieren, sich in die Schilderungen und das Innenleben der Protagonisten hineinversetzen und sich selbst ein Bild machen. Ein Film hingegen ist ein Kunstwerk ganz anderer Art. Es ist ein Zusammenspiel zwischen Handlung, Inszenierung, Schauspiel, Kameraaufnahmen, Schnittarbeit, Musik, Kulissen und noch etlichem mehr. Ein Stoff wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ MUSS zwangsläufig als Film anders funktionieren als ein Buch. Denn allein schon ein Begriff wie „vollkommene Schönheit und Jugend“ wird wohl von jedem Leser ganz anders interpretiert. Beim Film hat man nun einen Schauspieler und es werden sich die Geister daran scheiden, ob jener Schauspieler – Ben Barnes – abgesehen von seinem Talent als Schauspieler die perfekte Verkörperung von „Jugend und Schönheit“ ist.
Zu Beginn gehen Buch und Film noch gemeinsame Wege. Wir lernen den relativ naiven, jungen Dorian kennen ebenso wie den chauvinistischen, zynischen Lebemann Henry Wotton (hervorragend gespielt von Colin Firth). Wie im Buch offenbart Wotton dem jungen Dorian die Freuden des Londoner Nachtlebens. Sex, Drugs and …nun ja, nicht Rock n Roll, aber so was Ähnliches. Mein erster Kritikpunkt setzt hier ein: Im Buch kann man eine schleichende Wandlung Dorian’s mitverfolgen. Im Film hingegen wirkt es so als würde ein Jüngling innerhalb weniger Tage von einem schüchternen Teenie zu einem rumhurenden, rauchenden und zynischem Dandy. Hier hätte man sich etwas mehr Zeit lassen können, die Wandlung Dorian’s aufzuzeigen. Auch seine Geliebte und Fast-Ehefrau Sybil wird mir persönlich zu schnell abgehandelt.
Die Mitte des Films ist ebenso wie die Mitte des Buches, ein Raffer mehrer Jahre, in welcher sich Dorian auf Weltreise befindet (eine gelungene filmische Collage übrigens).
Die zweite Hälfte des Filmes hat dann nur noch sporadisch mit dem Film zu tun und weicht auch von der Ursprungshandlung weitestgehend ab. Und hier mein zweiter Kritikpunkt: Der Regisseur konnte sich wohl nicht entscheiden, ob er lieber die eher philosophische Grundtendenz des Buches weiterverfolgen oder lieber in Richtung Horrorfilm umschwenken sollte. Also hat er beides zusammen vermengen wollen, was aber nicht so ganz geklappt hat. Auf der einen Seite haben wir hier einen reuigen Dorian, der immer wieder ein Gefangener seines geprägten Charakters ist und erkennt „dass Genuss nicht Glück ist“; auf der anderen Seite haben wir ein keuchendes, eingepacktes Gemälde auf dem Dachboden, bei dem man nun nie weiß, ob es bald aus dem Rahmen kommt oder nicht.
Apropos Gemälde:
Was mir widerrum sehr gut gefallen hat war, dass man das Gemälde nach den ersten Veränderungen als Zuschauer nicht mehr zu Gesicht bekommt. Ich fand Grusel schon immer am effektivsten, wenn der eigenen Phantasie viel überlassen wird (ist auf jeden Fall besser als irgendein CGI Monstrum).
Was mir gar nicht gefallen hat, war die Tatsache, dass der Film den Anschein erweckt; die Wandlungen des Bildes passieren hauptsächlich aus Dorian's Sex-Drugs-Abenteuer-Leben. Das ist falsch. Das Bildnis soll nicht nur Dorian's wahres Alter zeigen, sondern hauptsächlich den Zustand seiner Seele, die Schaden genommen hat. Währen es nur seine Drogen/Sex-Eskapaden; dann würde das Gemälde wohl auch nicht schlimmer aussehen als Keith Richards ;).
Im Finale gehen dann Film und Buch endgültig getrennte Wege. Im Buch wählt Dorian (allein) auf dem Dachboden den Freitod; das Film-Finale geht hingegen eindeutig in Richtung Hollywood Showdown, in welcher es zu einer Auseinandersetzung zwischen Henry und Dorian (und ach ja, dem Bildnis!) kommt.
Für den Film ist dieses Ende jedoch passend.
Fazit: Nein, wir haben es hier nicht mit einer werkgetreuen Umsetzung zu tun. „Das Bildnis des Dorian Gray“ ist vom Prinzip her kein schlechter Film und sogar relativ unterhaltsam. Leider wurde hier nur etwas Potential verschwendet. Man hätte sich ein wenig mehr Zeit lassen können, um die Wandlung von Dorian zu zeigen; ebenso hätte man nicht unbedingt auf Hollywood-Gothic-Grusel umschwenken müssen. Für einen Abend gute Unterhaltung, wobei ich jedem das Buch trotzdem bevorzugt empfehlen würde
Die DVD
Eine recht schmalbrüstige DVD. Denn mit Ausnahme des Filmes und ein bisschen Werbung befindet sich nichts, aber auch gar nichts auf der DVD. Dafür gibt es sie immerhin recht günstig zu erwerben.
Darsteller: Ben Barnes, Colin Firth, Ben Chaplin
Regisseur(e): Oliver Parker
Komponist: Charlie Mole
Format: Dolby, DTS, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Concorde Video
Erscheinungstermin: 30. August 2010
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 108 Minuten
65 Bewertungen, 14 Kommentare
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24.01.2011, 13:18 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. Danke für Deine Gegenlesungen, so macht Yopi auch Spaß. LG cleo1
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14.11.2010, 15:32 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Grüsse, Talulah
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11.11.2010, 18:58 Uhr von trullilu
Bewertung: sehr hilfreichGrüße schickt dir trullilu !!!
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07.11.2010, 15:18 Uhr von knoopiwahn
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße von knoopiwahn!
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04.11.2010, 09:14 Uhr von Powerdiddl
Bewertung: sehr hilfreichUnd einen lieben Gruß
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03.11.2010, 23:34 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^petra
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03.11.2010, 21:56 Uhr von katjafranke
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße und BW KATJA
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03.11.2010, 20:59 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima beschrieben! LG und eine schöne Restwoche! :)
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03.11.2010, 20:46 Uhr von Iris1979
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht. Liebe Grüße Iris
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03.11.2010, 18:58 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ganz liebe grüße
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03.11.2010, 17:12 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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03.11.2010, 16:38 Uhr von topware2002
Bewertung: sehr hilfreichSH
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03.11.2010, 15:33 Uhr von KaTaRaGiRl
Bewertung: sehr hilfreichwirklich hilfreicher Bericht. Würde mich über Gegenlesungen freuen. glg
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03.11.2010, 15:18 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß
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