Die Tür (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 02/2012
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
Andersmachenkönnen.
Pro:
überzeugende Darsteller, solid-interessante Ausgangsstory
Kontra:
begeisterte Leser von "Die Anderstür" werden vieles nicht wiedererkennen (können), etwas stumpf
Empfehlung:
Nein
“Die Tür“
erinnert in groben Zügen tatsächlich an „Butterfly Effect“, sollte meines Empfindens nach jedoch jene, die das genannte Vergleichswerk nicht leiden können, keineswegs abschrecken. Entgegen meiner Dank des gesichteten Trailers gehegten Vermutung bleibt es inmitten von „Die Tür“ bei einem einzigen Zeitensprung, wodurch im Grunde genommen die Frage nach einer möglichen Verschlimmbesserung mancher Begegenheiten gar nicht erst gestellt wird.„Die Tür“ lässt dem Zuschauer kaum Zeit, sich behände auf die Hauptsache heranzutasten. Noch bevor die erste Viertelstunde herum ist, ist der willige Gucker bestens im Bilde über die Geschehnisse: David Andernach (Mads Mikkelsen) betrügt seine Frau Maja (Jessica Schwarz) ausgerechnet in dem Moment, als die gemeinsame Tochter Leonie (Valeria Eisenbart) bei einer Schmetterlingsjagd über ihre geöffneten Schnürsenkel stolpert, in den Pool stürzt und dort ertrinkt.
5 Jahre später wollen weder Maja noch seine Affäre Gia Konrad (Heike Makatsch) was von ihm wissen, stattdessen kümmert sich sein bester Freund Max Oelze (Tim Seyfi) den immer öfter betrunkenen David. Nach einem vergeblichen Suizidversuch folgt David der Spur eines erforen-geglaubten Schmetterlings ~ und landet nach Durchquerung eines Tunnels in eben jener Zeitspanne, in der er 5 Jahre zuvor die Nachbarin kopulierte.
Ad hoc gelingt es David nun, die in der Paralellwelt munter umherspringende Leonie vor dem Ertrinken zu bewahren ~ doch der aufmerksame Zuschauer erinnert sich, dass David sich kurz zuvor selbst im Nachbarhaus verschwinden sah.
Wer also ist nun der „echte“ David?
Und müssten, wenn beide „echt“ sind, nicht das eine Ich wissen, was das andere Ich tut?
Doch noch bevor man diese Thesen weiterspinnen kann, gerät die Lage völlig außer Kontrolle ~ wenngleich man sich sagen kann, dass wir schließlich in einem Staat leben, in dem sich jeder um sein eigenes Begräbnis kümmern soll.
Die Umsetzung des eigentlich doch sehr philosophischen Themas lässt eben jene tiefschürfenden Fragen völlig außer acht, so dass sich der ein oder andere Zuschauer doch ein wenig überfahren fühlen könnte. Statt sich auch nur ordentlich lang über die Möglichkeit des Zeitensprungs zu wundern, schlüpft David kurzerhand in die Rolle seines buchstäblichen alter Ego und verschwendet keine einzige Sekunde mit dem selbstanalysierenden Gedanken, welche Gefühle er für die diversen Personen, die nun wieder Teil seines Umfeldes sein dürfen, eigentlich hegen kann.
Immerhin leben Max und Maja jenseits der Tür ein völlig anderes Leben; doch während Leute wie ich fleißig grübeln, ob man durch seinen Sprung in die Vergangenheit, in dem man verhindert, dass jemand Vater wird, eigentlich zum Mörder zweier ungeborener Kinder wird, stützt sich „Die Tür“ eher auf den Thriller-Aspekt, in denen der „neue“ David zunehmend fürchten muss, entlarvt zu werden.
Wie ungalant es ist, eine Leiche nur wenige cm unter dem Erdreich zu vergraben, muss David spätestens dann erfahren, als sich muntere Maden im Garten herumtummeln und des befreundeten Paares Paul (Stephan Kampwirth) und Susanne Wiegend (Suzan Anbeh) Tochter Nele (Nele Trebs) sich über den Geruch beklagt.
Auch scheint der wachsame Nachbar Siggi Butchma (Thomas Thieme) eindeutig mehr gesehen zu haben, als David lieb sein kann... mit der Wendung, die „Die Tür“ jedoch sodann nimmt, hätte ich weder gerechnet, noch befinde ich diese als sonderlich überzeugend.
Ohne dem Film die ein oder andere Überraschung zu rauben, bleibt mir im Grunde lediglich auszuführen, dass mir das ein oder andere doch zu zufällig erschien, was das „gesammelte Timing“ anbelangt.
Unbestreitbar wirkt „Die Tür“ recht originell, stellt eine fürwahr gelungene Mischung aus mehreren Genre-Ebenen dar und überzeugt vorrangig anhand der darstellerischen Leistungen. Was mir persönlich jedoch „fehlt“, ist eine intensivere Auseinandersetzung mit nahezu den gesamten Eckpfeilern wie Handlungsträgern. Nicht nur die interpersonellen Beziehungen, Motivationen wie Beweggründe bleiben zu sehr im Dunkeln, sondern ebenso das „drumherum“ um die Tür an sich. Jene Mystik wird vielmehr einfach so hingenommen, akzeptiert und im Grunde genommen nicht einmal weiter beachtet, während ich mir ferner erlaube, in dem vermeintlich perfekten „Lösungsversuch“ ein nicht mindergewichtiges Logikproblem zu erkennen.
Der Ausgang von „Die Tür“ ist gewiss tragisch, versucht jedoch gleichzeitig hoffnungsvoll zu agieren und steht meines Empfindens nach der Überzeugungskraft des Gesamtwerks doch ein wenig zu sehr im Wege. Je länger man sich mit dem Finale befasst, desto unausgewogener kommt es einem meiner Meinung nach vor, wird auch hier völlig außer Acht gelassen, wie die weiteren Beteiligten auf die gravierende Änderung reagieren müssten.
Die DVD Ausstattung
verfügt über die Art Bonusmaterial, die ich lediglich hälftig angeschaut habe. Völlig außer acht gelassen habe ich die beiden Audiokommentare, sichtete stattdessen die entfernten Szenen und stellte fest, dass hier in meinen Augen nicht wirklich sehenswertes aus dem Hauptfilm herausgeschnitten wurde. Die Vorführung von selbstgemalten Bildern des Nachbarn lässt sich im fertigen Werk alles andere als schmerzlich vermissen, während ich mir bei anderen Szenen hingegen sicher bin, diese in doch sehr ähnlicher Form im Film bewundert zu haben. Was die Macher uns mit dem Entscheid, David schwerbewaffnet im Haus herumsitzen zu lassen, ursprünglich zu sagen versuchten, wurde mir selbst nicht ganz klar, so dass ich mir eventuell an dieser Stelle einen erklärenden Audiokommentar gewünscht hätte.Der Blick auf das jeweils rund 11minütige making of sowie der Blick hinter die Kulissen zeigt in der Tat, welche Akrobatik Kamera-Männer wie Tontechniker dann und wann an den Tag legen müssen, offenbart jedoch nichts wirklich fesselndes.
Für die Interviews konnte ich mich zu später Stunde nicht mehr erwärmen und gehen weiterhin nicht davon aus, mir diese je ansehen zu wollen. Zu guter Letzt gibt es eine halbe Handvoll Trailer zu besichtigen, während ich in Bezug auf Bild und Ton erneut des Lobes voll bin.
Bemerkenswerterweise gibt es inmitten der von mir vorgenommenen Stichproben selbst über den (deutschen wie englischen) Untertitel nichts zu beanstanden, während die Tonauswahl sich ebenfalls auf zwei Varianten beschränkt.
Mit der FSK16 Freigabe fährt „Die Tür“ meines persönlichen Eindrucks nach recht gut, wenngleich ich dazu sagen muss, dass auch ich immer wieder auf die eigentliche Aussagekraft dieser Labels (sprich: keine pädagogischen Empfehlungen, sondern vielmehr eine Sicherstellung, dass das Wohl der Gucker nicht beeinträchtigt wird) hereinfalle.
In Bezug auf Gewalt wie Sexualität hält „Die Tür“ sich gewiss im Rahmen, obschon eine gewisse Gartenszene durchaus ihre eigene Zugkraft besitzt und man sich Dank des sog. "Gastauftritts" von Heike Makatsch vermutlich nie wieder über jene Mitmenschen mokieren wird, die im Bett die Socken anlassen: es gibt, man sehe und staune, de facto Menschen, die während ihres halbnackten Tuns weiterhin ihrer Nikotinsucht frönen.
Summa summarum
habe ich mir von „Die Tür“ durchaus mehr versprochen ~ mehr Gefühl, mehr Spannung, mehr Faszination, mehr nachhallende Grübeleien.An dessen statt schaute ich mir das knapp 103minütige Filmchen an und gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, mir bei einer etwaigen Free-TV-Ausstrahlung das Ganze nicht wiederholt anzugucken.
„Die Tür“ ist durchaus sehenswert, interessant wie kurzweiliger Natur, spannend, fesselnd und berührend... allerdings eher ein Film von der Sorte, die man sich anguckt, für gut befindet und alsdann bereitwillig wieder vergisst.
Weder die innewohnende Dramatik noch die filigrane Spannung wollen hier so richtig aus sich herauskommen, wirken eher stetig angeleint und insgesamt betrachtet zu unausgereift, um mich für meinen Teil völlig in seinen Bann zu ziehen. Vieles wird zu selbstverständlich und ohne sichtbare Nachwirkungen als gegeben angenommen, während ich mir spätestens im letzten Drittel eine intensivere Kontroverse gewünscht hätte. Zu glatt und im weiterläufigen Sinne beliebig erscheint mir der Austausch zu funktionieren, zu unberührt und un-überrascht wirken die Protagonisten auf die Offenbarung der Tür an sich.
Und das, Freunde der nachträglichen Chance eines früheren Andersmachenkönnens, ist einfach nicht das, was ich mir von „Die Tür“ erhoffte.
Der guten Ordnung halber sei ergänzt, dass die Romanvorlage sich in nahezu sämtlichen wesentlichen Punkten von der Verfilmung, die fast nur noch die grundsätzliche Idee als gemeinsamen Nenner involviert, unterscheidet. Immerhin nimmt auf diese Weise weder Buch noch Film dem jeweils anderen die ein oder andere Überraschung vorweg ~ mehr als eine solide 3er Besternung gibt es meinerseits jedoch so oder so nicht.
18 Bewertungen, 6 Kommentare
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13.09.2013, 20:19 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollBW...Liebe Grüße Edith und Claus
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12.09.2013, 07:17 Uhr von VWCorrado2012
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut berichtet.. SH und lg.
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12.09.2013, 07:03 Uhr von Little-Peach
Bewertung: sehr hilfreichSH :))
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11.09.2013, 19:44 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gutg eschrieben
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11.09.2013, 18:31 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima vorgestellt -LG
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11.09.2013, 11:16 Uhr von monagirl
Bewertung: sehr hilfreichMona lässt dir liebe Grüße da
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