Hunger (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Control subject.“
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
===Hunger=== offenbarte, erinnerte mich ad hoc an eine etwas intensivere Mischung von „The hole“, „Cube“ und ~ wie so oft in letzter Zeit ~ „Saw 2“. So ist auch diese _Handlung rasch in wenige Worte gefasst:
Die sich untereinander unbekannten Anna (Lea Kohl), Jordan (Lori Heuring), Alex (Julian Rojas), Luke (Joe Egender) und Grant (Linden Ashby) wachen in einer dunklen Höhle auf ~ keiner erinnert sich daran, wie er dorthin gelangt ist, noch hat jemand eine Vorstellung davon, _warum er oder sie nach dort verschleppt wurde. Der Umstand, dass Luke's Nase gebrochen ist, lässt nichts Gutes erahnen. Nach wenigen Minuten bereits übernimmt Grant das Kommando, während nicht nur der Zuschauer deutlich erkennt, wie wenig dies insbesondere Alex in den Kram zu passen scheint. Es dauert nicht lange, bis die Gruppe auf randvoll gefüllte Wasserkanister stößt, knapp 500 Liter stehen der Gruppe zur Verfügung, welches sie zugleich erfreut wie auch zutiefst erschreckt. Scheinbar ist für sie ein längerer Aufenthalt geplant, was auch die Uhr an der Wand zu beweisen scheint. Zu essen hingegen gibt es scheinbar nichts ~ doch Jordan spricht, als am Folgetag wie aus Zauberhand ein Tranchiermesser auftaucht, das aus, was die anderen lange Zeit nicht wahrhaben wollen.
Ich selbst könnte es nicht treffender formulieren, als die DVD-Rückseite es tat: „Wo der Hunger überlebt, da endet die Menschlichkeit.“
===Zur Umsetzung=== muss ich vorab loswerden, dass ich von der eindringlichen Titelgebung des 97minütigen Werkes absolut angetan bin. Während viele Filme mit fragwürdigen oder zumindest übertriebenen Namen aufwarten, weiß der Zuschauer hier direkt, woran er ist. Ob sich der Film tatsächlich in das ihm zugeordnete Genre „Horror“ packen lässt... darüber kann man hingegen mal wieder munter diskutieren. Im eigentlichen Sinne handelt es sich natürlich um eine horrende Situation, in denen die fünf Personen gefangen sind. Von der ersten Szene an überträgt sich auf den Zuschauer die rätselhafte, beklemmende und verstörende Atmosphäre, denen die Protagonisten ausgeliefert sind.
Besonders positiv hervorzuheben hier der Umstand, dass die filmischen Charaktere zwar buchstäblich im Dunkeln tappen; '''Regisseur Steven Hentges jedoch erfreulicherweise darauf verzichteten, auch das Bild für den Zuschauer ins unkenntliche abzudustern.'''
Trotzdessen oder gerade weil der Ort des gesamten Filmgeschehens absolut eingeschränkt ist, baut sich innerhalb „Hunger“ rasch eine intensiv-fesselnde Spannung auf. Dadurch, dass man selbst den Protagonisten gegenüber eindeutig im Vorteil ist, eben weil man im Gegensatz zu ihnen immer wieder einen Blick auf den stillen Beobachter (Bjorn Johnson) ~ und vor allem: auf dessen Notizen ~ hinter den versteckten Kameras werfen darf, verstärkt sich die Wirkung der filigran atmosphärischen Darbietung ums mannigfaltigste.
Nicht minder erwähnenswert der Usus, dass der '''Beobachter im gesamten Film kein einziges Wort von sich gibt''' ~ auf diese Art und Weise offenkundig jedoch noch mehr überzeugt, als er es Dank diverser Begründungsmonologe hätte tun können. Jener bestreitet seine Rolle ausschließlich durch Gestik wie Mimik ~ eine wahre Meisterleistung, für die ich den Darsteller durchaus löblich bestaune. Überhaupt klärt sich die große Frage nach den einzelnen „warums“ ausschließlich zwischen den Zeilen auf; ein paar winzige Rückblenden vermitteln einen ansatzweisigen a-ha Effekt, ohne diesen übertrieben auszubreiten oder gar betont zu unterstreichen.
Ein Film somit, bei dem der Zuschauer durchaus auf mehreren Ebenen gefordert ist ~ die Frage, was man selbst an der Stelle der Eingeschlossenen tun würde, stellt sich über kurz oder lang völlig von alleine ein.
Natürlich liegt auf der Hand, dass „Hunger“ insbesondere dadurch funktioniert, dass unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen. Alex scheint paranoid, Jordan eine toughe Ärztin, Grant die geborene Leitfigur, Anna etwas verhuscht und Luke der Unberechenbarste in der Runde zu sein. Durch die gelungene Mischung, die damit verbundenen Erwartungen des Zuschauers zu füttern und gleichzeitig mit unerwarteten Charakterzügen doch zu überraschen, stellt „Hunger“ nicht zuletzt Dank des Aspektes „Überlebenswillen“ ein psychologisches Meisterwerk dar, welches den willigen Zuschauer keinen Moment Ruhe gönnt.
Ein wenig darf man sich jedoch vereinzelt über Sinn und Logik mancher Handlungen wundern; insbesondere vielleicht darüber, dass Grant derartig ausflippt, weil Luke sich sein Gesicht mit dem Trinkwasser wäscht ~ bei 500Litern sollte man meiner Ansicht nach davon ausgehen, dass die Menge bis zum vermeintlichen Hungertod des Letzten ausreicht. Darüber hinaus würde mich nach wie vor brennend interessieren, welches Shampoo die Damen vor ihrer Entführung benutzt haben. '''Auch nach über 30 Tagen weist das Haar eine Fluffigkeit auf, die ich je nach Produkt bereits am zweiten Tag vermisse.'''
Sieht man von solcherlei jedoch ab (was vor allem dadurch leicht fällt, eben weil dies bei fast jedem Film der Fall ist), so überzeugt „Hunger“ auf gesamter Linie.
Obschon eigentlich jedem der Entführten klar ist, auf was das Ganze hinauslaufen soll, kann oder gar muss, zucken allesamt unweigerlich zusammen, als einer aus der Runde anmerkt:
„Wir brauchen nur einen von uns, um zu überleben.“_
Es scheint, als wäre durch das ledigliche Aussprechen des Gedankens, welchen sich keiner als Erstes zu äußern wagte, der definitive Kipppunkt erreicht.
Nicht zu verachten ebenfalls der von mir selbst kredenzte nachfolgende Denkanstoß: Jordan klärt ihre Leidensgenossen detailliert darüber auf, wie schmerzhaft es auf psychischer sowie physischer Basis sein wird, zu verhungern. Der Aspekt, dass der Körper dazu neigt, schlussendlich seine eigenen Organe zu verdauen zu versuchen, geht nicht nur den Menschen innerhalb des Filmes nahe: wer sich einmal durch den Kopf gehen lässt, dass viel Magersüchtige jenen Zustand „freiwillig“ anstreben, der sieht vielleicht endlich mal die (nicht nur Willens-)Stärke der psychisch Erkrankten.
Innerhalb „Hunger“ hingegen lässt sich vereinzelt beobachten, dass anfänglich der Moosbewuchs innerhalb des Brunnens, später dann Käfer als Ersatznahrung dienen. '''Jene Szenerien, in denen die Nahrungsaufnahme völlig anderer Natur sind, werden lediglich am Bild-Rand dargestellt, respektive durch die Körper der Essenden verdeckt; der direkte Kamera-Draufblick fällt also flach.''' ~ Ein Umstand vielleicht, der den ein oder anderen Zuschauer negativ aufstößt, mir hingegen ausnehmend gut gefällt, '''eben weil es in „Hunger“ nicht darum geht, dem Gucker mit kannibalischen Szenen regelrecht zu unterhalten.''' Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der psychologischen Betrachtungsweise ~ wer sich weigert, jenes zu akzeptieren, der wird sich nach filmischen Ende vermutlich auch nach wie vor nach dem Motiv fragen.
===Summa summarum=== handelt es sich bei „Hunger“ keinesfalls um einen Film, welches sich Fans der „Hauptsache Blutrünstig“ Front mit Vorliebe angucken werden. '''„Hunger“ stellt meines Erachtens nach durchaus ein absolut ernsthaftes und vor allem authentisches Werk dar.'''
Die extreme Anspannung wird nur minimalistisch aufgelockert und sorgt eigentlich nur nach einem irrwitzigen Monolog Marke „Menschenfleisch hat eine Essenz. Sie beinhaltet die Seele einer Person“ bei der verächtlichen Äußerung „Okay, Captain Durchgeknallt!“ für kurzes Aufatmen ~ '''doch es dauert keine halbe Sekunde, bis auch der letzte Gucker die Bedrohlichkeit der Situation erneut realisiert hat.'''
Die '''DVD-Extras''' hätten hier durchaus sehenswert sein können. Kurioserweise stolpert man allerdings bereits über den Umstand, dass der Film zwar komplett (und zwar ausschließlich) auf Deutsch untertitelbar ist, die '''deleted scenes''' bzw. die aufklärenden Worte drumherum hingegen nicht. Wer mag, kann sich darüber hinaus über '''behind the scenes''' informieren, ein paar weitere '''trailer''' der Störkanal-Reihe angucken oder wie so oft das Ganze mitsamt '''Audiokommentar''' erneut anschauen.
Kann man alles, muss man aber nicht ~ nichtsdestoweniger besticht „Hunger“ völlig ohne weitere Verschnörkelungen. Die Auswahl der unterschiedlichen Personen bzw. deren Darsteller scheint durch die Bank mehr als durchdacht und gelungen; zu moppern gibt es über die DVD somit rein gar nichts ernstliches.
Bezüglich nicht nur der rückseitigen DVD-Aufschrift nervt es vielleicht ein wenig, dass sich fast jeder Grenzgängerfilm, der nach der einstig-angeblichen „Saw“ Trilogie den direkten Vergleich mit eben jenen Filmen gefallen lassen muss. Jener tut sich zwar im Hinblick auf die Ausgangssituation, die in „Saw 2“ (oder eben den viel früher entstandenen Psycho-Horror „Cube“) mehr oder minder zu Recht auf; doch schlussendlich bleibt auf den Tag zu hoffen, an dem man es erneut schafft, einen Film für sich selbst zu gucken, ohne stetig „das war in xy genau so“ zu quaken.
„Hunger“ involviert zwar unabstreitbar nicht _völlig andere Grundansätze wie „Saw“; sollte meiner Meinung nach allerdings eher im selben Atemzug zu „Frozen“ oder gar „Open Water“ nennen lassen. Wenn man denn unbedingt solcherlei bedarf.
Ergo des Ergos:
„Hunger“, der als „Trip in die Dunkelheit der menschlichen Psyche“ beschrieben wird, verdient bei mir einen quasi-Ehrenplatz im heimischen Regal und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon bald erneut von mir angesehen. Einfach eben wegen weil halt.
Volle Punktzahl nebst einer vollumfänglichen Empfehlung für alle, die wissen, das es innerhalb überzeugender Horrorfilmen nicht immer irgendwelcher Untoten oder gar Monster bedarf.
35 Bewertungen, 8 Kommentare
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11.03.2011, 20:34 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Edith und Claus
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10.03.2011, 02:24 Uhr von catmum68
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreicher Bericht, LG
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09.03.2011, 21:55 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht, schönen Abend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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09.03.2011, 15:40 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^^^petra
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09.03.2011, 15:31 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichViele liebe Grüße, KATJA
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09.03.2011, 15:11 Uhr von laeuft
Bewertung: sehr hilfreichToll berichtet, LG Franz
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09.03.2011, 15:02 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht lg Celles
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09.03.2011, 14:17 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche eine schöne Rest Woche ...
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