Tiere (Taschenbuch) / Simon Beckett Testbericht

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- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Man könnte meinen, sie wählen sich selbst aus.“
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
_(Zitat, S. 34)
Dank des im neuesten „Der Club“ befindlichen 2,50€ Gutscheins und im nicht minder erwähnenswerte Zusammenhang dessen, dass ich erst kürzlich eine Rezension zu Simon Beckett's
===Tiere=== las, wagte ich mich am gestrigen Vormittag endlich einmal an eine Veröffentlichung jenes Autoren heran. Und ja – mein erstes Mal mit dem Autoren meiner Wahl konnte mich durchaus in seinen Bann ziehen.
Im Vorwort weist Simon Beckett höchstpersönlich darauf hin, dass der Roman eigentlich bereits im Jahre 1995 veröffentlichte ~ hierzulande traf die Übersetzung quasi erst in diesem Jahr ein. Der Autor bezeichnet sein Werk als sein „bösester“ und lässt überdies den Hinweis auf wohldosierten schwarzen Humor fallen. Dank dieses Wissens findet man jenen tatsächlich auch ~ während ich ansatzweise davon ausgehe, das man sonstig eher von einigen (im Sinne von: wenigen) „unglaubwürdigen Verhaltensweisen“ sprechen könnte.
Der Ich-Erzähler Nigel scheint keineswegs besonders intelligent zu sein; nicht zuletzt macht sich vereinzelt der Eindruck bemerkbar, dass es sich hier um einen sogenannten „seelischen Autisten“; wenn nicht sogar jemanden mit dem „Asperger Syndrom“ handeln könnte.
Das Alter des Protagonisten lässt sich lediglich erraten; dürfte meines Erachtens nach irgendwo bei Anfang 20 liegen und spielt an für sich auch eine wenig bedeutsame Rolle.
Der thematische Knackpunkt der _Handlung des 284 Seiten umfassenden Buches offenbart sich bereits zum Ende des 1. Kapitels: Nigel hält in seinem Keller mehrere Menschen gefangen, die er jedoch als Tiere betrachtet und überdies stetig in der Neutrum-Form erwähnt.
Viel mehr sollte man über den eigentlichen Inhalt tatsächlich nicht wissen, um sich der gesamten Spannung hingegeben zu können, die hier durchaus von Anfang bis Ende gegeben ist.
===Die Umsetzung=== erweist sich schon allein durch die Art, dass Nigel nicht lediglich sagt „ihr seit wie Tiere“; sondern vielmehr buchstäblich seine Kellerbewohner als Tiere ansieht, als besonders eindringlich und raffiniert. Die Schilderungen innerhalb des Buches sind keineswegs körperlich gewalttätig, sondern vielmehr psychologisch brutal und erschaffen so einen ähnlichen Sog, wie es mitunter in „Broken 2 – The cellar door“ der Fall war:
„Sie kannten die Regeln. Einmal hat eins – ich habe es nicht mehr – sofort losgelegt und die Schüssel in sein Abteil gezogen, ehe ich etwas machen konnte. Ich habe es mit Wasser übergossen und die nächsten Tage nicht gefüttert. Seitdem haben sie es nicht mehr gewagt.“
(Zitat, S. 53)
Jene Szenerien gipfeln hin und wieder in einer Unachtsamkeit, die nicht geplante Auswirkungen nach sich zieht. Mehr und mehr spitzen sich einzelne Entwicklungen zu; nachdem Nigel „die Rote“ gefangen hat, entsteht eine immer größer werdende Bedrängnis auf beiden Seiten. Jene weist einen Trotz, Sturheit und nicht zuletzt Kampfesgeist auf, mit dem sich Nigel bis dato noch nie auseinander setzen musste. Es ist auf eine gruselige Art und Weise faszinierend, wie Nigel anhand seiner Kellerbesuche etwas über die menschlichen Verhaltensweisen lernt ~ ohne sich überhaupt bewusst zu sein, dass es sich _wirklich um Menschen handelt.
Durch mehrere Erinnerungsfragmente des Protagonisten erfährt der Leser mehr und mehr über Nigels Kindheit wie auch gegenwärtige Situation. ~ Wer an dieser Stelle schlussfolgert, Simon Beckett würde in das gängige Klischee „schwere Kindheit und demnach einen an der Waffel“ einsteigen, der irrt. Sicherlich hatte Nigel eine ungewöhnlichere Kindheit als die meisten anderen; doch „anders“ war er offenkundig schon immer. Seine Außenseiterrolle begleitet Nigel von Kindheit an, fasziniert und bewegt den Leser Dank diveser Ausführungen auf besonders eindringliche Weise:
„Das Problem war nur, dass ich nicht wusste, wen ich einladen soll. Nicht dass ich keine Freunde hatte oder so. Ich hatte nur nicht viele _beste Freunde. Aber das wollte ich meiner Mama nicht sagen. Ich wollte nicht, dass sie denkt, ich wäre nicht normal oder so, und mit mir schimpft. Trotzdem fiel mir niemand ein, den ich fragen konnte, ober er kommen will. Die Einzigen, die vielleicht kommen würden, waren die, mit denen keiner redete, es sei denn, um über sie zu lachen. Und selbst von denen sagten nur drei zu.“
_(Zitat, S. 185)
Durchdacht zweifellos der Aspekt, dass es dem Leser fast unmöglich gemacht wird, Nigel keinerlei Sympathien entgegenzubringen. Oftmals macht sich ihmbezüglich Mitgefühl oder gar Mitleid bemerkbar; allzu oft und gerne würde man eingreifen, wenn sich seine Kollegen Karen und Cheryl über ihn lustig machen, Nigel dies jedoch oftmals gar nicht zu bemerken scheint. Als beide ihren Besuch ankündigen, um sich den außergewöhnlicher Wohnort Nigels anzusehen, erfüllt dies jenen voller Vorfreude ~ und der Leser braucht kein Genie zu sein, um zu ahnen, wie in etwa der weitere Verlauf der Geschichte wohl aussehen wird.
Jener Vorahnung zum Trotze stellt „Tiere“ dennoch ein absolut spannendes Werk dar ~ zugegeben, ein wenig Langatmigkeit macht sich tatsächlich innerhalb der Besuchssituation bemerkbar: statt dem Versuch, das Spannungsfeld hoch zu halten, gerecht zu werden; bedient sich Simon Beckett einem recht altbewährten Muster, was die Reaktion des Hausherren auf die Besucher anbelangt.
Emotional verstörend wirkt sich das Buch hingegen unabstreitbar aus ~ nicht zuletzt Dank des bereits erwähnten Umstand, dass es recht schwer fällt, Nigel als „bösen Kerl“ anzusehen. Während man einerseits damit konfrontiert wird, was der Ich-Erzähler seinen Mitmenschen antut, steht man gleichermaßen vor der Herausforderung, sich der dargebotenen Ansicht nebst Logik des Täters zu entziehen. Meiner Erfahrung nach gerät man völlig unvorbereitet und alles andere als willentlich in die Denkweise der Hauptperson hinein; kann gewisse Entscheidungen ansatzweise nachvollziehen ~ während man sich gleichzeitig keineswegs gut heißen mag.
===Summa summarum=== involviert „Tiere“ somit ein Wechselbad der Gefühle, welches mich persönlich immer wieder aufs Neue begeistert und schlussendlich absolut überzeugt hat.
Das recht offene Ende mag viele Leser mit Unzufriedenheit erfüllen; während ich für meinen Teil zu der Überzeugung gelangt bin, dass ein jeder anderer Ausgang ebensowenig das ultimativ Wahre gewesen sein dürfte.
Winzige Schwächen innerhalb der Geschichte nebst dem ein oder anderen Tippfehler der Buchhandels-Aussage ändern nichts an meiner vollumfänglichen Begeisterung sowie der damit verbundenen Leseempfehlung für all jene, die wissen, dass gute Thriller auch ohne Leichen auskommen können.
Naja... _fast ohne Leichen. Aber das ein oder andere war ja schließlich ein Unfall.
34 Bewertungen, 7 Kommentare
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13.04.2011, 21:59 Uhr von yeppton
Bewertung: sehr hilfreichhast du prima gemacht, Danke schoen
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06.04.2011, 13:58 Uhr von [email protected]
Bewertung: sehr hilfreicheine schöne woche mit aussicht auf weitere tolle Berichte , lg dirk
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02.04.2011, 15:38 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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02.04.2011, 13:21 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^petra
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02.04.2011, 12:51 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche dir ein schönes Wochenende
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02.04.2011, 12:49 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße von der KATJA
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02.04.2011, 12:43 Uhr von babygiftzwerg
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche dir ein schönes Wochenende. LG Ulrike
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