The Fighter (DVD) Testbericht
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- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Dr_Ed
Der Erfolg hat viele Familienangehörige
Pro:
wirklich gute DarstellerInnen
Kontra:
man muss Boxfilme schon ein wenig mögen
Empfehlung:
Ja
Filme über boxende Underdogs sind in den USA sehr beliebt und werden auch schon mal gerne mit Oscar-Auszeichnungen bedacht, wie es zum Beispiel beim ersten Teil von „Rocky“ oder beim „One million dollar baby“ der Fall war. Auch dieser Film stand dieses Jahr auf der Auswahlliste der besten Filme bei der Oscar-Verleihung, aber letztlich haben nur Christian Bale und Melissa Leo als beste Nebendarsteller die begehrte Auszeichnung erhalten. Was an dem Film dran ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### INHALT ###
~~~ Da das Gemeinwesen bei Boxkämpfen gleich das Handtuch wirft, heute mal die „Dr.Ed's Kampf mit den richtigen Worten dauert keine zehn Runden“ - Mittelgewicht-Version ~~~
Micky Ward (Mark Wahlberg) ist ein talentierter Boxer, der mit Anfang 30 eigentlich in den besten Jahren ist, aber bislang nie eine echte Chance zum Durchbruch hatte. Meist stand er im Schatten seines großen Halbbruders Dickie Eklund (Christian Bale), der zwar mal in den frühen 80ern Sugar Ray Leonard in einem Kampf niedergeschlagen hat, dem aber danach auch keine große Karriere beschieden war, da er irgendwann mal abhängig von Crack und damit zu einem Schatten seiner selbst wurde. Ab und zu geht er mit Micky in den Sparring und trainiert ihn. Seinen Lebensunterhalt verdient Micky als Straßenbauer und gemanagt wird er von seiner Mutter Alice (Melissa Leo), die ihm aber meist nur Kämpfe besorgt, in denen er als Sprungbrett für jüngere und vermeintlich talentiertere Boxer herhalten muss.
Die Beziehung zur Mutter seiner Tochter ist gescheitert und seit kurzem ist Micky mit der Kellnerin und ehemaligen Hochspringerin Charlene (Amy Adams) zusammen. Nach einem wieder mal verlorenen Kampf und nachdem Dickie nach einem Gesetzesübertritt inhaftiert wird, überzeugt Charlene Micky davon, dass seine Familie für ihn mehr Hindernis als Chance ist. Derselben Ansicht ist auch ausgerechnet sein Vater George (Jack McGee). Gemeinsam beschließt man, dass Micky fortan vom ehemaligen Police-Officer O'Keefe (Mickey O'Keefe) trainiert und vom örtlichen Taxi-Unternehmer Sal Lanano (Frank Renzulli) gemanagt wird. Allmählich geht es mit Micky aufwärts. Er gewinnt einige Aufbau-Kämpfe und soll dann gegen einen gepushten mexikanischen Nachwuchs-Star antreten.
Nachdem Micky auch diesen Kampf überraschend gewinnt, bekommt er sogar die Chance auf einen echten Titelkampf. Es könnte alles wunderbar sein, wenn nicht Micky's besitzergreifende Mutter und Micky's sieben Schwestern nicht ständig dazwischen funken und für Unfrieden sorgen würden, weil sie sich durch Micky enttäuscht und verraten fühlen. Es kommt zur Zerreißprobe zwischen Micky und der Familie. Aber erst als Micky die Chance bekommt, in London um den Weltmeister-Titel im Weltergewicht zu kämpfen, sehen alle Beteiligten ein, dass nur rückhaltloser Zusammenhalt Micky wirklich weiterbringt. Ob es was bringt, erfahrt Ihr, wenn Ihr Euch den Film anseht...
### MEINE MEINUNG ###
Es ist mir ja fast schon unangenehm, es zu sagen, aber auch dieser Film beruht wieder einmal auf einer wahren Geschichte. Also bevor hier welche ankommen und meinen, meckern zu müssen von wegen „Och nöh, schon wieder so ein dämlicher Rocky-Abklatsch“: Den Boxer Micky Ward gab es tatsächlich und seine Karriere verlief wohl wirklich in etwa so, wie der Film sie beschreibt. Ob sich jetzt alle Einzelheiten nun wirklich so zugetragen haben, wie im Film dargestellt, mag dahingestellt bleiben, aber im Endeffekt dürften die Drehbuchautoren nicht allzu viel hinzugedichtet haben.
Aber bevor jetzt die nächsten kommen und sagen „Och nöh, schon wieder so eine dämliche Sportler-Biographie“, muss ich gleich schon wieder einhaken, denn der Film ist weniger wie eine Biographie, sondern mehr wie eine Mischung aus Familien-Drama und Doku-Soap angelegt oder zumindest darin eingebettet. Wer jetzt aber irgendeine gefühlsduselige Gutmenschen-Geschichte wie in „The blind side“ erwartet, dessen Erwartungen laufen erneut ins Leere, denn in Micky Wards Familie laufen die Dinge auch nicht unbedingt so wohlgeordnet, wie man zum Beispiel bei einer gutsituierten Mittelstands-Familie erwarten würde.
Im Gegenteil: Mickys ganze Sippschaft ist ein ziemlich unübersichtlicher, chaotischer Haufen. Zwar wollen alle nur sein bestes, aber dabei wollen alle auch mitreden, ohne ihn zu fragen, was er eigentlich selber will. Seine Mutter ist zwar gleichzeitig auch seine Managerin, aber die Kämpfe, die sie ihm vermittelt, sind meist weder sportlich interessant noch finanziell lukrativ. Als Übermutter-Tier meint sie, den Laden nur durch ihr striktes Verhalten zusammenhalten zu können, aber merkt dabei nicht, dass sie Micky damit immer mehr von seiner Familie entfremdet, weil er nicht den nötigen Freiraum für eigene Entscheidungen zugebilligt bekommt.
Als Micky wieder einmal so einen Kampf verliert, weil er kurzfristig gegen einen anderen Gegner antreten soll, als der, auf den er sich vorbereitet hat, sieht er sich am Scheideweg. Er bekommt ein Angebot, in Las Vegas für den Boxstall eines Promoters zu arbeiten und gegebenenfalls auch eigene Kämpfe zu bestreiten. Während seine Freundin Charlene dies als Chance sieht, sich endlich von seiner Familie zu emanzipieren und sich von familiärem Ballast zu befreien, betrachtet seine Familie das als Affront. Nachdem zu allem Überfluss Dickie auch noch inhaftiert wird und Micky nun auch niemanden mehr hat, der mit ihm trainiert, steht seine Karriere eigentlich schon vor dem Aus. Aber als ihm sein Vater dann eine Lösung ohne Mutter und Halbbruder vorschlägt, entpuppt sich diese Entscheidung im Nachhinein als einzig richtige, denn Micky berappelt sich wieder und kehrt auch alsbald auf die Erfolgsspur zurück und mit dem Erfolg kommt auf allen beteiligten Seiten die Einsicht, dass Micky zwar die Familie braucht, aber auch eigene Freiräume.
Auch wenn der Film inhaltlich sicher einige Parallelen zum ersten Teil der Rocky-Reihe hat, hat er stilistisch eher Ähnlichkeit mit „The Wrestler“. Inszenatorisch wirkt er teilweise wie eine Unterschicht-Milieustudie, in deren Zentrum die Geschichte zweier ungleicher Boxer-(Halb)Brüder steht. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den inszenatorischen Kunstgriff, dass gezeigt wird, wie ein Sportsender eine Dokumentation über den einst vielversprechenden und jetzt crack-abhängigen Boxer Dickie dreht. Der Fokus liegt auf den Figuren, deren Entwicklung und Verhalten nachvollziehbar geschildert werden und die in einem sehr emotionalen Finale ihren Abschluss findet. Man merkt jederzeit, dass die Figuren aus dem wahren Leben gegriffen sind und phasenweise kommt der Film rüber wie eine Doku-Soap, die auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet ist.
Die innerfamiliären Spannungen und der innerliche Zwist, in dem sich Micky befindet, werden für das Publikum gut nachvollziehbar gemacht. Einerseits fühlt er sich gegenüber seiner Familie verpflichtet, aber andererseits macht ihm Charlene klar, dass er auch mal an das denken muss, was er selber will und nicht an das, was die Familie von ihm will. Micky tut sich unheimlich schwer damit, weil er sich seiner Familie gegenüber verpflichtet fühlt und es seiner Familie sehr schwer fällt zu akzeptieren, dass Micky seine Entscheidungen in erster Linie für sich selbst treffen muss. Erst als fast schon zu spät ist, wird der Familie deutlich, dass Micky für sich selber am besten weiß, was für ihn gut ist und was nicht. Es braucht lange, bis die Familie begreift, dass Mickys Entscheidung nicht gegen sie gerichtet ist, sondern erst die Emanzipation von der Familie ihm den Erfolg bringt.
Darstellerisch vermögen alle Beteiligten zu überzeugen. Mark Wahlberg als innerlich zerrissener Mann, der seine eigenen Bedürfnisse immer hinter denen der Familie zurücksteckt und der erst lernen muss, sich von ihr zu emanzipieren, um seine Ziele zu erreichen, kann seine Rolle hervorragend ausfüllen. Christian Bale wirkt als Drogen-Wrack beklemmend authentisch und sich seinen Nebenrollen-Oscar redlich verdient, ebenso wie Melissa Leo als besitzergreifendes Übermutter-Tier. Aber auch Amy Adams zeigt einmal mehr, dass sie als Darstellerin sehr wandlungsfähig ist und darf sich ansatzweise sogar mal von ihrer erotischen Seite präsentieren. Alle anderen Beteiligten machen ihre Sache ebenfalls sehr gut und man hat an keiner Stelle das Gefühl, das jemand seiner Rolle nicht gewachsen ist.
Zwar will der Film so recht in keine Schublade passen, weil er sowohl Elemente einer Doku-Soap, eines Familien-Dramas und eines Boxer-Films hat, aber insgesamt kann „The Fighter“ als etwas anderer Ensemble-Film überzeugen. Einerseits nicht ganz so düster wie „The Wrestler“, andererseits nicht ganz so pathetisch und gefühlsduselig wie Rocky 1. Nur die Kampfszenen wirken manchmal ein wenig unrealistisch und überfrachtet, was man dem Film aber durchaus nachzusehen bereit ist. Dafür wirken die Figuren umso realistischer und glaubwürdiger. An einigen Stellen hat der Film auch Längen, aber die resultieren letztlich auch ein wenig daraus, dass die Charakterzeichnung der Figuren nicht vernachlässigt wird.
### FAZIT ###
Wenn man auf Boxfilme oder Sportler-Biographien steht, wird man hier sicher enttäuscht sein, denn der Schwerpunkt liegt dann doch eher in der Beschreibung der Entwicklung des familiären Umfelds und weniger in der sportlichen Entwicklung der Hauptfigur. Dick aufgetragenes Sportler-Pathos bleibt weitestgehend außen vor, aber dafür können die DarstellerInnen umso mehr glänzen. Von mir gibt’s daher vier von fünf möglichen Boxhandschuhen und eine Empfehlung für alle, die schon Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ oder Darren Aronofskys „The Wrestler“ mochten.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2010, 115 Min., FSK 12
Regie: David O. Russell
Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy und Eric Johnson
Kamera: Hoyte van Hoytema
Musik: Michael Brook
~ Micky Ward – Mark Wahlberg
~ Dickie Eklund – Christian Bale
~ Charlene Fleming – Amy Adams
~ Alice Ward – Melissa Leo
~ George Ward – Jack McGee
~ Mickey O'Keefe als er selbst
~ Gail Eklund Camey – Dendrie Taylor
~ Cathy 'Pork' Eklund – Bianca Hunter
~ Cindy 'Tar' Eklund – Erica McDermott
~ Phyllis Eklund – Kate O'Brien
~ Donna Eklund Jaynes – Jill Quigg
~ Sherri Ward – Jenna Lamia
~ Kasie Ward – Caitlin Dwyer
~ Sal Lanano – Frank Renzulli
u.v.a.
37 Bewertungen, 9 Kommentare
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17.04.2011, 16:52 Uhr von vidar
Bewertung: sehr hilfreichSH und schönen Sonntag noch, vidar
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15.04.2011, 22:15 Uhr von xSunnyx
Bewertung: sehr hilfreichSH ... Mit freundlichen Grüßen ....
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15.04.2011, 14:15 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichLG cleo1
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15.04.2011, 13:07 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund ein wunderschönes wochenende
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15.04.2011, 09:43 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche eine schöne Restwoche.
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14.04.2011, 22:36 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^^petra
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14.04.2011, 21:43 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße von der KATJA
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14.04.2011, 21:36 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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14.04.2011, 21:17 Uhr von yeppton
Bewertung: sehr hilfreichgut gemacht, Lg Markus
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