Dogtooth (DVD) Testbericht

Dogtooth-dvd-drama
ab 10,77
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von atrachte

Isolation

Pro:

siehe Bericht,

Kontra:

siehe Bericht,

Empfehlung:

Ja

„Eine Muschi ist eine große Lampe....Wenn die Muschi aus ist, versinkt der ganze Raum in Dunkelheit.“ Sinatras „Fly Me To The Moon“ ein Song über eine glückliche, sich liebende Familie? (Haus)Katzen; das für den Menschen gefährlichste Tier! In Orwells „1984“ heißt es „Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“ Sprich: wer lange genug an eine Lüge glaubt, der glaubt hinterher, sie sei wahr. Wer lange genug jemanden das Falsche einredet, der hat eine Wahrheit geschaffen. Im griechischen Film „Dogtooth“ - ein anstrengender, neunzig minütiger Trip schierer Surrealität - ist dies genauso.

Ein Haus mit Garten, eingeschlossen von einem mehrere Meter hohen Holzzaun. Dahinter: für uns, die Welt wie wir sie kennen. Für die drei Adoleszenzen (Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni & Hristos Passalis) die auf dem Anwesen mit ihren Eltern (Michele Valley & Christos Stergioglou) leben, befindet sich hinter dem Zaun der nicht definierbare Schrecken. Die böse Welt. Menschenmordende Katzen. Kurzum: das Unheil. Das zumindest bekommen die Drei seit ihrer Geburt von ihren Eltern erzählt. Innerhalb des eingezäunten Anwesens existiert ein ganz eigener Mikrokosmos. Niemand – weder die Kinder, noch die Eltern – haben einen Namen. Ihre Sprache ist unserer vollkommen gleich, jedoch haben viele Wörter eine vollkommene andere Bedeutung. Ein Zombie ist eine gelbe Blume, eine Muschi eine große Lampe, das Meer ein Stuhl. Kontakt nach draußen, zu anderen Menschen (mit Ausnahme zu der jungen Christina (Anna Kalaitzidou), die das aufkommende sexuelle Verlangen des Sohnes gegen Bezahlung befriedigt) gibt es nicht. Auch ein Verlassen des Anwesens kommt für die Teenager nicht in Frage, zumindest nicht, solange sie nicht auf die Welt hinter dem Zaun vorbereitet sind, und vor allem nicht bis ihnen der Hundezahn ausgefallen ist.

„Dogtooth“ - das dürfte jedem mittlerweile klar sein – ist ein sehr ungewöhnlicher, sehr eigener Film. Mit was für einen Film man es zu tun hat, dass ist eine Frage, die man kaum beantworten kann. Auch eine Genrezuweisung ist geradezu unmöglich. Zügig betrachtet dürfte das ganze nach einer schrillen Komödie klingen. Und tatsächlich: die Welt, die Regisseur Yorgos Lanthimos geschaffen hat, ist eine geradezu groteske. Aus dem Zusammenhang gerissen wirken viele Szenen wie Standup-Nummern völlig bekiffter Comedians. Doch zu lachen hat man reichlich wenig. Vielmehr bleibt einem das Lachen wie ein dorniger Kloß schmerzhaft im Halse stecken. Ein Drama also? Irgendwie ja, aber irgendwie auch wieder nein.

Auch was Lanthimos mit seinem zweiten Langfilm bezwecken und aussagen wollte, ist nicht so ganz offensichtlich. Am ehesten lässt sich „Dogtooth“ wohl als Parabel auf freiheitsberaubende Systeme, insbesondere auf Diktaturen, lesen. Die Eltern sind nichts anderes als Despoten. Sie halten ihre Kinder gefangen, trichtern sie mit Lügen voll, sodass diese zur Wahrheit werden und halten sie vor sämtlichen äußeren Einflüssen fern. Internet gibt es im Hause nicht. Das einzige Telefon befindet sich, versteckt im Nachtschrank, im Zimmer der Eltern. Der einzige Fernseher hat keinen Kabelanschluss, dient lediglich für gelegentlich stattfinden Videoabende, bei denen sich die Fünf selbst gedrehte Videos ansehen. Die Kinder kennen diese in und auswendig, können die aufgezeichneten Dialoge auswendig wiedergeben. Nicht zu unrecht hat man schnell Diktaturen im Hinterkopf, die ihre Parolen solange auf die unter ihnen lebenden Menschen einhämmern, bis sie sich ins Gedächtnis dieser eingebrannt haben. Lanthimos führt entsprechende Systeme vollkommen ad absurdum, karikiert gnadenlos, das es eigentlich viel zu viel des guten ist. Trotzdem wirkt das ganze niemals lächerlich oder aufgesetzt. Dies zeigt, wie unglaublich penibel der Grieche seinen Mikrokosmos konzipiert hat, wie genau er auf die kleinsten Details geachtet hat, sodass sein Film – zwar für den Zuschauer nie ganz schlüssig – aber irgendwie stimmig wirkt.

„Dogtooth“ besitzt eine kaum in Worte zu fassende Faszination. Die gewählten Bilder sind beinahe durchgehend beherrscht von klinischer Kälte. Die plötzlich einsetzenden Gewaltexzesse ein Schlag mit dem Vorhammer in die Magengrube. Erst gegen Ende wird mit der Lethargie gebrochen, es werden sattere Farben verwendet,das Szenario bekommt gar etwas „lebendiges“. Zeigt Lanthimos über 70 Minuten lang die Mechanismen dieser Diktatur, so zeigt er in den letzten 20, wie sie anfängt zu bröckeln. Das Ende bleibt jedoch offen. Und so verhält es sich mit dem ganzen Film. Warum tun die Eltern ihren Kindern das an, warum halten sie, sie gefangen, bläuen ihnen eine verzerrte Wahrheit ein? Wie so oft im Leben, gibt es auf diese Frage keine Antwort. Lanthimos überlässt es jeden selbst, seinen Film zu deuten.

Prinzipiell funktioniert „Dogtooth“ sehr gut. Inszenatorisch gibt es nichts zu meckern, auch die Darsteller sind beängstigend überzeugend in der Darstellung ihrer vollkommen zerstörten und verstörten Figuren. Aber: „Dogtooth“ ist schwere Kost. Sehr schwere. Und anstrengende hinzu. Das wird nicht jedem gefallen, das kann nicht jedem gefallen. „Dogtooth“ ist ein Film, für den man bereit sein muss, dem man sich hingeben muss. Andernfalls wird man die 90 Minuten, die teilweise sehr an den Nerven zehren, als Verschwendung ansehen. Ist man aber bereit für den Film, dann kann man aus ihm einiges mitnehmen.

Originaltitel: Kynodontas (Griechenland, 2009)
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Regie: Giorgos Lanthimos
Darsteller: Christos Stergioglou (Vater), Michele Valley (Mutter), Aggeliki Papoulia (ältere Tochter), Mary Tsoni (jüngere Tochter), Hristos Passalis (Sohn), Anna Kalaitzidou (Christina)...

6,5/10

59 Bewertungen, 17 Kommentare

  • dadolger

    16.03.2012, 10:02 Uhr von dadolger
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse

  • anonym

    03.07.2011, 20:34 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • sloga

    18.06.2011, 23:55 Uhr von sloga
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr guter Bericht. Lg Denis

  • XXLALF

    15.06.2011, 10:23 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und einen wunderschönen tag

  • edelcat

    14.06.2011, 11:38 Uhr von edelcat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse von Edeltraud

  • mima007

    14.06.2011, 11:11 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • campino

    14.06.2011, 09:13 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    ::: lg andrea :::

  • Miraculix1967

    14.06.2011, 01:09 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Pfingstmontag-Abend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • PatMcNamara

    13.06.2011, 23:58 Uhr von PatMcNamara
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße aus der Eifel! Patty

  • bigmama

    13.06.2011, 22:53 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • morla

    13.06.2011, 21:36 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen pfingstmontag wünsch ich dir. lg. petra

  • Sunnyboy86

    13.06.2011, 19:05 Uhr von Sunnyboy86
    Bewertung: sehr hilfreich

    danke für deine Lesungen. Freue mich über weitere :)

  • sigrid9979

    13.06.2011, 17:42 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen schönen Pfingstmontag.....

  • Luna2010

    13.06.2011, 16:23 Uhr von Luna2010
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine schöne neue Woche!!!

  • tina08

    13.06.2011, 15:15 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • cleo1

    13.06.2011, 15:03 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen schönen Pfingstmontag und LG cleo1

  • katjafranke

    13.06.2011, 14:58 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Katja wünscht dir ein schönes Pfingstwochenende