Dogtooth (DVD) Testbericht

Dogtooth-dvd-drama
ab 10,77
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Niemand wird dieses Haus mehr betreten.“

5
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr niedrig
  • Humor:  kein Humor
  • Spannung:  spannend
  • Altersgruppe:  ab 16 Jahren
  • Meinung bezieht sich auf:  DVD-Version

Pro:

Intensität, Nachwirkung, Authentizität, lässt viele Fragen und Interpretationsmöglichkeiten offen

Kontra:

lässt WIRKLICH viele Fragen und Interpretationsmöglichkeiten offen, mäßige Synchronisation

Empfehlung:

Ja

„Euer Bruder ist tot. Eine Kreatur wie die im Garten hat ihn in Stücke gerissen. Einerseits war es ganz allein seine Schuld. Schlechte Vorbereitung. Andererseits war er mein Sohn. Und er tut mir leid. Das Killertier heißt Katze. Sie ist das gefährlichste Tier von allen. Sie frisst Fleisch. Vor allem das Fleisch von Kindern. Nachdem sie ihr Opfer zerfleischt hat, verschlingt sie es mit ihren scharfen und zwar völlig von Kopf bis Fuß. Solange ihr im Haus bleibt, seit ihr sicher. Aber nur dort.“

Es gibt sie nicht oft.... Filme, die man kurz nach dem Abspann eher mit einer gewissen Enttäuschung beurteilen würde, sich über zig offene Fragen mokiert, die seitens der Macher nicht einmal versucht_ wurden, zu beantworten... und wo sich dennoch nach und nach das Gefühl einstellt, eines fürwahr großartiges gesehen zu haben.
Der griechische Beitrag

ldquo;Dogtooth&ldquo stellt in meinen Augen ein solches Exemplar dar. Seit einiger Zeit anhand des trailers stetig hin- und hergerissen, entschied ich mich kürzlich, den Versuch zu wagen und schaute mir am gestrigen Abend das 93minütige Drama an, bei dem ich zwangsläufig nicht umhin kam, an „The Village“ oder gar die wirkliche Geschichte von Natascha Kampusch zu denken.

Regisseur und zugleich Drehbuchautor Giorgos Lanthimos setzte in seinem Film auf stoische Stille, während man von der Kameraführung, die oftmals „Köpfe abschneidet“ hin und wieder befremdet sein darf. Der Eindruck, eine Art Pseudo-Doku zu betrachten, ließ sich für mich persönlich nur schwerlich ablegen, zumal jedes Detail über Absicht, Motiv und Beginn der für den Zuschauer überaus eigenartigen Familienführung im Verborgenen bleibt. Hin und wieder zeigen sich Momenten, in denen man schlussfolgern oder gar wild drauf los spekulieren kann ~ besonders wichtig hierbei eine Szene, in der sich Vater und Mutter stumm via Lippenlesen unterhalten. '''Fatal hierfür, dass es sich um einen gravierenden Wendepunkt der Story handelt '''in der passende Untertitel, der den Zuschauer involviert, allerdings nur dann eingeblendet wird '''wenn man sich den gesamten Film mit entsprechender DVD-Einstellung anschaut.'''

„Dogtooth“ berichtet im Grunde genommen von einer fünfköpfigen Familie, deren Oberhäupter (Christos Stergioglou als Vater, Michele Valley als Mutter) ihre eigene Realität konstruiert haben.
Die namenlosen jugendlichen Töchter (Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni) wie auch der Sohn (Hristos Passalis) haben noch nie einen Schritt über das großzügige Anwesen rund um das Haus gewagt. An das Gebot, man sei erst reif genug dafür, sobald einem der sog. „Hundszahn“ (somit der Eckzahn) ausgefallen wäre, hält sich der Nachwuchs stoisch.

Lediglich der Sohn scheint einen gewissen Sonderstatus zu erhalten, erhält dieser regelmäßig Besuch von Christina (Anna Kalaitzidou), die seitens des Vaters mit verbundenen Augen zum Haus gefahren und sodann für ihren kopulierenden Körpereinsatz bezahlt wird.
Anhand eines Tauschgeschäftes mit der älteren Tochter bringt Christina das sorgsam (über)behütete Familienkonstrukt gefährlich ins Wanken, woraufhin der Zuschauer mit einer Art Bestrafung wie auch Lösungsstrategie konfrontiert wird, die ihn sicherlich zusammenzucken lassen wird.

Generell gibt es eine kleine Handvoll Szenen, anhand derer man sich über die FSK 16 Einstufung kaum wird mokieren können. Etliches verursacht eine Gänsehaut, während die plötzlich ausbrechende Brutalität mancher Momente durch ihre Unvorhersehbarkeit eindringlichst nachwirkt. Besonders hervorzuheben in diesem Kontext, dass „Dogtooth“ keineswegs versucht, durch blutrünstige Bilder zu schocken ~ das latente Unwohlsein, welches sich in dem Zuschauer zunehmend ausbreitet, basiert einzig und allein auf dem Bewusstsein, dass das, was man hier zu Gesicht bekommt, fürwahr eine waschechte Möglichkeit einer Lebensführung aufzeigt.

~ Es mag nicht sonderlich einleuchtend sein, dass die Eltern Wert drauf legen, Synonyme für diverse Alltagsgegenstände zu erfinden, um ihre Kinder von der Außenwelt abzuschotten. Einen Salzstreuer als Telefon zu bezeichnen mag dafür dienlich sein, dass man den wirklichen Nutzen eines echten Telefons nicht erkennen kann ~ doch wie der Nachwuchs jenes überhaupt je hätte interpretieren können, wenn es niemanden gibt, der ihnen davon erzählt... man weiß es nicht.
Doch der Versuch, unbedingt nach einer (Unter)Art von Logik zu suchen, schlägt zwangsläufig fehl. Obschon der Vater täglich zur Arbeit fährt, gibt es eine spätere Szene, die gewisse Fragen in den Raum stellt, was genau den Jugendlichen hierüber erzählt wurde ~ Antworten indes liefert „Dogtooth“ wie bereits erwähnt nur sehr sehr wenige.

Enorme Zugkraft, hochgradige Spannung wie Faszination für das Gesehene tat sich in mir persönlich von Anfang an auf ~ Zuschauer hingegen, die einen „normal gestrickten“ Spielfilm erwarten, dürften bitter enttäuscht werden. „Dogtooth“ verzichtet nahezu völlig auf ein Geflecht von Anfang, Hauptteil und Finale, sondern endet darüber hinaus derartig offen, dass ich persönlich fassungslos auf den Abspann starrte. Grade in dem Moment, in der die Luft zum Zerreißen gespannt ist, war's das ~ und der Zuschauer wird mit zig möglichen Variationen des offenen Endes fühlbar allein gelassen. Die Ahnung, dass die Macher hiermit eine sehr weise Entscheidung trafen, drängte sich in mir quasi über Nacht an die Bewusstseinsebene. Egal, welche Szene nach der tatsächlichen Abschlussszene gezeigt worden wäre ~ ich hätte _immer das Gefühl gehabt, dass „Dogtooth“ an dieser Stelle nicht hätte enden dürfen.

===Summa summarum=== gestaltet sich meiner Meinung nach als überaus fatal, dass Dank der obskuren Synchronisation eine Art Hörbuch-Charakter entstanden ist. Nahezu eine jeder wirkt hier, als würde er seinen ihm bis dato unbekannten Text von einem Blatt Papier ablesen ~ ein Umstand, der in der Originalsprache mitnichten zu tragen kommt.

Erfreulicherweise konnte ich mich an diesen Negativpunkt im Laufe der Zeit gewöhnen, während die Atmosphäre, die von „Dogtooth“ ausgeht, in der Tat bei mir auf – wenn auch verzögerte – Begeisterung stößt.
Nicht von der Hand zu weisen definitiv, dass auch ich mir diverse Erklärungen gewünscht hätte; doch alles in Allem offenbarte sich für mich eine wirkliche Besonderheit zwischen all den sonstigen a-typischen themenähnlichen Umsetzungen.
Für diese Art Film muss man ein gewisses Faible haben, seine Seele zugänglich lassen.... alternativ dazu wird man sich meiner Vermutung nach unsagbar langweilen.

16 Bewertungen, 3 Kommentare

  • xSunnyx

    25.04.2013, 20:47 Uhr von xSunnyx
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße

  • bella.17@live.de

    25.04.2013, 14:57 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Annabelle.

  • katjafranke

    25.04.2013, 13:06 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß KATJA