Black Swan (Blu-ray) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 06/2011
Erfahrungsbericht von atrachte
(Alb)Träume
Pro:
siehe Bericht,
Kontra:
siehe Bericht,
Empfehlung:
Ja
Ninas (grandios: Natalie Portman) Leben ist das Ballett. Etwas anderes gibt es für sie nicht, weder im Traum noch in der Wirklichkeit. Für ihren großen Traum, einmal die Hauptrolle in Tschaikowskis „Schwanensee“ zu spielen, opfert sie alles: Freizeit, Hobbys, Freunde. Der tägliche Rhythmus ist immer der gleiche: aufstehen, dehnen, trainieren. Der Wille Perfekt, er stellt für Nina eine geradezu krankhafte Obsession dar. Auch der exzentrische Theaterregisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel), der zur neuen Saison eine neue Besetzung für den „Schwanensee“ sucht, sieht das so. Zwar wäre Nina perfekt in der Rolle des weißen Schwans, doch will Leroy den weißen und den schwarzen Schwan mit ein und der selben Darstellerin besetzen. Die betörende Passion, die dunkle Ausstrahlung des schwarzen Schwans, all das sieht er in Nina nicht. Eigentlich. Denn die Rolle bekommt sie trotzdem, spielen darf Nina sie aber nur, wenn sie zeigt das sie auch mehr kann als die einstudierten Schritte nachtanzen. Die Freude über die Chance hält jedoch nicht lange, denn Nina leidet zunehmendes unter dem immensen Druck, den sie sich selbst aussetzt. Immer häufiger sieht sie Dinge, die gar nicht da sind. Oder doch? Nina erlangt den Punkt, an dem sie nicht mehr weiß wo ihr der Kopf steht, in der Realität und (Alp)Traum unmerklich ineinander verschwommen sind. Ist es Einbildung, oder steckt doch mehr dahinter?
Im Prinzip ist „Black Swan“ der gleiche Film wie „The Wrestler“, denn beide Filme handeln in erster Linie von zwei zerstörenden Branchen und zwei zerstörten Persönlichkeiten. Im Detail gehen beide Filme aber natürlich komplett verschiedene Wege. So ist Aronofskys neuer Film nicht nur ein doppelbödiges Drama, sondern auch ein psychologischer Thriller mit Horroreinschlag. Erstaunlich: trotz der Tatsache, dass Aronofsky schon früh sehr genaue Hinweise gibt, in welche Richtung „Black Swan“ laufen wird, was hinter den seltsamen Kratzspuren auf Ninas Rücken und ihren Einbildungen steckt, ist der Film keine Minute lang langweilig. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Geschichte, so durchschaubar sie auch sein mag, unglaublich packend inszeniert, ohne das man es nötig hat den ruhigen Erzählfluss zu unterbrechen und auf große Gesten zurückzugreifen. Zum anderen ist Hauptdarstellerin Natalie Portman („Leon – Der Profi“, „Hautnah“) so unglaublich gut in ihrer Rolle der Nina, das es einem geradezu erschaudernd den Rücken runterläuft, wenn man sieht und hört wie ihre Knochen beim Training knacksen, wie sie unter ihrer krankhaft liebenden Mutter (Barbara Hershey, „Hannah und ihre Schwestern“) oder ihrem Verfolgungswahn leidet. Natürlich ist die ohnehin schon sehr zierliche Portman die Idealbesetzung der zerbrechlich wirkenden Nina, zudem forderte noch keine Rolle so sehr sämtliche Reserven der jungen Schauspielerin heraus, wie es in „Black Swan“ der Fall ist. Doch was sie hier raus holt, dasist schlichtweg brillant.
Auch die restliche Besetzung dürfte Cineasten Herzen höher schlagen lassen, allerdings merkt man sehr deutlich um wen der Film aufgebaut wurde. So schafft Vincent Cassel („Public Enemy No. 1“, „Irreversibel“) als überheblicher Theaterregisseur den Spagat beim Publikum sowohl Abscheu, als auch Charme hervorzurufen, Winona Ryder („Meerjungfrauen küssen besser“, „Betty und ihre Schwestern“) als gefallener (Ballett) Star funktioniert wenig überraschend gut und ist dementsprechend auch sehr glaubwürdig gespielt und Mila Kunis („The Book of Eli“, „Max Payne“) als erotische Femme fatale Variante passt natürlich schon alleine vom Aussehen her perfekt. Und doch stiehlt niemand Nataie Portman die Show. Denn was sie auf die Leinwand bringt, das ist schon ein verdammt intensives Schauspielkunststück, wie man es nicht allzu häufig erlebt.
„Black Swan“ erweist sich aber auch für Darren Aronofsky als perfekter Spielplatz zum austoben. Denn dadurch, das sich der Film nicht auf ein Genre festgelegt hat, hat der Regisseur sehr großen Spielraum für inszenatorische Feinheiten und audiovisuelle Tricks bekommen, die er auch munter anwendet wo es nur geht. Zwar ist „Black Swan“ von Anfang bis Ende fehlerfrei durchkomponiert, trotzdem wirkt es nie so als hätte es Aronofsky mit den technischen und dramaturgischen Kniffen übertrieben. Im Gegenteil. Das alles wirkt nämlich so feinfühlig platziert, so gut getimt, das es schon ein bisschen unheimlich anmutet. Vor allem der Score von Aronofskys Stammkomponisten Clint Mansell („Requiem for a Dream“, „Moon“) hat es wirklich in sich, denn wie dieser das Hauptthema des „Schwanensee“ interpretiert, ist schon eine Klasse für sich.
„Black Swan“ ist klassisches Kino, wie es sein sollte. Es ist spannendes, forderndes, schmerzhaftes Kino, welches zwar oft sehr durchsichtig, aber trotzdem ungemein fesselnd ist. Vor allem ist es aber auch ein klassischer Schauspielfilm, der seiner Hauptdarstellerin sämtliche Facetten abfordert, und als Dank eine eindringliche Darbietung von Natalie Portman bekommt. Das der Film hier und da kleinere Schwächen aufweist, will man Angesichts dieser wuchtigen Darbietung gerne verleumden.
Daten zum Film:
Originaltitel: Black Swan (USA, 2010)
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Natalie Portman (Nina Sayers), Mila Kunis (Lily), Vincent Cassel (Thomas Leroy), Barbara Hershey (Erica Sayers), Winona Ryder (Beth Macintyre), Benjamin Millepied, (David) Ksenia Solo (Veronica)...
7/10
55 Bewertungen, 13 Kommentare
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16.03.2012, 10:01 Uhr von dadolger
Bewertung: sehr hilfreichKlasse
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08.07.2011, 13:27 Uhr von Lucky130
Bewertung: sehr hilfreichIch fand den wirklich nicht sooo toll!
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07.07.2011, 00:14 Uhr von pontiaclilly
Bewertung: besonders wertvolldanke für den Tipp, werde ihn mir jetzt doch mal ansehen, lg
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05.07.2011, 12:33 Uhr von Ibizagirl1977
Bewertung: sehr hilfreichSH, Vielen Dank und Liebe Grüße Sonja
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03.07.2011, 21:18 Uhr von tina08
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße ... Tina
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02.07.2011, 22:48 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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27.06.2011, 12:14 Uhr von mima007
Bewertung: besonders wertvollbw. Viele Gruesse, mima007
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27.06.2011, 10:40 Uhr von edelcat
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse, Edeltraud
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26.06.2011, 14:03 Uhr von feliciano2009
Bewertung: sehr hilfreichwerd ich mir mal ansehen
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26.06.2011, 12:25 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichLG und schönen Sonntag!
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26.06.2011, 12:16 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichDu liest bei mir, ich bei Dir. So macht Yopi auch Spass. Einen schönen Sonntag und LG cleo1
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26.06.2011, 12:09 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichKATJA wünscht dir einen schönen Sonntag
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26.06.2011, 11:53 Uhr von NsDiNe
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche Dir einen schönen Sonntag! Lg NsDiNe
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