Rubber (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
Zu diesem Film habe ich nicht einmal eine Meinung (finden können).
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Man stelle sich folgendes Szenario vor:
Ein Auto fährt Stühle, die absichtlich slalomartig aufgestellt wurden, rigoros um, stoppt vor einem Buchhalter (Jack Plotnick), der zig Ferngläser in der Hand hält, um schlussendlich einen weiteren Kerl (Stephen Spinella) aus dem Kofferraum steigen zu lassen, der sich vom Fahrer erstmal einen Becher Wasser geben lässt. Sodann startet dieser mit direkten Blick in die Kamera einen Monolog, der sich direkt an den Zuschauer richtet:
„Jeder große Film enthält das Element reine Willkür. Der Film, den Sie gleich sehen, ist eine Hommage an die reine Willkür.“
Wer an dieser Stelle noch nicht verdutzt genug ist, der kann sodann beobachten, wie eine Gruppe Menschen via der vorgenannten Ferngläser einen Autoreifen (Robert), der in der Wüste aufwacht, beobachtet.
Richtig, einen Autoreifen.
Die Selbstveralberung, die
===“Rubber“=== von Anfang an offenlegt, lässt sich kinderleicht an dem Gespräch
„Ist das langweilig!“
„Jetzt warte doch erst einmal ab!“
erkennen, während ich durchaus dazu sagen möchte, dass generell die allseits bekannte Kinosituation nahezu seziert wurde. Diverse Dialoge zwischen den Zuschauern dürften den Filmgucker nur allzu bekannt vorkommen, mäkeln die Fernglashalter über diverse Details, über Dauerkommentierer und sogar einem Teilnehmer, der angeblich nicht weiß, das es verboten ist, Filme mit der Kamera aufzunehmen und anschließend der daheimgebliebenen Ehefrau vorzuführen.
Tatsächlich empfand ich selbst es schon irgendwie bedenklich, dass ich rasch begann, mich in den Reifen hineinzudenken. In einen Reifen!
Nichtsdestominder kommt in „Rubber“ durchaus herüber, wie jener Reifen sich ausprobiert; erst eine Plastikflasche, dann einen Skorpion zerquetscht und schließlich telekinetische Fähigkeiten einsetzt, um alles, was sich ihm in den Weg stellt, regelrecht explodieren zu lassen.
Die Beschreibung „Horrorkomödie“ trifft es meines persönlichen Empfindens eher ganz und gar nicht ~ obschon Blut fliest respektive Köpfe zerbersten, tut sich keineswegs eine gruselige Stimmung auf. Lustig ist es ebenfalls nicht, maximalst auf eine diffus-skurile Art und Weise.
Ohnehin habe ich nicht den Deut einer Ahnung, ob der Macher wirklich eine Hommage kredenzen oder den Zuschauer einfach nur veralbern wollte. Faszinierend gestaltet sich „Rubber“ allerdings wirklich ~ genauer gesagt gestaltet sich die Handlung als so doof, dass man gar nicht anders kann, als den Film entweder nach 15min abzubrechen oder bis zum Ende, welches irgendwie an den alten „Herbie“-Streifen rund um Oma Steinmetz erinnert, stoisch auf den Bildschirm zu glotzen.
Nahezu genial gestaltet sich der Aspekt, dass der Autoreifen die Verfolgung der jungen Sheila (Roxane Mesquida) aufnimmt, diese beim duschen beobachtet und einer der zuschauenden Männer seinem Sohn aufgrund der Nacktszene das Fernglas aus der Hand reißt. Putzig vor allem jene Momente, in denen sich der Reifen eine Dusche gönnt oder sich mitunter eine entzückende Schildkrötensendung im TV ansieht.
Über ihn geäußerte Sätze wie
„Er wirkt irgendwie misstrauisch“
begeistern mich persönlich für wahr; ob oder gerade weil sie so absurd sind. Generell legt „Rubber“ es nicht gerade auf die nervenzerfetzende Atmosphäre an: wie sehr die Grenze zwischen „die Leute in der Wüste gucken nur einen Film, somit ist nichts echt“ und dem weiteren Verlauf zu zerfließen beginnt, gibt dem 80minütigenWunderwerk eine Wendung und sogar Tiefe, die hier dringend notwendig war.
So gerne man manchen Dialogen, Wortwitzen und platten Gags auch lauscht ~ dass „Rubber“ alles andere als durchgehend anspruchsvoll ist, liegt naturgemäß auf der Hand.
Erwähnenswert meiner Meinung nach jener Aspekt, dass diverse Klischees bedient werden, diese sich in dem Gesamtkonzept jedoch durchaus als gelungen erweisen: beispielsweise gibt es hier den jungen Zach (Remy Thorne), der seinem Vater ( David Bowe) gegenüber äußert, den Mörder des Zimmermädchens (Tara Jean O'Brien) entlarvt zu haben, was dieser seinem Sohn jedoch alles andere als glauben mag. Gut, in jenem Kontext aka _„der Reifen lebt“ wäre eine sofortige Überzeugung generell eher absonderlich ~ doch gleichermaßen weiß man, dass auch die Polizei die Aussage des Jungen eher belächelt. Und irgendwie will man hier auch gar nichts anders sehen.
Dass die Handlung generell die eingangs erwähnte These, das allzu viele erfolgreiche Filme auf absolut willkürlichen Szenen basieren, zu untermauern gedenkt und dabei an für sich sogar recht überzeugend agiert... das muss Ideenhaber und one-man-for-all-Umsetzer Quentin Dupieux (verantwortlich für Regie, Drehbuch, Kameraführung sowie Musikauswahl) erst einmal jemand nachmachen.
Storyknack- und Wendepunkt ist jener, dass der Film im Film so lange weiterlaufen muss, bis auch der letzte Zuschauer von dannen gezogen ist. Dabei hat Lieutenant Chad die Rechnung allerdings ohne den bodenständigen Mann im Rollstuhl (Wings Hauser) gemacht, der sogar dazu übergeht, sich bei diesem über die ein oder andere Unlogik nebst gefühlter Handlungslänge zu beschweren. Statt wie geplant nach Ablauf der geplanten Spielzeit der gesamte Trupp nach hause gehen kann, muss der Reifen des Todes nunmehr tatsächlich eliminiert werden ~ wer will, kann sich somit gut und gerne ein paar philosophische Gedanken aka _„Sophies Welt“_ machen: Wieso weitermachen, wenn niemand mehr zusieht? Und was geschieht, wenn unserem Dasein keiner mehr zusieht? Hören wir dann auf, eine Rolle zu spielen? Wenn ja, in wie vielen Interpretationsmöglichkeiten dieser Frage?
Kann man, wenn man will, muss man aber nicht. Obschon der Umstand, dass Chad hier und dort beweist, wie unecht das Ganze ist, durchaus zum Grübeln einlädt. Bedauerlicherweise legte der Macher jenen Faden wieder aus der Hand, um auf andere Art und Weise weiterzustricken.
Durchgehende Figurentiefe, Hintergründe oder gar nur genannte Namen braucht der Interessierte von _„Rubber“_ indes nicht zu erwarten: was auch immer der unkategosierbare Film uns zu sagen versucht, das schafft er ~ wenn überhaupt ~ lediglich auf der oberflächlichen Basis.
===Summa summarum=== empfand ich es als recht liebenswert, das der Reifen sogar einen Namen bekam. Dieser wird logischerweise im Film nicht genannt, da das Gummigeröll nicht sprechen kann ~ doch der rückwärtige DVD-Text weiß diesen wunderbar einzuflechten.
Die DVD selbst versucht, den Gucker mit diversen Interviews zu ködern: doof nur, dass ich hier sogar mal einen Blick drauf werfen wollte, es aber nicht sonderlich prickelnd finde, Quentin Dupieux'ens Antworten in (natürlich gewollter) Spiegelschrift lesen zu müssen.
Die weiteren Interviews (mit Stephen Spinella, Roxane Mesquida sowie Jack Plotnick), trailer und teaser habe ich mir ebenfalls nicht angesehen.
Was ich indes von _„Rubber“_ selbst halte... es tut mir leid, ich weiß es nicht.
Einerseits bin ich froh, mir diese DVD nicht selbst gekauft zu haben, andererseits ist der Film so schrullig, dass er eigentlich in keiner durchgeknallten Sammlung fehlen sollte.
_„Rubber“_ ist weder wirklich spannend, reißt die Laufzeit mit einer eigentümlichen Stimmung herunter, involviert weiterhin nicht nur die ein oder andere Absonderlichkeit, sondern gestaltet sich insgesamt eher fragwürdig, unlogisch, inkonsequent, sich selbst widersprechend und mit einem recht lieblosen Ende ausgestattet.
Ausgehend von der Tatsache, dass ich persönlich sicherlich noch etliche Lebenszeiten damit verbringen werde, aus einer Mischung von Faszination und Fassungslosigkeit über dieses Filmschauspiel verstört den Kopf zu schütteln... daran lässt sich unbestreitbar erkennen, dass „Rubber“ eben doch irgendetwas richtig gemacht hat.
Ein Auto fährt Stühle, die absichtlich slalomartig aufgestellt wurden, rigoros um, stoppt vor einem Buchhalter (Jack Plotnick), der zig Ferngläser in der Hand hält, um schlussendlich einen weiteren Kerl (Stephen Spinella) aus dem Kofferraum steigen zu lassen, der sich vom Fahrer erstmal einen Becher Wasser geben lässt. Sodann startet dieser mit direkten Blick in die Kamera einen Monolog, der sich direkt an den Zuschauer richtet:
„Jeder große Film enthält das Element reine Willkür. Der Film, den Sie gleich sehen, ist eine Hommage an die reine Willkür.“
Wer an dieser Stelle noch nicht verdutzt genug ist, der kann sodann beobachten, wie eine Gruppe Menschen via der vorgenannten Ferngläser einen Autoreifen (Robert), der in der Wüste aufwacht, beobachtet.
Richtig, einen Autoreifen.
Die Selbstveralberung, die
===“Rubber“=== von Anfang an offenlegt, lässt sich kinderleicht an dem Gespräch
„Ist das langweilig!“
„Jetzt warte doch erst einmal ab!“
erkennen, während ich durchaus dazu sagen möchte, dass generell die allseits bekannte Kinosituation nahezu seziert wurde. Diverse Dialoge zwischen den Zuschauern dürften den Filmgucker nur allzu bekannt vorkommen, mäkeln die Fernglashalter über diverse Details, über Dauerkommentierer und sogar einem Teilnehmer, der angeblich nicht weiß, das es verboten ist, Filme mit der Kamera aufzunehmen und anschließend der daheimgebliebenen Ehefrau vorzuführen.
Tatsächlich empfand ich selbst es schon irgendwie bedenklich, dass ich rasch begann, mich in den Reifen hineinzudenken. In einen Reifen!
Nichtsdestominder kommt in „Rubber“ durchaus herüber, wie jener Reifen sich ausprobiert; erst eine Plastikflasche, dann einen Skorpion zerquetscht und schließlich telekinetische Fähigkeiten einsetzt, um alles, was sich ihm in den Weg stellt, regelrecht explodieren zu lassen.
Die Beschreibung „Horrorkomödie“ trifft es meines persönlichen Empfindens eher ganz und gar nicht ~ obschon Blut fliest respektive Köpfe zerbersten, tut sich keineswegs eine gruselige Stimmung auf. Lustig ist es ebenfalls nicht, maximalst auf eine diffus-skurile Art und Weise.
Ohnehin habe ich nicht den Deut einer Ahnung, ob der Macher wirklich eine Hommage kredenzen oder den Zuschauer einfach nur veralbern wollte. Faszinierend gestaltet sich „Rubber“ allerdings wirklich ~ genauer gesagt gestaltet sich die Handlung als so doof, dass man gar nicht anders kann, als den Film entweder nach 15min abzubrechen oder bis zum Ende, welches irgendwie an den alten „Herbie“-Streifen rund um Oma Steinmetz erinnert, stoisch auf den Bildschirm zu glotzen.
Nahezu genial gestaltet sich der Aspekt, dass der Autoreifen die Verfolgung der jungen Sheila (Roxane Mesquida) aufnimmt, diese beim duschen beobachtet und einer der zuschauenden Männer seinem Sohn aufgrund der Nacktszene das Fernglas aus der Hand reißt. Putzig vor allem jene Momente, in denen sich der Reifen eine Dusche gönnt oder sich mitunter eine entzückende Schildkrötensendung im TV ansieht.
Über ihn geäußerte Sätze wie
„Er wirkt irgendwie misstrauisch“
begeistern mich persönlich für wahr; ob oder gerade weil sie so absurd sind. Generell legt „Rubber“ es nicht gerade auf die nervenzerfetzende Atmosphäre an: wie sehr die Grenze zwischen „die Leute in der Wüste gucken nur einen Film, somit ist nichts echt“ und dem weiteren Verlauf zu zerfließen beginnt, gibt dem 80minütigenWunderwerk eine Wendung und sogar Tiefe, die hier dringend notwendig war.
So gerne man manchen Dialogen, Wortwitzen und platten Gags auch lauscht ~ dass „Rubber“ alles andere als durchgehend anspruchsvoll ist, liegt naturgemäß auf der Hand.
Erwähnenswert meiner Meinung nach jener Aspekt, dass diverse Klischees bedient werden, diese sich in dem Gesamtkonzept jedoch durchaus als gelungen erweisen: beispielsweise gibt es hier den jungen Zach (Remy Thorne), der seinem Vater ( David Bowe) gegenüber äußert, den Mörder des Zimmermädchens (Tara Jean O'Brien) entlarvt zu haben, was dieser seinem Sohn jedoch alles andere als glauben mag. Gut, in jenem Kontext aka _„der Reifen lebt“ wäre eine sofortige Überzeugung generell eher absonderlich ~ doch gleichermaßen weiß man, dass auch die Polizei die Aussage des Jungen eher belächelt. Und irgendwie will man hier auch gar nichts anders sehen.
Dass die Handlung generell die eingangs erwähnte These, das allzu viele erfolgreiche Filme auf absolut willkürlichen Szenen basieren, zu untermauern gedenkt und dabei an für sich sogar recht überzeugend agiert... das muss Ideenhaber und one-man-for-all-Umsetzer Quentin Dupieux (verantwortlich für Regie, Drehbuch, Kameraführung sowie Musikauswahl) erst einmal jemand nachmachen.
Storyknack- und Wendepunkt ist jener, dass der Film im Film so lange weiterlaufen muss, bis auch der letzte Zuschauer von dannen gezogen ist. Dabei hat Lieutenant Chad die Rechnung allerdings ohne den bodenständigen Mann im Rollstuhl (Wings Hauser) gemacht, der sogar dazu übergeht, sich bei diesem über die ein oder andere Unlogik nebst gefühlter Handlungslänge zu beschweren. Statt wie geplant nach Ablauf der geplanten Spielzeit der gesamte Trupp nach hause gehen kann, muss der Reifen des Todes nunmehr tatsächlich eliminiert werden ~ wer will, kann sich somit gut und gerne ein paar philosophische Gedanken aka _„Sophies Welt“_ machen: Wieso weitermachen, wenn niemand mehr zusieht? Und was geschieht, wenn unserem Dasein keiner mehr zusieht? Hören wir dann auf, eine Rolle zu spielen? Wenn ja, in wie vielen Interpretationsmöglichkeiten dieser Frage?
Kann man, wenn man will, muss man aber nicht. Obschon der Umstand, dass Chad hier und dort beweist, wie unecht das Ganze ist, durchaus zum Grübeln einlädt. Bedauerlicherweise legte der Macher jenen Faden wieder aus der Hand, um auf andere Art und Weise weiterzustricken.
Durchgehende Figurentiefe, Hintergründe oder gar nur genannte Namen braucht der Interessierte von _„Rubber“_ indes nicht zu erwarten: was auch immer der unkategosierbare Film uns zu sagen versucht, das schafft er ~ wenn überhaupt ~ lediglich auf der oberflächlichen Basis.
===Summa summarum=== empfand ich es als recht liebenswert, das der Reifen sogar einen Namen bekam. Dieser wird logischerweise im Film nicht genannt, da das Gummigeröll nicht sprechen kann ~ doch der rückwärtige DVD-Text weiß diesen wunderbar einzuflechten.
Die DVD selbst versucht, den Gucker mit diversen Interviews zu ködern: doof nur, dass ich hier sogar mal einen Blick drauf werfen wollte, es aber nicht sonderlich prickelnd finde, Quentin Dupieux'ens Antworten in (natürlich gewollter) Spiegelschrift lesen zu müssen.
Die weiteren Interviews (mit Stephen Spinella, Roxane Mesquida sowie Jack Plotnick), trailer und teaser habe ich mir ebenfalls nicht angesehen.
Was ich indes von _„Rubber“_ selbst halte... es tut mir leid, ich weiß es nicht.
Einerseits bin ich froh, mir diese DVD nicht selbst gekauft zu haben, andererseits ist der Film so schrullig, dass er eigentlich in keiner durchgeknallten Sammlung fehlen sollte.
_„Rubber“_ ist weder wirklich spannend, reißt die Laufzeit mit einer eigentümlichen Stimmung herunter, involviert weiterhin nicht nur die ein oder andere Absonderlichkeit, sondern gestaltet sich insgesamt eher fragwürdig, unlogisch, inkonsequent, sich selbst widersprechend und mit einem recht lieblosen Ende ausgestattet.
Ausgehend von der Tatsache, dass ich persönlich sicherlich noch etliche Lebenszeiten damit verbringen werde, aus einer Mischung von Faszination und Fassungslosigkeit über dieses Filmschauspiel verstört den Kopf zu schütteln... daran lässt sich unbestreitbar erkennen, dass „Rubber“ eben doch irgendetwas richtig gemacht hat.
29 Bewertungen, 1 Kommentar
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30.12.2011, 12:32 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima beschrieben. LG und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
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