Rubber (DVD) Testbericht

Rubber-dvd-horrorfilm
ab 25,30
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Riesenkeks

Wie ein Vernichtungslager für Reifen*

3
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Altersgruppe:  keine Angabe
  • Meinung bezieht sich auf:  DVD-Version

Pro:

humorvoll, irgendwie emotional, satirisch, Willkür (?)

Kontra:

irgendwie auch langweilig; Genrezuschreibung fällt schwer

Empfehlung:

Ja

*leicht verändertes Zitat meines Mitguckers über eine Szene, in der man einen brennenden Reifenberg sieht.

StoryRobert hinterlässt eine blutige Spur auf seinem Weg durch die Wüste. Nicht nur Krähen, Kaninchen [Kanine] und Skorpione müssen dran glauben, wenn sie ihm begegnen, sondern auch rücksichtslose Autofahrer, die ihn angefahren haben, Dienstmädchen, die ihn einfach während des Duschens aus dem Motelzimmer werfen und Polizisten, die ihn aufhalten wollen.
Er scheint nur ein Ziel zu kennen: In Sheilas Nähe zu sein - und wer sich ihm in den Weg stellt, muss eben dran glauben.
Soweit, so gut.
Klingt nach einem normalen Serienmörderfilm, nicht wahr?
Was passiert, wenn ich erwähne, dass Robert aber kein Mann im jüngeren oder mittleren Alter ist, sondern ein... Autoreifen?
Ja, werter Leser, Sie haben richtig gelesen: Ein mordender Reifen zieht durch die Wüste und bringt Leute um.
Beobachtet wird er dabei aus sicherer Entfernung von einem kleinen, bunt gemischten Haufen neugieriger Zuschauer mittels Fernglas.
Umsetzung
Klingt nach Trash-Horror? - Ja. Klingt so. Allerdings handelt es sich dabei nicht um reinen Trash, sondern auch um ein durchaus mehr oder weniger intelligentes Spiel mit dem Medium Film, indem immer wieder darauf verwiesen wird, dass Filme Gemachtes sind und ein großes Element darin die reine Willkür sei.

Dies geschieht nicht nur, indem man schon direkt am Anfang in einer durchaus skurillen Szene erklärt bekommt, dass das, was man (und die Zuschauer im Film) im Folgenden zu sehen bekomme, eine Hommage an die reine Willkür sei, sondern auch, indem man selbst ein wenig die Rolle der im Film befindlichen Zuschauer einnimmt.
Was ich damit meine? - Nun, die kleine Gruppe ist offenbar gleichzusetzen mit den "normalen" Zuschauern im Film. Dies merkt man spätestens dann, wenn sie aufgefordert werden, ruhig zu sein oder jemand darauf hingewiesen wird, dass das Filmen des Geschehens illegal sei.
Immer wieder wird deutlich, dass das Medium Film nur dann funktioniert, wenn jemand da ist, der zusieht. Selbst, wenn nur eine Person übrig bleibt - die Fiktion muss aufrecht erhalten werden oder wird von sich aus aufrecht erhalten. Oder so.
Der Film bietet also durchaus einiges an Interpretationsspielraum, den ich hier nicht ausschöpfen werde, weil ich dabei zu viel spoilern würde.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass der Film nicht bloß stumpfsinnig ist, sondern zum Nachdenken herausfordert.
Hier nur ein paar Punkte:
1. Kann man dem Publikum jeden beliebigen Mist vorsetzen? Wird er gesehen werden?
2. Wenn ja: Warum?
3. Wieso sind wir, die nicht nach ein paat Minuten abgeschaltet haben, ein Mann im Rollstuhl?
4. Können wir Einfluss auf das Geschehen nehmen?
5. Ist das wirklich reine Willkür, die einem da gezeigt wird?
6. Bedeutet das Ende das, was wir alle denken?


Natürlich funktioniert ein solches Spiel mit dem Publikum nur dann, wenn man das Ganze ein wenig amüsant darbietet, denn sonst wäre einem schon nach wenigen Minuten furchtbar langweilig.
Interessanterweise gibt es allerdings mehr als eine Person, die den Film nach einigen Minuten tatsächlich schon extrem langweilig findet und keinen Bezug zu ihm aufbaut.
Ich persönlich finde die teils sehr schön absurden Situationen aber wirklich amüsant und kann mich über Szenen, in denen beispielsweise die Täterbeschreibung erfolgt und die Nachfrage kommt, ob es sich um einen schwarzen Reifen handelt, durchaus beömmeln.
Gut, es gibt auch einfach nur dämliche Dinge, die auch mich nicht wirklich bewegen, aber amüsante Momente sind durchaus vorhanden und gar nicht mal so selten, wie man denkt.

Auch die Gefühlswelt des Reifens kommt nicht zu kurz.
Tatsächlich kann man beobachten, wie der Reifen Rache verübt - aber sich auch verliebt oder regelrecht geschockt ist, wenn er an einem brennenden Reifenberg vorbeikommt.
Natürlich hat so ein Reifen nicht die gleichen Möglichkeiten wie ein gewöhnlicher Schauspieler, der beispielsweise mittels Mimik viel ausdrücken kann. Aber hier gibt es dann so etwas wie unsichere Bewegungen, neugierige Bewegungen und eben auch das Stilmittel Musik , mit der man naturgemäß viel Inhalt transportieren kann.
Außerdem erfährt man, dass der Reifen nicht einfach wahllos vor sich hinmordet, denn es gibt durchaus Leute, die ihm begegnen und diese Begegnung überleben.

Die "anderen" Schauspieler sind mir persönlich nicht oder nur vom Namen her bekannt.
Der Regissseur Quentin Dupieux hat die Rolle der Sheila beispielsweise mit der dunkelhaarigen, jung wirkenden Roxanne Mesquida besetzt. Sie ist eine nette Besetzung für die Rolle, wirkt auf mich persönlich aber ein bisschen blass im schauspielerischen Bereich, so dass sie keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlässt.
Jack Plotnick in der Rolle des merkwürdigen Buchhalters sagt mir da schon mehr zu, denn er spielt so skurill überzeugend, dass es wahrlich eine Freude ist, ihm zuzusehen. Auch sein Synchronsprecher ist hier lobend hervorzuheben.
Stephen Spinella spielt den Lieutenant Chad ebenfalls herrlich schön und absolut überzeugend.

Die DVD
Hier gibt es nichts zu meckern - oder nicht viel zu meckern.
Man könnte etwas gegen die Unsitte haben, dass hier Trailer laufen, bevor das Menü sich öffnet, aber mich persönlich stört das nicht, weil man die wegskippen kann. Außerdem ist zumindest der erste von ihnen (für Four Lions) ganz nett. Das Menü ist übersichtlich, die Einstellungen ausreichend, Bild und Ton sind auch in Ordnung.

Extras sind natürlich auch drauf:
So kann man sich einen Trailer ansehen, einen Teaser und verschiedene Interviews mit dem Regisseur und den Schauspielern. Ehrlich gesagt habe ich die nicht angesehen, denke aber (das Reinzappen hat mich zu folgender Aussage verleitet), dass sich die Interviews für Interessierte durchaus lohnen dürften.

Fazit
Ich persönlich bin froh, den Film gekauft zu haben, denn ich finde ihn auf merkwürdige Weise langweilig und interessant/amüsant zugleich.
Er zieht sich stellenweise ein wenig, soll das ja aber vielleicht sogar und es ist faszinierend zu sehen, dass man sogar mit einem Reifen als Hauptperson mitleiden kann.
Was die Sternenvergabe angeht, bin ich aber ratlos, weil ich zwischen drei und vier Sternen schwanke.

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=75ZfVG2sggs

15 Bewertungen, 3 Kommentare

  • goat

    05.08.2013, 21:36 Uhr von goat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Freue mich sehr über Gegenlesungen. LG Melanie

  • anonym

    05.08.2013, 11:28 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Robert ist großartig :)

  • Little-Peach

    05.08.2013, 00:23 Uhr von Little-Peach
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH :) & liebe Grüße