Das Hausmädchen (DVD) Testbericht

D
Das-hausmaedchen-dvd-drama
ab 9,34
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von atrachte

Dekadenz

Pro:

siehe Bericht,

Kontra:

siehe Bericht,

Empfehlung:

Ja

Schnelle Schnitte, farbenfrohe Bilder, glückliche Menschen – und dann der große Knall. Irgendwo in einer südkoreanischen Großstadt stürzt sich eine junge Frau von einem Hausdach. Schnell laufen schockierte Passanten zu ihr hin, rufen um Hilfe. Manche wenden sich aufgrund des Anblicks ab, andere starren geradezu lethargisch auf die Szenerie, sehen in ihr vielleicht gar ein bizarres Amüsement. Wer die junge Frau war und warum sie den Freitod wählte, das wird niemals erklärt. Doch eines steht für den geneigten Zuschauer von „Das Hausmädchen“ sofort fest: der Prolog von Sang-soo Ims („Eine Familie geht fremd“) düsteren Thriller ist eine Vorwegnahme dessen was folgen wird. Man hat bereits das unwohle Gefühl, das Ende des Filmes zu kennen. Doch wen wird das grausame Schicksal erleiden?

Cut, Stilwechsel. Prunkvolle, mit Marmor verzierte Räume, hohe Decken mit extravaganten Kronleuchtern und eine Kamin-Installation, die geradezu vor Größenwahn zeugt. Doch irgendwie wirkt das durchdesignte Haus, welches auf dem ersten Blick für viele wohl ein nie wahr werdender Traum wäre, auch klinisch kalt, ohne jegliche Eigenart der Besitzer. Wie eine errichtete Fassade, in der Menschen leben. Für die junge, leicht naive Eun-Yi (Jeon Do-yeon) stellt das teure Anwesen des Ehepaars Hoon (Lee Jung-jae) und Hae Ra (Seo Woo) den neuen Arbeitsplatz dar. Als Hausmädchen soll sie die schwangere Hae Ra unterstützen, sich um die kleine Nami (Seo-Hyeon Ahn) kümmern und der alteingesessenen Hausdienerin Byeong-Sik (Yeo-Jong Yun) unter die Arme helfen. Eun-Yi gefällt es in dem Anwesen, die Arbeit macht ihr Spaß und mit Nami versteht sie sich auch gut. Nach und nach kommt sie auch dem Hausherren Hoon näher, beide gehen eine Affäre miteinander ein. Doch diese wird das Leben des jungen Hausmädchens zerstören...

Die filmischen Vorbilder für das Remake des gleichnamigen südkoreanischen Filmklassikers von 1960 liegen deutlich auf der Hand, inszeniert Regisseur Sang-soo Im sein Werk doch wie eine Mixtur aus Claude Chabrol („Das Biest muss sterben“, „Das Blut der Anderen“) und Alfred Hitchcock („Psycho“, „Die Vögel“) Stilistiken und Kniffen. Nicht selten erinnert die Inszenierung von „Das Hausmädchen“ gar an ein Theaterstück, in welchem Täuschung, Hass und Niederträchtigkeit im Zentrum der Handlung stehen. Gleichzeitig versucht Im die Mechanismen zwischen Unter- und Oberschicht zu analysieren, insbesondere was die Hörigkeit der einen, gegenüber der anderen Klasse angeht – eine Problematik, die in Südkorea noch immer sehr aktuell ist, und in westlichen Gefilden oftmals mit übertriebener Höflichkeit verwechselt wird. Stellvertretend für die untere Gesellschaftsschicht ist Eun-Yi, von Jeon Do-yeon („Secret Sunshine“, „No Blood No Tears“) als naiv-fröhliche, aber auch subtil erotische Figur angelegt, die ihren Arbeitgebern, zumindest zu Beginn, vollkommen hörig ist, und sich selbst dem Hausherren Hoon bedingungslos hingibt, sobald dieser geil vor ihr steht, weil er mit seiner hochschwangeren Frau nichts anfangen kann. Anders als noch im Original, in welchem das Hausmädchen durchgehend eine geradezu diabolische femme fatale war, ist sie in der Neuverfilmung das Opfer ihrer Arbeitgeber, schamlos ausgenutzt, und letztlich von diesen und ihren Intrigen vollkommen zerstört. Zwar begehrt sie gegen Ende auf, was schließlich auch in einem geradezu polemischen, aber seine Wirkung entfaltendem Finale endet, doch ist die Rollenverteilung sehr klar unterteilt. Die Hausherrin ist ein verwöhntes Gör, ihre Mutter geradezu Ekel erregend fies und Hausherr Hoon verhätschelt und daran gewöhnt zu bekommen, was er will. Byeong-Sik hingegen weiß nicht so recht auf wessen Seite sie stehen soll: auf der einen Seite arbeitet sie schon ihr Leben lang für die Familie und hat ihr einiges zu verdanken, auf der anderen Seite hasst sie es, den reichen Schnöseln zu dienen. Einzig und allein Nami ist ein rein guter Charakter, noch vollkommen ungeprägt von den Allüren ihrer Eltern.

Diese überspitzt gespielte Konstellation birgt in sich ein ungemein großes Potential, was man hin und wieder auch erkennt, wenn der Regisseur seine Protagonistin mit geradezu perfider Naivität ins offene Messer laufen lässt. Leider sind solche großen Momente in „Das Hausmädchen“ aber doch sehr überschaubar. Denn Sang-soo Im gelingt es über weite Strecken nicht, dem Film die Brisanz des Originals einzuverleiben, zumal fehlt es dem ganzen an emotionaler Tragweite. Denn so gemein die Repressalien gegen Eun-Yi auch sind, man tut sich doch ungemein schwer, mit der Hauptakteurin zu leiden und ihr Empathie gegenüber zu bringen. Andererseits mögen die unterkühlten Figuren auch als finale Metapher für eine Gesellschaft herhalten, die sich immer weiter von einer großen Gemeinschaft, in einzelne, auf das eigene Wohl bedachte Individuen entfernt. Dies suggerieren im übrigen auch die hochstilisierten Bilder des Filmes, welche oftmals etwas geradezu betörend schönes haben, gleichzeitig aber auch etwas kaltes und geradezu abstoßendes beherbergen. Reichtum – so scheint der Regisseur sagen zu wollen – ist schön und gut. Doch er, und die aus ihm entstehende Macht anderen gegenüber, birgt auch die Gefahr, dass menschliche zu zerstören. Im Film heißt es einmal „Sie sind grausam. Deshalb sind sie reich“. Das mag eine überspitze Aussage sein, birgt aber auch einen nicht gerade angenehmen Gehalt an Wahrheit.

Auch wenn der Film emotional zu unterkühlt ist, um sein Publikum vollends mitzureißen, so ist „Das Hausmädchen“ doch, vor allem aus optischer Sicht, ein nicht uninteressantes Stück Film, welches gerade Freunden von visuell reizvoller Cineastik sicherlich gefallen dürfte.
Daten zum Film:

Originaltitel: Hanyo (Südkorea, 2010)
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Regie: Sang-soo Im
Darsteller: Do-yeon Jeon (Eun-yi Li), Jung-Jae Lee (Hoon Goh), Seo Woo (Hae-ra), Yeo-Jong Yun (Byung-sik), Seo-Hyeon Ahn (Nami)...

6/10

74 Bewertungen, 18 Kommentare

  • dadolger

    16.03.2012, 10:10 Uhr von dadolger
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse

  • Volker111

    20.10.2011, 17:50 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    eine sehr ausführliche Filmkritik

  • anonym

    11.10.2011, 21:15 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • anonym

    06.10.2011, 16:28 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht.LG Quacky

  • hameln58

    04.10.2011, 03:09 Uhr von hameln58
    Bewertung: besonders wertvoll

    liebe Grüße...Gina

  • michiprimel

    03.10.2011, 12:12 Uhr von michiprimel
    Bewertung: besonders wertvoll

    Kann ich mir gut vorstellen.- L.G.

  • babyzicke

    02.10.2011, 16:24 Uhr von babyzicke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende! :)

  • tester4all

    02.10.2011, 15:40 Uhr von tester4all
    Bewertung: sehr hilfreich

    südkoreanische filme sind immer gut

  • severine

    29.09.2011, 12:59 Uhr von severine
    Bewertung: sehr hilfreich

    ------LG severine------

  • retilein

    29.09.2011, 01:53 Uhr von retilein
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein schöner bericht und lg

  • mima007

    28.09.2011, 12:08 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • cleo1

    27.09.2011, 14:41 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG cleo1

  • uhlig_simone@t-online.de

    27.09.2011, 13:38 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße v. Simone

  • titus01

    27.09.2011, 12:56 Uhr von titus01
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße...titus01

  • anonym

    27.09.2011, 12:21 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima beschrieben - über Gegenlesung würde ich mich sehr freuen. LG

  • katjafranke

    27.09.2011, 11:42 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß von der KATJA

  • goat

    27.09.2011, 10:48 Uhr von goat
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klasse vorgestellt. Der Film könnte etwas für mich sein.

  • sigrid9979

    27.09.2011, 10:09 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und einen schönen Tag