Melancholia Testbericht

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ab 8,99
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Erfahrungsbericht von schredderjo

Melancholie

Pro:

Sehr schöne Bilder, interessanter Kontext, Schauspielerische Leistung : Kirsten Dunst (Nackt)

Kontra:

Man geht verstörrt aus dem Film hinaus, meist monotone Handlung

Empfehlung:

Ja

Filmdaten:
Deutscher Titel: Melancholia, Produktionsland: Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland, Originalsprache: Englisch Erscheinungsjahr: 2011 Länge 130 Minuten

Stab :

Regie: Lars von Trier, Drehbuch: Lars von Trier, Produktion: Meta Louise Foldager,
Louise Vesth Kamera Manuel Alberto Claro Schnitt: Molly Malene Stensgaard,
Besetzung
• Kirsten Dunst: Justine
• Alexander Skarsgård: Michael
• Kiefer Sutherland: John
• Charlotte Gainsbourg: Claire
• Charlotte Rampling: Gaby
• John Hurt: Dexter
• Udo Kier: Hochzeitsplaner


Einleitung:

Der neue Film von Lars Trier, dem dänischen Regisseur und Garanten des niveauvollen Kinos, der unter anderem Regie in 'Dogville' und der 'Antichrist' führte, meldet sich mit einem fulminanten Kino Epos namens 'Melancholia' zurück. Lars Trier sagte, die Arbeit an diesem Film habe ihn außerordentlich Spaß gemacht was man ihm ohne weiteres abnimmt, denn Melancholia schafft es in Triers typischer Manier, den Kinobesucher zu fesseln und zu verwirren.
Da die Handlung ohne wirklichen Spannungsbogen verläuft und die Attraktivität dieses Filmes nicht durch die Story, sondern sich durch die Bildkomposition und deren Interaktion mit der Handlungsstrukturierung ergibt, wird der rote Faden der Handlung von mir relativ ganzheitlich skizziert.
Inhalt

Prolog:

Der Film beginnt und man sieht Kirsten Dunst in Nahaufnahme ihr Gesicht ist sehr vieldeutig. Nun beginnen die Bilder in einer diffusen Abfolge den Geist des Kinobesuchers zu verwirren und zu entzücken. Die Braut Kirsten Dunst läuft über den Rasen eines einsamen Schlosses. An ihren Füßen sind die Wurzeln die Erde die ihre Schritte verlangsamen. Alles ist so still und ruhig, das Geschehnis in Slowmotion. Die Bild und Ton Komposition, vermittelt eine tiefe Melancholie. Eine Frau trägt ihr Kind, in ihrem Gesicht spiegelt sich Panik, sie sackt in das tiefe Gras ein. Das Licht verändert sich, was geschieht hier? Stille, dann Wechsel. Weltraum, ein großer Planet rast auf einen anderen, es wird laut, Kirsten Dunst hält inne, an ihren Fingern leuchtende Schlingeln, scheinbar magnetisch. Der Planet und die Erde nähern sich an, das Dröhen wird lauter- Kollision. Alles wird schwarz das Dröhnen ist nun ein lautes Brummen. Schwarz, still. Der Film beginnt doch zuerst der Titel in künstlerischen Lettern auf unschuldsweiß-geschrieben: Lars von Trier ‚Melancholia‘.

Erzählt wird die Geschichte in zwei chronologisch aufeinander folgenden Teilen (Parts) in denen die Geschehnisse aus der jeweiligen Perspektive der beiden Schwestern Justine (Kirsten Dunst) und Claire (Charlotte Gainsbourg) erzählt werden.

Part1:

Die depressive Justine feiert ihre pompöse Hochzeit mit ihrem Mann (Alexander Skarsgard) auf dem Schloss ihrer Schwester Claire und deren Gatten John (Kiefer Sutherland). Aufgrund einer für die Kurve des Schlossweges zu großen Stretch-Limo, verspätet sich das Brautpaar zu ihrer eigenen Hochzeit, und unter diesem schlechten Stern nimmt das Unglück seinen Lauf. Auf den ersten Blick scheint alles harmonisch, prachtvoll und das Brautpaar glückselig. Die Kulisse ist wunderschön und auch das Licht ist goldig. Doch nach den lieblosen Reden und Verhaltensweisen der Eltern Justines, beginnt diese Maskerade sich allmählich aufzulösen und die tiefe Traurigkeit, dessen Gründe nur suggeriert werden, werden Vordergründig. Eine Antisympathie gegen die Person Justine wird kreiert, was von dem Regisseur reflektiert wird; Claire erwähnt des Öfteren: „Manchmal hasse ich dich sosehr Sophie“. Besonders an diesem Part ist der Versuch der Darstellung des gesellschaftlichen Lebens. Die Themen Familie, Liebe Job, Erfolg Reichtum und Krankheit werden allesamt angeschnitten. Der Versuch das Leben in seinen Facetten, seiner Fülle und seinen abgründen der menschlichen Existenz herzustellen gelingt. Es lässt sich lediglich kritisieren, dass hiermit etwas wie ein Armageddon suggeriert wird, eine Sinnflut die die Erde und die menschliche Existenz auslöscht. Doch, dies ist nur eine der Fährten die man bei den Versuch der Interpretation aufnehmen könnte. Lars von Trier erlaubt in diesem Werk viele Interpretationsansätze, dies ist insofern interessant und geschickt da das Ende all jene Interpretationen überflüssig erscheinen lässt.

Part 2:

Der zweite Part der Geschichte beschäftigt sich verstärkt mit Claire. Einige Zeit nach der Hochzeit ist das Schloss zwar immer noch prachtvoll, erscheint aber nicht mehr im goldenen Glanze. Generell, ist die Lichtkomposition und die Stimmung düster. Claire die Ehefrau und Mutter eines Sohnes, ängstigt sich vor den Szenarien des „Pass-bys“ des Planeten Melancholias. Ihr Mann der sich mit Planetenkonstellation gut auskennt versichert ihr, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es zur Kollision kommt. Doch sie kann den Gedanken nicht loslassen und wirkt verstört. Justine zieht zur Schwester Claire aufs Schloss. Erstmals wird von Claire im Gespräch mit ihrem Manne beiläufig erwähnt, dass sie stark depressiv sei. Ihr Zustand hat sich verschlimmert und sie ist fast nur am Schlafen. Von der Fassade des Glücklichen, prachtvollen und reichen Lebens ist nichts übrig geblieben. Die Stunden vergehen und der Planet kommt näher. Die beiden männlichen Protagonisten, fassen dieses Ereignis als kindliche Neugier auf und denken nicht an die Möglichkeit einer Kollision. Justine ist eigentlich alles egal, doch sie ist sich sicher, dass sie der Planet treffen würde und sieht dies als gut an. Sie sagt desöfteren dass, das Leben schlecht sei und gibt sich fatalistisch. Die Stallpferde, die ab und an im Film ausgeritten werden, verhalten sich sehr unruhig in diesen Tagen. Sind aber am entscheidenden Tag relativ still. Haben auch sie wie Justine ihr Schicksal akzeptiert? Oder spüren sie, dass die Gefahr vorbei ist? Durch bestimmte Ereignisse und eine Erfindung des Mannes gelingt es Lars von Trier, die letzten und entscheidenden Abschnitte dramatisch zu gestalten.

Bildkomposition

Wie oben bereits erwähnt lebt dieser Film von seiner Farbpracht und seiner Bildkomposition. Speziell die Bilder des Prologs wären, würde man sie einfrieren, ein Kunstbild an sich. Die Szenerie die sich auf dem prachtvollen und einsamen, von der Natur umgebenen Schloss basiert harmonisiert wunderbar mit der Lichtgestaltung. Durch irgendeine Konstellation strahlt der Planet Melancholia ähnlich wie der Mond in düster-schönen Farbnuancen. Es entstehen Bilder von tiefer Schönheit und Aussagekraft. Generell wird auch sehr viel Subtext durch die Inhalts und Bildkomposition vermittelt. Wie bereits erwähnt ist der erste Part des Films, in dem von dem sich nähernden Planeten noch keine Rede ist (auch wenn Justine einen rötlichen hellen Stern am Firmament erspäht), ist das Licht viel positiver als im zweiten. Alles ist in Gold getaucht und Kirsten Dunst in ihrem strahlenden weißem Kostüm und ihrem bezauberndem Lächeln, suggeriert die mögliche Schönheit und Harmonie des Lebens. Mit diesem Bild wird inhaltlich wie bereits erörtert wurde dann aber noch in diesem Part gebrochen. Es ist oftmals erstaunlich still. Es wird auf Hintergrundmusik an den meisten stellen verzichtet und die Handlung verlagert sich nach draußen. Das Licht ist gleich geblieben, aber die Schärfe und die Geschwindigkeit der Geschehnisse verblassen.


Im zweiten Part ist die tongebende Farbe die eines zarten blaues. Die Farben wirken eher matt als gesättigt und die braunhaarige ungeschminkte, natürliche Claire rundet diese melancholisch-düstere Stimmung ab. Es scheint nicht zufällig, dass dieser Part dessen Subtext des herannahenden Planeten ‚Melancholias‘ stets mitschwingt, so dargestellt wird. Der Kontrast von dem ersten zum zweiten Teil wird deutlich. Das scheinbar glückliche, den Rausch des Momentes auskostende Leben weicht dem tristen Alltag und der Angst vor der Vergänglichkeit. Die Kontraste die in der Bildkomposition krass wirken und inhaltlich durch die bereits erwähnten Abweichungen aufgelöst werden, geben dem Film eine Struktur und ein Interpretationsspielraum, der sonst nicht wirklich vorhanden ist. Ein Höhepunkt ist wohl die Nacktszene Justines im blau-silber glänzenden Mond und Melancholia Lichte.


Schauspieler:

Kirsten Dunst (Justine): Zuvor war Kirsten Dunst ja eigentlich prädestiniert für die Rolle der lieben, fürsorglichen und begehrenswerten Frau, die es z.B. wie in ‚Spiderman‘ zu beschützen oder wie in ‚Elizabeth town‘ zu lieben gilt. In diesem Film wird diese Rolle von ihr aber nur einige Minuten eingenommen. Minuten des Scheins die schon nach kurzer Zeit der Realität weichen. Die depressive, der alles-egal-gewordenen Justine ist von Kirsten Dunst wirklich wundervoll gespielt. In ihrer ausdrucksstarken Mimik spiegelt sich ihre innerer Zustand. Der anfängliche Glanz, weicht dem Fatalismus. Von der prachtvollen Prinzessin, bis hin zum grauen kranken Mäuschen, spielt sie ihre Rolle sehr authentisch.
Außerdem ist sie eine Bereicherung für den Film an sich. Die geschminkte Kirsten Dunst mit ihrem herzhaftem warmen Lächeln unterstreicht die Farbtöne des ersten Parts, genauso wie die nicht geschminkte Kirsten Dunst, nicht wirklich viel von ihrer Schönheit verliert, aber sehr viel von der warmen Ausstrahlung. Ihre Mimik im Angesichts des herannahenden Planeten und während der slow-motion Szenen des Prologs, verleihen dem Film eine gewisse Authenzität und etwas Mystisches. Sie ist zu Recht mit der goldenen Palme der besten Hauptdarstellerin hierfür ausgezeichnet worden.

Charlotte Gainsbourg (Claire) kennt man eventuell aus dem letzten Film von Lars von Trier ‚Der Antichrist‘ oder aus dem Film ‚21 Gramm‘. Im ersten Teil spielt sie relativ überzeugend die besorgte Schwester. Sie ist es die Justine bereits vorher ermahnt heute keine Show abzuziehen und ist auch oft das Sprachrohr des Zuschauer Gefühls „Manchmal hasse ich dich so sehr Justine“. Im zweiten Teil ist ihre Rolle von viel größerer Bedeutung. Sie schafft es das Pendant zu Justine einzunehmen. Sie hat Angst vor dem Untergang, sie scheint glücklich; sie ist mit einem guten Mann verheiratet und hat einen gesunden Sohn. Ihre äußere Erscheinung wirkt kontrastreich zu Justine, und sie spielt den Charakter gut. Die Panikanfälle und die Angst wirken von ihr hervorgebracht sehr authentisch. Sie schafft es dem Untergangsszenario, die passende Komponente des ‚nicht-los-lassen-wollen‘ zu geben.


Subjektiver Filmeindruck und Fazit

Generell muss ich sagen, dass mir der Film durchaus gefallen hat. Es ist allerdings schwer in Worte zu fassen was genau mich so beeindruckt hat. Ich denke im Großen und Ganzen ist die Möglichkeit des Kontextes des Weltuntergangs so beeindruckend, dass er die Inhaltliche Monotonie insofern überschattet, dass die erzeugte Langeweile nicht als schlecht aufgefasst wird. Ich muss zugeben, dass aufgrund der Handlungsarmut und der Stille, mich dieser Film über weite Strecken angestrengt hat. Auch meinen Sitznachbarn war es nicht möglich in einer Haltung zu verharren. Es war nicht möglich diesen Film zu ‚genießen‘. Wer also einen anregenden Film zur Stimmungserheiterung sich antun möchte sollte sich diesen Film nicht zu Gemüte führen. Nach dem Ende fühlte ich mich etwas verstört. Beobachte aber ein Nachhall, der mich zum stetigen Nachdenken und reflektieren anregt und mich auch dazu veranlasst hat, über diesen Film ausführlich zu berichten. Außerdem ist dieser Film jedem visuellen Typ zu empfehlen, die Bilder die hier erzeugt werden sind wirklich von atemberaubender Schönheit und können nur auf der Kino-Leinwand genossen werden.
Generell ist dieser Film aber wohl nur denjenigen Leuten zu empfehlen die etwas mit alternativen oder ‚independent‘ Filmen anfangen können. Dieser Film ist nämlich durchaus nicht für das normale Pop-Corn-Kino geeignet.

Abschliessend einige Pressestimmen:

„Fast gänzlich verzichtet Trier auf derbe Pointen und Bilder der Überwältigung. Selbst sein schräger Humor findet sich nur noch in Andeutungen wieder, etwa wenn auf einem Golfplatz ein 19. Loch auftaucht. [...] Nur anfangs zeigen Trier und sein Kameramann Manuel Alberto Claro einen Reigen aus atemberaubenden Tableaus, unterlegt mit dem Prélude aus Wagners "Tristan und Isolde". Hier sieht man zum ersten Mal den Himmel, in dem zwei Monde gleichzeitig scheinen, und auch das Bild von Justine, wie sie von dichten, grauen Wollfäden gefesselt ist und sich nicht fortbewegen kann, ist unvergesslich. Doch wie Justine löscht sich auch der Film im Verlauf selbst aus. Die Bilder werden flüchtiger, die Szenen elliptischer, die Bedrohlichkeit des Weltuntergangs überträgt sich immer mehr allein akustisch, denn ab dem letzten Drittel hört man im Hintergrund konstant ein nervöses Pferdewiehern. Am Ende weiß man selbst nicht mehr, was an dieser Welt noch rettenswert sein soll. Und als Melancholia schließlich den ganzen Himmel einnimmt, spürt man wie Justine vor allem eines: Erlösung. Gewaltigeres kann ein Film nicht leisten. “

– Hannah Pilarczyk - Der Spiegel

„Aus dem kosmischen Abstand sieht dieser Weltuntergang ziemlich gut aus und hat auch eine irritierende sexuelle Komponente: Geil, wie hier die Erde verschwindet, in einem Super-Orgasmus! Seinen Hang zum radikalen Tabubruch hatte von Trier kürzlich in Cannes mit der ominösen "Okay, ich bin ein Nazi"-Bemerkung bewiesen.[...]"Melancholia" ist eingängiger, was bedeutet, dass die wenig menschenfreundliche Botschaft - Weltekel und die Lust an der Vernichtung allen Lebens - wie eine Schlange ins Bewusstsein kriecht. Das Auge lässt sich nun mal leicht verführen. Und Lars von Trier bietet mit "Melancholia" denn auch ganz große Oper - wie man so sagt, wenn eine Performance sehr virtuos, sehr pathetisch und künstlich ist und den Zuschauer am Ende erschüttert und ratlos zurücklässt.“

– Martina Knoben - Süddeutsche Zeitung

Zuerst veröffentlicht auf ciao.de (Habitat)

23 Bewertungen, 8 Kommentare

  • Edamia

    11.10.2011, 20:32 Uhr von Edamia
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht. schönen Abend wünsch ich dir. glg

  • Iggiz

    11.10.2011, 19:10 Uhr von Iggiz
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich würde mich über gegenlesungen freuen

  • uhlig_simone@t-online.de

    11.10.2011, 17:17 Uhr von uhlig_simone@t-online.de
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße v. Simone, ich würde mich sehr über Deine Gegenlesung freuen

  • goat

    11.10.2011, 15:29 Uhr von goat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Würde mich über Gegenlesungen freuen.

  • hameln58

    11.10.2011, 15:12 Uhr von hameln58
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße..Gina

  • citycrush

    11.10.2011, 15:05 Uhr von citycrush
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Freue mich über Gegenlesungen :) LG citycrush

  • Miraculix1967

    11.10.2011, 15:02 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht und allerbesten Gruß!

  • katjafranke

    11.10.2011, 14:56 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von der KATJA