Chloe (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Prisca
Psychospielchen
Pro:
gute Darsteller - gute DVD Extras
Kontra:
fehlende Tiefe - Neupreis noch etwas zu hoch
Empfehlung:
Ja
*** CHLOE ***
Wieder mal eine DVD die ich auf gut Glück ertauscht habe, ohne genau zu wissen, worauf ich mich hier eigentlich einlasse. Aber das, was ich der kurzen Inhaltsbeschreibung entnehmen konnte, reichte aus, um mich neugierig zu machen.
Für euch mache ich mich natürlich erst mal an eine ausführliche
*** INHALTSANGABE ***
Catherine Steward führt ein mehr oder weniger unausgefülltes Leben, auch wenn es nach außen ganz anders aussieht. Hat sie doch gar keinen Grund zum Unglücklichsein. Sie ist verheiratet mit einem Mann, der beruflich zwar sehr eingespannt ist, ihr aber sonst alles zu geben scheint, was sie möchte. Sie hat einen eigentlich wohlgeratenen Sohn im Teenageralter. Sie lebt in einem schönen Haus. Sie ist in ihrem Beruf erfolgreich.
Trotzdem ist sie nicht wirklich zufrieden und scheint ständig das berühmte Haar in der Suppe zu suchen. Die Beziehung zu ihrem Sohn wird immer angespannter, weil sie offensichtlich nicht bereit ist, los zulassen, zu akzeptieren, dass ein Teenager nun mal ein recht auf Privatsphäre hat. Und das ihr Mann Geheimnisse vor ihr hat, ist ihr mehr als klar. Schließlich ist er durchaus noch ein attraktiver Mann - und zugegebenermaßen dem einen oder anderen harmlosen Flirt nicht abgeneigt. Als er an seinem Geburtstag eine von ihr geplante Überraschungsparty platzen lässt, indem er einfach sein Flugzeug verpasst, bringt dass das Fass zum Überlaufen.
Catherine beschließt ihm eine Treuetest zu unterziehen um Gewissheit zu bekommen. Die junge Prostituierte Chloe, die zu eher zufällig in einem Restaurant kennen lernt - und von deren Art sie vom ersten Moment an fasziniert ist - soll sich in ihrem Auftrag an ihrem Mann heranmachen und gucken, wie er reagiert ...
Obwohl das von mir erzählte nur die erste Hälfte des Films ausmacht, möchte ich mit meiner Inhaltsbeschreibung hier trotzdem aufhören. Wer meine berichte kennt, wird schon ahnen, das er noch einiges mehr erfahren kann, wenn er mehr vom meinen
*** EINDRUCK ***
vom Film liest.
Ich habe einen Psychothriller erwartet, wie man ihn schon häufiger mal gesehen hat. Sicher ist das dieser Film, aber die Umsetzung ist doch irgendwie interessant.
Der Film setzt ganz klar weniger auf Handlung als mehr auf die Psyche der einzelnen Personen. Allen voran Chloe und Catherine, die sich beide nichts nehmen, auch wenn Chloe dem Film seinen Namen gegeben hat. Diese beiden Frauen sind so unterschiedlich in ihren Lebenseinstellungen und Wünschen wie zwei Menschen es nur sein können. Aber genau das zieht sie zueinander.
Chloe ist keine Prostituierte im üblichen Sinn, erinnert mich eher an eine 'Dame von einem Begleitservice für wohlhabende Herren' wenn ich das mal so ausdrücken darf. Sie ist jung, sie ist hübsch ... und auf ihre Art wirkt sie unschuldig und beinahe schüchtern. Dabei weiß sie genau was sie will. Sie benutzt andere Menschen, selbst die Männer die für ihre Dienst bezahlen, scheinen sich bereitwillig ihren Regeln zu unterwerfen. Man spürt als Zuschauer (vielleicht mehr als die Leute die direkt mit ihr zu tun haben) das sich hinter ihrer ruhigen, unschuldigen Art und noch etwas verbirgt ... etwas Gefährliches, Besitzergreifendes, Unberechenbares ...
Catherine dagegen ist unglücklich und unsicher. Manchmal möchte man sie schütteln, damit sie endlich aufwacht aus ihrem Unglück, in das sie sich eigentlich ständig selbst hinein manövriert Genauso verhält es sich mit Chloe. Man hat fast das Gefühl, dass sie unbedingt eine negative Antwort bekommen will. 'Ja, dein Mann betrügt dich!' Endlich die Bestätigung, dass ihr ganzes Unglück nicht nur eingebildet ist.
Aber als die ersten positiven Rückmeldungen von Chloe kommen, möchte sie plötzlich gar nichts mehr davon wissen und will die Sache lieber abbrechen. Nur zu spät. Denn inzwischen Chloe an diesem Psychospielchen Gefallen gefunden, dass ihr Macht über die Leben zweier anderer Menschen zu verleihen scheinen.
Was jetzt beginnt, ist ein Spiel zwischen Catherine und Chloe - David Steward, aber auch ihr Sohn Michael werden mehr oder weniger ohne etwas davon zu wissen, zum Spielball zwischen den beiden - das ihrer beiden Leben immer mehr miteinander verstrickt und es schließlich keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Was mir an diesem Film gefallen hat, ist, dass er wirklich ohne Gewalt- oder Gruselszenen auskommt. Die ganze Spannung entsteht zwischen den beiden Frauen, findet eigentlich nur ihm Kopf statt, ist aber manchmal viel unerträglicher als gezeigte Gewalt. Auf dem ersten Blick wirkt der Film ruhig, aber wenn man in die Köpfe der beiden Frauen hin zugucken versucht, gerät man in einen Sturm ohnegleichen.
Es wird dem Zuschauer recht einfach gemacht, den Gefühlen der Frauen zu folgen. Man spürt, wie tief beide in diese Sache verwickelt sind und je mehr der Film sich seinem Ende nähert, desto hoffnungsloser scheint die Sache.
Verkauft wird dieser Film oftmals als Erotikthriller - wer aber nun einen Film a la 9 1/2 Wochen oder Basic Instinct erwartet, der wird sich enttäuscht sehen. Dieser Film ist nicht von diesem Kaliber - zwar gibt es die eine oder andere Nacktszene, an der man(n) ) sich erfreuen darf, aber das berühmte Kribbeln im Bauch wollte sich zumindest bei mir nicht einstellen.
Was mir an dem Film auch nicht so gefallen hat, ist, dass ich eigentlich für keine der Hauptpersonen echte Sympathie entwickeln konnte. Auch wen ich die eine oder Handlung durchaus nachvollziehbar fand bleiben mir doch beide Frauen eher ein Stückchen gleichgültig und fremd. Auch die David Steward, der ja beinahe so etwas wie ein Opfer der ganzen Geschichte ist (wenn er auch durchaus seinen Teil mit dazu beigetragen hat, das es überhaupt so weit kommen konnte) ist jetzt nicht der große Sympathieträger. Der Einzige, dem ich ein wenig mehr Sympathie entgegengebracht habe war der Sohn Michael, der ganz klar ein typischer, ganz normaler Teenager sein durfte. Teenager rebellieren nun einmal gegen ihre Eltern und wenn sie merken, dass sie zum Spielball von ihnen werden, erst Recht. Er ist wahrscheinlich derjenige, der nun wirklich völlig unschuldig mit in die Dreiecksgeschichte Chloe - Catherine - David hineingezogen wurde.
Irgendwie schade, dass ich als Zuschauer mit den Hauptpersonen nicht so recht warm werden konnte - ich denke nämlich, dass der Film noch viel besser rüberkommen wäre, wenn er mich emotional noch mehr aufgewühlt hätte - sprich, wenn ich mit der einen oder anderen Person hätte richtig mitfühlen können. So bleibt es zwar ein Film, der mich bis zuletzt vor dem Bildschirm hat sitzen lassen, denn ich wollte schon wissen, wie sich das Ganze denn nun auflöst, aber nach dem eigentlich recht dramatischen Ende bleibt doch eher ein Achselzucken a la 'na ja, so was habe ich kommen sehen' als echtes Mitgefühl.
*** SCHAUSPIELER ***
Die Schauspielerriege in diesem Film kann sich durchaus sehen lassen.
Julianne Moor spielt Catherine Steward und ich finde durchaus, dass sie ihre Sache recht gut macht. Die innerlich unzufrieden Ehefrau, Mutter, die sich immer tiefer in eine Geschichte verstricken lässt, aus der es schließlich keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Ihr Ehemann David wird gespielt von Liam Neeson. Und ja - ich finde, er hat den richtigen Charme für diese Rolle. David ist ein Charmeur, ohne Frage, was aber nicht heißt, dass er wirklich und wahrhaftig untreu ist.
Ihr Sohn Michael wird gespielt von Max Thieriot, der eher noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Obwohl selbst ein paar Jahre älter (geb. 1988) als Michael scheint er sich noch gut an seine eigenen Teenagerjahre erinnern zu können, jedenfalls bringt er das sehr gut rüber, wie ich finde. Allerdings ist seine Rolle in diesem Film jetzt nicht die Größte. Michael spielt zwar, besonders gegen Ende des Films, noch eine wichtige Rolle in dem 'Gesamtspiel', aber sonst darf er nicht viel mehr sein als eben Sohn seiner Eltern.
Bleibt noch Chloe selbst. Gespielt von Amanda Seyfried, die zwar auch noch recht jung ist (geb. 1985) aber schon in einigen größeren Filmen von sich reden gemacht hat. Ich erwähne hier nur mal Mamma Mia, Briefe an Julie, Das Leuten der Stille. Chloe hätte meiner Meinung nach das meiste Potential gehabt. Ihre (leider nur angedeutete) Geschichte hätte es verdient gehabt, dass man ihr mehr Beachtung geschenkt hätte. Sehr gut gespielt wurde dieser Part auf jeden Fall - fast wünschte ich mir, der Film hatte seinen Tenor weniger auf das Psychospielchen an sich gelegt als viel mehr auf Chloe und ihre Geschichte. Es wäre ein anderer Film geworden, auch wenn er dieselbe Geschichte erzählt hätte, davon bin ich überzeugt. Vielleicht ein Film, der mich noch mehr erreicht hätte.
*** FAKTEN UND CO ***
Chloe (und es wurde nicht mal versucht, diesen Titel zu übersetzen ;) )
Regie: Atom Egoyan
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
deutsche DVD Veröffentlichung: Oktober 2010
Lauflänge: 92 Minuten
FSK: 16 Jahre
Bild: 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Weder zu Ton noch Bild lässt sich viel sagen - es ist eben normaler DVD Standard
Extras:
da wären zunächst die üblichen Verdächtigen wie Trailer, Interviews und Bildergalerie
geschnittene Szenen
alternatives Ende
Making-off
und, was mal ein wenig aus der Reihe fällt: ein Tag in Toronto mit dem Regisseur Atom Egoyan, der hier seinen Wohnort, seine Arbeit und natürlich auch Drehorte von Chloe näher vorstellt
Preis: neu ca. 15,-- Euro, gebraucht aber schon um einiges günstiger zu bekommen
*** MEIN FAZIT ***
Ich bereue es nicht, dass ich mir diesen Film ertauscht habe. Er war spannend genug, um mich für einen Abend an den Bildschirm zu fesseln. Allerdings muss ich zugeben, inzwischen habe ich den Film weiter getauscht, weil ich ihn mir nicht unbedingt noch einmal ansehen muss. So interessant die Grundstory auch gewesen ist, mir persönlich hat irgendwie ein bisschen Tiefe in den einzelnen Charakteren gefehlt.
@ Prisca - November 2011
37 Bewertungen, 9 Kommentare
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16.11.2011, 17:37 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW und liebe Grüße!
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16.11.2011, 00:35 Uhr von campino
Bewertung: besonders wertvolllg andrea -----------
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15.11.2011, 13:42 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollSchön vorgestellt. Den werde ich mir auch mal vormerken.
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15.11.2011, 11:45 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
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15.11.2011, 10:55 Uhr von schmusenase
Bewertung: besonders wertvollSchade, dass der Regisseur das Potential der Story nicht optimal genutzt hat ...
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15.11.2011, 10:54 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichLG cleo1
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15.11.2011, 08:49 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße von der KATJA
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15.11.2011, 08:46 Uhr von Luna2010
Bewertung: besonders wertvollPerfekt geschrieben! Klingt sehr spannend. Ich glaube den werde ich mir wohl auch mal ansehen. Bin gespannt ob sich die Ehefrau ihr eigenes Unglück verschafft hat^^
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15.11.2011, 08:32 Uhr von Matze081
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Grüße aus Greifswald ;)
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