Du sollst nicht sterben (gebundene Ausgabe) / Peter James Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

Motiv: "Sexy Leute sind Böse."

4
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Einstig von „Stirb ewig“ so gut wie vollkommen überzeugt, haftete sich mir der Name Peter James in den Hinterkopf ~ wenngleich nicht solcher Art, die mich dazu bewogen hätte, direkt nach Erscheinungsdatum jedwedes Werk erwerben zu wollen. Fakt ist eher, dass ich bis zum vorgestrigen wie auch gestrigen Tage keinen weiteren Thriller mehr zur Hand nahm ~ die stetig arg gemischten Meinungen zu den diversen Veröffentlichungen wie zig andere Bücher hielten mich erfolgreich davon ab. Das wiederum arg einfallsreich übersetzte „Dead like me“, welches 2012 unter

===“Du sollst nicht sterben“=== erschien, las ich binnen zweier Nachmittage durch, wobei ich mich der landläufigen Meinung, dass der Thriller in der zweiten Hälfte bezüglich der Spannung nachlässt, anschließe.

Nichtsdestominder gefiel mir bereits auf den ersten Seiten ausnehmend gut, dass ich als Leser ebenfalls an der Täterperspektive teilnehmen konnte, der Usurpator der polizeilichen Ermittlungen rund um den sog. „Schuhdieb“ unverblümt vorgestellt wurde.
Wollte ich zumindest meinen.
Wenig später verwirrten mich nicht nur diverse Zeitsprünge (die Taten in 1997, die Ermittlungen in 1997 sowie die „Jetzt-Zeit“) sondern ebenso zig Charaktere, von denen mir nicht bewusst werden sollte, welche Figur nun eigentlich wichtig sein respektive bleiben würde. Ein „Problem“, welches ich eher mir selbst als der Lektüre ankreiden würde, so dass ich dies dem Thriller nicht negativ anhängen möchte. Ganz im Gegenteil ~ dadurch, dass man der ein oder anderen Figur innerlich allzu wenig Beachtung schenkt, ist der ein oder andere Überraschungseffekt durchaus höherer Natur als für jene, die während ihres Leseprozesses (im Geiste oder gar buchstäblich) kunstvolle Clip-Charts anfertigen.

Jak, der als Taxifahrer des nächtens sein Geld verdient und tagsüber das Hausboot seiner Bekannten hütet, rückt so rasch als zentrale Schuhfetisch-Figur in den Vordergrund, so dass ich dem potentiell Interessierten mit dieser Information nichts vorweg nehme.
Durch die Beleuchtung seiner – wenn auch Mal wieder allzu '''klischeehaft''' ausgeschmückten – Vergangenheit kam ich kaum umhin, Sympathien für Jak aufzubauen und gar gewissermaßen mit ihm mitzufiebern ~ ein Aspekt, der durchaus fataler Natur ist, wenn man sich vor Aug' und Gewissen hält, dass es immerhin um jemanden geht, der Frauen entführt, sie dazu zwingt, sich mit ihrem eigenen hohen Schuhabsatz zu vergewaltigen um alsdann jenen Schuh als Andenken mitzunehmen.

Zu gute halten darf man _„Du sollst nicht sterben“_ definitiv die 'Einflechtung ''mehrerer Handlungsstränge''', die sich auf mich persönlich-bedingt zwar eingehend etwas schwierig sortieren ließen; anderen Lesern jedoch kaum ein ernsthaftes Hindernis darbringen sollten. Die '''Spannung bleibt nahezu konstant''', übertrifft sich immer wieder aufs Neue und bietet eine '''ausgewogene Menge an überraschenden Wendungen''', um den Leser vollends an die Seiten zu fesseln. Erst ab der ungefähren 200.ten Seite gestaltete sich der Thriller für mich '''etwas langatmig''', da sich zum einen die Abläufe stetig wiederholten und zum anderen ich dem Ermittlerteam rund um Hauptcharakter Roy Grace Dank der Beschreibungen des Autors stetig einen Schritt voraus war. So will der Funke bei einer kapitellangen Szenerie in der Pathologie nicht wirklich überspringen ~ '''was hätte mich da großartig umhauen können, wo ich das „vorher“ doch schon en detail kannte?'''
Ferner ist es ein unglücklicher Nebeneffekt, dass ich als Leser ob des Wissens, was sich wie wann ereignet hat, ungeduldig mit dem Ermittlerteam wurde und das Gefühl hatte, jene würden die einfachsten Zusammenhänge nicht begreifen. Ob ich ohne jene Offenbarung der Täterperspektive jedoch selbst auf dies und das gekommen wäre... das kann man natürlich nur raten.

Die meinige (Un)geduld wurde somit an mehreren Stellen auf die Probe gestellt, wodurch ich mich über den neuerlichen Aufschwung auf den letzten 130 Seiten absolut freute.
Erneut klebte ich förmlich an den Zeilen, fieberte rigoros mit und wunderte mich lediglich vereinzelt über manche Diskrepanzen, die mir auch am Tag nach dem Lesen noch nicht so recht einleuchten wollen. Macht aber nix, gelungen ist _„Du sollst nicht sterben“_ nicht zuletzt trotz eines für mich nicht rigoros glaubhaft erscheinenden Täter-Fehlers dennoch; besticht neben der Sprachwahl durch die ein oder andere Detailinformation, die meiner bisherigen diesbezüglichen Skepsis endlich Recht geben wollte:

„Es gab einen Mythos, nach dem Haare und Nägel noch lange nach dem Tod weiterwuchsen. In Wahrheit jedoch zog sich einfach nur die Haut zusammen – das war alles. Beim Tod brach der gesamte Stoffwechsel zusammen, und die Parasiten im Körper nutzten die Tatsache aus, dass das Gehirn nicht länger Antikörper aussandte, um sie zu vernichten. Während die Haut allmählich schrumpfte und von innen aufgefressen wurde, wurden Haare und Nägel immer weiter freigelegt.“
'''(Zitat, S. 348-349)'''

Herausragend wie zugleich verwirrend gestaltete sich für mich der Aspekt, dass schon nach knapp 130 Seiten nachvollziehbar von einem potentiellen Nachahmungstäter gesprochen wurde und somit meine totalitäre Überzeugung, absolut im Bilde zu sein, über den Haufen geworfen wurde. „Du sollst nicht sterben“ hält unbestreitbar die ein oder andere Verblüffung parat, bleibt jedoch stetig auf dem Boden der Tatsachen und erfordert eine durchweg hohe Konzentration.
Dank diverser lockeren sprachlichen Einwürfe darf man an einigen Stellen als Leser ruhig mal entspannen oder gar vor sich hin Grinsen („Roy Grace ertrug das Essen nur, um Cleo Gesellschaft zu leisten. […] Es würde sie glücklich machen. Und wenn die Partnerin glücklich ist, würde das ungeborene Kind die Schwingungen aufnehmen, glücklich geboren werden und nicht zu einem Serienmörder heranwachsen“, vgl. S. 100), was mich persönlich darüber hinwegtröstete, dass für meinen Geschmack fast schon zu viel des ermittlerischen Privatlebens offengelegt wurde.

Pluspunkt dementgegen weiterhin die kleine, aber feine und doch irgendwie versteckte Warnung an den Leser, einmal über sein eigenes Facebook, Twitter & Co-Verhalten nachzudenken.
„Du sollst nicht sterben“ ist zwar nicht das erste Buch, was dieses anmerkt; sollte meines Gedünkens nach jedoch noch lange nicht das letzte sein.

===Insgesamt betrachtet=== hat mich das 400seitige Hardcoverbuch nicht zuletzt wegen des schlagkräftigen Nachworts des Verfassers durchaus überzeugt.
Kleiner hälftiger Punktabzug für die ein oder andere Länge, die wie gesagt durch den Vorteil des Lesers gegenüber des Ermittlerteams entstand, weiterhin hälftiger Punktabzug für den fast schon überbordenden Einblick in das stetig durch gleiche Gesprächen begleitete Familienleben von Roy Grace, so dass immerhin solide 4 Sterne übrig bleiben.
Für ne waschechte „have to read“ Empfehlung reicht es zwar trotzdem nicht, aber einen Fehler macht man meiner Meinung nach mit diesem Thriller nun wirklich nicht ~ sofern man einen faible für Irrungen und (Ver)Wirrungen nebst einem nicht ganz so eindeutigen Ende hat.

25 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Anton

    08.05.2012, 17:26 Uhr von Anton
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller testbericht, freu mich über gegenlesungen gruß Anton

  • morla

    08.05.2012, 16:28 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^^petra

  • hjid55

    08.05.2012, 15:08 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe grüße Sarah

  • katjafranke

    08.05.2012, 10:52 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß von der KATJA