Verblendung (2011) (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 01/2012
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von atrachte
Männer, die Frauen hassen
Pro:
sb
Kontra:
sb
Empfehlung:
Ja
Diese Frage stellte sich der geneigte Cineast eigentlich nur solange, bis plötzlich – und für die meisten wohl ziemlich überraschend – der Name David Fincher („Sieben“, „The Social Network“) mit dem Projekt in Verbindung gebracht wurde. Denn Fincher, ein nahezu unbestrittenes Genie seines Faches, hat es schon immer verstanden Thriller klug wie Arthouse-Streifen, und unterhaltsam wie schnörkellose Blockbuster zu inszenieren. Spätestens beim Abspann von „Verblendung“ hat man diese Tatsache einmal mehr verinnerlicht.
Schon alleine der Umstand, das Fincher die Handlung nicht in die USA verlegt hat und der Vorlage recht treu geblieben ist, beweist, das er sich mit dem Stoff ernsthaft auseinandergesetzt hat. Wie gehabt steht der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) im Zentrum der Handlung. Blomkvist wurde erst kürzlich der Verleumdung gegenüber dem schwedischen Großunternehmer Wennerström (Ulf Friberg) schuldig gesprochen, und steht nun vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Als er vom Anwalt des Unternehmers Henrik Vanger (Christopher Plummer) ein Jobangebot bekommt, ist Blomkvist zuerst nicht sonderlich interessiert. Doch nach einem Treffen mit Vanger, der Blomkvist bittet im Falle seiner vor über vierzig Jahren verschwundenen Nichte Harriet (Moa Garpendal) zu ermitteln, entscheidet sich der Journalist für das Jobangebot. Nicht zuletzt auch, weil Vanger ihm gegenüber eine ansehnliche Bezahlung, sowie belastende Dokumente im Falle Wennerström verspricht. Schnell merkt Blomkvist bei seinen Recherchen, das in der Familie von Vanger einige dunkle Geheimnisse verborgen liegen, die bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen. Als er merkt, das er nicht weiterkommt, bittet Blomkvist um Hilfe, welche in Form der Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) erscheint. Salander, eine wortkarge Punkerin, und Blomkvist machen schnell Fortschritte, und kommen dem Geheimnis um der verschwundenen Harriet Vanger immer näher...
Fincher beweist mit seiner Interpretation von Larssons „Verblendung“ einmal mehr, warum er sowohl bei Kritikern, als auch beim Publikum seiner Werke so beliebt ist. Der Amerikaner vermag es zu jeder Geschichte, die richtige Atmosphäre zu finden, welche wie gehabt durch eine ungemein starke Bildsprache zum Ausdruck kommt. Fincher inszeniert sein Schweden als düstere, unterkühlte Landschaft, ohne dem Zuschauer oder den Figuren jemals wirklich hoffnungsvolle Aspekte zu gönnen. Dies passt zu einer Geschichte, die so tief in die dunklen Seiten der menschlichen Existenz eindringt, wie es „Verblendung“ tut, zumal der bestehende Tenor schon in den ersten Minuten dieses beinahe dreistündigen Machwerkes greift, und sein Publikum kaum mehr los lässt. Einmal mehr vertraut Fincher für die musikalische Untermalung auf Trent Reznor und Atticus Ross, welche mit ihrem pulsierenden Score eine geradezu hypnotische und stets unheilvolle (im guten Sinne) Verbindung mit den Bildkompositionen eingehen, was nicht selten in schierer audiovisueller Opulenz mündet, wie man es nur selten geboten bekommt. Ebenso überraschend, ist die für amerikanische Filme sehr explizite Gangart bei den im Film enthaltenen Sex- und Vergewaltigungsszenen, die ebenso schonungslos daher kommen, wie andere Gewaltszenen im Film auch, und somit noch einmal die stellenweise sicherlich etwas plumpe Gesellschaftskritik von Larssons Geschichte noch einmal gekonnt utnerstreichen.
Über der famosen technischen Umsetzung hinaus, überzeugt „Verblendung“ aber auch mit einer intelligent erzählten Geschichte, von deren ursprünglichen Komplexität Fincher kaum etwas genommen hat. Aufgrund der spannenden Erzählung gelingt es dem Regisseur jedoch kaum Längen in seinem Film aufkommen zu lassen, stattdessen erzählt er den Plot von Anfang an souverän. Lediglich nach dem Showdown, nach welchen man eigentlich mit dem Abspann rechnen würde, harkt die Geschichte ein bisschen durch und vermag es nur mühsam zu Ende zu kommen, was man Angesichts der ansonsten aber sehr unterhaltsamen 158 Minuten gerne in Kauf nimmt.
Eine große Stärke des amerikanischen Neuverfilmung ist nicht zuletzt der Cast. Daniel Craig („007 – Casino Royale“, „Defiance“) vermag, was seinem quasi Vorgänger Mikael Nyqvist („Mission: Impossible – Phantom Protokoll“, Die beste Mutter“) verwehrt geblieben ist, nämlich der Figur des Journalisten Mikael Blomkvist eine spannende Seite abzuverlangen. Wo Nyqvist kaum mehr geboten hat, als seinen Text runter zureden, da gelingt es Craig seiner Figur einen kantigen und kühlen Charakter zu verleihen, der gegen den eigentlichen Star des Filmes – Lisbeth Salander – durchaus bestehen kann. Die wahre Entdeckung des Filmes ist aber Rooney Mara („The Social Network“, „A Nightmare on Elm Street“), die ihre Rolle weitaus verletzlicher – und somit auch vielschichtiger - angelegt hat, als Noomi Rapace („Ich hätte Nein sagen können“, „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“) in der schwedischen Fassung. Vor allem als Duo erweisen sich Craig/Mare bzw. ihre Figuren als stimmiges Gespann, denen der Zuschauer gerne bei ihren Ermittlungen folgt. Auch die anderen Besetzungen, wie etwa Christopher Plummer („Twelve Monkeys“, „Beginners“) und Stellan Skarsgård („Melancholia“, „King Arthur“) erweisen sich als sichere Griffe.
Zwar ist Finchers „Verblendung“ kein gänzlich von Schwächen befreiter Film, allerdings gelingt es dem Amerikaner Larssons Geschichte auf ein sehr hohes Niveau zu heben, welches einige Ebenen über dem, der schwedischen Fassung zu finden ist. „Verblendung“ ist ein intelligenter, audiovisuell ungemein ansprechender Thriller, der trotz seiner komplexen Handlungsstränge und seiner bitteren Gesellschaftskritik noch kurzweilige Unterhaltung bietet. Da kann man eigentlich nur hoffen, das bei den kommenden zwei US-Verfilmungen der Name Fincher noch zwei weitere male unter der „Regie“ geführt wird.
Originaltitel: The Girl With The Dragon Tattoo (USA/Schweden/Deutschland/Großbritannien​, 2011)
Laufzeit: ca. 158Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Regie: David Fincher
Darsteller: Daniel Craig (Mikael Blomkvist), Rooney Mara (Lisbeth Salander), Christopher Plummer (Henrik Vanger), Stellan Skarsgård (Martin Vanger), Robin Wright (Erika Berger)...
8/10
47 Bewertungen, 11 Kommentare
-
03.08.2012, 19:15 Uhr von tobeinsane
Bewertung: besonders wertvollIch habe lange überlegt ob ich den Film schaue, habe mich nicht getraut, aber jetzt werde ich ihn mir doch mal antun. Vielen Dank
-
12.07.2012, 10:14 Uhr von lucy83
Bewertung: sehr hilfreichsehr informationsreicht lg
-
04.06.2012, 12:25 Uhr von Gute_Fee_2012
Bewertung: besonders wertvollbw****, Lieben Gruß aus Solingen
-
03.06.2012, 18:51 Uhr von webcrush2011
Bewertung: sehr hilfreichIch würde mich sehr freuen, wenn du bei mir gegenlesen könntest =) liebste Grüße
-
03.06.2012, 17:56 Uhr von Fernsteuerung
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruss, Susanna.
-
03.06.2012, 13:02 Uhr von Nina1805
Bewertung: sehr hilfreichSH und einen schönen Sonntag!
-
03.06.2012, 02:23 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
-
02.06.2012, 21:43 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichschönes wochenende lg. petra
-
02.06.2012, 19:00 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße KATJA.....
-
02.06.2012, 15:44 Uhr von babygiftzwerg
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche dir ein schönes Wochenende. LG
-
02.06.2012, 15:34 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichich mocht schon gar nicht gerne das buch lesen, ob ich mir deshalb, den film anschaue, weiß ich noch nicht-gut vorgestellt
Bewerten / Kommentar schreiben