Du bist dran! (gebundene Ausgabe) / Charles Benoit Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Willkommen im letzten Jahr deines Lebens.“
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
'''(Zitat, S. 193)'''
Jene Selbsterkenntnisüberlegungen, die der Autor Charles Benoit in seinem 215seitigen Jugendbuch
===“DU bist dran!“=== einwob, regen durchaus zum leserlichen Nachdenken an ~ ein Umstand, der durch die verwendete Erzählperspektive aus der Du-Form, wie ich sie bereits aus _„Das Glück der anderen“_ (Stewart O'Nan) zu wertschätzen lernte, durchaus positiv verstärkt wird.
Der Leser personifiziert sich in diesem Fall also mit dem 15jährigen Kyle Chase; einem Jugendlichen, der sich selbst noch nicht so recht gefunden hat, darüber hinaus allerdings keine wirkliche Motivation hegt, sich überhaupt zu suchen.
Im Grunde genommen zeigt _„Du bist dran“_ einen Lebensausschnitt des Protagonisten auf, berichtet von den schulischen Problemen, den a-typischen Dialogen mit den Eltern, die ihm Gebetsmühlenartig stetig die selben Ratschläge mit auf den Weg geben, der heimlichen Liebe zu Ashley und der großen Frage, weswegen man sich zu welchen Personen hingezogen fühlt.
Sonderlich spektakulär klingt all dies zugestandenermaßen nicht ~ doch eben jenes versucht die Lektüre auch gar nicht zu sein. Vielmehr ist die Handlung so alltäglich, dass man sich als Leser direkt hineinfindet, sich – je nach Lesealter – in ähnliche Orientierungslosigkeiten rückbesinnt respektive in tatsächlichen Erinnerungen einfühlt.
Obschon sich _„Du bist dran“_ an Leser zwischen 13-16 Jahren richtet, konnte ich persönlich durchaus etwas mit dem Buch anfangen. Die recht große Schrift nebst der einfachen Sprache und nicht zuletzt des doch übersichtlichen Umfanges lies sich das Werk binnen einer ungefähren Stunde lesen ~ die Wirkung, die der Roman abschließend hinterlässt, ist bedauerlicherweise allzu rasch vergessen.
Schon früh wob der Verfasser einige Andeutungen auf einen potentiell dramatischen Ausgang ein, versuchte stetig, durch manche Nebensätze, das Spannungsfeld zu erhöhen oder gar bedrohlich zu wirken. Letzterer Versuch greift insbesondere auf S. 175; eine Stelle, in der ich persönlich jedoch bereits genug hatte von den etwas überdramatisierten Auftritten des neuen Schülers Zacks. Mit der Gestaltung eben jenes Charakters trug der Autor meines Erachtens nach viel zu dick auf, erschuf eine (Unter-)Art Heldenstatus, die ich für meinen Teil nicht nachvollziehen konnte. Vielmehr ging Zack mir mit seiner Art über kurz oder lang eher auf die Nerven, die Faszination Kyles blieb mir somit unverständlich, worüberhinaus etliche Anspielungen einen viel zu offensichtlichen Fortgang der story offenlegten.
Der warnend ausgesprochene Satz _„er findet deine Schwachstelle“_ wurde nicht nur einmal platziert, so dass der geplante Überraschungseffekt absolut verpufft. Zugute halten muss man dem Autoren dementgegen, dass er es trotzdem schaffte, den Leser an die Zeilen zu fesseln, in dem er immer wieder auf die großem Themen Selbstbestimmung, Entscheidungsfreiheit wie auch Eigenverantwortung zu sprechen kommt, ohne hierbei auch nur einen Hauch aufdringlich zu wirken.
Wie nebenbei spricht die Lektüre innerliche wie äußerliche Missstände an, die ebenfalls dem ein oder anderen Leser (nicht nur im Bezug auf die Schule) durchaus bekannt vorkommen dürften:
_„Du warst immer ein begeisterter Leser gewesen und hattest immer ein Buch in der Hand. Und dann wurde dir das_ unglaublich inspirierende _Buch zugeteilt, und du stelltest fest, wie ätzend Lesen sein konnte. Also hast du den Klappentext gelesen und bist durchs Internet gesurft und dann hast du deine Buchbesprechung geschrieben._ _Es war totaler Mist, und das wusstest du, und du hattest das ganze Wochenende Schiss, denn am Montag würde deine Lehrerin „dich nach der Stunde sprechen“ wollen oder deine Eltern anrufen und ihnen mitteilen, dasas du „etwas nachgelassen“ hast._ _Und am Montag bekamst du die Buchbesprechung zurück und auf der Titelseite prangte ein großes altmodisches A+.“_
'''(Zitat, S. 27)'''
Weiterhin übte Charles Benoit immerfort Kritik an den Schulsystemen aus, bringt diese auf eine Art und Weise vor, die den Leser zum selbstständigen schlussfolgern und versuchten Lösungsfindungen anregen:
_„Aber nein, sie unterrichten es so einschläfernd wie möglich, gehen ohne richtige Diskussion zum nächsten Punkt über, der im Test abgefragt werden wird – dem_ standardisierten _Test. Und wenn ihr diesen_ standardisierten _Test absolviert, stehen sie da vor der Klasse und erzählen euch doch tatsächlich:_ _„Diese Tests sind dazu da, die Schule zu bewerten, und wirken sich nicht auf eure Zensuren aus.“ Und dann sind sie_ geschockt _von den Ergebnissen. Und sie sagen, dass die Schüler dumm sind?“_
'''(Zitat, S. 40-41)'''
In der Gesamtheit erinnerte mich _„Du bist dran“_ nicht minder an Anthony McGowan's _„Der Tag, an dem ich starb“_, wenngleich in einer „schlechteren“ Umsetzung. _„Du bist dran“_ besticht zwar ebenfalls vorrangig zwar durch eine jugendlich-flappsige Sprache und lässt darüber hinaus dennoch an keiner Stelle die nötige Ernsthaftigkeit vermissen ~ doch wieder und wieder wirkt das Buch stellenweise zu übereifrig, zu konstruiert, zu interpersonell lemminghaft.
Besonders hervorzuheben indes diverse Schilderungen, die (hin und wieder unfreiwillig) amüsieren; Passagen, die ganz einfach trocken heraus berichten und jene, die zweifelsohne unter die Haut gehen.
So sezierend _„Du bist dran“_ mit dem Du-Erzähler umgeht, so treffsicher erweisen sich ebenfalls einige Beobachtungen des an für sich unverständlichen Alltags:
_„Die Zeichentrickfilme sind nichts als halbstündige Werbefilme für Action-Figuren, die alle sechs Minuten von tatsächlichen Werbespots für eben jene Figuren unterbrochen werden.“_
'''(Zitat, S. 106)'''
Unterhaltsam, fesselnd und kurzsatmig ist das Buch durchaus ~ doch für meinen Geschmack fehlt das gewisse Etwas, um mich nach Beendigung vollends wohlgestimmt zu haben. Rigoroser Patzer erneut der Text innerhalb des Buchumschlages: erneut wird viel zu viel an Handlung en detail widergegeben. Arg viel passiert ohnehin nicht, somit dürfte ein jeder, der einen Blick auf eben jene Zusammenfassung gibt, kaum noch Spaß an der Lektüre selbst haben ~ nicht zuletzt aus dem Grunde heraus, dass hier bzgl. des (angeblichen) Thrills mehr als nur übertrieben wird.
Ferner hadere ich nicht zuletzt mit der Kategorisierung „Psychothriller“, eben weil diese Benennung einen deutlich anspannenderen Inhalt suggeriert, als sich tatsächlich vorfinden lässt. Diesbezügliches Potential war zwar durchaus vorhanden, wurde meines persönlichen Empfindens dessen ungeachtet immerzu lediglich im bloßen Ansatz aufgegriffen und viel zu schnell erneut verworfen.
So richtig packend gestaltet sich die Lektüre somit nicht; der Umstand, dass man doch zu oft an Kyles jeweiligen Beweggründen zweifelt respektive diese nicht nachempfinden kann, sorgt für weiteren Punktabzug. Während der potentielle Leser von _„Der Tag, an dem ich starb“_ deutlich merkte, wie viel „von außen“ / von anderen dazu beitragen kann, einen Menschen in einer völlig anderen Situation vorzufinden, als sich dieser aus völlig freien Stücken je entschieden hätte wirkt _„Du bist dran“_ wie ein versehentlicher Abklatsch der Raffinesse inmitten des Vergleichswerks.
Die Frage nach der Entscheidungsfreiheit, nach dem freien Willen und vor allem danach, in wie vielen ~ oder vielmehr: in wie wenigen ~ Momenten die totale Eskalation hätte verhindert werden können findet in _„Du bist dran“_ ebenfalls seinen durchdachten Platz... weiß dementgegen jedoch kaum so derartig intensiv zu verstören wie es bei vorgenannten Buch der Fall ist.
===Summa summarum=== macht man mit _„Du bist dran“_ sicherlich keinen Fehler, sollte aber vor allem dem Klappentext _„Ein Psychothriller, der den Atem stocken lässt“_ keinen allzu großen Glauben schenken. Durch die fast schon schwarz/weiß-Zeichnung der Figuren lässt der Roman keine großen Unvorhersehbarkeiten zu, großartige Überraschungen finden meines Erachtens nach nicht statt ~ und so bleibt ein Jugendbuch, welches aufgrund der durchaus vielversprechenden Grundidee viel zu viel Möglichkeiten verschenkt, um meinerseits mehr als einen soliden 3Sterner nebst einer Neutralitätsempfehlung zu erhalten.
33 Bewertungen, 8 Kommentare
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31.01.2012, 15:26 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gutg eschrieben
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28.01.2012, 00:49 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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27.01.2012, 22:17 Uhr von sirikit06
Bewertung: besonders wertvollWünsche Dir einen schönen Abend! LG
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27.01.2012, 17:30 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreich::: lg andrea :::
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27.01.2012, 17:03 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsch dir einen schönen Freitag...
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27.01.2012, 15:35 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir ein schönes wochenende lg. petra
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27.01.2012, 11:53 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsh. lg
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27.01.2012, 11:44 Uhr von tina08
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße ... Tina
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