Die Nacht von Berlin Testbericht
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- Stil:
Erfahrungsbericht von margy
die nacht von berlin
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Das 326seitige Taschenbuch erschien im Gmeiner Verlag am 8. August 2011. Unter der ISBN 978-3839212158 kostet es 12,90 €.
Buchumschlag:
Vor einem altrosafarbenen Vorhang tanzt eine Gruppe junger Frauen.
Autor:
Herbert Beckmann, 1960 geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin. Er hat zahlreiche Sachbücher, Hörspiele und Geschichten für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Mit seinem ersten historischen Roman Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova war er 2010 für den Sir-Walter-Scott-Preis nominiert.
Klappentext:
September 1911. Berlin ist Weltstadt. Rastlos, vergnügungssüchtig, nervös. Selbst bei Nacht eine Stadt aus Licht. Doch im Schatten des glitzernden Lichtermeers der Reichshauptstadt gedeiht das Verbrechen auf nie gesehene Weise: An verschiedenen Orten Berlins werden Leichen gefunden kaltblütig ermordet, grotesk kostümiert, theatralisch ausgestellt. Der blutjunge Ermittler Edmund Engel begreift als Erster, dass hier kein gewöhnlicher Mörder am Werk ist. Und auch der erfahrene Nervenarzt Alfred Muesall erkennt die Handschrift eines modernen Tätertyps. Einen Künstler im Fach Mord, dessen bizarre Spur in das weltberühmte Berliner Metropol-Theater führt.
Pressestimmen:
Herbert Beckmann verleiht seinen Figuren mit kleinen Randgeschichten besondere Menschlichkeit. In einem Strudel aus Sex, Gewalt und Tod rund um das Metropol-Theater und seine Akteure. (...) Herbert Beckmann wandert in seinen Krimis durch die Jahrhunderte. Immer auf der Suche nach vergessenen Orten und Personen. Er haucht den Verlorenen neues Leben ein - und löscht sie dann aus. Kaltblütig. Der Mörder ist nämlich eigentlich der Schriftsteller. (rbb-fernsehen)
Lebendiges und pralles Berlin 1911. Das Berlin vor exakten 100 Jahren wird mit all seinem Charme, aber auch seinen Widrigkeiten wiederbelebt, was nicht nur Berlinkenner beeindrucken wird, sondern auch die Leser, die diese Stadt noch nie gesehen haben. Atmosphärisch dicht, lässt Beckmann den Leser eintauchen in eine lebendige und sprudelnde Stadt, die aber auch ihre düsteren und finsteren Seiten hat, die nicht verhehlt werden. (Histo-Couch.de)
Ein ungemein spannender Krimi vor historischer Kulisse. Beckmann hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht. Nebenher vermittelt der Autor einen guten Eindruck der historischen Stadt. Kurz: Die Nacht von Berlin ist ein Buch, das man in einem Rutsch durchlesen kann. (Westfälische Nachrichten)
Aus dem Innenteil des Buches:
Und die Nacht in Berlin!
Welche eine Stadt der Welt hat eine solche Nacht? Wie ein Brausen geht es durch die Friedrichstadt, wie ein einziger lustfroher Champagnerknall. Allerdings wie ein Champagner, der in Deutschland auf Flaschen gefüllt ist, mit schlechtem Nachgeschmack und Kopfschmerzen am anderen Morgen. (Edmund Edel, Neu-Berlin, 1906)
Das gefährlichste Organ des Menschen ist der Kopf. (Alfred Döblin)
Leseproben:
Beginn
2. September 1911, gegen 3 Uhr morgens
Er lachte unwillkürlich. Es war ja so leicht gewesen, viel einfacher als gedacht. Und nun saß er bereits mit tiefem inneren Frieden im Rücken der beiden Frauen und betrachtete ihre unscharfen grauen Silhouetten im matten Licht der Gaslaterne, das durchs Schaufenster hereinfiel. Der Mond da draußen schien sternenweit entfernt, war nur ein kleiner weißer Tropfen über den Dächern der Häuserzeile gegenüber. Die Frauen sahen ihn nicht mehr. IhreAugen waren weit geöffnet, aber ihr Blick war blind. Sein Lachen war ein heiseres Keuchen.
Stadt aus Licht
Donnerstag, 31. August, früher Nachmittag
"Lotte is dot, Lotte ist dot, Jule liecht im Sterben..."
Edmund eilte durch den verschatteten, dunklen Innenhof des Hauses, vorbei an einem Sackvoll verfloht aussehender Kinder, die Kreis spielten, und trat hinaus auf die Straße.
Erstes Bild: Laufmädchen
Man trägt die Schachteln durch die Stadt -
ein jeder Hut ein Wagenrad!
Am Kopf, da sind sie leicht nachher,
am Arme aber sind sie schwer!
Am frühen Morgen des 2. September, einem Sonnabend, waren bereits dutzendweise Passanten am kleinen Schaufenster des Hauses Alexandrinenstraße 124 vorbeigezogen, manche hatten sogar einen kurzen Blick in die Auslage des Juweliergeschäfts Stoltze hineingeworfen. Aber niemandem war etwas Ungewöhnliches aufgefallen.
Schreibstil:
lebendig, interessant, bildhaft, gute Recherchen, dichte Atmosphäre, prall, traurig, bedrückend, eindringlich, langsames Tempo, wechselnde Perspektiven, wechselnde Schauplätze,
Meinung:
Edmund Engel ist noch jung und arbeitet als Kriminalassistent. Zusammen mit seinem Vorgesetzten machen sich die beiden auf, einen schrecklichen Mord aufzudecken. In diesem zu ermittelnden Fall geht es um drei Menschen, genauer gesagt, zwei Frauen und einen Mann, die auf grausame Weise erstochen wurden. Die Frauen tragen ungewöhnliche Kostüme und wurden nach ihrem Tod zur Schau gestellt. Schmöckmitz, der Vorgesetzte, der sich das Ganze ansieht, geht erst einmal davon aus, dass es sich um einen Mord aus Eifersucht handeln könnte, denn es geschieht noch ein weiterer Mord auf dieselbe Art und Weise. Engel, der Assistent von Schmöckmitz, sieht Zusammenhänge zwischen dem ersten Geschehen und dem zweiten Mordanschlag. Das äußert er auch laut und wird verhöhnt und ausgelacht. Niemand nimmt ihn in dieser Angelegenheit ernst. Doch Engel glaubt an sich selbst und ermittelt weiter, dann aber noch mit einem Arzt an seiner Seite.
Dass es sich um Ber5lin und das Leben dort handelt, vermittelt bereits der erste Satz aus dem Ausschnitt Stadt aus Licht. Die Geschichte spielt in Berlin im Jahre 1911, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Edmund Engel arbeitet dort in Berlin als Assistent im Präsidium der Polizei. Da vorläufig erst einmal nichts passiert, kümmert er sich um das Schreiben von Berichten. Es geht da um einen Bericht, in der Langenfeld vermisst und das zur Anzeige gebracht wurde. Ganz allgemein scheint hier jeder Polizist froh zu sein über die Lage, dass sich nichts Großartiges ereignete. Kurz darauf geschehen die Morde.
Der Schriftsteller zeigt uns Berlin in Bildern und er geht in die Schicht der einfachen Bürger. Zwei Dinge zeigt er auf. Es geht einmal um die Arbeit der Polizisten und einmal um das Theater in Berlin. Er lässt uns am Theater einen Blick auf die Arbeiten hinter der Kulisse blicken, was ich persönlich sehr schön finde und das von guten Recherchen zeugt.
Es geht um diese große Stadt Deutschlands vor exakt 100 Jahren und der Autor vermittelte mir Berlin aus dieser Zeit mit den Menschen, die in Berlin wohnen und wie sie leben.
In Bildern und in einer dichten Atmosphäre vermittelt der Schriftsteller diese Stdt und die Menschen, die darin leben.
Traurig, bedrückend ist die Stimmung, die in Berlin herrscht, als die Morde entdeckt werden. Es lässt die Menschen nicht kalt, was geschehen ist, denn jeder könnte der nächste sein. Eindringlich sind die Worte, die der Autor hier einsetzt, es ist Melancholie zu spüren.
Das Tempo, das der Autor hier vorlegt, ist eher träge, behäbig, langsam. Immer wieder lässt der Schriftsteller mich auf einen anderen Schauplatz sehen und vermittelt immer wieder die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.
In der Hauptsache erzählt Assistent Engel aus seiner Sicht, dann aber kommen auch Muesall und Döblin zu Wort, die Ärzte sind. Die beiden Männer kommen regelmäßig zusammen.
Muesall ist der Mann, der zufällig auf die Morde stößt und er ist derjenige, der seine Gedanken offenlegt, die mich faszinierten.
Mir schien es so, als säßen bei der Polizei nur Beamte, die meinen, der Fall träfe sie nicht und sie müssten nicht unbedingt die Morde aufklären. Interesse daran zeigten sie nicht. Zwischen den Zeilen hörte ich den Präsidenten der Polizei raunen: Ist gar nicht notwendig, sich so tief in die Sache zu vertiefen. Scheinbar lag ihm nicht viel an der Aufklärung der Dinge genauso wenig wie den Angestellten. Waren sie eher arbeitsscheu oder hatten sie gar kein Interesse daran, die Morde aufzuklären?
Aus diesem einen Grund kommt Engel als einziger zum Vorschein, der ermittelt, sich der Sache annimmt und wunderbar kombiniert, Dinge in Zusammenhang bringt. Er schaut sich alle Einzelheiten an, kümmert sich darum. Er recherchiert und alles, was er in Erfahrung bringen kann, notiert er peinlich genau.
Muesall steht dem Polizisten zur Seite, unterstützt ihn dadurch, dass er der gleichen Auffassung ist wie der Polizist selbst. Würde es Engels in dieser Geschichte nicht geben, hätten alle anderen Polizisten, aus der Launenhaaftigkeit heraus irgendwelche Leute von der Straße eingeknastet, weil sie zu faul sind, sich der Morde anzunehmen. Dieses Gefühl ließ mich nicht los, als ich die Geschichte las.
Die Personen, die der Schriftsteller beschreibt, sind in der Hauptsache sehr skurril gezeichnet, wirken aber auch angenehm sympathisch. Die einen sind sehr nett, die anderen nörgelig, meckernd. Andere wieder lassen sich nicht durchschauen oder tragen ihr Herz offen mit sich herum.
Zu oberflächlich sind sie beschrieben, das Hauptaugenmerk liegt auf der Handlung des Romans. Die ist in allen Einzelheiten und Facetten, akribisch genau konstruiert und geschildert. Engel selbst ist der reine Polizist, ich erfuhr nicht, ob er eine Familie hat, verheiratet war oder Kinder hatte. So sind die Personen für mich nur lebendige Wesen, die sich mit dem Fall der Morde beschäftigen, nichts aber erfuhr ich, was mir wichtig gewesen wäre, über die Dinge, die sie außerhalb des Falles beschäftigten und ausmachten.
Berlin und das Leben darin sind sehr bunt, schillernd, farbig und prall beschrieben. Die Geschichte um die Morde und die Aufklärung sind sehr dicht, detailliert und in Einzelheiten nahe gelegt. Die Stadt ist lebendig, hier wuselt es vor Leben und von den Menschen, von den Vorfällen. Berlin in der Beschreibung des Autors wirkt finster und düster, zugedeckt von den unheimlichen Morden und den Verbrechen, die dahinter stecken. Es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Es ist einfach wunderbar, die Stadt Berlin auf diese Weise kennenzulernen, wie sie vor 100 Jahren war.
Das 326seitige Taschenbuch erschien im Gmeiner Verlag am 8. August 2011. Unter der ISBN 978-3839212158 kostet es 12,90 €.
Buchumschlag:
Vor einem altrosafarbenen Vorhang tanzt eine Gruppe junger Frauen.
Autor:
Herbert Beckmann, 1960 geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin. Er hat zahlreiche Sachbücher, Hörspiele und Geschichten für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Mit seinem ersten historischen Roman Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova war er 2010 für den Sir-Walter-Scott-Preis nominiert.
Klappentext:
September 1911. Berlin ist Weltstadt. Rastlos, vergnügungssüchtig, nervös. Selbst bei Nacht eine Stadt aus Licht. Doch im Schatten des glitzernden Lichtermeers der Reichshauptstadt gedeiht das Verbrechen auf nie gesehene Weise: An verschiedenen Orten Berlins werden Leichen gefunden kaltblütig ermordet, grotesk kostümiert, theatralisch ausgestellt. Der blutjunge Ermittler Edmund Engel begreift als Erster, dass hier kein gewöhnlicher Mörder am Werk ist. Und auch der erfahrene Nervenarzt Alfred Muesall erkennt die Handschrift eines modernen Tätertyps. Einen Künstler im Fach Mord, dessen bizarre Spur in das weltberühmte Berliner Metropol-Theater führt.
Pressestimmen:
Herbert Beckmann verleiht seinen Figuren mit kleinen Randgeschichten besondere Menschlichkeit. In einem Strudel aus Sex, Gewalt und Tod rund um das Metropol-Theater und seine Akteure. (...) Herbert Beckmann wandert in seinen Krimis durch die Jahrhunderte. Immer auf der Suche nach vergessenen Orten und Personen. Er haucht den Verlorenen neues Leben ein - und löscht sie dann aus. Kaltblütig. Der Mörder ist nämlich eigentlich der Schriftsteller. (rbb-fernsehen)
Lebendiges und pralles Berlin 1911. Das Berlin vor exakten 100 Jahren wird mit all seinem Charme, aber auch seinen Widrigkeiten wiederbelebt, was nicht nur Berlinkenner beeindrucken wird, sondern auch die Leser, die diese Stadt noch nie gesehen haben. Atmosphärisch dicht, lässt Beckmann den Leser eintauchen in eine lebendige und sprudelnde Stadt, die aber auch ihre düsteren und finsteren Seiten hat, die nicht verhehlt werden. (Histo-Couch.de)
Ein ungemein spannender Krimi vor historischer Kulisse. Beckmann hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht. Nebenher vermittelt der Autor einen guten Eindruck der historischen Stadt. Kurz: Die Nacht von Berlin ist ein Buch, das man in einem Rutsch durchlesen kann. (Westfälische Nachrichten)
Aus dem Innenteil des Buches:
Und die Nacht in Berlin!
Welche eine Stadt der Welt hat eine solche Nacht? Wie ein Brausen geht es durch die Friedrichstadt, wie ein einziger lustfroher Champagnerknall. Allerdings wie ein Champagner, der in Deutschland auf Flaschen gefüllt ist, mit schlechtem Nachgeschmack und Kopfschmerzen am anderen Morgen. (Edmund Edel, Neu-Berlin, 1906)
Das gefährlichste Organ des Menschen ist der Kopf. (Alfred Döblin)
Leseproben:
Beginn
2. September 1911, gegen 3 Uhr morgens
Er lachte unwillkürlich. Es war ja so leicht gewesen, viel einfacher als gedacht. Und nun saß er bereits mit tiefem inneren Frieden im Rücken der beiden Frauen und betrachtete ihre unscharfen grauen Silhouetten im matten Licht der Gaslaterne, das durchs Schaufenster hereinfiel. Der Mond da draußen schien sternenweit entfernt, war nur ein kleiner weißer Tropfen über den Dächern der Häuserzeile gegenüber. Die Frauen sahen ihn nicht mehr. IhreAugen waren weit geöffnet, aber ihr Blick war blind. Sein Lachen war ein heiseres Keuchen.
Stadt aus Licht
Donnerstag, 31. August, früher Nachmittag
"Lotte is dot, Lotte ist dot, Jule liecht im Sterben..."
Edmund eilte durch den verschatteten, dunklen Innenhof des Hauses, vorbei an einem Sackvoll verfloht aussehender Kinder, die Kreis spielten, und trat hinaus auf die Straße.
Erstes Bild: Laufmädchen
Man trägt die Schachteln durch die Stadt -
ein jeder Hut ein Wagenrad!
Am Kopf, da sind sie leicht nachher,
am Arme aber sind sie schwer!
Am frühen Morgen des 2. September, einem Sonnabend, waren bereits dutzendweise Passanten am kleinen Schaufenster des Hauses Alexandrinenstraße 124 vorbeigezogen, manche hatten sogar einen kurzen Blick in die Auslage des Juweliergeschäfts Stoltze hineingeworfen. Aber niemandem war etwas Ungewöhnliches aufgefallen.
Schreibstil:
lebendig, interessant, bildhaft, gute Recherchen, dichte Atmosphäre, prall, traurig, bedrückend, eindringlich, langsames Tempo, wechselnde Perspektiven, wechselnde Schauplätze,
Meinung:
Edmund Engel ist noch jung und arbeitet als Kriminalassistent. Zusammen mit seinem Vorgesetzten machen sich die beiden auf, einen schrecklichen Mord aufzudecken. In diesem zu ermittelnden Fall geht es um drei Menschen, genauer gesagt, zwei Frauen und einen Mann, die auf grausame Weise erstochen wurden. Die Frauen tragen ungewöhnliche Kostüme und wurden nach ihrem Tod zur Schau gestellt. Schmöckmitz, der Vorgesetzte, der sich das Ganze ansieht, geht erst einmal davon aus, dass es sich um einen Mord aus Eifersucht handeln könnte, denn es geschieht noch ein weiterer Mord auf dieselbe Art und Weise. Engel, der Assistent von Schmöckmitz, sieht Zusammenhänge zwischen dem ersten Geschehen und dem zweiten Mordanschlag. Das äußert er auch laut und wird verhöhnt und ausgelacht. Niemand nimmt ihn in dieser Angelegenheit ernst. Doch Engel glaubt an sich selbst und ermittelt weiter, dann aber noch mit einem Arzt an seiner Seite.
Dass es sich um Ber5lin und das Leben dort handelt, vermittelt bereits der erste Satz aus dem Ausschnitt Stadt aus Licht. Die Geschichte spielt in Berlin im Jahre 1911, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Edmund Engel arbeitet dort in Berlin als Assistent im Präsidium der Polizei. Da vorläufig erst einmal nichts passiert, kümmert er sich um das Schreiben von Berichten. Es geht da um einen Bericht, in der Langenfeld vermisst und das zur Anzeige gebracht wurde. Ganz allgemein scheint hier jeder Polizist froh zu sein über die Lage, dass sich nichts Großartiges ereignete. Kurz darauf geschehen die Morde.
Der Schriftsteller zeigt uns Berlin in Bildern und er geht in die Schicht der einfachen Bürger. Zwei Dinge zeigt er auf. Es geht einmal um die Arbeit der Polizisten und einmal um das Theater in Berlin. Er lässt uns am Theater einen Blick auf die Arbeiten hinter der Kulisse blicken, was ich persönlich sehr schön finde und das von guten Recherchen zeugt.
Es geht um diese große Stadt Deutschlands vor exakt 100 Jahren und der Autor vermittelte mir Berlin aus dieser Zeit mit den Menschen, die in Berlin wohnen und wie sie leben.
In Bildern und in einer dichten Atmosphäre vermittelt der Schriftsteller diese Stdt und die Menschen, die darin leben.
Traurig, bedrückend ist die Stimmung, die in Berlin herrscht, als die Morde entdeckt werden. Es lässt die Menschen nicht kalt, was geschehen ist, denn jeder könnte der nächste sein. Eindringlich sind die Worte, die der Autor hier einsetzt, es ist Melancholie zu spüren.
Das Tempo, das der Autor hier vorlegt, ist eher träge, behäbig, langsam. Immer wieder lässt der Schriftsteller mich auf einen anderen Schauplatz sehen und vermittelt immer wieder die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.
In der Hauptsache erzählt Assistent Engel aus seiner Sicht, dann aber kommen auch Muesall und Döblin zu Wort, die Ärzte sind. Die beiden Männer kommen regelmäßig zusammen.
Muesall ist der Mann, der zufällig auf die Morde stößt und er ist derjenige, der seine Gedanken offenlegt, die mich faszinierten.
Mir schien es so, als säßen bei der Polizei nur Beamte, die meinen, der Fall träfe sie nicht und sie müssten nicht unbedingt die Morde aufklären. Interesse daran zeigten sie nicht. Zwischen den Zeilen hörte ich den Präsidenten der Polizei raunen: Ist gar nicht notwendig, sich so tief in die Sache zu vertiefen. Scheinbar lag ihm nicht viel an der Aufklärung der Dinge genauso wenig wie den Angestellten. Waren sie eher arbeitsscheu oder hatten sie gar kein Interesse daran, die Morde aufzuklären?
Aus diesem einen Grund kommt Engel als einziger zum Vorschein, der ermittelt, sich der Sache annimmt und wunderbar kombiniert, Dinge in Zusammenhang bringt. Er schaut sich alle Einzelheiten an, kümmert sich darum. Er recherchiert und alles, was er in Erfahrung bringen kann, notiert er peinlich genau.
Muesall steht dem Polizisten zur Seite, unterstützt ihn dadurch, dass er der gleichen Auffassung ist wie der Polizist selbst. Würde es Engels in dieser Geschichte nicht geben, hätten alle anderen Polizisten, aus der Launenhaaftigkeit heraus irgendwelche Leute von der Straße eingeknastet, weil sie zu faul sind, sich der Morde anzunehmen. Dieses Gefühl ließ mich nicht los, als ich die Geschichte las.
Die Personen, die der Schriftsteller beschreibt, sind in der Hauptsache sehr skurril gezeichnet, wirken aber auch angenehm sympathisch. Die einen sind sehr nett, die anderen nörgelig, meckernd. Andere wieder lassen sich nicht durchschauen oder tragen ihr Herz offen mit sich herum.
Zu oberflächlich sind sie beschrieben, das Hauptaugenmerk liegt auf der Handlung des Romans. Die ist in allen Einzelheiten und Facetten, akribisch genau konstruiert und geschildert. Engel selbst ist der reine Polizist, ich erfuhr nicht, ob er eine Familie hat, verheiratet war oder Kinder hatte. So sind die Personen für mich nur lebendige Wesen, die sich mit dem Fall der Morde beschäftigen, nichts aber erfuhr ich, was mir wichtig gewesen wäre, über die Dinge, die sie außerhalb des Falles beschäftigten und ausmachten.
Berlin und das Leben darin sind sehr bunt, schillernd, farbig und prall beschrieben. Die Geschichte um die Morde und die Aufklärung sind sehr dicht, detailliert und in Einzelheiten nahe gelegt. Die Stadt ist lebendig, hier wuselt es vor Leben und von den Menschen, von den Vorfällen. Berlin in der Beschreibung des Autors wirkt finster und düster, zugedeckt von den unheimlichen Morden und den Verbrechen, die dahinter stecken. Es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Es ist einfach wunderbar, die Stadt Berlin auf diese Weise kennenzulernen, wie sie vor 100 Jahren war.
33 Bewertungen, 6 Kommentare
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30.09.2012, 00:59 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichlg andrea
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30.09.2012, 00:08 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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29.09.2012, 15:14 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut geschrieben
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29.09.2012, 12:53 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichGrüße von der Katja....
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29.09.2012, 11:19 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsh. lg
-
29.09.2012, 10:41 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichWünsche ein schönes Wochenende
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