Der Gott des Gemetzels (DVD) Testbericht
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- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
Rechenschafstbewusstsein.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„Hätte bloß mein Sohn dafür nicht zwei seiner Zähne verlieren müssen.“
„Ja, das hab ich gemeint.“
Nicht erst an dieser Stelle, die lediglich einen kleinen Vorgeschmack auf die Art verbaler Schlagabtausch offenbart, war ich persönlich von der knapp 77minütigen Gesellschaftssatire
Der Gott des Gemetzels hin und weg. Gehört hatte ich von dem Film schon zur Kinolaufzeit, hatte aber allein aufgrund des Titels und wohl auch des zum Teil recht umstrittenen Regisseurs Roman Polanski eine völlig verfälschte Vorstellung ob der Thematik und befasste mich somit nicht weiter mit der Materie.
Kaum dass ich jedoch irgendwann die ersten begeisterten Rezensionen nebst der tatsächlichen Handlungsbeschreibungen las, ward mir persönlich klar, dass ich diese Art „Nachbarschaftsstreit-Film“ unbedingt sehen wollen würde.
Wie es der Zufall ~ oder vielmehr ein lieber Mensch ~ wollte, fand die DVD, die zu einem ungefähren Preis von rund 11Euro vielerorts zu kaufen ist, geschenkemäßig den Weg in meinen heimischen Briefkasten.
Kaum ausgepackt, schon geguckt und noch rascher begeistert: Jodie Foster beweist einmal mehr ihr überzeugendes Schauspiel in den unterschiedlichsten Gefühlseinstürzen, während Kate Winslet spätestens jetzt ein für alle mal ihren „Titanic“-touch abgestreift haben dürfte.
Die Handlung des auf den Theaterstück von Yasmina Reza basierenden Hollywood-Films ist rasch zusammengefasst:
In einer Auseinandersetzung schlägt der elfjährige Zachary (Elvis Polanski) seinem Schulkameraden Ethan (Eliot Berger) beide Vorderzähne aus, woraufhin die Eltern des „Täters“, Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz) die Eltern des „Opfers“, Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly) besuchen, um die Sache aus der Welt zu schaffen.
Bereits der Entschuldigungsmoment der Eltern an sich wirkt nur äußerlich höflich-entspannt, während sich die gegenseitigen Vorwürfe und nicht zuletzt Vorurteile inmitten einer Art Frage & Antwortspiel mehr schlecht als recht getarnt zwischen den Zeilen heraushören lassen.
Klar dürfte sein, dass es im Grunde genommen lediglich darum geht, dass Zachary sich bei Ethan entschuldigen soll ~ weniger (oder doch eher: genauso?) klar hingegen der Fakt, dass die jeweiligen Fronten sich immerfort verhärten, jeder dem anderen die „Schuld“ in die Schuhe schiebt und auf seiner eigenen festgefahrenen, zum Teil unglaublich sturen Meinung beharrt.
Bezüglich der FSK12 Freigabe bleibt festzuhalten, dass _„Der Gott des Gemetzels“_ mitnichten eine Art „Metzelfilm“ darstellt oder gar das verkörpert, was man aus gedacht-vergleichbaren Veröffentlichungen wie _„Spurwechsel“_ kennen mag. Obschon das Adrenalin der Beteiligten durchaus in Wallung gerät, bleibt es vollumfassend unblutig, schneidet in der ein oder anderen Szene maximal in die Seele, definitiv jedoch in die Facette des falsch-verstandenen Organisationswillens.
Ob und inwieweit 12jährige tatsächlich Gefallen an der Gesellschaftskritik finden werden, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Ich schätze, es kommt auf den jeweiligen Reife- und Interessegrad des entsprechenden Jugendlichen an ~ schaden wird es demjenigen welchen jedoch mit Sicherheit nicht.
===Die Umsetzung=== wirkt in den ersten Minuten wie eine Art Stummfilm, in dem der Zuschauer aus der Ferne die beiden Jungs beobachten darf. In der nächsten Szene bereits sieht man die vier Hauptdarsteller, die über einer Protokollerstellung bezüglich der Ereignisse - höflich aber bestimmt - debattieren. Schon in diesem Augenblick wirkte die Figur der Penelope altbekannt großartig-überzeugend, während insbesondere Nancy zwar höflich-distanziert ist, ihre Empörung ob gewisser Verhaltensweisen von Michael Longstreet kaum zurückhalten kann.
Der Aspekt, dass (beinahe) der gesamte Film ausschließlich in der Wohnung bzw. im Hausflur spielt, fiel mir persönlich an keiner Stelle negativ auf. Mehr noch: zwar mag man sich ein wenig darüber wundern, warum die Cowan's stets und ständig versuchen, aufzubrechen, hierbei allerdings nicht energischer von dannen schreiten; gleichzeitig jedoch macht eben jenes Tun mit die Genialität aus, die von _„Der Gott des Gemetzels“_ ausgeht.
Sprich: die gesamte Darbietung ist derartig skurril und treffsicher zugleich, dass ich eine sonnenhelle Freude während des Anguckens verspürte. Obschon das, was man sieht bzw. hört, an für sich nicht lustig sein _sollte,_ ist es dies eben doch ~ vollends aus dem Leben gegriffen, so dass sich viele Zuschauer an ähnliche Situation oder gar sich selbst erinnert fühlen dürften.
Ebenfalls kristallisiert sich zügig heraus, dass man sich keine bessere Besetzung hätte wünschen können: einem jeden Darsteller scheint die Rolle förmlich auf dem Leib geschrieben. Grandios Jodie Fosters Verkörperung der schnippisch und nicht zuletzt selbstgerechten Märtyrerin, die binnen Sekunden ihre Mimik wie Gestik „auf Besuch umstellt“.
Grundsätzlich überzeugt und überrascht jeder der Darsteller zugleich, während nicht zuletzt Christoph Waltz in seiner tendenziell arrogant-geschäftlichen Art es schafft, telefonierend in einer Ecke stehend den ganzen Raum einzunehmen, den Zuschauer hiermit zeitgleich aufzuregen wie auch wahnsinnig zu faszinieren und amüsieren. Der sarkastisch-spöttische Unterton von Alan hat definitiv etwas für sich. Nicht vergessen darf (und wird!) man hier, dass man ob jenem, was man als unbeteiligter Zuschauer absolut gelungen empfindet, als Selbst-Beteiligter vermutlich ebenso wie die Umstehenden an die Decke gehen könnte.
Hochgradig mehrfach anhörenswert generell mannigfaltige Verbalattacken, die zwischen den einzelnen Beteiligten hin- und hergeschleudert werden. Nach und nach bröckelt die Fassade aller Figuren, während Penelope die Entlarvung ihres vermeintlichen Vorzeigekindes Ethan arg persönlich nimmt. Der Zwist über einfache Formulierungen („Ethan wurde nicht entstellt, er hat zwei Zähne verloren!“) trägt eine profane Genialität inne, die direkt aus dem Leben gegriffen scheint, während das zuschauerliche Mitgefühl von einem Charakter zum nächsten wandert.
Man könnte annehmen, dass zumindest die jeweiligen Ehepaare zueinanderhalten; doch stattdessen heißt es rasch „jeder gegen jeden“, während sich die Kleingruppen in Sekundenbruchteilen immerfort neu formatiert.
_„Unser Sohn ist ein Wahnsinniger. Wenn Sie hoffen, dass er sich ganz spontan einsichtig und reumütig zeigt, dann träumen Sie.“_
ist wohl kaum der Satz, den sich Nancy als Unterstützung von ihrem Gatten gewünscht hat, während Michael hingegen mit seiner stoischen Gelassenheit seine eigene Frau auf die Palme bringt.
So sehr sich die Atmosphäre wie Stimmung unter den Charakteren auch zuspitzen und kippen mag, so unterhaltsam gestaltet sich „Der Gott des Gemetzels“ für den Filmgucker. Regelrecht fassungslos wundert sich dieser über die ein oder andere Kleinigkeit, die von den Protagonisten förmlich hochgepusht und zum zentralen Thema gemacht wird. Obschon man stellenweise den Kopf auch nur über Sekundenbruchteile schütteln mag, so sehr kann man sich zeitgleich in die Figuren hineinversetzen und empfindet die jeweiligen Aktionen wie Reaktionen nachvollziehbar.
Sprich: genauso, wie die Elternteile sich jeweils auf eine andere Seite schlagen, hüpft ebenfalls die Sympathie des Zuschauers wild umher. Meines Erachtens nach kann man gar nicht so richtig sagen, wem man am ehesten die Stange halten mag und wen man hingegen am wenigsten verstehen kann.
Etliche Details faszinieren und fesseln absolut, während nicht zuletzt diverse Telefonate zur Weiterentwicklung der Szenerie beitragen.
Man kann es nicht anders sagen, als das inmitten des Filmes an für sich nicht allzu viel passiert, der ein oder andere womöglich gar innerlich aufstöhnen wird, dass die Szenerie kein Ende finden mag, obschon es mehrfach allzu deutliche Anzeichen hierfür gab. Langweilig wurde mir persönlich jedoch an keiner Stelle. Die (An)Spannung, die von _„Der Gott des Gemetzels“_ ausgeht, ist unbestreitbar kongenialer Natur, fesselte mich persönlich die gesamte Laufzeit hindurch und ließ mich aus diesem authentischen Filmerlebnis amüsiert – und zugleich teil-erschrocken – zurück. Der bissige Humor sorgt für jenen Effekt, dass der Zuschauer die Ernsthaftig- wie auch Tiefgründigkeit erst im zweiten Atemzug bemerkt und neben der Begeisterung mit einem etwas mauen Gefühl zurücklässt.
_„Der Gott des Gemetzels“_ beweist zweifellos, dass es Kleinigkeiten gibt, die dafür Sorge tragen können, dass schlussendlich vieles an die Oberfläche geschwemmt wird, was man in diesem Kontext keineswegs vermutet hätte oder gar nur hätte vermuten _können. Der Titel des eigentlichen Dramas erklärt sich inmitten der Handlung durch eine Art Monolog und hätte im Grunde genommen zielsicherer nicht sein können. Das Resümee des kritischen Werkes nebst des fast schon überstürzten Endes mag den ein oder anderen im ersten Moment etwas verstimmen; wenngleich ich persönlich für mich entschieden habe, dass man sich kein passenderes hätte wünschen können.
'''Die DVD selbst''' ist auf deutsch, englisch sowie als Hörfilmfassung genießbar, verfügt jedoch ausschließlich über einen deutschen Untertitel, der meines Erachtens nach diverse Verbalschlachten regelrecht kastriert. Als '''Bonusmaterial''' fungieren neben einer handvoll '''trailer''' ein paar '''Darstellerinformationen''' sowie eine knappe halbe Stunde '''Interviews die man sich in diesem Fall gut und gerne anschauen kann.
===Summa summarum=== hat mich _„Der Gott des Gemetzels“_ zügig in seinen Bann gezogen und vollends überzeugt, um nicht zu sagen: begeistert. So empört ich selbst über das ein oder andere war, was es hier zu betrachten, entlarven und hören gab, so intensiv reizen die verletzende Schlagfertigkeit aka
„Deren Ehe geht den Bach runter, wir müssen denen nicht noch Konkurrenz machen“
dazu, sich diese wieder und wieder anzuhören. Angriffe quer durch die Bank, gut versteckt hinter einer pseudo-zu-dem-anderen-Halterei tragen einen unglaublichen Zauber inne, dem ich persönlich mich in diesem Fall nicht entziehen konnte oder gar wollte. Obschon natürlich irgendwann „Schluss“ sein musste, hätte ich mir noch stundenlang weitere Aufnahmen angucken können ~ dabei stetig ignorierend, dass man womöglich einfach nur mal im selbsteigenen Umfeld Ausschau halten muss.
Ergo des Ergos: höchstmögliche Punktzahl und vollumfassende Empfehlung für dieses Meisterwerk, welches ich mir sofort nochmal anschauen könnte.
33 Bewertungen, 6 Kommentare
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09.07.2012, 20:58 Uhr von Lolobili
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht! Viele Grüße Lolobili
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03.07.2012, 21:17 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^petra
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03.07.2012, 14:00 Uhr von Gute_Fee_2012
Bewertung: besonders wertvoll*bw* Liebe Grüße, Nicole
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03.07.2012, 13:26 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsh. lg
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03.07.2012, 11:57 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchau Dir Deine Überschrift nochmal an, da hast Du einen Buchstabendreher - es muß wohl "Rechenschaf"ts"bewusstsein" heißen. ;o) LG Thomas
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03.07.2012, 11:47 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSh und einen Gruß aus dem Schbg.-Land
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