Ewig Dein (gebundene Ausgabe) / Daniel Glattauer Testbericht

ab 7,64
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Auf yopi.de gelistet seit 02/2012

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Erfahrungsbericht von BulmaZ

Abgründe.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Immer, wenn ich tatsächlich mal Langeweile habe, stöbere ich bei eBay durch die bald endenden Buchauktionen. Dabei suche ich nie nach etwas Bestimmtem, sondern lasse mich quasi leiten – von so Dingen wie Titel, Buchcover und Inhaltsangabe. Dabei stolperte ich über den aktuellen Roman eines Autors, der es mir mit zwei seiner Bücher in der Vergangenheit regelrecht angetan hat. Daher kümmerte ich mich auch wenig um eventuelle Rezensionen, überflog auch die Inhaltsangabe nur kurz und ersteigerte dies:


=== Ewig dein – Daniel Glattauer ===


+++ Bezugsquelle & Preis +++

Gekauft habe ich das kleine gebundene Buch bei eBay. Dort habe ich es für rund 7,00 € ersteigert.
Neu kostet es 17,90 €.

+++ Eckdaten +++

Titel: Ewig dein
Autor: Daniel Glattauer
Verlag: Deuticke Verlag
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama / Thriller (?)
Seitenzahl: 208 Seiten

+++ Daniel Glattauer +++

Daniel Glattauer (* 19. Mai 1960 in Wien) ist ein österreichischer Schriftsteller.Bekannt wurde Glattauer vor allem durch seine Kolumnen, die im so genannten Einserkastl auf dem Titelblatt des Standard abwechselnd mit jenen von „rau“ (Hans Rauscher) erschienen und in denen er sich humorvoll des Alltäglichen annahm. Die Standard-Redaktion, der er über 20 Jahre angehörte, verließ er beim Erscheinen seines Romans Alle sieben Wellen.[1] Sammlungen seiner besten Kolumnen sind in Buchform unter den Namen Die Ameisenzählung, Die Vögel brüllen und Schau ma mal erschienen.Sein 2006 veröffentlichter Roman Gut gegen Nordwind wurde im selben Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert. Das Buch handelt als moderne Form des Briefromans von einer durch Zufall entstandenen E-Mail-Korrespondenz zwischen einem alleinstehenden Mann und einer verheirateten Frau und kann als moderne Variante von Gustave Flauberts Ehebruch-Roman Madame Bovary verstanden werden. Die Bühnenfassung wurde am 19. September 2007 im Linzer Posthof uraufgeführt. 2009 erschien die Fortsetzung Alle sieben Wellen.

Quelle: www.wikipedia.de

+++ Ewig dein +++

Im Zuge eines nicht langweiliger und profaner erscheinenden Einkaufs im Supermarkt, lernt die Singlefrau Judith den ihr direkt sehr sympathischen Mann Hannes kennen. Hannes tritt ihr in die Hacken – was genug Gesprächsstoff für unverbindlichen Smalltalk bietet.

Fortan läuft Hannes Judith andauernd über den Weg und kommt mehrfach am Tag in ihrem Lampengeschäft vorbei. Es kommt, wie es kommen muss: Beide verlieben sich. Hannes ist dabei der Liebling aller: Judiths Freunde und Familie sind ganz vernarrt in den Architekten, der so vorbildliche Umgangsformen mitbringt.

Aber Hannes hat auch ein sehr einnehmendes Wesen. Er bedrängt Judith immer mehr mit seiner schier grenzenlosen Liebe, drängt sich immer mehr in ihre Beziehung zu ihren Freunden und ihrer Familie und drängt sie dabei immer mehr ins Abseits. So lässt er sich auch nicht vergraulen, als Judith sich von ihm trennt und dreht erst richtig auf…


+++ Eindrücke +++

Die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches lässt die geneigte Leserin respektive Leser direkt mit vollkommen falschen Erwartungen in den Roman starten. Denn liest man die, erwartet man wohl einen fluffigen Liebesroman ohne Schmalz und Schnodder, so, wie man es eben von Daniel Glattauer noch aus dem genialen, wunderbaren und einfach tollen „Gut gegen Nordwind“ kennt. Entsprechend verwirrt dürfte man also sein, umso weiter man in die Geschichte von „Ewig dein“ eintaucht. Denn die entwickelt sich zunehmend zu einem Drama rund um Psychoterror, Stalking und die daraus erwachsenden Folgen für ihr Opfer Judith.

Sicherlich behandelt Daniel Glattauer hiermit ein Thema, das aktueller und spannender kaum sein könnte. Er beleuchtet vielerlei Nuancen des Psychoterrors, den Hannes auf Judith ausübt, übertreibt dabei aber nicht. Vielmehr zeigt er auf, wie subtil die Belastung durch einen Menschen sein kann, der einfach nicht verstehen will, dass einem alles zu viel wird, dass man die enorme und zuweilen krankhafte Liebe so eben nicht erwidern kann. So weit, so gut. Könnte man meinen. Irgendetwas bzw. ab irgendeinem Punkt, der zu benennen schwer fallen dürfte, macht Glattauer etwas gehörig falsch. Denn es beißt sich doch schon sehr, wie er versucht, Humor und Stalking im vorliegenden Roman zusammen zu bringen. Man hat ja aufgrund der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken nach wie vor keine Ahnung, wohin sich „Ewig dein“ entwickelt, mag das Ganze für einen schlechten Scherz halten, vielleicht für eine Art Parodie – im schlimmsten Falle. Erst sehr spät wird klar, dass der Autor es tatsächlich ernst meint. Dass seine Protagonistin leidet und immer mehr abbaut. Dazu mag es jedoch immer noch so überhaupt gar nicht passen, dass er nicht müde wird, das Ganze mit seinem zwar intelligenten und geschickt subtil gestreuten Humor zu unterstreichen. Humor und Psychoterror passen eben nicht. Punktum. Man zweifelt die gesamten wenigen Seiten des Romans an der Ernsthaftigkeit, mit der der Autor das Szenario angeht. Funktioniert so absolut gar nicht. Ja, man könnte sogar sagen, dass man sich so manches Mal arg verarscht vorkommt.

Der Schreibstil hingegen ist wie gewohnt sehr außergewöhnlich zu lesen.
Hat Glattauer den geneigten Leser bereits mit „Gut gegen Nordwind“ und dem nicht mehr ganz so starken Nachfolger dessen „Alle sieben Wellen“ rein vom Stil her überzeugt, so wird der geneigte Sprachfreund sich auch bei „Ewig dein“ direkt heimisch fühlen. Der Stil ist eine zunächst vielleicht rein von der Beschreibung her merkwürdig anmutende Mischung aus trocken, neutral aber doch eben sehr bildhaft und –reich. Glattauer wechselt gekonnt zwischen dem Aufzeigen der Gedankenwelt seiner Hauptfigur, den Umständen ihres Lebens sowie nahezu poetischer Auswüchse. Besonders ab dem letzten Drittel, in dem Fokus vielmehr noch auf der Psyche der Protagonistin Judith liegt als es davor erscheint, zeigt Glattauer wieder sein gewohntes Potenzial. Simple Satzkonstruktionen sind ihm fremd, einfaches Beschreiben ebenso. So erfreut einen zumindest der Schreibstil des Autors, wenn es der Plot des Romans schon nicht vermag.

Der Figuren gibt es in „Ewig dein“ gar nicht so schrecklich viele.
In der Tat spielen nur, wie gewohnt, zwei Personen ihre tragenden Rollen – diese da wären zum einen natürlich Judith und zum anderen Hannes. Judith, Anfang 30, steht mit beiden Beinen im Leben, führt einen Lampenladen und erfreut sich an einem großen Freundeskreis. Als sie Hannes kennenlernt, ist sie Feuer und Flamme. Ist ihr doch selten bis nie ein Mann über den Weg gelaufen, der so enorm aufmerksam und liebevoll mit ihr umgegangen ist. Dies führt jedoch bald dazu, dass Judith erdrückt wird und die Flucht nach vorn antritt. Dabei geht sie vor, wie es wohl jeder täte und was sie unter anderem recht plastisch erscheinen lässt: Sie sagt Hannes klipp und klar die Meinung. Ansonsten jedoch bietet sich nur wenig Identifikationspotenzial, bleibt sie doch darüber hinaus eher farblos. Zwar ist sie am Ende des Romans keineswegs mehr dieselbe wie noch zu Beginn, aber diese Entwicklung ist in Anbetracht der Umstände nicht weiter verwunderlich und entsprechend wohl auch keine allzu große Kunst.
Mit Hannes übertreibt Glattauer es vielleicht ein bisschen. Der geneigte Leser merkt schnell, dass der erfolgreiche Architekt eine gehörige Delle mit sich herum trägt. Daher dürfte man auch kaum Sympathien für ihn hegen, nicht einmal zu Beginn, wo man im Zweifelsfall noch nicht ahnt, wohin die Reise geht. Er wirkt schmierig und irgendwie nicht so richtig koscher. Dies wirkt irgendwie langweilig. Wäre es doch ein viel größerer Riss in der gänzlich anders erwarteten Geschichte gewesen, hätte Glattauer nicht gleich zu Beginn so dick aufgetragen. Sei es drum.

Unterm Strich ist „Ewig dein“ ein Roman, der vielleicht gar nicht schlecht ist, wenn man mit den richtigen Erwartungen an ihn heran geht. Erwartet man allerdings so etwas wie „Gut gegen Nordwind“ und somit Protagonisten á Emmi und Leo, wird man derartig enttäuscht, dass man das dünne blaue Büchlein gegen die Wand pfeffern möchte. Humor und Psychoterror vertragen sich eben nicht. Hinzu kommt, dass die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken vollkommen falsche Assoziationen hinsichtlich des Plots erwecken und man daher während des Lesens recht lange verwirrt bis verarscht fühlt. Einzig positiv an diesem Roman ist wieder einmal Glattauers außergewöhnlich angenehmer, fast poetischer und bildhafter Schreibstil, der stets durchzogen wird durch abgehackte Sätze (Ellipsen) und merkwürdig anmutende Satzkonstruktionen. Ansonsten kann man sich „Ewig dein“ aber definitiv kneifen.

49 Bewertungen, 10 Kommentare

  • knuddelfire

    18.11.2012, 21:50 Uhr von knuddelfire
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und einen schönen Rest Sonntag LG

  • anonym

    18.11.2012, 20:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • Baby1

    18.11.2012, 19:39 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • debbi87

    18.11.2012, 18:19 Uhr von debbi87
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schönen Sonntag noch wünscht debbi!

  • morla

    18.11.2012, 15:11 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönen sonntag noch lg. petra

  • Miraculix1967

    18.11.2012, 13:23 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Sonntag, SH und LG Miraculix1967

  • katjafranke

    18.11.2012, 13:14 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße. KATJA

  • sigrid9979

    18.11.2012, 10:29 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsch dir einen schönen Sonntag

  • Lale

    18.11.2012, 09:40 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • XXLALF

    18.11.2012, 09:05 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...und einen schönen sonntag