Fünf (gebundene Ausgabe) / Ursula Poznanski Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

"Alles was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch."

3
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Herzlichen Glückwunsch! Du bist fündig geworden! Dieser Behälter ist Teil eines Spiels, einer Art moderner Schnitzeljagd mit GPS. Wenn du ihn zufällig gefunden hast, ist diese Jagd für dich jetzt zu Ende. Schließe ihn sofort wieder und leg ihn dort hin, wo du ihn hergenommen hast. Es ist besser für dich, vertrau mir. Hast du ihn bewusst gesucht - dann bist du offenbar weniger dumm, als es unter deinesgleichen üblich ist. Ich bin überzeugt davon, der Inhalt dieser „Schatzkiste“ wird dich interessieren. Anders, als es normalerweise gefordert wird, musst du den Behälter nicht wieder an der gleichen Stelle verstecken. Nimm ihn mit, untersuche ihn auf Fingerspuren. In gewisser Weise wirst du sicher welche finden. TFTH.“
'''(Zitat, S. 34)'''

Serienmordgeschichten gibt es bekanntlich zuhauf, oftmals laufen jene nach einem ähnlichen Muster ab und offenbaren dem „Fan“ recht früh, wer der gesuchte Mörder sein könnte. Ebenfalls gleichen untereinander die Motive, was im Großen und Ganzen keinesfalls schlimm ist. Hier und dort versuchen sich indes diverse Autoren an neuartigen Ideen, erzählen beispielsweise aus der Täterperspektive oder orientieren sich an der Internet-süchtigen Neuzeit.
Jenes Katz und Maus-Spiel, welchem sich der/die Täter/in/nen innerhalb des jüngst von mir gelesenen Thrillers bedienen, ist mir bis dato noch nie begegnet. Irgendwann mag ich einmal etwas von dem sogenannten „Geocaching“ gehört haben, ohne mir darunter jedoch etwas genaueres vorstellen zu können bzw. mit dem bloßen Begriff an sich die Verknüpfung zu eben jenem Hobby gefunden zu haben.

Dank obig zitierter Zeilen kann sich der potentiell Interessierte meines Erachtens nach ein grobes Bild von dem machen, was ihn in dem 381seitigen Thriller

===“Fünf“=== an ermittlungsbezogenener Herausforderung erwartet. Ohne bereits an dieser Stelle näher auf jene Zettelchen einzugehen, die das Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger vor moderne Rätsel stellen, bemerkte ich persönlich früh, dass der Roman mich eher schwerfällig zu packen vermochte. Trotz des durchaus interessanten Rätsel-Spieles, in dessen Regelwerk der Leser lobenswerterweise nach und nach leicht verständlich eingeführt wird, konnte ich mich nur langsam in den Verlauf wie auch Charaktere einfinden, hatte insbesondere daran zu knacken, dass jene Täter-Zettelchen es Menschen wie mir beinahe vollends unmöglich macht, sich gedanklich an der Hinweissuche zu beteiligen. Soll heißen: während ich bei zig anderen (Serien-)Mordgeschichten von Anfang an dabei bin, meine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen, spart _„Fünf“_ diese Möglichkeit anhand Zeilen wie

„Du suchst einen Sänger, einen Mann, dessen Vorname Christoph lautet, der blaue Augen hat und ein Muttermal auf den Rücken seiner linken Hand. (…) Die beiden letzten Zahlen seines Geburtsjahres seien A. Nun nimm A zum Quadrat, rechne 37 hinzu und addiere die Zahl zu deinen nördlichen Koordinaten.“
'''(Zitat, S. 35)'''

nahezu vollständig aus. Ein wenig tüfteln darf der Leser zwar, wie man auf die jeweiligen Personen kommen könnte, doch offen gestanden habe ich über kurz oder lang jene (nicht allzu oft auftauchenden) Rätsel nur noch hälftig gelesen. Die Autorin Poznanski hat sich zweifellos mit diesen Details Mühe gegeben, worüber ebenfalls ein absolut herzliches und rigoros liebenswertes Nachwort Aufschluss gibt ~ somit nagt in mir ein klein wenig ein schlechtes Gewissen, mich nicht wirklich auf jene Raffinesse eingelassen zu haben. Fakt ist, dass ich den Anfang des Buches erneut im Zug las und mich wie gesagt nur schwerlich auf die Lektüre einlassen konnte.

Noch ehrlicher: fast die komplette Buchhälfte fühlte sich für mich ein wenig trantütig an, so dass es mir kaum etwas ausgemacht hätte, den Thriller versehentlich im Zug vergessen zu haben. Bemerkenswerterweise führte ich die Lektüre zu Hause in Ruhe fort ~ und konnte mich sodann kaum noch von dieser lösen. Bezüglich des Brutalitätsfaktors hält sich _„Fünf“_ im unteren Bereich auf, was jedoch gleichermaßen nicht bedeuten soll, dass der ein oder andere hier keine kleineren fiesen Ekelszenen vorfinden wird. Alles eine Frage der Fasson, versteht sich.

Ob dies nun dem Buch selbst oder gar eher der Umgebung zu verdanken ist... dies stellt ebenfalls ein Rätsel dar, welches man kaum ad hoc wird lösen können.

Fakt ist dennoch, dass neben der Suche nach dem Serienmörder, der stetig neue Leichenteile in Plastikbehälter verpackt, mit Hinweiszettelchen für die Ermittler versieht und jene somit mehr und mehr daran verzweifeln, die Zusammenhänge nicht zu begreifen, ebenfalls die private Situation der Ermittlerin Kaspary eine nicht mindere Rolle spielt. Als nunmehr alleinerziehende Mutter kämpft sie verbal mit ihrem Exmann, der ihr stetig vorwirft, die Kinder zur Großmutter abzuschieben, redet von Vernachlässigung und macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass der sog. „Cacher“ immer offensiver Kontakt zu Beatrice aufnimmt und diese unter Druck ihres Chefs beschließt, auf die eingehenden SMS zu antworten. Dass sie damit eine weitere Lawine ins Rollen bringt, mag der Leser geahnt, zugleich allerdings gewünscht haben ~ sprich: endlich erhält der Psychothriller den nötigen Aufschwung, um mich als Leser so richtig zu fesseln.

Positiv hervorzuheben ebenfalls der Aspekt, dass die schier trockene Ermittlungsarbeit, die einem Stochern im Dunklen ähnelt, nach und nach für den Leser nachvollziehbarer wird. Weitere Pluspunkte sammelt _„Fünf“_ durch diverse emotionale Momente, die durchaus unter die Haut gehen:

_„Mich?“ Er wirkte ehrlich verblüfft. „Mir fällt kein einziger Grund ein, aus dem jemand mich umbringen sollte“, sagte er dann. „Ich bin doch schon fast nicht mehr hier._ _Ob ich nun in diesem Loch von einer Wohnung sitze oder in einem Sarg unter der Erde liegen, macht für niemanden einen Unterschied, auch für mich nicht.“_
'''(Zitat, S. 185-186)'''

Generell unterschiedet sich _„Fünf“_ nicht nur in der Art der Spurensuche von den üblichen Serienkiller-Lektüren ~ ich denke, ich nehme den späteren Lesern nicht zuviel vorweg, wenn ich erwähne, dass der Thriller durchaus seine tragisch-bewegenden Momente inneträgt. Seelische Schmerzen mussten hier mehrere Charaktere durchlaufen; während Beatrice mehr und mehr zur zentralen Figur mutiert. Man darf schlussfolgern, dass weitere Bücher um jene Ermittlerin folgen werden, zumal einige Fragen bezüglich interpersoneller Andeutungen offen bleiben.

Zu guter Letzt bleibt hinzuzufügen, dass eine meiner beiden Ahnungen, wer sich hinter dem Serienkiller verbirgt, schlussendlich zutreffend war ~ doch genau wie jener Umstand, dass eine Art Erklärungsmonolog erfolgt, stört dies im vorliegenden Buch erstaunlicherweise ganz und gar nicht. Mehr noch: jene Passagen, die Motiv und Ablauf offenlegten, las ich mit ähnlicher Faszination wie alles, was nach der ungefähren 157.ten Seite erfolgte.

Definitiv bin ich froh, _„Fünf“_ trotz genannter anfänglicher Einfühlungsschwierigkeiten bis zum buchstäblich bitteren Ende gelesen zu haben, komme um einen kleinen Punktabzug in der Wertung jedoch nicht umhin, da meines Erachtens nach nicht zuletzt ein kleiner Logikfehler vorliegt: der Umstand, wie eine gewisse Figur zu Tode kam, kristallisiert sich meiner persönlichen Aufmerksamkeitsspanne erst Tage nach der Erwähnung des Oberbegriffs des Deliktes heraus; während dementgegen jedoch keiner der Hörenden in dem Moment verblüfft reagiert, als diese eigentlich noch davon überzeugt hätten sein müssen, dass es sich hierbei um einen Unfalltod handelte.

Sollte ich mich diesbezüglich irren und tatsächlich jene Vorher-Erwähnung überlesen haben, entschuldige ich mich an dieser Stelle bei der Autorin wie auch den (späteren) Lesern.

Nichtsdestominder ob des leicht schwerfälligen Starts vier starke Sternchen für _„Fünf“_ nebst einer gut gelaunten Leseempfehlung.

36 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Matze081

    09.04.2012, 20:14 Uhr von Matze081
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüße aus Greifswald ;)

  • XXLALF

    08.04.2012, 18:26 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    ....und ein frohes osterfest

  • kruegerchristine

    08.04.2012, 16:24 Uhr von kruegerchristine
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht! Frohe Ostern und viele LG Günter :-)

  • sirikit06

    08.04.2012, 15:59 Uhr von sirikit06
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wünsche Dir ein schönes Osterfest! LG

  • Nina1805

    08.04.2012, 14:50 Uhr von Nina1805
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und frohe Ostern!

  • Lale

    08.04.2012, 14:47 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • anonym

    08.04.2012, 14:15 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche Dir ein Frohes Osterfest!

  • XHENMaster

    08.04.2012, 13:36 Uhr von XHENMaster
    Bewertung: besonders wertvoll

    besonders wertvoll lg XHENMaster

  • Miraculix1967

    08.04.2012, 13:10 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Frohe Ostern, viele bunte Eier und alles Liebe und Gute wünscht Miraculix1967 aus dem gallischen Dorf