Never Knowing- Endlose Angst (Taschenbuch) / Chevy Stevens Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
Es ist nicht der Käfer, der die Bäume tötet.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„Es jagte mir Angst ein – dieses Gefühl, dass in mir etwas Finsteres lauerte, etwas, das ich nicht kontrollieren konnte. Und ich wollte glauben, was Sie sagten ,dass es derselbe Auslöser war wie immer: Verlustängste, Vertrauensverlust, geringes Selbstwertgefühl, all das. Aber jetzt wissen wir, dass ein Elternteil von mir gewalttätig ist, mehr als gewalttätig. Es sieht aus, als hätte ich allen Grund, mich zu fürchten.“
(Zitat, S. 53)
Kaum dass mir bekannt wurde, dass die Autorin Chevy Stevens, die mich bereits mit ihrem Erstlingswerk „Still missing“ förmlich regungslos von den Buchseiten verharren lies, einen recht ähnlich intensiven Thriller geschrieben hat, legte ich mir
===“Never knowing – Endlose Angst“=== zu, um die 489 Seiten kopfschmerzbedingt an zwei Tagen nahezu in mich aufzusaugen. Erneut wählte die Verfasserin jene Erzählperspektive, in der die Hauptfigur Sara ihrer Therapeutin von den Dingen berichtet, die ihr kürzlich widerfahren sind. Jene Rückblicke verlaufen in diesem Fall durchaus chronologisch, wenngleich der Leser nur selten daran erinnert wird, dass er quasi einem Monolog lauscht. Sprich: all das, was man hier liest, liest sich derartig packend, als wäre man aktuell mitten im Geschehen, und das, obzwar naturgemäß die Vergangenheitsform gewählt wurde.
Die Story indes ist einfach wie raffiniert zugleich:
Kurz vor ihre Hochzeit beschließt Sara, die Nachforschung über ihre leiblichen Eltern wieder aufzunehmen. Tatsächlich ist die erfolgreiche Suche nach ihrer Mutter schon nach wenigen Buchseiten abgehandelt, während es ebenfalls keine weiteren 20 Seiten bedarf, bis Protagonistin wie auch Sara über ihren leiblichen Vater im Bilde ist: der sogenannte „Campsite Killer“; ein Serienmörder, der bislang nicht gefasst werden konnte, vergewaltigte einstig Julia, die daraufhin mit Sara schwanger wurde.
Eine Offenbarung, die Sara kurzzeitig aus der Bahn werfen soll ~ doch das diese Information erst der harmlose Anfang sein sollte, liegt durchaus auf der Hand, wenngleich ich schon an dieser Stelle lobend erwähnen möchte, dass Chevy Stevens sich keinem a-typischen weiteren Verlauf verschrieb.
Statt dass nun, wie viele potentiell Interessierte es vermuten könnten, ein Buch über eine profane Jagd nach der Tochter zu verfasst zu haben, verlagerte die Autorin den thematischen Schwerpunkt vorrangig auf die familiären Konflikte, darauf, was die Offenbarung des biologischen Vaters für Sara bedeutet, auslöst und nicht zuletzt zunichte macht.
Je mehr Sara sich mit der Serienmörder-Thematik befasst, desto mehr fürchtet sie, sich in jenen Definitionen wiederzufinden; hinzu gesellt sich der Aspekt, dass die Presse erneut auf Julia aufmerksam wurde und auch Sara nun im Zentrum des öffentlichen Interesse steht. Wie nebenbei warnt auch _„Never knowing“_ den Leser vor allzu offenherzigen Umgang mit dem Internet, beweist auf eine weitere Art und Weise, wie schnell es passieren kann ~ und wie sehr man gewissermaßen selbst Mit-Schuld daran trägt ~ dass persönlichste Daten in ein Forum getragen werden, welches kaum Rücksicht auf die Privatsphäre der Mitmenschen legt.
Regelrechten Aufschwung erhält _„Never Knowing“_ dementgegen dadurch, dass der Campsite Killer – John – nicht gerade erfreut darüber ist, bis dato nie gewusst zu haben, eine Tochter zu haben. Statt an dieser Stelle jedoch auf eine möglichst altbackene und zugleich verlässliche Thrillergestaltung zu setzen, wagte Chevy Stevens, weitaus bodenständiger an die Sache heranzugehen: John nimmt immerfort Kontakt zu Sara auf, fragt sie aus, schickt ihr schließlich Pakete, deren Inhalt nicht nur die hinzugezogene Polizei zu der Idee bewegt, Sara wäre die einzige, die dazu beitragen kann, den gesuchten Serienmörder zu schnappen. Als sodann ein weiterer Mord geschieht, bei dem die Freundin des jungen Campers noch vermisst wird, erkennen Protagonistin und Leser zugleich, in welche ernste Lage man sich inzwischen manövriert hat....
'''Die Umsetzung''' ist erneut absolut gelungener Natur.
Auf überaus genial-fesselnde Weise gestaltet sich somit ein Thriller, der von Anbeginn an unsagbar spannend gestaltet wurde. Wie Sara selbst „vergisst“ der Leser während der Telefonaten hin und wieder, dass es eben nicht um ein „normales Vater-Tochter-Gespräch“ geht; hält förmlich mit der Hauptfigur den Atem an, wenn diese dazu vordringt, ihn nach seinen Taten zu befragen.
Absolut nachvollziehbar nicht zuletzt Saras Drang, sich, ihre Charakterzüge und nicht zuletzt die Verhaltensweisen ihre Tochter Ally stetig zu sezieren, um sich durch die Frage, wie weit man dem Wahnsinn entfernt sein mag, cm für cm langsam aber sicher weiter in eben jenen hineinzusteigern.
Eine weitere Tiefe erhält _„Never knowing“_ dadurch, dass Sara sich nach wie vor von ihrem Adoptivvater zurückgesetzt, gar weniger geliebt fühlt. Die Konkurrenz zu ihren Schwestern ist nie ganz verebbt; insbesondere zwischen Sara und Michelle gibt es nach wie vor Diskrepanzen, die das Interesse von John Halt-Gebender wirken lassen, als es der leiblichen Tochter des Serienmörders lieb ist. Es mag niemandem überraschen, dass die Freude über ihre gefundenen Eltern mehr als nur verhaltener Natur ist; dennoch schaffte die Autorin es hier, die innere Zerrissenheit wie auch das eigene Erschrecken vor manchen liebevollen Vater-Tochter-Momenten absolut authentisch und nachfühlbar zu gestalten.
Während die polizeiliche Ermittlungsarbeit nur sehr mühselig voranschreitet, dringt Sara immer tiefer in die Geschichte ihres Vaters ein, während sie weiterhin stets darum bemüht ist, im Gegenzug zu ihm kaum etwas über ihr eigenes Leben – insbesondere ihre bevorstehende Hochzeit mit Evan sowie die Existenz ihrer Tochter – preiszugeben.
Doch wer eine Homepage über den aktuellen Stand der Hochzeitsplanungen ins Netz stellt, der muss sich nicht wundern, wenn auch jene, vor denen man gewisse Details verheimlichen wollte, auf einmal Bescheid wissen. Und ganz und gar nicht erfreut darüber sind, belogen worden zu sein....
Trotz der durchgehenden Eindringlichkeit mitsamt des hohen Mitfieberpotentials, welches vollends ausgeschöpft wird, beginnt die Lektüre in meinen Augen ab der ungefähren Hälfte ein wenig zu schwächeln. Dadurch, dass beinahe jede Figur in einer Art Dauerschleife das wiederholt, was sie charakterlich ausmacht ~ Evan wünscht sich, Sara würde nicht mehr ans Telefon gehen; die Ermittlerin Sandy bedrängt sie regelrecht, weiterhin parat zu stehen, während Ermittler Billy die sanftere Tour fährt; Tochter Ally zickt rum und flippt aus; Michelle sucht fortdauernd Streit; Saras Adoptivvater ist empört; Saras leiblicher Vater verlangt, das Sara rund um die Uhr erreichbar ist ~ manifestiert sich einerseits zwar die Glaubwürdigkeit des Ganzen, andererseits ist deutlich zu spüren, wie wenig die story voranzukommen scheint.
Der minimale Aufschwung auf S. 248, der sich durch ein weiteres Verschwinden in Szene setzt, erfolgt meines Lesegefühls nach an genau richtiger und fast schon notwendiger Stelle. Obschon sich alsdann weiterhin nicht viel ändert, was interpersonell hätte erwähnenswert sein können, zieht sich das Netz um Sara immer weiter zu, zumal Evans Geduld mit seiner Verlobten und ihrem steten „ich breche den Kontakt ab“ - „ich bin doch die einzige, die der Polizei helfen kann“ durchaus strapaziert wird. Hin- und hergerissen ebenso ich als Leser, da der enorme Druck, der auf Sara lastet, mehr als greifbar-nachfühlbar dargeboten wird, gleichermaßen man von jedem anderen (sofern es einem eben nicht selbst betrifft) jedoch erwarten würde, weiterhin alles menschenmögliche zu tun, um der Polizei bei der Jagd auf denjenigen, der mehrere Leben auf dem Gewissen hat, zu helfen....
Wie schon in dem mir einen Deut zusagenderen_„Still missing“_ wurde auf eine rigorose schwarz/weiß Zeichnung der Charaktere verzichtet; was somit eben auch bedeutet, dass John als Täter nicht lediglich als eiskalter Killer agiert. Die Sorge, die er für seine Tochter hegt, ist gleichzeitig erstaunlich-faszinierend wie auch erschreckend-gänsehautfördernd ~ Saras Weigerung, John allzu nah an sich heranzulassen, kann man durchgehend nachvollziehen. Ganz egal, wie sehr es einem selbst einleuchtet, dass es keine allzu großartige Idee sein dürfte, jemanden der von „Tötungszwängen“ spricht, etwas vorzumachen.
Besonders hervorzuheben generell der Umstand, dass der Leser regelrecht zur kritischen Auseinandersetzung und der großen „was würde ich an ihrer Stelle tun“-Frage bewogen wird. So oft man in einzelnen Momenten den unterschiedlichsten Personen innerhalb des Thrillers eine langen möchte, so sehr kann man sich gleichermaßen beinahe kontinuierlich in die jeweilige Lage einfühlen.
===Summa summarum=== mag es dem ein oder anderem Kenner von _„Still missing“_ negativ aufstoßen, dass sich _„Never knowing“_ auf ein ähnliches Strickmuster verlässt ~ selbst dahingehend, dass der Geschichte ein nicht zu verachtender Verrat innewohnt. Andere hingegen befinden jenen Umstand sicherlich gelungen, wissen diese Sachlage als „eigenen Stil der Autorin“ zu schätzen.
Ich für meinen Teil würde mich zur zweiten Gruppierung zählen, wenngleich ich schon jetzt sagen muss, dass einer weiteren dergestalteten Veröffentlichung ein wenig skeptisch gegenüberstehen würde. Dass ich es nichtsdestotrotz alsbald lesen wollen würde, spricht vermutlich absolut für sich.
Trotz eines winzigen Moments der Langatmigkeit durch Wiederholung nebst einer nicht zu verschweigenden Vorhersehbarkeit (ausschließlich für jene, die das Autoren-Debüt kennen?) gibt’s von mir die volle Sternzahl nebst eine uneingeschränkten Leseempfehlung. An _“Still missing“_ kommt _„Never knowing“_ zwar nicht wirklich heran ~ doch das, Freunde des außergewöhnlich-interpersonellen Grauens, hätte ich auch nicht erwartet.
(Zitat, S. 53)
Kaum dass mir bekannt wurde, dass die Autorin Chevy Stevens, die mich bereits mit ihrem Erstlingswerk „Still missing“ förmlich regungslos von den Buchseiten verharren lies, einen recht ähnlich intensiven Thriller geschrieben hat, legte ich mir
===“Never knowing – Endlose Angst“=== zu, um die 489 Seiten kopfschmerzbedingt an zwei Tagen nahezu in mich aufzusaugen. Erneut wählte die Verfasserin jene Erzählperspektive, in der die Hauptfigur Sara ihrer Therapeutin von den Dingen berichtet, die ihr kürzlich widerfahren sind. Jene Rückblicke verlaufen in diesem Fall durchaus chronologisch, wenngleich der Leser nur selten daran erinnert wird, dass er quasi einem Monolog lauscht. Sprich: all das, was man hier liest, liest sich derartig packend, als wäre man aktuell mitten im Geschehen, und das, obzwar naturgemäß die Vergangenheitsform gewählt wurde.
Die Story indes ist einfach wie raffiniert zugleich:
Kurz vor ihre Hochzeit beschließt Sara, die Nachforschung über ihre leiblichen Eltern wieder aufzunehmen. Tatsächlich ist die erfolgreiche Suche nach ihrer Mutter schon nach wenigen Buchseiten abgehandelt, während es ebenfalls keine weiteren 20 Seiten bedarf, bis Protagonistin wie auch Sara über ihren leiblichen Vater im Bilde ist: der sogenannte „Campsite Killer“; ein Serienmörder, der bislang nicht gefasst werden konnte, vergewaltigte einstig Julia, die daraufhin mit Sara schwanger wurde.
Eine Offenbarung, die Sara kurzzeitig aus der Bahn werfen soll ~ doch das diese Information erst der harmlose Anfang sein sollte, liegt durchaus auf der Hand, wenngleich ich schon an dieser Stelle lobend erwähnen möchte, dass Chevy Stevens sich keinem a-typischen weiteren Verlauf verschrieb.
Statt dass nun, wie viele potentiell Interessierte es vermuten könnten, ein Buch über eine profane Jagd nach der Tochter zu verfasst zu haben, verlagerte die Autorin den thematischen Schwerpunkt vorrangig auf die familiären Konflikte, darauf, was die Offenbarung des biologischen Vaters für Sara bedeutet, auslöst und nicht zuletzt zunichte macht.
Je mehr Sara sich mit der Serienmörder-Thematik befasst, desto mehr fürchtet sie, sich in jenen Definitionen wiederzufinden; hinzu gesellt sich der Aspekt, dass die Presse erneut auf Julia aufmerksam wurde und auch Sara nun im Zentrum des öffentlichen Interesse steht. Wie nebenbei warnt auch _„Never knowing“_ den Leser vor allzu offenherzigen Umgang mit dem Internet, beweist auf eine weitere Art und Weise, wie schnell es passieren kann ~ und wie sehr man gewissermaßen selbst Mit-Schuld daran trägt ~ dass persönlichste Daten in ein Forum getragen werden, welches kaum Rücksicht auf die Privatsphäre der Mitmenschen legt.
Regelrechten Aufschwung erhält _„Never Knowing“_ dementgegen dadurch, dass der Campsite Killer – John – nicht gerade erfreut darüber ist, bis dato nie gewusst zu haben, eine Tochter zu haben. Statt an dieser Stelle jedoch auf eine möglichst altbackene und zugleich verlässliche Thrillergestaltung zu setzen, wagte Chevy Stevens, weitaus bodenständiger an die Sache heranzugehen: John nimmt immerfort Kontakt zu Sara auf, fragt sie aus, schickt ihr schließlich Pakete, deren Inhalt nicht nur die hinzugezogene Polizei zu der Idee bewegt, Sara wäre die einzige, die dazu beitragen kann, den gesuchten Serienmörder zu schnappen. Als sodann ein weiterer Mord geschieht, bei dem die Freundin des jungen Campers noch vermisst wird, erkennen Protagonistin und Leser zugleich, in welche ernste Lage man sich inzwischen manövriert hat....
'''Die Umsetzung''' ist erneut absolut gelungener Natur.
Auf überaus genial-fesselnde Weise gestaltet sich somit ein Thriller, der von Anbeginn an unsagbar spannend gestaltet wurde. Wie Sara selbst „vergisst“ der Leser während der Telefonaten hin und wieder, dass es eben nicht um ein „normales Vater-Tochter-Gespräch“ geht; hält förmlich mit der Hauptfigur den Atem an, wenn diese dazu vordringt, ihn nach seinen Taten zu befragen.
Absolut nachvollziehbar nicht zuletzt Saras Drang, sich, ihre Charakterzüge und nicht zuletzt die Verhaltensweisen ihre Tochter Ally stetig zu sezieren, um sich durch die Frage, wie weit man dem Wahnsinn entfernt sein mag, cm für cm langsam aber sicher weiter in eben jenen hineinzusteigern.
Eine weitere Tiefe erhält _„Never knowing“_ dadurch, dass Sara sich nach wie vor von ihrem Adoptivvater zurückgesetzt, gar weniger geliebt fühlt. Die Konkurrenz zu ihren Schwestern ist nie ganz verebbt; insbesondere zwischen Sara und Michelle gibt es nach wie vor Diskrepanzen, die das Interesse von John Halt-Gebender wirken lassen, als es der leiblichen Tochter des Serienmörders lieb ist. Es mag niemandem überraschen, dass die Freude über ihre gefundenen Eltern mehr als nur verhaltener Natur ist; dennoch schaffte die Autorin es hier, die innere Zerrissenheit wie auch das eigene Erschrecken vor manchen liebevollen Vater-Tochter-Momenten absolut authentisch und nachfühlbar zu gestalten.
Während die polizeiliche Ermittlungsarbeit nur sehr mühselig voranschreitet, dringt Sara immer tiefer in die Geschichte ihres Vaters ein, während sie weiterhin stets darum bemüht ist, im Gegenzug zu ihm kaum etwas über ihr eigenes Leben – insbesondere ihre bevorstehende Hochzeit mit Evan sowie die Existenz ihrer Tochter – preiszugeben.
Doch wer eine Homepage über den aktuellen Stand der Hochzeitsplanungen ins Netz stellt, der muss sich nicht wundern, wenn auch jene, vor denen man gewisse Details verheimlichen wollte, auf einmal Bescheid wissen. Und ganz und gar nicht erfreut darüber sind, belogen worden zu sein....
Trotz der durchgehenden Eindringlichkeit mitsamt des hohen Mitfieberpotentials, welches vollends ausgeschöpft wird, beginnt die Lektüre in meinen Augen ab der ungefähren Hälfte ein wenig zu schwächeln. Dadurch, dass beinahe jede Figur in einer Art Dauerschleife das wiederholt, was sie charakterlich ausmacht ~ Evan wünscht sich, Sara würde nicht mehr ans Telefon gehen; die Ermittlerin Sandy bedrängt sie regelrecht, weiterhin parat zu stehen, während Ermittler Billy die sanftere Tour fährt; Tochter Ally zickt rum und flippt aus; Michelle sucht fortdauernd Streit; Saras Adoptivvater ist empört; Saras leiblicher Vater verlangt, das Sara rund um die Uhr erreichbar ist ~ manifestiert sich einerseits zwar die Glaubwürdigkeit des Ganzen, andererseits ist deutlich zu spüren, wie wenig die story voranzukommen scheint.
Der minimale Aufschwung auf S. 248, der sich durch ein weiteres Verschwinden in Szene setzt, erfolgt meines Lesegefühls nach an genau richtiger und fast schon notwendiger Stelle. Obschon sich alsdann weiterhin nicht viel ändert, was interpersonell hätte erwähnenswert sein können, zieht sich das Netz um Sara immer weiter zu, zumal Evans Geduld mit seiner Verlobten und ihrem steten „ich breche den Kontakt ab“ - „ich bin doch die einzige, die der Polizei helfen kann“ durchaus strapaziert wird. Hin- und hergerissen ebenso ich als Leser, da der enorme Druck, der auf Sara lastet, mehr als greifbar-nachfühlbar dargeboten wird, gleichermaßen man von jedem anderen (sofern es einem eben nicht selbst betrifft) jedoch erwarten würde, weiterhin alles menschenmögliche zu tun, um der Polizei bei der Jagd auf denjenigen, der mehrere Leben auf dem Gewissen hat, zu helfen....
Wie schon in dem mir einen Deut zusagenderen_„Still missing“_ wurde auf eine rigorose schwarz/weiß Zeichnung der Charaktere verzichtet; was somit eben auch bedeutet, dass John als Täter nicht lediglich als eiskalter Killer agiert. Die Sorge, die er für seine Tochter hegt, ist gleichzeitig erstaunlich-faszinierend wie auch erschreckend-gänsehautfördernd ~ Saras Weigerung, John allzu nah an sich heranzulassen, kann man durchgehend nachvollziehen. Ganz egal, wie sehr es einem selbst einleuchtet, dass es keine allzu großartige Idee sein dürfte, jemanden der von „Tötungszwängen“ spricht, etwas vorzumachen.
Besonders hervorzuheben generell der Umstand, dass der Leser regelrecht zur kritischen Auseinandersetzung und der großen „was würde ich an ihrer Stelle tun“-Frage bewogen wird. So oft man in einzelnen Momenten den unterschiedlichsten Personen innerhalb des Thrillers eine langen möchte, so sehr kann man sich gleichermaßen beinahe kontinuierlich in die jeweilige Lage einfühlen.
===Summa summarum=== mag es dem ein oder anderem Kenner von _„Still missing“_ negativ aufstoßen, dass sich _„Never knowing“_ auf ein ähnliches Strickmuster verlässt ~ selbst dahingehend, dass der Geschichte ein nicht zu verachtender Verrat innewohnt. Andere hingegen befinden jenen Umstand sicherlich gelungen, wissen diese Sachlage als „eigenen Stil der Autorin“ zu schätzen.
Ich für meinen Teil würde mich zur zweiten Gruppierung zählen, wenngleich ich schon jetzt sagen muss, dass einer weiteren dergestalteten Veröffentlichung ein wenig skeptisch gegenüberstehen würde. Dass ich es nichtsdestotrotz alsbald lesen wollen würde, spricht vermutlich absolut für sich.
Trotz eines winzigen Moments der Langatmigkeit durch Wiederholung nebst einer nicht zu verschweigenden Vorhersehbarkeit (ausschließlich für jene, die das Autoren-Debüt kennen?) gibt’s von mir die volle Sternzahl nebst eine uneingeschränkten Leseempfehlung. An _“Still missing“_ kommt _„Never knowing“_ zwar nicht wirklich heran ~ doch das, Freunde des außergewöhnlich-interpersonellen Grauens, hätte ich auch nicht erwartet.
24 Bewertungen, 3 Kommentare
-
18.06.2012, 19:45 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichlg. ^^^^^^^^^^^^^^petra
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18.06.2012, 19:10 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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18.06.2012, 14:41 Uhr von giselamaria
Bewertung: besonders wertvollprima beschrieben !! -kann nur ein bw sein :-) - LG gisela
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