Der Hexer und die Henkerstochter (Taschenbuch) / Oliver Pötzsch Testbericht
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Erfahrungsbericht von margy
der hexer und die henkerstochter
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Die gebundene 624seitige Ausgabe des Buches erschien im Ullstein Verlag am 16. April 2012 in deutscher Sprache. Unter der ISBN 978-3548281155 kostet es 14,99 €.
Buchumschlag:
Auf orangem Grund sitzt ein Mann, ganz in rot gekleidet, neben einer Jungen Frau mit schwarzen langen Haaren.
Autor:
Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitet seit Jahren als Filmautor für den Bayerischen Rundfunk, vor allem für die Kultsendung "quer". Er ist selbst ein Nachfahre der Kuisls, die 300 Jahre lang die berühmteste Henker-Dynastie Bayerns waren.
Klappentext:
1666: Der Schongauer Medicus Simon und seine Frau Magdalena, die Tochter des Henkers, brechen zu einer Wallfahrt ins Kloster Andechs auf. Dort lernt Simon den mysteriösen Frater Virgilius kennen, der Uhrmacher und Erfinder ist. Simon ist fasziniert von den unheimlichen Automaten, die Virgilius erschaffen hat. Als der Frater verschwindet und sein Labor zerstört wird, ahnt Simon Böses und ruft Jakob Kuisl, den Schongauer Henker herbei. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche – nach einem wahnsinnigen Mörder … Die Henkerstochter ermittelt zum 4. Mal.
Inhalt aus dem Innenteil des Buches:
Der Schongauer Medicus Simnon Fronwieser und seine Frau Magdalena, die Tochter des Henkers, machen sich im Sommer 1666 auf zu einer Wallfahrt nach Andechs, um Gott für die Heilung ihrer beiden kleinen Söhne zu danken. Doch kaum sind sie im Kloster angekommen, wird ein Novize ermordet. Bei einem Unfall in seiner Werkstatt verschwindet der rätselhafte Uhrmacher Frater Virgilius, der auch menschenähnliche Automaten baut, spurlos, sein Gehilfe verbrennt bis zur Unkenntlichkeit.
Der Abt bittet Simon um Hilfe bei der Aufklärung der Morde, doch die anderen Mönche glauben fest an Hexerei. Als im zerstörten Haus des Uhrmachers das Okular des Apothekers Frater Johannes gefunden wird, scheint der Schuldige festzustehen. Der Apotheker wird als Hexer verhaftetund dem Landrichter übergeben, obwohl er seine Unschuld beteuert. Magdalena entdeckt, dass es sich bei Frater Johannes um einen alten Freund ihres Vaters handelt, und schickt per Kurier einen Hilferuf nach Schongau: Der Henker Jakob Kuisl muss nach Andechs kommen und den wahren Mörder finden.
Leseprobe:
Erling bei Andechs
Samstag, der 12. Juni Anno Domini 1666, abends
Unter dunklen Gewitterwolken und mit einem saftigen Fluch auf den Lippen ging der Novize Coelestin seinem baldigen Tod entgegen.
Drüben im Westen, jenseits des Ammersees, türmten sich schwarze Wirbel zu einem mächtigen Ungetüm, erste Blitze zuckten, und von fern war leises Donnern zu hören. Wenn Coelestin die Augen zusammenkniff, konnte er über der fünf Meilen entfernten Dießener Klosterkirche bereits graue Regenschwaden erkennen. Es mochte sich nur noch um Minuten handeln, bis das Gewitter über dem Heiligen Berg war, und ausgerechnet jetzt sollte er dem fetten Apothekermönch zum Abendessen einen Karpfen aus dem Klosterweiher fischen. Coelestin fluchte ein weiteres Mal und zog die Kapuze seiner schwarzen Kutte tief ins Gesicht. Was sollte er machen? Gehorsam war eines der drei Gelübde der Benediktinermönche, und Frater Johannes war nun mal sein Vorgesetzter. Ein gelegentlich cholerischer, oft rätselhafter und vor allem gefräßiger Laienbruder, aber trotzdem sein Vorgesetzter.
„Porca miseria!"
Wie so oft, wenn er schlechte Laune hatte, wechselte Coelestin in die Sprache seiner Eltern. Er war in einem italienischen Gebirgsdorf jenseits der Alpen aufgewachsen, doch die Wirren des Krieges hatten aus seinem Vater einen Söldner und aus seiner Mutter eine Marketenderin und Hure gemacht. Hier im Kloster am Heiligen Berg hatte Coelestin in der Andechser Klosterapotheke eine Heimat gefunden, und auch wenn ihm die ewigen Litaneien und die nächtlichen Gebete gelegentlich auf die Nerven gingen, fühlte er sich doch geborgen. Er bekam dreimal täglich reichlich zu essen, hatte eine warme, trockene Schlafstatt, und das Andechser Bier galt als eines der besten im ganzen bayerischen Kurfürstentum. Man konnte es in diesen schweren Zeiten wahrlich schlimmer treffen. Trotzdem schimpfte der spindeldürre kleine Novize leise vor sich hin, und das hatte nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass er bald ebenso nass sein würde wie die Karpfen im Erlinger Klosterweiher.
Coelestin hatte Angst.
Schreibstil:
flüssig, leicht zu lesen, interessant, düster, finster, unheilvoll, spannend
Meinung:
Finster, unheilvoll, doch voller Geheimnisse beginnt der Roman mit dem Novize. Sehr detailliert beschreibt der Schriftsteller die Landschaft und die Begebenheiten. Zusätzlich verfinstert und verdüstert sich dabei die Stimmung. Die Belastung und die Abneigung seines Dienstes, den der Novize zu erledigen hatte, kommt aus den Worten des Autors sehr gut erkennbar heraus. Nur sehr ungern und mit Widerwillen macht er seine Arbeit.
Hatte er überhaupt Novize werden wollen? Warum machte er das überhaupt? Nichts deutete darauf hin, dass er mit Begeisterung an seiner Stellung im Kloster im Einklang war. Nur die Geborgenheit der Mauern war das, was ihn begeisterte.
Das Leben dieses Novizen steht im Widerspruch. Er macht Dinge, die ihm einfach nicht liegen und die mit seinem inneren Gefühl so gar nichts mehr zu tun haben. Ich finde es lächerlich, in welche Lage sich dieser Mann bringt und brachte. Äußerlich war der Mann so klein wie er auch innerlich war. Denn nur ein Mensch, der das tut, was in seinem Inneren vor sich geht, der gehorcht auf die eigenen Gefühle und Empfindungen, kann an sich selbst wachsen und gedeihen.
Finsternis umhüllt ihn bei seinem Traum, dass Gott eweige Rache schwört und das hat auch was damit zu tun, dass Coelestin nicht nach seinem Ich, seinem Selbst lebte, sondern eine Marionette darstellte, die einfach nur funktionierte.
Die Geschichte spielt in Andechs im 17. Jahrhundert. Die Inquisition regiert und er gehört mit zu den Inquisitoren. Kam er eigentlich damit zurecht? Aber auf der anderen Seite gab ihm das ja auch ein Stück Macht in die Hand, die er sonst nicht hatte bzw. glaubte, sie nicht zu haben. Welch kleiner Wurm er eigentlich war - war ihm das überhaupt bewusst?
Der Novize floh und jemand beobachtete ihn dabei. Nun plagten ihn Zweifel und die Rache Gottes, die ihn überkommen würde. Warum stand er nicht dazu, dass er geflohen war und warum, aus welchem Grund?
Das Wetter bzw. das Unwetter, das der Autor schildert, rollt wie eine Lawine durch die Geschichte und die Verhaltensweise des Mönches, der sich als klein und bedeutungslos fühlt.
Das Kloster würde bald nicht mehr seine Heimat, seine Unterkunft sein. Warum glaubte das der Mönch? Wie winzig machte er sich selbst, nicht zu seinem Wesen und seinem Verhalten zu stehen? Dann hätten die finsteren, die unheilvillen Gedanken gar nicht sein müssen.
Wie ein Fisch am Haken, so, wenn er die Karpfen aus dem Teich in der Nähe des Klosters fischte, so fühlte er sich. Was hat dieser Novize zu verbergen? ging es mir durch den Kopf, warum hielt er sich so klein?
So wie der Fisch am Haken leidete, wenn er ihn verschlang, so verschlang den Novizen die Pein, die er auf sich zurollen ließ.
Etwas musste er am Kerbholz haben oder warum verhielt er sich so dumm?
Die Kapuze zog er sich übers Gesicht. Nicht, dass dieser Mann, den der Autor beschreibt, nicht schon düster genug wäre, zieht er sich noch eine schwarze Kapuze über und wirkt so noch unbedeutender, kleiner und schwärzer wie die Nacht, die ihn damit umgab.
Die Hölle tut sich auf, als ich diese Worte las. Doch das Feuer der Hölle brachte kein Licht in das Dunkel. Sie färbte alles noch finsterer.
Not hatte der Novize keine zu leiden, denn er bekam reichlich zu essen und konnte schlafen. Er hatte ein Bett, was ihm sonst im freien Leben vielleicht nicht zugekommen wäre.
Etwas traf den Novizen am Kopf und er fiel in das Wasser des Teiches, in dem sonst die Fische schwammen. Er war in dem MOment für mich wie die Fische, glitschig und aalglatt. Das zu seinem Wesen. Alles nur zu seinem Besten, so glaubte er. Aber war das wirklich so?
Schwimmen konnte er nicht und so hatte er seine Not, dem Wasser zu entkommen. Entkommen, daschte ich mir, ja, entkommen, das war das Motto seines Lebens. Immer, wenn er etwas verbockt hatte, wollte er der Sache entkommen, floh er vor der Verantwortung und stellte sich ihr nicht.
Ein Kescher hielt im an der Wasseroberfläche an Land einen Stock hin. An dem zog er sich hoch und kam an Land. Ging das auch so wie ein roter Faden durch sein Leben? Hatte er immer wieder eine Hilfe, die ihn aus dem Dreck zog?
Hinter dem Kescher stand wieder eine Person, die ihn niederdrückte und so auch das Leben des Novizen in Gefahr brachte. Zum ersten Mal im Leben dieses unscheinbaren kleinen Mannes, der hier beschrieben wird? Es machte neugierig darauf, wie es weitergehen würde, die Geschichte begann, interessant und spannend zu werden. Fisch und Mensch stehen sich gegenüber, als der Novize im Wasser versank und starb. Der Mörder verschwand und begann, noch mehr Menschen auszulöschen.
Wunderbar geschrieben in Metaphern, das Wetter umschreibt und auch die Tiere, wie der Mensch, der sich dahin begibt, im Inneren seines Selbst ist.
Klasse gemacht.
27 Bewertungen, 5 Kommentare
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26.05.2012, 11:51 Uhr von allegra1805
Bewertung: besonders wertvollbw - das werde ich mir irgendwann auch zulegen. lg, allegra
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26.05.2012, 01:13 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichschönes wochenende lg. petra
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26.05.2012, 00:39 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichSchönes Wochenende, schöne Pfingst-Feiertage und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967
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25.05.2012, 19:50 Uhr von webcrush2011
Bewertung: sehr hilfreichHuhu, würde mich über Gegenlesungen, besonders beim LED FULL HD Power von LG, freuen =) lg webcrush2011
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25.05.2012, 18:43 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichKatja schickt liebe Grüße
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