Das Labyrinth der Wörter (DVD) Testbericht


Auf yopi.de gelistet seit 06/2012
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Prisca
Sie veränderte sein Leben
Pro:
wunderschöne Geschichte - tolle Darsteller
Kontra:
nichts für Actionliebhaber
Empfehlung:
Ja
*** LABYRINTH DER WÖRTER ***
Zumindest mal kein Thriller / Krimi und auch keine richtige Liebesschnulze. Eher … na ja, eigentlich wusste ich zuerst gar nicht so recht, was genau ich erwartete zu sehen. Bei diesen Franzosen weiss man ja nie. Aber lest doch selbst was sich dabei ergeben hat.
*** INHALT ***
Germain ist 45 Jahre alt und lebt in einer kleiner Stadt, immer noch zusammen mit seiner Mutter, die ihn schon von Kindheit an herablassend, beinahe gleichgültig behandelt hat. Auch sonst hat der gutherzige aber naive und ein wenig ungebildete Germain es eher schwer von anderen voll akzeptiert zu werden.
Eines Tages lernt er auf einer Bank im Park Margueritte (Margueritte mit zwei t) kennen, eine ältere Dame die jeden Tag aus ihrem Altersheim hierher kommt um die Tauben zu füttern und zu lesen. Margueritte ist sehr gebildet. Trotzdem kommen beide miteinander ins Gespräch … und es entsteht eine eigentlich unmögliche Freundschaft, die letztlich zwei Leben total verändern wird.
***MEINE MEINUNG ***
Wie, werdet ihr jetzt vielleicht denken, dass ist schon alles? Wie kann man denn davon einen Spielfilm drehen? Wie kann man sich diesen Film auch noch ansehen wollen ohne sich zu Tode zu langweilen?
Nun, ihr irrt, denn dieser Film ist wirklich wunderschön. Es ist ein Film der ruhigen Art, der sich langsam an den Zuschauer heranschleicht, ihn gefangen nimmt und ihn wie gebannt vor dem Fernseher sitzen lässt bis zur letzten Sekunde.
Und das liegt einfach daran, das hier etwas zusammenkommt, was eigentlich nicht zusammen gehört. Germain und Margueritte sind sie unterschiedlich wie zwei Menschen nur sein können. Das fängt schon äußerlich an. Germain groß, grobschlächtig, auf den ersten Blick ein wenig naiv und vielleicht sogar 'dumm'. Aber Germain zeigt dem Zuschauer schnell, wie sehr man sich täuschen kann.
Ja, Germain ist ein wenig naiv und ungebildet. In der Schule hat er kaum Lesen und Schreiben gelernt. Aber er ist ein fleißiger, ehrlicher, hilfsbereiter Mann geworden Er liebt seine Mutter, auch wenn sie ihm das Leben von Anfang an schwer gemacht hat. Er ist immer für seine Freunde da – auch wenn diese ihn eher ausnutzen und auslachen als wirklich ernst nehmen. Er ist fleißig, hat mehrere Jobs und einen eigenen Garten wo er Gemüse anpflanzt das er hinter auf dem Markt verkauft. Ja, er hat sogar eine Freundin – auch wenn diese Beziehung auf dem ersten Blick ein wenig seltsam anmutet – aber im Laufe des Filmes begreift man, das Äußerlichkeiten nicht immer zählen, sondern dass es die inneren Werte sind woraus es ankommt.
Margueritte ist anders. Fast schon achtzig. Sie lebt in einem kostspieligen Altersheim, unterstützt von ihm Neffen. Margueritte ist klein und zierlich, ihr Stimme leise und ruhig. Aber sie weiß zu Lächeln. In ihren Augen liegt eine Fröhlichkeit und Wärme, die einem sofort gefangen nimmt
Margueritte ist gebildet. Sie liest viel. Die Pest von Albert Camus. Dieses Buch liest sie auch als sie Germain im Park kennenlernt. Und sie liest ihm vor. Erst einen Satz. Dann einen Absatz. Dann das ganze Buch.
Sie treffen sich regelmäßig. Sie können miteinander reden. Sie nimmt Germain nicht nur ernst, sie sieht, was hinter seiner Schale steckt. Germain begreift mehr als viele andere. Er ist geradezu begierig, mehr über Literatur zu erfahren, er nimmt es auf wie ein vertrockneter Schwamm der viel zu lange darauf gewartet hat, endlich ins Wasser getaucht zu werden. Er nimmt die Worte von Margueritte, die Worte aus dem Büchern die sie ihm nahe bringt, auf und er nimmt sie mit in sein Leben.
Unmerklich verändert sich seine Beziehung zu seiner Mutter, seinen Freunden, seiner Freundin. Nein, es ist nicht so wie man sich das jetzt vielleicht vorstellt. Germain wird nicht plötzlich der gebildete, gut aussehende junge Mann nach dem sich alle Frauen umdrehen. Germain bleibt sich selbst immer treu. Er ist ein ehrlicher, einfacher, bodenständiger junger Mann der endlich seinen Platz im Leben gefunden zu haben scheint.
Nicht mehr und nicht weniger erzählt dieser Film. Es gibt einige 'spannende Stellen', wo man sich als Zuschauer fragt, wie es nun für Germain weitergehen wird. Der Tod seiner Mutter, der ihn unerwartet zu einem wohlhabenden Mann macht – die Schwangerschaft seiner Freundin – und Margueritte, die mehr und mehr ihr Augenlicht verliert und die eines Tages nicht mehr auf ihrer Bank im Park auftaucht, weil ihr Neffe sie in einem anderen, billigeren Heim in einer anderen Stadt untergebracht hat.
Natürlich helfen diese Geschichten dabei, den Zuschauer bis zum Schluss 'durchhalten' zu lassen – jeder Film braucht solche spannenden Momente um die Handlung weiter voranzutreiben Und das Ende … ja, das Ende. Ich finde es wunderschön – obwohl ich zugeben muss, dass es vielleicht die Schwachstelle dieses Films ist. Die ganze Zeit hat er sich auf einer berührenden, aber niemals kitschigen Ebene bewegt. Hier droht er ein wenig abzugleiten – das ist vielleicht tatsächlich ein bisschen dick aufgetragen. Andererseits bringt es diese ungewöhnliche Geschichte um Germain und seiner Freundschaft mit Margueritte zu dem einzigen Ende die sie verdient. Alles andere wäre einfach viiiiieeeel zu traurig gewesen. Ja, nennt mich ruhig hoffnungslos romantisch – ich liebe das Ende so wie es ist.
*** SCHAUSPIELER ***
Hier kann man nun viel oder gar nichts schreiben, denn eigentlich steht und fällt dieser Film mit einer Hauptperson, dicht gefolgt von einer zweiten, deren Rolle zwar kleiner, aber nicht weniger entscheidend für den Film ist.
Fangen wir an mir Germain der gespielt wird von Gerald Depardieu. Dieser Mann ist für mich ein absolutes Rätsel. Die Rollen, die er im Laufe seines Lebens gespielt hat sind so unterschiedlich wie sie kaum sein können – sowohl von der Art der Rolle von Drama über Komödie bis hin zu belanglosen Abenteuerfilmchen ist so gut wie alles vorhanden – einige einfach genial, einige eher enttäuschend. Diesen Film zähle ich definitiv zu seinen sympathischsten Rollen.
Es scheint fast so als ist ihm diese Rolle wie auf den Leib geschneidert, im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Aussehen, seine Körperhaltung, sein ganzes Auftreten, das ist einfach Germain. Es ist als wenn er ihn nicht nur spielt, sondern diese Rolle zu seinem zweiten Ich werden lässt. Natürlich sollte ein guter Schauspieler das immer tun, aber oft genug will es einfach nicht so recht gelingen. In diesem Fall kann man nicht meckern.
Die zweite entschiedene Rolle in diesem Film ist natürlich Margueritte. Ein kleines, zierliches Persönchen, ruhig, intelligent, immer ein Lächeln auf den Lippen. Eine Frau die nach Jahren alt geworden ist, aber sich innerlich immer noch wie ein junges Mädchen an den Kleinigkeiten des Lebens freuen kann.
Gespielt wird sie von Gisèle Casadesus, eine französische Schauspielerin von der ich bisher noch nichts gehört hatte. Darum musste ich erst mal nach ihr googlen um ein wenig von ihr zu erfahren und was ich da gelesen habe, hat mich doch ein wenig sprachlos werden lassen. Zu lesen, dass sie zum Zeitpunkt des Drehbeginns von 'Labyrinth der Wörter' bereits 96 Jahre alt war. Das sie bereits mit Filmlegenden wie Jean Gabin oder Sophia Loren gedreht hat. Wow. Ich meine, ich wusste schon, dass sie mich mit ihrer Rolle als Margueritte beeindruckt hat, weil sie einfach so absolut passend für diese Rolle zu sein scheint. Aber mit 96 noch so schauspielern zu können – das nimmt einem ein wenig die Angst vor dem Älter werden
Spielen beide ihre Rollen sehr gut, so werden sie als Paar einfach unschlagbar. Das fängt schon mit dem ersten Eindruck an – unterschiedlich wie die beiden scheinen zwei Personen nicht sein zu können – und doch scheint da ein unsichtbares Band zu sein, dass sie zueinander zieht. So muss das sein zwischen Germain und Margueritte Ohne diese beiden hätte der Film vielleicht nicht so funktioniert wie er es tut.
*** NACKTE FAKTEN ***
Labyrinth der Wörter
OT: La Tête en friche
nach einer Romanvorlage von Marie-Sabine Roger
Regie: Jean Becker
gedreht: 2010 in Frankreich
Lauflänge: 85 Minuten
FSK: 6 Jahre – wobei ganz klar gesagt werden muss, das Kinder mit diesem Film nichts, aber auch gar nichts werden anfangen können. Nicht jeder Film der ab sechs Jahren freigegeben wird ist auch ein Familienfilm.
Deutsche DVD Veröffentlichung: 2011
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bild: 16:9 - 2.35:1 widescreen
Bild und Ton sind gut, wie man es von einer DVD erwarten kann.
Extras: div. Trailer und ein relativ uninteressantes Making off
Preis: als DVD neu um die 8,00 Euro, gebraucht ein wenig günstiger. Es gibt auch eine BluRay zu 11,00 Euro.
*** MEIN FAZIT ***
Ein wirklich schöner Film – natürlich nur, wenn man bereit ist, auch mal etwas anderes zu gucken als wilde Schießereien oder verführerische Vampire. Dieser Film ist schon sehr ruhig und selbst die Höhepunkte sind eher emotional als wirklich spannend umgesetzt. Das Ende selbst kann man wohl durchaus als kitschig bezeichnen, ich selbst fand es aber eher wunderschön.
@ Prisca – Juni 2012
33 Bewertungen, 8 Kommentare
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28.08.2012, 21:02 Uhr von MyDream
Bewertung: sehr hilfreichFreue mich immer über Gegenlesungen!
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08.06.2012, 19:59 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: besonders wertvollden muss ich mir unbedingt anschauen, das buch war schon toll-bw
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07.06.2012, 18:10 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW und liebe Grüße!
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07.06.2012, 09:33 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollHier kommt das versprochene BW. LG Melanie
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06.06.2012, 16:47 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichVerregnete Mittwochsgrüße Nr. 1 für heute aus dem herbstlichen gallischen Dorf Miraculix1967
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06.06.2012, 12:10 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPrima beschrieben. Würde mich freuen, wenn du auch bei mir mal reinschaust. GLG
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06.06.2012, 11:46 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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06.06.2012, 10:53 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse


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