Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (DVD) Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  hoch
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Treice564

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

4
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend
  • Altersgruppe:  ab 12 Jahren

Pro:

Handlung

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Kritik
Kleider machen Leute, zumal wenn sie von Eiko Ishioka stammen, Tarsem Singhs kongenialer Stamm-Mitarbeiterin, die im Januar 2012 starb und deren letzte Arbeiten fürs Kino man hier bewundern darf: traumhafte, ebenso bezaubernde wie aussagekräftige Roben, die denen in Jacques Demys "Eselshaut" Konkurrenz machen. Die böse Königin dieser "Schneewittchen"-Adaption ist allerdings gar zu fixiert aufs schöne Äußere. In einer Sequenz, die dem heutigen Anti-Aging-Wahn einen lustigen Seitenhieb versetzt, sieht man das Beauty-Ritual, dem sich die nicht mehr ganz junge Herrscherin unterzieht, um für einen Maskenball in Topform zu sein - eine an Folter grenzende Prozedur, die u.a. mit Tierkot und Bienenstichen zu tun hat. Die Königin nimmt das alles klaglos auf sich, weil sie offensichtlich der Meinung ist, dass man ist, was man scheint. Dass sie mit dieser eitlen Einstellung im Genre des Märchenfilms am Ende scheitern wird, liegt auf der Hand, denn im Märchen ist eben ganz oft nichts so, wie es scheint. Das zeigt auch der erste Auftritt der "sieben Zwerge": Als es den jungen Prinzen, das zukünftige "Love Interest" der schönen Titelheldin Schneewittchen, ins Reich von deren böser Stiefmutter verschlägt, fällt er im Winterwald in die Hand von sieben riesenhaften Briganten. Diese entpuppen sich nach dem ersten Schrecken als Zwerge auf Stelzen, worauf der Prinz meint, leicht mit ihnen fertig werden zu können. Was sich als weiterer Irrtum erweist und dazu führt, dass der Prinz ausgeraubt, halb nackt und wie ein Weihnachtspaket verschnürt an einem Baum baumelt, als er zum ersten Mal Prinzessin Schneewittchen begegnet. Diese ist gerade inkognito im Wald unterwegs: Sie will sich mit eigenen Augen einen Eindruck vom Königreich verschaffen, das unter ihrem Vater noch ein blühendes Land war, seit dessen Verschwinden aber durch die Schreckensherrschaft der Stiefmutter verelendet und in ewigem Winter befangen ist.

Tarsem Singhs Variation von "Schneewittchen" orientiert sich locker an dem grimmschen Märchen, versucht sich aber nicht an einer psychoanalytischen Ausdeutung und liefert weniger eine neue Interpretation als eine Hommage an den klassischen Märchenfilm. Anders als "Snow White and the Huntsman" (2012), eine schwarz-romantische Gothic-Version für "Twilight"-Teens, richtet sich Singh nicht zuletzt ans Stammpublikum des Märchenkinos, nämlich an Kinder. Das Ergebnis zollt dem Animationsfilmklassiker aus dem Hause Disney Referenz ("Schneewittchen und die 7 Zwerge (1937 erinnert aber auch an tschechische Märchenfilme. Wobei letzteres nicht nur mit der visuellen Gestaltung zusammenhängt, sondern auch mit der "sozialen" und feministischen Umdichtung, die Singh dem Märchen zuteilwerden lässt: Schneewittchen ist hier nicht nur das junge Mädchen, das sich gegen eine dominante (Stief-)Mutterfigur behaupten muss, sondern sie entwickelt sich im Lauf des Films von der zarten Prinzessin zur volksnahen, kämpferischen Führerin, die sich gegen eine ausbeuterische Tyrannin stellt. Aus den "sieben Zwergen" werden sieben von der Gesellschaft diskriminierte Kleinwüchsige, die von Schneewittchen lernen, dass sie das Recht haben, in ihrer Andersartigkeit akzeptiert zu werden. Angesichts der Aufwertung der Titelfigur zur selbstbestimmten Heldin wird der Prinz vom strahlenden Retter zum Objekt weiblicher Begierde, auf das sowohl die Prinzessin als auch die böse Stiefmutter ein Auge geworfen haben; statt heroischer sind dabei eher komödiantische Talente gefragt.

Neben einer bestens aufgelegten Julia Roberts, die als böse Stiefmutter mit herrlich nonchalanter Kaltschnäuzigkeit zickige Diven-Attitüden auf die Schippe nimmt, und hochkarätigen Nebendarstellern wie Nathan Lane und Sean Bean schlagen sich die Nachwuchsdarsteller Lily Collins und Armie Hammer sympathisch als jugendliches Liebespaar. Dieses muss in der Tradition des Screwball erst einmal einige Missverständnisse bei durchaus handfesten Konfrontationen aus dem Weg räumen, bevor es zum Happy End kommen kann. Eine Hauptrolle spielt neben ihnen nicht zuletzt das rauschhaft schöne Production Design: Singhs Kino ist einmal mehr vor allem ein Kino der visuellen Attraktionen, und seine Lust an surrealen, zeichenhaft überhöhten Kostümen und Räumen findet im Märchenfilm eine wunderbare Spielwiese. Während in seinem Film "Krieg der Götter" das bildgestalterische Genie Singhs nicht recht mit der 3D-Optik und der der griechischen Mythologie entliehenen epischen Geschichte zusammen finden wollte, geben Form und Inhalt hier ähnlich wie in "The Fall" eine stimmige Einheit ab, wenn auch auf kindlicherem Niveau und mit heiter-unbeschwertem Tonfall.

7 Bewertungen, 3 Kommentare

  • knuddelfire

    22.05.2013, 22:04 Uhr von knuddelfire
    Bewertung: sehr hilfreich

    würde mich über Gegenlesung freuen... LG

  • Gi22Fr

    19.05.2013, 12:36 Uhr von Gi22Fr
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße und schöne pfingsten

  • Miraculix1967

    18.05.2013, 20:34 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Pfingstfeiertage wünscht Miraculix1967 aus dem gallischen Dorf:-)