Morbus Dei: Inferno (Taschenbuch) / Bastian Zach Testbericht

ab 12,21
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von templerthomas

Schwache Fortsetzung. Von wegen historischer Thriller...

2
  • Niveau:  sehr anspruchslos
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  jedermann

Pro:

s.B.

Kontra:

s.B.

Empfehlung:

Nein

=== Vorwort, Kaufgrund und Inhaltsangabe ===

Morbus Dei: Inferno ist der zweite Teil einer Trilogie über eine seltsame Krankheit im Österreich des beginnenden 18. Jahrhunderts. Der erste Teil spielte in einem abgeschiedenen Tiroler Bergdorf und gefiel mir sehr gut. Die Geschichte um den Deserteur Johann der in dem Dorf untertauchen konnte und seine Liebe Elisabeth war spannend und interessant. Band 1 war dazu zeitlich authentisch und vermittelte sehr gut die damaligen Lebensverhältnisse in einem Tiroler Dorf.

Insofern war es für mich klar auch den zweiten Band zu kaufen. Die Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts erschien mir auch gut gewählt. Das normale Volk lebte in Unwissenheit und Armut. Dazu kamen Seuchen wie die Pest und Kriege. Österreich war 1701 im Krieg mit Frankreich, Spanien und Piemont.

Vor allem wollte ich aber wissen wie die Geschichte mit Johann, Elisabeth und Elisabeths Vater weitergeht.

Dazu mal der Buchtext (Zitiert):
Worum gehts:
Tyrol, 1704: Johann und Elisabeth sind mit knapper Not aus dem Dorf geflohen und schlagen sich Richtung Wien durch. Als sie nach vielen Gefahren ihr Ziel erreichen, scheint eine sichere gemeinsame Zukunft in greifbare Nähe gerückt - bis Feinde aus Johanns Vergangenheit auftauchen. Zu allem Übel bricht plötzlich eine rätselhafte Krankheit aus, die sich wie ein Leichentuch über Wien legt. Die alte Kaiserstadt wird zur Todesfalle, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt ...
Spannend, atmosphärisch und dramatisch - mit Inferno entführen Zach und Bauer den Leser in eine Welt, in der Tod und Finsternis, aber auch Mut und Hoffnung allgegenwärtig sind.

Daten:
Autor: Zach / Bauer
Titel: Morbus Dei: Inferno
Verlag: Haymon
Erschienen: 2012
ISBN-10: 3852188792
ISBN-13: 9783852188799
Seiten: 362
Kosten: 12,95€
Band 3 erscheint 2013

Autoren

Bastian Zach, geboren 1973 in Leoben. Selbständiger Grafik-Designer, Schnitt- & Synchronregisseur. Gemeinsam produzierten Matthias Bauer und Bastian Zach die preisgekrönte Kurzfilme. Matthias Bauer, geboren 1973 in Lienz. Studium der Geschichte und Volkskunde in Innsbruck, Tätigkeiten im Verlags- und Ausstellungsbereich sowie in der Erwachsenenbildung.

=== Eigene Meinung ===

Als Leser verfolgte ich nun also den weiteren Lebensweg von Elisabeth und Johann. Johann rächt sich zuerst an einem hinterhältigen Bauer und bekommt dann Probleme mit einem Wolfsrudel. Vor dem rettet ihn ein Jesuit. Der spielt dann in weiterer Folge eine bedeutende Rolle im Buch. Johann und Elisabeth kommen nach Wien. Johann trifft dort einen guten Freund aus seiner Soldatenzeit, leider aber auch einen alten Feind aus derselben Zeit. Elisabeth trägt die Krankheit in sich und verbreitet sie unabsichtlich...

Das klingt eigentlich auch noch spannend aber schon der erste Teil des Buchs lässt den Schwung von Band 1 vermissen. Es ist ziemilch klar wie die jeweiligen Begebenheiten ausehen und diese Vorhersehbarkeit zieht sich durchs ganze Buch.

Sprachlich ist das Buch leider auch schwach. Seitenweise werden Dialoge aneinandergereiht. Von den Rechtschreibfehlern ganz zu schweigen - aber da bin ich aufgrund meiner eigenen Schwäche immer sehr großzügig.

Leider ist die Charakterentwicklung im Buch weitaus einseitiger als in Band 1. Es gibt nur noch Gut und Böse. Und die Bösen sind dabie absolut klischeehaft.

Der sadistische Inquisitor und der ultraböse Offizier. Dazu gewissenlose Stadtpolitiker...


Dazu auch gleich meine Leseprobe von Seite 254 - die leider zeigt wie gedankenlos im zweiten Band mit den Charakteren umgegangen wurde. Der Bösewicht soll hier noch unsympathischer gemacht werden und verursacht einen sinnlosen Mord. Der hätte einem österreichischen Offizier damals aber sehr wohl geschadet. Im Buch bleibt der Mord ohne Konsequenz!

Ferdinand Philipp von Pranckh nahm ein Bad in einem Holzzuber. Wasserdampf stieg auf und füllte den Raum. Ein zufriedenes Lächeln zierte von Prannchks Gesicht. Nicht nur hatte er mit der erfolgreichen Verhaftung Johann Lists Eindruck beim französischen Gesandten Gamelin schinden können, er würde in wenigen Stunden wieder das Vergnügen haben, seine Befragung fortsetzen zu können.
Außerdem hatte er eine vorzügliche Sicht auf das Hinterteil eines hübschen Stubenmädchens, das emsig bemüht war, die Laken seines Bettes zu straffen und ihm dabei immer wieder verschmitzte Blicke zuwarf.
Von Pranckh seifte sich die Arme ein, und als das Stubenmädchen hersah, ließ er die Seife in die Wanne fallen.
„Wärst du wohl so freundlich“, sagte er mit einem gespielt unbeholfenen Lächeln.
Das Stubenmädchen kam ans Ende der Wanne, wischte sich die Stirnfransen aus dem verschwitzten Gesicht und raffte sich den Ärmel ihrer Bluse hoch. Dann beugte sie sich zu ihm und griff suchend in die Wanne.

Bevor es aber nun zum Spaß mit dem Stubenmädchen namens Luise kommt stürmt ein Bote mit einer negativen Nachricht für von Pranckh in den Raum.
Der Bote geht, Luise möchte dort weitermachen wo der Bote gestört hat...

Von Pranckh stieß einen Wutschrei aus und schlug Luise ins Gesicht. Er sprang aus der Wanne und riss das Mädchen an den Haaren hoch. Bevor sie wusste, wie ihr geschah, drückte er sie unter Wasser.
Das Stubenmädchen begann in Todesangst zu strampeln und um sich zu schlagen, aber das machte von Pranckh nur noch wütender.

Er drückte sie mit all seiner Kraft in die Wanne.

Ihre Bewegungen wurden langsamer und ruckartiger.
Mit letzter Kraft schlug Luise mit dem Fuß nach hinten aus und traf von Pranckh zwischen die Beine. Dieser stöhnte, ließ sie blitzartig los. Luise schnellte mit dem Kopf aus dem Wasser und stürzte zu Boden. Sie rang nach Luft, Lichtblitze tanzten vor ihren Augen, was hatte sie –
Plötzlich war er wieder über ihr, sie fühlte seine Hände an ihrem Hals, sah seine weit aufgerissenen Augen, von blutroten Fäden durchzogen.
Es schien ihr, als blickte sie dem Teufel in die Fratze.
Dann stieß er sie mit aller Kraft weg, das Stubenmädchen stolperte rückwärts durchs Fenster und fiel...
Von Pranckh stand schwer atmend da, er hörte, wie der Körper unten auf den Pflastersteinen aufprallte.
...
Von Pranckh grinste. Ein Gefühl der Erleichterung stieg in ihm auf.
(Leseprobe Ende)

Dazu gibts wirklich massig Fehler und einen sehr banalen Schreibstil. Fast alles läuft über Dialoge und das ermüdet auf Dauern. Nachdem ich zuvor den genialen Lehane gelesen habe empfand ich dieses Buch wie einen Abstieg von der Champions League in die 2. Bundesliga von Österreich.

Kommen wir nun aber auch mal zu was positivem. Trotz ist der Roman noch unterhaltsam und nicht ganz schlecht. Überzeugend ist die Liebe zwischen den Elisabeth und Johann. Das Buch liest sich flüssig und hat einige gelungene Szenen. Vor allem bleiben die Krankheitshintergründe interessant - sodaß ich eventuell doch noch den 3. Teil lese.

Teil 2 ist aber leider misslungen.

Der erste vernichtende Kritikpunkt ist aber dass die Story in Wien nicht funktioniert.
Tausende Wiener stecken sich über wenige Stunden über Blut an? Über die Luft ok aber über Blut - absolut lächerlich. Was im Tiroler Dorf sehr gut funktioniert wird in Wien zur Farce.

Der zweite vernichtenden Kritikpunkt ist dass das Buch historisch total daneben ist. Schade da Band 1 historisch sehr passend war und die damalige Zeit gut eingefangen hat. Ein Buch das als "historischer Thriller" verkauft wird muss da genauer sein. Wenn man es nur als Fantasy sieht kann man es lockerer sehen, aber wenn es in der damaligen Zeit spielt dann sollten die Spielregeln dieser Zeit nicht verändert werden. Ein Bürgermeister in Wien konnte damals nicht Tausende Menschen töten lassen. Leopold I, damals absoluter Herrscher von Österreich und deutscher Kaiser wird im Buch nicht mal erwähnt.
Er hätte den Bürgermeister oder einen kleinen Inquisitor sicherlich nicht frei walten lassen. Er hätte einen guten Bösewicht abgegeben. So vertrieb er alle Juden aus Wien (worauf ihr ehemaliges Gebiet in Leopoldstadt umbenannt wurde), verfolgte die Protestanten und begann Kriege ohne Kriegserklärung (damals nicht üblich). Vor allem hätte er die Zügel in seiner Residenzstadt Wien nie aus der Hand gegeben.

Der Roman ist insofern totaler Blödsinn. Auch was den Bösewicht anbelangt. Ein österreichischer Offizier durfte ungestraft kein Stubenmädchen töten. Die Geschichte um den Verrat mit den Franzosen ist auch arg konstruiert.

Daher nur 2 Sterne. Leider.

38 Bewertungen, 3 Kommentare

  • katjafranke

    23.08.2012, 11:40 Uhr von katjafranke
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sonnige Grüße..KATJA

  • diefreche

    22.08.2012, 04:43 Uhr von diefreche
    Bewertung: besonders wertvoll

    Klasse Bericht. Sehr informativ. LG Andrea

  • Baby1

    22.08.2012, 03:02 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.