Sieben Tage ohne (Taschenbuch) / Monika Peetz Testbericht

ab 6,58
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Neuer Morgen. Neue Chancen. Neue Pläne.“

Pro:

Tiefgang, Nachfühlbarkeit, unterschiedlichste Charaktere, hoher Identifikationsfaktor

Kontra:

nicht so humorvoll wie die ersten Seiten vermuten lassen

Empfehlung:

Ja

„Judith war die Einzige, die zur abgesprochenen Zeit im Le Jardin erschienen war. Judith hatte weder Familie noch einen Partner oder einen anspruchsvollen Beruf. Sie hatte nichts und niemanden, der sie davon abhielt, pünktlich zu sein. Alleine an einem eingedeckten Fünfertisch zu sitzen, war eine Qual für Judith. Nervös rutschte sie auf ihrem Stuhl herum. Sie fühlte die mitleidigen Blicke der anderen Gäste. Wenn sie wenigstens ein Smartphone hätte. Wer online war, wirkte beschäftigt und wichtig.“
(Zitat, S. 14)

Aus einer überzeugten Laune heraus, dringend mal wieder ein durchweg unterhaltsames Buch zu lesen, griff ich spontan zu Monika Peetz' 333seitigen Roman

“Sieben Tage ohne“

obschon ich mit dem vorangegangenen Teil „Die Dienstagsfrauen“ alles andere als vertraut bin. Ein Umstand, der in diesem Fall völlig irrelevant ist, knüpft „Sieben Tage ohne“ zwar irgendwie an die dortigen Ereignisse an, lässt den unwissenden Leser jedoch keinesfalls im Regen stehen. Dinge, die für den aktuellen Kontext wichtig sind, griff die Autorin erneut auf, ohne in mir das Gefühl zu erwecken, dass Kenner sich somit gelangweilt fühlen könnten. Vielmehr wirken jene Passagen, die immerfort wie nebensächlich in den Text eingewoben wurden, wie kleine Erinnerungseckpfeiler, um wirklich jeden potentiellen Bücherwurm an Bord zu holen.

Schnell begriff ich somit, dass die (zumindest in diesem Band) eigentliche Hauptperson Eva seit Jahren versucht, etwas über ihren ihr absolut unbekannten Vater in Erfahrung zu bringen. Ihre Mutter Regine schweigt sich hierzu beharrlich aus, so dass Eva die Hoffnung beinahe begraben hat. Erst ein Treppensturz von Regine, der einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus nach sich zieht sowie eine jählings auftauchtende alte Fotografie ans Tageslicht befördert, sorgt für neue Anhaltspunkte. Eva beschließt kurzerhand, ihre vier Freundinnen zu einer Woche Heilfasten in Altmühltal zu bewegen ~ den eigentlichen Grund, um genau dort „Urlaub“ zu machen, kann sie ja immer noch vor Ort offenbaren...

Die Umsetzung

konzentriert sich nicht ausschließlich auf Eva, sondern wechselt in der neutralen Erzählperspektive immerfort die Blickwinkel, um die ungleichen Lebenserfahrungen der Freundinnen gleichermaßen spannend vorzubringen.
Meiner Vermutung nach wird ein jeder Leser sich in eine andere Figur hineinversetzen können; ein Aspekt, der der Lektüre zweifelsfrei zu Gute kommt.

Caroline, die sich nach den dauernden Seitensprüngen ihres Mannes langsam aber stetig wieder ihrer Gefühle bewusst wird; Judith, die an ihrer gefühlten Einsamkeit zu Grunde gehen droht; die frischgebackene Mutter Kiki, die von ihren Schwiegereltern nahezu geächtet wird; Estelle, die immerfort einen sarkastischen Spruch auf den Lippen hat und oft gar nicht merkt, wie sehr sie anderen Leuten damit vor den Kopf stößt ~ diese bunte Mischung sorgt für eine durchaus fluffige Lektüre, die ich binnen kurzer Zeit komplett durchlas.

Winzige Langatmigkeiten drohen lediglich in etwas ausufernden Detailbeschreibungen Platz zu nehmen, wurden erfreulicherweise jedoch durch immer wieder aufkommenden Schwung, sich überschlagende Wendungen wie überraschende Kleinigkeiten aus dem Weg gefegt.

Besonders positiv hervorzuheben hierbei, dass „Sieben Tage ohne“ hierbei zu keiner Stelle allzu überladen wirkt, sondern vielmehr konstant authentisch, bodenständig und greifbar zu Papier gebracht wurde.
Bemerkenswert ferner zig wahrhaftig kluge Passagen, die mich als Leser hier und dort innehalten ließen, um kurz über die entsprechenden Zeilen zu sinnieren. Als Beispiel hierfür darf der nachfolgende Absatz dienen:

„Du kannst dich glücklich schätzen, so einen Mann zu haben“, hörte Kiki überall. Manchmal verstand sie die Welt nicht mehr. Kümmerte Max sich neben seiner Abschlussarbeit um Greta, bekam er Applaus, kümmerte Kiki sich neben Greta um ihre Karriere, zogen alle die Augenbrauen hoch und fragten, warum man dann überhaupt ein Kind bekam. Nahm Max Greta zu einem beruflichen Termin mit, wurde er als Übervater gefeiert, tat sie dasselbe, galt sie als unprofessionell. Niemand fand, dass Max sich glücklich schätzen konnte, mit Kiki zusammen zu sein.“
(Zitat, S. 104)

Dessen ungeachtet ist es Fakt, dass vieles, was „Sieben Tage ohne“ locker auf den Punkt bringt, durchaus fluffig-unterhaltsam formuliert wurde, keinesfalls jedoch wirklich lustig ist. Wer sich wie ich hier eine Lektüre erhofft, die aufgrund kongenialer Formulierungen den Leser vor Lachen förmlich von der Couch wirft, der wird unfreiwillig ein wenig enttäuscht werden.

So sehr mich der Roman für sich einnahm, so wenig fühlte ich mich tatsächlich bespaßt. Vieles ist im äußersten Ansatz amüsant und lockt vielleicht ein müdes Lächeln hervor ~ eine Art Tommy Jaud / Evelyn Sanders Humor sollte man hier jedoch nicht erwarten.
Was in der Tat keineswegs etwas Schlechtes darstellt.

Gekichert habe ich persönlich inmitten des Leseprozesses somit eher nicht; dessen ungeachtet sich das Buch durch und durch warmherzig und überaus lebendig anfühlt. Diverse Alltagsskurilitäten nahm die Autorin gekonnt auf die Schippe, blieb dabei immerfort in der Art Erzählspur, dass man sich als Leser förmlich in die Szenerien hineingehoben fühlte.
Je mehr sich „Sieben Tage ohne“ dem Finale näherte, desto konstruierter wirkten manche vermeintliche Nebensächlichkeiten. Ein paar etwas zu glatte, zu hopplahopp und vielleicht doch a bisserl weit hergeholte Vorgänge schmälerten den Lesegenuss für mich persönlich höchstens marginal. Großer Pluspunkt meinerseits dafür, dass Monika Peetz sich hinsichtlich der einzelnen Figuren für kleine offene Enden entschied, die unbestreitbar durchaus auf positivste Möglichkeiten hinweisen, diese jedoch nicht zwangsläufig nach sich ziehen müssen.

Das von mir so verschmähte ultimativ-Happy-End wurde somit wunderbar umschifft und hinterlässt in mir durchaus den Eindruck, einen sehr gelungene Roman gelesen zu haben.
Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass „Sieben Tage ohne“ auf die Art und Weise endet, die eine Fortsetzung denkbar, aber nicht zwingend notwendig macht.

Summa summarum

bereue ich es erneut mitnichten, ein etwas rundgelesenes Exemplar des Romans über Tauschticket ergattert zu haben. Ebensowenig wäre mir rückblickend betrachtet der Kaufpreis über 9,99 Euro negativ aufgestoßen, stellt „Sieben Tage ohne“ für mich eine Lektüre dar, die man sehr gut bei Wind & Wetter wie auch knalligen Sonnenschein lesen kann.

Lauthals aufgelacht habe ich de facto nicht, wurde dementgegen durch zig Tiefgründigkeiten wie bittersüße nebst schmerzlichen Passagen derartig gefangengenommen, dass ich nicht mal in Versuchung komme, hier einen einzigen Wertungspunkt in Abzug zu bringen.

22 Bewertungen, 10 Kommentare

  • Sandra199

    27.03.2013, 09:24 Uhr von Sandra199
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Sandra

  • allegra1805

    25.03.2013, 23:58 Uhr von allegra1805
    Bewertung: besonders wertvoll

    und LG

  • Lucky130

    25.03.2013, 07:50 Uhr von Lucky130
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG!

  • Lale

    24.03.2013, 18:45 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • Clarinetta2

    24.03.2013, 15:44 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: besonders wertvoll

    ein lesenwerter bericht, obwohl mich nicht inspiriert-bw

  • bella.17@live.de

    24.03.2013, 15:31 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Annabelle

  • mausi1972

    24.03.2013, 14:43 Uhr von mausi1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße Marion

  • wurmi2010

    24.03.2013, 13:36 Uhr von wurmi2010
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und viele Grüße

  • katjafranke

    24.03.2013, 12:31 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße von der KATJA

  • monagirl

    24.03.2013, 11:59 Uhr von monagirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruß Mona